Weiten-Gesäß
Weiten-Gesäß Stadt Michelstadt
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| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(961)&title=Weiten-Ges%C3%A4%C3%9F 49° 42′ N, 9° 3′ O
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| Höhe: | 312 m ü. NHN | |||||
| Fläche: | 11,84 km²<ref name="Gindex" /> | |||||
| Einwohner: | 961 (31. Dez. 2024) <ref name="DF">Zahlen und Fakten. In: Webauftritt. Stadt Michelstadt, abgerufen im Februar 2025.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 81 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 1. Oktober 1971 | |||||
| Postleitzahl: | 64720 | |||||
| Vorwahl: | 06061 | |||||
Weiten-Gesäß ist ein Stadtteil von Michelstadt im südhessischen Odenwaldkreis.
Geografie
Das offene Dorf mit unregelmäßigem Grundriss Weiten-Gesäß liegt bei einseitiger Gehängelage im Buntsandstein-Odenwald, ca. 6,5 km nordöstlich von Erbach<ref name="lagis" /> und 2 km nordöstlich der Kernstadt. Das Gebiet des Stadtteils besteht aus der Gemarkung Weiten-Gesäß mit einer Fläche von 1184 Hektar,<ref name="Gindex">Gemarkung Weiten-Gesäß. In: GEOindex. Abgerufen im Februar 2025.</ref> davon sind 848 Hektar Wald.<ref name="lagis" /> Die Ortslage befindet sich auf 300 bis 380 m ü. NHN und der höchste Punkt der Gemarkung liegt mit 512 m im Eulbacher Park. In der Gemarkung liegen die folgenden aktuellen bzw. historischen Siedlungsplätze:<ref name="lagis" />
- Heuberger Hof<ref>Heuberger Hof, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. November 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref>
- Trumpfhellerhaus<ref>Trumpfhellerhaus, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 14. August 2023). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref>
Weiten-Gesäß liegt inmitten der Wälder nordöstlich der Kernstadt Michelstadt in Südhanglage am Waldbach am Fuße eines gerodeten Bergrückens. Der Waldbach fließt durch den Schlehengrund nach Nordwesten in Richtung Zell der Mümling zu. Im Osten reichen große Waldgebiete über den 449 Meter hohen Katzenbuckel bis zum Eulbacher Park. Im Gottwald westlich des Waldbachs liegt in einer eigenen Rodung der Heuberger Hof, als Forsthaus Habrich bis vor wenigen Jahren noch Sitz eines Revierförsters.
An den Stadtteil Weiten-Gesäß grenzen, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn, die Stadtteile Zell, Momart und Kimbach der Stadt Bad König, die Michelstädter Stadtteile Vielbrunn, Würzberg und Steinbach. Durch den Ort verläuft die Kreisstraße 92, die von Zell im Odenwald über Weiten-Gesäß zur Kernstadt Michelstadt führt.
Geschichte
Ortsgeschichte
Die älteste, erhalten gebliebene urkundliche Erwähnung als Widengesehez datiert von 1113.
Weiten-Gesäß gehörte zum Amt Fürstenau der Grafschaft Erbach-Fürstenau, die mit der Mediatisierung 1806 Teil des Großherzogtums Hessen wurde. Ab 1822 gehörte Weiten-Gesäß zum Landratsbezirk Erbach, ab 1852 zum Kreis Erbach (ab 1939: „Landkreis Erbach“), der – mit leichten Grenzberichtigungen – seit 1972 Odenwaldkreis heißt. Nach Auflösung des Amtes Fürstenau 1822 und Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung, nahm die erstinstanzliche Rechtsprechung für Weiten-Gesäß das Landgericht Michelstadt wahr, ab 1879 das Amtsgericht Michelstadt.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Weiten-Gesäß zum 1. Oktober 1971 auf freiwilliger Basis in die Stadt Michelstadt eingemeindet.<ref>Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 17. September 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 39, S. 1603, Punkt 1320; Abs. 18. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 9,2 MB]).</ref><ref></ref> Wie für jede eingegliederte Gemeinde wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.<ref name="HS">Hauptsatzung. (PDF; 88 kB) § 5. In: Webauftritt. Stadt Michelstadt, abgerufen im Februar 2025.</ref>
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Weiten-Gesäß angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>
- vor 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach, Amt Michelstadt (Zent Michelstadt)
- ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach (Erbach-Fürstenauer Linie), Amt Fürstenau
- ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),<ref group="Anm.">Mediatisierung infolge der Rheinbundakte.</ref> Fürstentum Starkenburg, Amt Fürstenau (zur Standesherrschaft Erbach gehörig)
- ab 1815: Großherzogtum Hessen<ref group="Anm.">Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung.</ref> (Souveränitätslande), Provinz Starkenburg, Amt Fürstenau (zur Standesherrschaft Erbach gehörig)
- ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, standesherrliches Amt Fürstenau
- ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Erbach<ref group="Anm.">Trennung zwischen Justiz (Landgericht Michelstadt) und Verwaltung.</ref>
- ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Erbach
- ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
- ab 1871: Deutsches Reich,<ref group="Anm.">Deutsche Reichsgründung</ref> Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
- ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,<ref group="Anm.">Infolge des Ersten Weltkriegs.</ref> Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
- ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Erbach<ref name=RB1937 /><ref group="Anm.">Im Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst.</ref>
- ab 1945: Amerikanische Besatzungszone,<ref group="Anm.">Infolge des Zweiten Weltkriegs.</ref> Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Erbach
- ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach
- ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach, Stadt Michelstadt<ref group="Anm.">Am 1. Oktober 1971 als Ortsbezirk zur Stadt Michelstadt.</ref>
- ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis, Stadt Michelstadt
Bevölkerung
Einwohnerstruktur
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Weiten-Gesäß 951 Einwohner. Darunter waren 12 (1,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 189 Einwohner unter 18 Jahren, 387 zwischen 18 und 49, 222 zwischen 50 und 64 und 186 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 393 Haushalten. Davon waren 84 Singlehaushalte, 144 Paare ohne Kinder und 123 Paare mit Kindern, sowie 36 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 81 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 264 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />
Einwohnerentwicklung
- 1522: 10 wehrfähige Männer<ref name="lagis" />
- 1623: 14 Häuser mit 84 Einwohnern<ref name="lagis" />
- 1961: 536 evangelische (= 81,06 %), 115 katholische (= 17,40 %) Einwohner<ref name="lagis" />
| Weiten-Gesäß: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2024 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1829 | 463 | |||
| 1834 | 585 | |||
| 1840 | 659 | |||
| 1846 | 777 | |||
| 1852 | 801 | |||
| 1858 | 763 | |||
| 1864 | 657 | |||
| 1871 | 647 | |||
| 1875 | 641 | |||
| 1885 | 612 | |||
| 1895 | 610 | |||
| 1905 | 658 | |||
| 1910 | 649 | |||
| 1925 | 588 | |||
| 1939 | 588 | |||
| 1946 | 734 | |||
| 1950 | 718 | |||
| 1956 | 622 | |||
| 1961 | 661 | |||
| 1967 | 717 | |||
| 1970 | 758 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2011 | 981 | |||
| 2016 | 965 | |||
| 2019 | 1.014 | |||
| 2024 | 961 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS<ref name="lagis" />; Stadt Michelstadt<ref name="DF" /><ref>web archiv</ref>; Zensus 2011<ref name="Z2011E" /> | ||||
Politik
- Ortsbeirat
Für Weiten-Gesäß besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Weiten-Gesäß) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung gebildet. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern.<ref name="HS" /> Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat Erlenbach 70,60 %. Dabei wurden gewählt: zwei Mitglieder der CDU und drei Mitglieder der Überparteilichen Wählergemeinschaft (ÜWG).<ref>Ortsbeiratswahl Ortsbezirk Weiten-Gesäß. In: Votemanager. Stadt Michelstadt, abgerufen im Februar 2025.</ref> Der Ortsbeirat wählte Peter Hartung (ÜWG) zum Ortsvorsteher.<ref>Ortsbeirat Weiten-Gesäß. In: Ratsinfosystem. Stadt Michelstadt, abgerufen im Februar 2025.</ref>
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Das Forsthaus Habrich, heute: Heuberger Hof, ein 1863 vom Grafen Eberhard zu Erbach-Erbach gegründetes herrschaftliches Hofgut, eine große vierseitige Anlage, ist als Sachgesamtheit Kulturdenkmal.<ref>denkmalpflege-hessen: Heuberger Hof</ref>
- Kulturdenkmäler
In der Liste der Kulturdenkmäler in Michelstadt sind für Weiten-Gesäß vier Kulturdenkmäler aufgeführt.
- Dolles Dorf
Seit dem 26. Januar 1995 wird wöchentlich in der hessenschau ein hessisches Dorf, das zum Zeitpunkt vor der Gebietsreform unter 2.000 Einwohner hatte, für Sendung am folgenden Samstag ausgelost und von einem Reportageteam des Hessischer Rundfunks vorgestellt. Am 22. Februar 2024 wurde Weiten-Gesäß als „Dolles Dorf“ aus den 900 Karten der Lostrommeln gezogen.<ref>Hessenschau Programmvorschau: Das dolle Dorf der Woche: Weiten-Gesäß im Odenwald. Hessischer Rundfunk, 24. Februar 2024, abgerufen am 24. Februar 2024.</ref>
- Ortsteile
Im Jahre 2001 wurde die Agendagruppe Weiten-Gesäß auf Anregung der Initiative der UNO zur nachhaltigen Entwicklung im 21. Jahrhundert gegründet. Die Gruppe brachte an verschiedenen Stellen Schilder mit alten und noch geläufigen „Ortsteilbezeichnungen“ an. Mittig des weitläufigen Ortsgebiets liegt das Middeldorf (Mitteldorf, Mittelweg – Schneiderweg – Postweg – Kronenweg). Oberhalb befindet sich das Owwerndorf (Oberdorf, Dorfstraße von der Freiburgstraße bis zur Kirche) mit der Kreizgasse, dem früheren Zentrum mit Wirtschaft, Bäcker, Metzger, Schneider, Schuster. Im weiteren Verlauf der Dorfstraße durch das Unnerndorf (Unterdorf) erreicht man die Hoffad (Hofreite, Dreiseithof).
Von der Hoffad zweigt nordwestlich in den Momarter Weg und Am Schmalberg das Neistedtl ab. Hier stand im Jahre 1752 nur ein Haus, 1865 waren es bereits fünf Häuser. Dieses Neudorf wurde übertrieben als Neistedtl (Neustädtchen) bezeichnet. Südlich davon liegt der Flur und Siedlungsteil Litzert. Nördlich des Neustedl im weiteren Verlaufe des Momarter und Mittelwegs ist der Ortsteil Schmoalmisch (Schmalberg), nach dem gleichnamigen Flur benannt. Der Bereich der Eichenstraße zum Schmalberg, nördlich des Middeldorfs, wird nach dem Flurnamen als Am Bäisch (Am Berg) bezeichnet. Der Straßenzug Freiburgstraße, der im Osten an der Freibeusch (Freiburg) mit dem Müllerweg abschließt, nannt man Uff de Häih (Auf der Höhe). Hier stand im Jahre 1752 mit Sandstein gemauertes einzelnes Haus „wie eine Burg“ eines „freien Bauers“.<ref>Günther Groh: Wo ein freier Bauer im Odenwald in einer Burg wohnte. In: Darmstädter Echo. Darmstadt 11. Oktober 2022.</ref><ref>Weiten-Gesäßer Ortsteile. Agendagruppe Weiten-Gesäß, abgerufen am 5. März 2024.</ref><ref>Flurnamen in Weiten-Gesäß. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 5. März 2024). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Institut für Landesgeschichte, abgerufen am 5. März 2024.</ref>
Verkehr und Infrastruktur
Weiten-Gesäß liegt an der Kreisstraße K 92, die von der südwestlich gelegenen Kernstadt Michelstadt über die Sattelhöhe am Weiten-Gesäßer Berg kommt und durch das Waldbachtal hinunter nach Zell im Odenwald im Nordwesten führt.
Literatur
Weblinks
- Stadtteil Weiten-Gesäß. In: Webauftritt der Stadt Michelstadt.
- Weiten-Gesäß, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Anmerkungen und Einzelnachweise
Anmerkungen <references group="Anm." />
Einzelnachweise <references> <ref name="lagis">Weiten-Gesäß, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 1. März 2022). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> <ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 38 und 92, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Juli 2021. </ref> </references>
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