Wettbewerbsintensität
Als Wettbewerbsintensität wird in der Wettbewerbstheorie und der Wirtschaft der Grad der wechselseitigen Abhängigkeit (Interdependenz) der Konkurrenten untereinander bezeichnet.
Allgemeines
Um der Wettbewerbspolitik und der Wettbewerbstheorie Anhaltspunkte für erstrebenswerte Wettbewerbsverhältnisse zu geben, wurde versucht, eine optimale Wettbewerbsintensität zu bestimmen.<ref>Hans-Rudolf Peters, Wirtschaftspolitik, 2000, S. 181</ref> Mit der Wettbewerbsintensität wird gemessen, inwiefern es Wettbewerber im relevanten Markt verstehen, sich durch ihr Marktverhalten zu differenzieren.<ref>Edward Oczkowski/Mark Anthony Farrell, Discrimination between Measurement Scales: The Case of Market Orientation, in: International Journal in Research and Marketing 15, 1998, S. 355</ref> Sie ist die Geschwindigkeit, mit der Pioniergewinne von Konkurrenten wieder aufgezehrt werden.<ref>Jürg Niehans, Das ökonomische Problem des technischen Fortschritts, in: Swiss Journal of Economics and Statistics 90 (2), 1954, S. 156</ref>
Gesteigerte Wettbewerbsintensität wird ausgelöst, wenn in homogenen Märkten Preiskämpfe mit Verdrängungswettbewerb zum Ausbau von Marktführerpositionen stattfinden oder wenn Wettbewerber durch Produktdifferenzierung, Produktvariation oder Nischenstrategien versuchen, ihre Marktanteile zu erhöhen.<ref>Konrad Liessmann (Hrsg.), Gabler Lexikon Controlling und Kostenrechnung, 1997, S. 760</ref> Die günstigsten Voraussetzungen für eine hohe Wettbewerbsintensität liegen bei einem weiten Oligopol mit mäßiger Produktdifferenzierung vor.<ref>Michael Hohlstein, Lexikon der Volkswirtschaft, 2009, S. 759</ref>
Arten
Unterschieden wird allgemein zwischen der effektiven und der potenziellen Wettbewerbsintensität.<ref>Erhard Kantzenbach, Die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs, 1967, S. 45; ISBN 9783525122181</ref> Ihr Unterschied liegt in wettbewerbsbeschränkenden Wettbewerbsabreden, welche die potenzielle Wettbewerbsintensität beeinträchtigen. Die potenzielle Wettbewerbsintensität ist mithin diejenige, bei welcher die Marktteilnehmer keine Wettbewerbsbeschränkungen absprechen. Mit zunehmender Anzahl an Anbietern sind Abreden immer schwerer zu vereinbaren, so dass sich die effektive an die potenzielle Wettbewerbsintensität annähert.<ref>Michael Fritsch, Marktversagen und Wirtschaftspolitik, 2014, S. 196</ref>
Volkswirtschaftslehre
Erste Forschungen gingen von Almarin Phillips aus, der 1962 einen Zusammenhang zwischen Wettbewerbsintensität (die er {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) nannte) und Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs verneinte.<ref>Almarin Phillips, Market structure, organization, and performance: An essay on price fixing and combinations in restraint of trade, 1962, S. 1 ff.</ref> Für ihn steigt die Wettbewerbsintensität mit zunehmender Anbieterzahl, so dass sie den Gegensatz zur Unternehmenskonzentration darstellt.
Die wettbewerbspolitische Konzeption der optimalen Wettbewerbsintensität geht auf Erhard Kantzenbach (1967) zurück. Er hat sich zwar auf Aussagen von Phillips gestützt, aber diese nur teilweise übernommen. Maßstab der Wettbewerbsintensität ist Katzenbach zufolge die Geschwindigkeit, mit der durch Produktinnovation bedingte Pioniergewinne von der Konkurrenz wieder zum Verschwinden gebracht werden.<ref>Erhard Katzenbach, Die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs, 1967, S. 38/41</ref> Die potenzielle Wettbewerbsintensität erreicht im Duopol mit zwei Anbietern und dem höchsten Grad der Marktvollkommenheit (homogene Güter, vollkommene Markttransparenz) ihr Maximum, während sie im Polypol am geringsten ist.<ref>Hans-Rudolf Peters, Wirtschaftspolitik, 2000, S. 181; ISBN 9783486805123</ref> Allerdings nimmt mit wachsender potenzieller Wettbewerbsintensität das Ausmaß der Wettbewerbsbeschränkungen zu.<ref>Erhard Katzenbach, Das Konzept der optimalen Wettbewerbsintensität, in: Friedrich Lütge/Erich Preiser (Hrsg.), Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 181, 1967, S. 226</ref> Die Wettbewerbsintensität ist mithin eine abhängige Variable der Marktform. Ähnlich wie bei Phillips kommt es bei Kantzenbach zu einer überoptimalen Wettbewerbsintensität, im Gegensatz zu Phillips aber nicht bei zu großer, sondern bei zu niedriger Anbieterzahl.
Betriebswirtschaftslehre
Nach Michael E. Porter gibt es fünf betriebswirtschaftliche Determinanten ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) der Wettbewerbsintensität:<ref>Michael E. Porter, Competitive Strategy, 1999, S. 27 ff.</ref><ref>Rüdiger Pieper, Lexikon Management, 1992, S. 407</ref>
- Konkurrenzintensität: Branchenwachstum, Anzahl und Betriebsgröße der Konkurrenten, Marktsättigung, Produktdifferenzierung, Marktsegmentierung, Preispolitik und Marktaustrittsbarrieren;
- Markteintritt: Economies of Scale, Produktdifferenzierung, Marktsegmentierung, Kapitalbedarf, Zugang zum Groß- und Einzelhandel, staatliche Marktzutrittsschranken, mögliche Vergeltungsmaßnahmen der Konkurrenz, Markteintrittsbarrieren;
- Substitutionsgefahr: Preis-Leistungs-Verhältnis der Substitutionsgüter, Umstellungskosten, Substitutionsneigung der Güternachfrage;
- Verkäufermarkt: Unternehmenskonzentration, Marktvolumen, Vorwärtsintegration;
- Käufermarkt: Konzentration der Käufer, Anteil eines Produktes an den Gesamtkosten beim Abnehmer, Rückwärtsintegration, Grad der Standardisierung, Substitutionsgüter, Preisempfindlichkeit.
Es ist davon auszugehen, dass die einer hohen Wettbewerbsintensität ausgesetzten Unternehmen genauer auf ihre Kostenstruktur achten.<ref>Franz Krump, Diffusion prozessorientierter Kostenrechnungssysteme, 2003, S. 133</ref> Das Marktergebnis ist auch bekannt als SCP-Ansatz ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)).
Messung
Mit der absoluten Konzentrationsrate lässt sich ausdrücken, welcher Marktanteil auf die größten Unternehmen entfällt.<ref>Rainer Diaz-Bone/Christoph Weischer (Hrsg.), Methoden-Lexikon für die Sozialwissenschaften, 2015, S. 229</ref> Die Konzentrationsrate <math>CR_n</math> besagt, wie viel Prozent einer ökonomischen Größe (Umsatzerlös, verkaufte Zeitungen) die <math>n</math> größten Unternehmen auf sich vereinen.<ref>Thomas Cleff, Deskriptive Statistik und moderne Datenanalyse, 2008, S. 67</ref> Wenn beispielsweise auf einem Markt fünf Unternehmen mit einem gleichen Marktanteil von 20 % agieren, dann gibt die <math>CR_2</math> für die zwei größten Unternehmen einen Wert von <math>CR_2</math>
- <math>CR_2 = 0,2 + 0,2 = 0,4</math>
an. Der Wettbewerb ist umso schwächer, je weniger Marktteilnehmer vorhanden sind (absolute Konzentrationsrate) oder je ungleichmäßiger die Verteilung des Marktvolumens auf die Marktteilnehmer ist (relative Konzentrationsrate).<ref>Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaft, 2003, S. 431</ref> Die Wettbewerbsintensität steigt bei sinkenden Konzentrationsraten und sinkt bei steigenden Konzentrationsraten. Eine geringe Marktkonzentration liegt bei einer Konzentrationsrate zwischen 0 % und 50 % vor, während von einer hohen Marktkonzentration zwischen 80 % und 100 % gesprochen wird.<ref>Anne-Kathrin Dimmig, Innovationsverhalten bei Risiko und fundamentaler Unsicherheit, 2010, S. 112</ref>
Wirtschaftliche Aspekte
Bei hoher Wettbewerbsintensität können sich die Wettbewerbsfunktionen voll entfalten. In einem Markt mit nur zwei Anbietern (Duopol) führt die Erhöhung des Marktanteils eines Anbieters zu einem sinkenden Marktanteil des Konkurrenten, was einer hohen Wettbewerbsintensität entspricht, während sich im Polypol die Marktanteile vieler Anbieter nur geringfügig vermindern.
Literatur
- Erhard Kantzenbach: Die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs, Göttingen 1966.
Einzelnachweise
<references />