Johann Gottfried von Aschhausen
Johann Gottfried von Aschhausen (* 12. August 1575 in Oberlauda; † 29. Dezember 1622 auf dem Regensburger Fürstentag) war Fürstbischof und regierte die Hochstifte Würzburg (ab Oktober 1617) und Bamberg (seit 1609) in Personalunion. Er ist bekannt als Unterstützer der Hexenverfolgung.
Johann Gottfried im Familienkontext
Johann Gottfried (I.) von Aschhausen stammte aus dem fränkischen „ritterblütigem Geschlecht“ der Familie von Aschhausen. Der namensgebende Ort Aschhausen mit der Burg Aschhausen ist heute Teil der Gemeinde Schöntal im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg. Sein Vater, Gottfried von Aschhausen († 1581) war Würzburgischer Amtmann, seine Mutter Brigitta († 1581) war eine geborene Zobel von Giebelstadt. Der Bruder seiner Mutter, also Onkel und auch der Taufpate von Johann Gottfried (I.), war der Domherr und Bischof von Würzburg Johann Georg I. von Zobel, späterer Bischof von Bamberg 1577–1580). Im Jahr 1657 endete die männliche Erblinie der Familie von Aschhausen.
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Nicht-zeitgenössische Porträts von Johann Salver
Biografische Daten
Er besuchte vom 8. Juni 1586 bis 19. Juli 1587 das päpstliche Seminar in Fulda, immatrikulierte am 31. Juli 1590 an der Würzburger Artistenfakultät und erwarb 1593 den Magistergrad. Im selben Jahr begann er Vorlesungen der Jurisprudenz an der Jesuiten-Universität Pont-à-Mousson zu besuchen, musste aber alsbald vor der Pest fliehen und erlangte ebenfalls 1593 durch die Resignation eines älteren Bruders eine Domherrenpfründe in Bamberg, 1596 auch in Würzburg. Er erhielt 1604 das Dekanat des Ritterstiftes Comburg.
Seit dem 21. Juli 1609 war er als Johann Gottfried Fürstbischof von Bamberg. Als Bischof bemühte er sich um die Zurückdrängung des Protestantismus. Er rief, unterstützt von Papst Paul V., den er anlässlich seiner Bischofsweihe in Rom kennengelernt hatte, die Jesuiten in das Hochstift Bamberg und übertrug ihnen wichtige Aufgaben im Unterrichtswesen. Am 6. September 1609 wies er mit dem Religionsmandat sogar alle Pfarrverweser an, dafür zu sorgen, dass alle zum Protestantismus konvertierten Untertanen binnen Monatsfrist zum katholischen Glauben zurückkehrten. Jene, die sich weigerten, sollten dem Bischof angezeigt und bestraft werden. Er ließ lutherische Prediger entfernen und katholische Priester in deren Gemeinden einsetzen, was zu teils heftigen Widerständen führte, die er gewaltsam niederschlagen ließ.<ref>Dieter J. Weiss: Die Bischofsreihe von 1522 bis 1693. Das exemte Bistum Bamberg. In: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Band 3, ISBN 978-3-11-081133-9.</ref><ref>Winfried Romberg: Die Würzburger Bischöfe von 1617 bis 1684. Das Bistum Würzburg. In: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Band 7. Walter de Gruyter, ISBN 978-3-11-025212-5.</ref>
Unter seiner Herrschaft trat das Hochstift Bamberg der Katholischen Liga bei, die von Maximilian I. von Bayern angeführt wurde. Dieses Bündnis erwies sich auch im Dreißigjährigen Krieg als vorteilhaft.
Seit dem 5. Oktober 1617 war Aschhausen zusätzlich als Johann Gottfried I. auch Fürstbischof des Hochstifts Würzburg. Als solcher richtete er im September 1619 die Feierlichkeiten zum Empfang des kurz zuvor gekrönten Kaisers Ferdinand in und um Zellingen aus.<ref>Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 160.</ref> Bamberg und Würzburg stellten in der Zeit von 1620 bis 1622 erhebliche Kontingente an neu angeworbenen und ausgehobenen Fußtruppen und Reitern. Diese wurden von Oberst Bauer von Eiseneck angeführt. Würzburgische Truppen nahmen 1620 an der Schlacht am Weißen Berg bei Prag teil. Auch als Peter Ernst II. von Mansfeld in die Bistümer einzufallen drohte, änderte Johann Gottfried I. seine Politik nicht.
Unter Johann Gottfried I. von Aschhausen erfolgte 1619 die Gründung der Universitätsbibliothek Würzburg.<ref>Gottfried Mälzer: Würzburg als Bücherstadt. In: Karl H. Pressler (Hrsg.): Aus dem Antiquariat. Band 8, 1990 (= Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel – Frankfurter Ausgabe. Nr. 70, 31. August 1990), S. A 317 – A 329, hier: S. A 320.</ref>
Er war Stifter eines Ehehaltenhauses (Altersheim für Dienstboten) in Bamberg. Für diese Stiftung ließ er das Haus Oberer Stephansberg 1 in Bamberg (Haus zum goldenen Wappen) erbauen. Er wurde im Bamberger Dom beigesetzt.
Hexenverfolgungen
Unter seiner Regierung nahmen die Hexenverfolgungen große Ausmaße an (siehe Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und Hexenprozesse in Würzburg). Im März 1610 erließ er ein Mandat zur Verfolgung von „Wahrsagerei, Zauberei und unnatürlicher Kunst“<ref>Patrizius Wittmann: Die Bamberger Hexen-Justiz (1595 - 1631) aus Urkunden und Akten dargestellt. Mainz 1883, S. 180 (bib-bvb.de).</ref> und weihte im Oktober 1612 den Generalvikar und Weihbischof Friedrich Förner, einen einflussreichen Verfechter von Gegenreformation und Hexenverfolgungen und „Dämonologen“, als Titularbischof von Hebron.
Die Hexenverfolgungen wurden unter seinem Bamberger Nachfolger Johann Georg II. Fuchs von Dornheim sowie seinem Würzburger Nachfolger Philipp Adolf von Ehrenberg weitergeführt und intensiviert.
Literatur
- Ronny Baier: Aschhausen, Johann Gottfried Freiherr von. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 24, Bautz, Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9, Sp. 119–135.
- Theodor Henner: Johann Gottfried I. von Aschhausen. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 451–453.
- Ralph Kloos, Thomas Göltl: Die Hexenbrenner von Franken. Die Geschichte eines vertuschten Massenmordes. Sutton, Erfurt 2012, ISBN 978-3-95400-109-5.
- Alfred Wendehorst: Johann Gottfried v. Aschhausen. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 10. Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Eine Romreise [des Bischofs Johann Gottfried] vor 300 Jahren [1612]. In: Heimgarten. Jg. 16, Nr. 38, 1935, ZDB-ID 1352006-4, S. 147.
- Winfried Romberg (Bearb.): Die Würzburger Bischöfe von 1617 bis 1684 (= Germania Sacra. Dritte Folge 4: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Würzburg. Teil 7). De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-025183-8 (Digitalisat).
Weblinks
- Bischofsjubiläum 2007 – 1000 Jahre Bistum Bamberg – Bischöfe. Portrait Johann Gottfried von Aschhausen. In: eo-bamberg.de. Erzbischöfliches Ordinariat Bamberg, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. März 2016.
Einzelnachweise
<references />
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Johann Philipp von Gebsattel | Fürstbischof von Bamberg 1609–1622 | Johann Georg II. Fuchs von Dornheim |
| Julius Echter von Mespelbrunn | Fürstbischof von Würzburg 1617–1622 | Philipp Adolf von Ehrenberg |
Wulfing von Stubenberg | Ulrich von Schlüsselberg (Elekt) | Johann Wulfing von Schlackenwerth | Heinrich II. von Sternberg | Johann von Nassau (Elekt) | Werntho Schenk von Reicheneck | Leopold II. von Egloffstein | Friedrich I. von Hohenlohe | Leopold III. von Bebenburg | Friedrich II. von Truhendingen | Ludwig von Meißen | Lamprecht von Brunn | Albrecht von Wertheim | Friedrich III. von Aufseß | Anton von Rotenhan | Georg I. von Schaumberg | Philipp von Henneberg | Heinrich III. Groß von Trockau | Veit I. Truchseß von Pommersfelden | Georg II. Marschall von Ebnet | Georg III. Schenk von Limpurg | Weigand von Redwitz | Georg IV. Fuchs von Rügheim | Veit II. von Würtzburg | Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt | Martin von Eyb | Ernst von Mengersdorf | Neidhardt von Thüngen | Johann Philipp von Gebsattel | Johann Gottfried von Aschhausen | Johann Georg II. Fuchs von Dornheim | Franz von Hatzfeld | Melchior Otto Voit von Salzburg | Philipp Valentin Voit von Rieneck | Peter Philipp von Dernbach | Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg | Lothar Franz von Schönborn | Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim | Johann Philipp Anton von und zu Frankenstein | Franz Konrad von Stadion und Thannhausen | Adam Friedrich von Seinsheim | Franz Ludwig von Erthal | Christoph Franz von Buseck | Georg Karl von Fechenbach | Adam Friedrich Groß zu Trockau (Apostolischer Vikar)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Aschhausen, Johann Gottfried von |
| ALTERNATIVNAMEN | Aschhausen, Johann Gottfried I. von |
| KURZBESCHREIBUNG | Fürstbischof von Bamberg und Würzburg, Hexenverfolger |
| GEBURTSDATUM | 12. August 1575 |
| GEBURTSORT | Oberlauda, heutiges Baden |
| STERBEDATUM | 29. Dezember 1622 |
| STERBEORT | Regensburg |
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- Person (Lauda-Königshofen)
- Geboren 1575
- Gestorben 1622
- Mann