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Wernau (Adelsgeschlecht)

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Datei:Wernau-Scheibler183ps.jpg
Wappen der Familie nach dem Scheiblerschen Wappenbuch
Datei:Siegel Wernau auf Urkunde 1606 BaWü B 130 S U 169.png
Das Wernausche Siegel an einer Urkunde von 1606 von Wilhelm und Konrad von und zu Wernau (Werdnaw)

Die Familie von Wernau ist ein altes schwäbisches Adelsgeschlecht.

Geschichte

Namensgebender Stammsitz ist die ehemalige Burg Wernau in dem Weiler Wernau, heute Ortsteil von Erbach. Die Stadt Wernau im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg entstand erst 1938 durch den Zusammenschluss der beiden Gemeinden Pfauhausen und Steinbach. Maßgeblich für diese Umbenennung waren die Ortsherrschaft und der Güterbesitz der Herren von Wernau in den beiden Orten.

Ursprünge im Ulmer Raum und auf dem Hochsträß

Die Familie ist mit Heinrich von Wernau als Zeuge des Grafen Ulrich von Berg 1264 erstmals urkundlich erwähnt<ref>Graf Ulrich von Berg schenkt dem Kloster Marchtal sein Eigentumsrecht an dem, von seinem Dienstmann Rudolf von Maselheim demselben verkauften, ihm selbst seither lehenbaren Zehentanteile in Volkersheim. In: Württembergisches Urkundenbuch Online. Landesarchiv Baden-Württemberg, 15. November 1264, abgerufen am 21. Mai 2024.</ref>. In älteren Urkunden wird auch der Beiname Muskunic erwähnt (H[einricus] miles dictus Muskunic et Conradus frater suus dictus de Werdenowe)<ref>Heinrich von Gottes Gnaden Graf von Schelklingen (Schalkelingen) schenkt dem Komtur und den Brüdern des Deutschen Hauses zur hl. Maria in Ulm seinen Hof in Dellmensingen (Talmascingen). In: Württembergisches Urkundenbuch Online. Landesarchiv Baden-Württemberg, 1. Juni 1277, abgerufen am 21. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Sie waren Ministerialen der Grafen von Berg-Schelklingen (daher der Schrägrechtsbalken im Wappen) und der Herren von Steußlingen (Alb-Donau-Kreis).

Zunächst hatten die Herren von Wernau ausgedehnten Güterbesitz insbesondere auf dem Hochsträß (Altheim, Burg Gleißenburg) und in der Stadt Schelklingen, wo sie das sogenannte Wernauer Schlößle besaßen (seit 1698 Spital zum Heiligen Geist). Enge Beziehungen hatte das Geschlecht auch zum Kloster Urspring, in welches mehrere weibliche Familienmitglieder als Nonnen eintraten. In die Urspringer Klosterkirche stiftete die Familie von Wernau 1473 einen Familienaltar, die sog. Wernausche Kaplanei, welche vom Wernauer Kaplan, der in Schelklingen im Wernauschen Kaplaneihaus wohnte, betreut wurde.

Datei:Pleickhard von Helmstatt Stammbäume img0118.jpg
Pleickhard von Helmstatt: Stammbaum der Familie Wernau; Darmstadt, um 1612

Ausbau der Herrschaft im mittleren Neckarraum

Später verlagerten sich Besitz und Lebensraum der Herren von Wernau in den mittleren Neckarraum. Um 1400 erwarben sie die Stadt Wendlingen, den Freihof in Kirchheim unter Teck<ref></ref> und Güter in Pfauhausen und in Steinbach.

Durch die Heirat mit Catharina von Mansberg hatte der Ritter Hans von Wernau († 1. September 1395) erste Verbindungen zum Kirchheimer Raum geknüpft.<ref>Rolf Götz: Weilheim im Spätmittelalter: Von der Stadtgründung im Jahre 1319 bis in die Zeit um 1500. In: Manfred Waßner (Hrsg.): Weilheim - Die Geschichte der Stadt an der Limburg. GO Druck Media Verlag, Kirchheim unter Teck 2007, ISBN 978-3-00-021110-2, S. 88 ff.</ref>

Stadtherrschaft in Wendlingen

Dessen Sohn, der Edelknecht Hans von Wernau († 1426) heiratete Elisabeth von Ehrenberg († 1389), die Witwe des Wendlinger Stadtherren Kraft von Lichteneck. Nach dem Tode seiner Frau, deren Grabmal sich in der Wendlinger Kirche St. Eusebius erhalten hat, konnte der Wernauer seine Ansprüche auf Burg und Stadt Wendlingen gegen andere Angehörige der Familie Lichteneck durchsetzen<ref>Märklin von Lichteneck d. A., Merklin sein Sohn und Fritz von Westerstetten von Drackenstein genannt Schöplin beurkunden ihr Übereinkommen mit Hans von Werdnau wegen der Burg Wendlingen mit Gütern zu Unterensingen, Owen, Cannstatt und Türkheim. In: Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Landesarchiv Baden-Württemberg, 8. Januar 1395, abgerufen am 19. April 2026.</ref> und so die wernauische Stadtherrschaft begründen, die bis zum Verkauf der Stadt an Württemberg im Jahre 1545 dauerte. In der Eusebiuskirche befindet sich ein Erbbegräbnis der Familie.

Freihof in Kirchheim unter Teck

Einen zweiten Sitz hatte Hans von Wernau in Kirchheim, wo er den Freihof besaß. Am 15. Juni 1426 verstorben wurde er in der Kirchheimer Pfarrkirche beigesetzt. Dort im Langhaus der Martinskirche war nach einer Notiz von 1592 ein großer Stammbaum der Wernauer gemalt<ref></ref>. Dieser zeigte – von oben genannten Ritter Hans von Wernau ausgehend – fünf Generationen der Wernauer in 27 Bildern mit entsprechenden Schildern.

Pfandschaftsrecht über Weilheim an der Teck

Von 1432 bis 1478 besaß ein Zweig der Familie Pfandschaftsrechte in Weilheim an der Teck<ref>Erinnerung an einen Brudermord. 5. November 2022, abgerufen am 12. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, wo sie im Stadtschloss residierten. Dieses erweiterten sie 1469 um den einzig noch erhaltenen Südflügel (Löwenscheuer)<ref>Weilheim an der Teck - Altgemeinde~Teilort - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 12. Januar 2024.</ref>.

Ortsherrschaft über Unterboihingen, Bodelshofen und Pfauhausen

Im Jahr 1474 erlaubten die Grafen Ulrich V. und Eberhard VI. von Württemberg den Brüdern Georg und Ulrich von Wernau zu Wendlingen die Aufrichtung eines eigenen Niedergerichts in Pfauhausen.<ref>Die Grafen Ulrich V. und Eberhard VI. erlauben den Brüdern Jörg und Ulrich v. Wernau, in Pfauhausen, das ein Muntat ist, ein eigenes bestabtes Gericht zu setzen, wogegen ihnen gestattet wird, ihre armen Leute daselbst einmal zu schätzen. In: Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Landesarchiv Baden-Württemberg, 7. Januar 1474, abgerufen am 12. Januar 2025.</ref>

Wenige Jahre später 1479<ref></ref> verkaufte Georg von Wernau die Burg zu Pfauhausen an die Brüder Wilhelm († 4. April 1497), Hofmeister der Barbara Gonzaga, und Ludwig d. Ä. († 10. Mai 1498) aus der Weilheimer Seitenlinie.<ref>Jerg von Wernau zu Pfauhausen verkauft den edlen und strengen Wilhelm, Ritter, und Ludwig von Wernau, Gebrüder, um 5500 rheinische Gulden Pfauhausen, Burg und Dorf mit Leuten, Gütern, Gerichten, Zwing und Bann, allen Zinsen usw., insbesondere auch die Gült zu Reichenbach laut eines besiegelten Registers. In: Staatsarchiv Ludwigsburg. Landesarchiv Baden-Württemberg, 1471, abgerufen am 12. Januar 2025.</ref>

Sieben Jahre später Im Jahre 1486 erwarben diese vom Kollegiatstift Heilig Kreuz zu Stuttgart unter Propst Ludwig Vergenhans, einem der engsten Berater Graf Eberhards im Bart, die benachbarte Kirche St. Erasmus um 1000 Pfund Heller.<ref>Ludwig Vergenhans, beider Rechte Doktor, Propst, und das Kapitel des Heiligen Kreuzes in der Stiftskirche zu Stuttgart, verkaufen mit Erlaubnis des Heiligen Stuhls, laut päpstlicher [inserierter] Bulle vom 11. Mai 1465 über die Veräußerung kirchlicher Güter dem Wilhelm von Wernau, Ritter, und Junker Ludwig von Wernau, Brüdern, ihren Widemhof zu Pfauhausen mit Kirchensatz und Kirche daselbst, mit Patronatsrecht, Zehnt, Lehenschaft der Pfarre und aller Zubehör um 1000 Pfund Heller Württemberger Währung. In: Staatsarchiv Ludwigsburg. Landesarchiv Baden-Württemberg, 23. Februar 1486, abgerufen am 10. Januar 2025.</ref>

Konsolidierung der Herrschaft und Familienchronik von 1592

Während bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts noch weitere Erwerbungen den Besitz vergrößerten und abrundeten, waren die von Wernau ab Mitte des 16. Jahrhunderts wegen zunehmender Verschuldungen zu Verkäufen gezwungen. Als 1552 der Verwandte Hans von Ehingen kinderlos gestorben war, ging dessen Besitz an vier Brüder aus der Familie Wernau über.

Verkauf von Wendlingen und Residenz in Bodelshofen 1545

1545 verkaufte Heinrich von Wernau die Stadt Wendlingen an Württemberg und zog sich nach Bodelshofen zurück, wo er sich auf Kosten von Herzog Ulrich von Württemberg seine neue Residenz errichten ließ. Es handelte sich dabei um „seine fürstliche Gnaden Behausung im Kirchheimer Tiergarten“. Es wurde dort abgebrochen und in Bodelshofen wieder aufgebaut.<ref>Gerhard Hergenröder: Bodelshofen - die Geschichte eines Sonderwegs. In: Stadt Wendlingen am Neckar (Hrsg.): Schriftenreihe zur Stadtgeschichte. Band 3.. Wendlingen 1993, S. 20 f.</ref>

Übergang Pfauhausens an die Unterboihinger Linie

Nach dem Tode Hans Ludwigs von Wernau am 26. Juli 1560 fiel das Erbe Pfauhausen an die Unterboihinger Linie. 1557 war Hans Veit von Wernau, der jüngste Sohn von Veit von Wernau, in das Unterboihinger Erbe eingetreten. Er war mit Anna von Rechberg, Tochter des Conrad von Rechberg zu Plochingen und dessen Frau Catharina, verheiratet und wohnte im Schloss zu Unterboihingen. Deren gemeinsamem Sohn Conrad (* 26. November 1561; † 8./18. August 1630) fiel das Erbe Pfauhausen zu. Nach dem Tode seiner ersten Frau Anna am 31. Mai 1566 heiratete er 1574 ein zweites Mal, und zwar Anna von Kaltental zu Hofen.

Neubau des Pfauhausener Renaissance-Schlosses und Familienchronik des Valentin Salomon von Fulda von 1592

Hans Veit, Bauherr des Schlosses Pfauhausen, beauftragte 1592 Valentin Salomon von Fulda<ref>Genealogische Kollektaneen (Valentin Salomon von Fulda). Abgerufen am 21. Mai 2024.</ref> mit der Verfassung einer Familienchronik<ref></ref>, welche heute eine wichtige Quelle darstellt. Die Familie befand sich auf einem Höhepunkt, nur eine Generation später wurde die Aufteilung der umfangreichen Besitzungen notwendig.

Aufspaltung in die Unterboihinger und Dießener Linie und Aussterben Ende des 17. Jahrhunderts

Bis Anfang des 17. Jahrhunderts spaltete sich die Familie in zwei Linien auf, die beschlossen hatten, auf gegenseitige Erbansprüche zu verzichten. Die Unterboihinger Linie, für die im Jahr 1628 ebenfalls Besitzungen in Donzdorf und Bieringen (Schöntal) belegt sind,<ref></ref> starb 1684 im Mannesstamm aus, die Linie zu Dießen, Dettingen, Bittelbronn und Baisingen mit Hans Georg von Wernau im Jahre 1696. Dabei war der Würzburger Fürstbischof Konrad Wilhelm von Wernau, der bereits kurz nach seiner Wahl verstarb, der letzte Namensträger aus der Unterboihinger Linie.

Durch die verschiedenen Besitzungen war die Familie in gleich drei schwäbischen Ritterkantonen organisiert, nämlich dem Kanton Kocher, dem Kanton Donau und dem Kanton Neckar-Schwarzwald.

Wappen

Die Wernauer tragen als Wappen in Silber einen schwarzen Schrägbalken, belegt mit drei goldenen Kugeln. Die drei Kugeln symbolisieren die Nikolauslegende, nach der der Bischof Nikolaus von Myra drei armen Mädchen des Nachts dreimal drei Goldbeutel durchs Fenster warf und ihnen somit die Hochzeit ermöglichte.

Elemente des Wernauer Wappens finden sich noch in heutigen Gemeinde- bzw. Städtewappen:

Ehemalige Herrensitze

Persönlichkeiten

Siehe auch

Literatur

  • Immo Eberl: Die Grafen von Berg, ihr Herrschaftsbereich und dessen adelige Familien. In: Ulm und Oberschwaben. 44 (1982), S. 29–171. (u. a. über die Herren von Wernau, Dienstleute der Grafen von Berg-Schelklingen).
  • Walther Hubatsch: Regesta Historico Diplomatica Ordinis S. Mariae Theutonicum 1198-1525. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1965, S. 418.
  • Bernhart Jähnig: Junge Edelleute am Hof des Hochmeister in Marienburg um 1400. In: Werner Paravicini, Jörg Wettlaufer (Hrsg.): Residenzenforschung. Band 13 Erziehung und Bildung bei Hofe. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2002, S. 21ff.
  • Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54986-1.
  • Franz Rothenbacher: Wernausches Schloss und Spital zum Heiligen Geist in Schelklingen. Mannheim, 1992, revidiert 2020 (zuerst erschienen in Stadt Schelklingen: Spital zum „Hl. Geist“ in Schelklingen. Schelklingen: Stadtverwaltung, 1992). (Volltext (PDF))
  • Stadt Schelklingen: Spital zum „Hl. Geist“ in Schelklingen. Stadtverwaltung, Schelklingen 1992 (u. a. über die Herren von Wernau).
  • Anton Denzinger: Wernau Neckar, Werden und Wachsen, eine Chronik, von der Gemeinde Wernau (Neckar) herausgegeben zur Stadterhebung, 1968
  • Gerhard Hergenröder: Wendlingen am Neckar. Auf dem Weg zu einer Stadt. G & O Druck, Kirchheim unter Teck 1992 (Herausgegeben von der Stadt Wendlingen als Stadtbuch Band I).
  • Rolf Götz: Weilheim im Spätmittelalter. In: Manfred Waßner (Hrsg.): Weilheim – Die Geschichte der Stadt an der Limburg, GO Druck Media Verlag, Kirchheim unter Teck, 2007, S. 88 ff.

Einzelnachweise

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Weblinks

Commons: Wernau (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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