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Wearmouth-Brücke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wearmouth Bridge
Wearmouth Bridge
Wearmouth Bridge
Wearmouth Bridge, dahinter die Monkwearmouth Railway Bridge
Nutzung Straßenbrücke
Überführt A183, A1018
Querung von Wear
Ort Sunderland (Tyne and Wear)
Konstruktion (I.) Gusseisen, (II.) Stahl
Gesamtlänge (I.) 72 m, (II.) 114 m
Breite (I.) 9,75 m,
Baubeginn (I.) 1793, (II.) 1927
Fertigstellung (I.) 1796, (II.) 1929
Eröffnung (I.) 9. Aug. 1796, (II.) 31. Okt. 1929
Lage
Koordinaten 54° 54′ 36″ N, 1° 22′ 59″ WKoordinaten: 54° 54′ 36″ N, 1° 22′ 59″ W
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Die Wearmouth-Brücke ist eine stählerne Bogenbrücke über den Wear in Sunderland in Nordost-England. Es ist die letzte Brücke über den Wear vor seiner Mündung in die Nordsee.

Die erste Wearmouth-Brücke wurde 1796 als zweite gusseiserne Brücke der Welt errichtet (gemeinsam mit der ebenfalls 1796 eröffneten Buildwas Bridge). Sie wurde 1859 umgebaut und 1929 durch den gegenwärtigen Neubau ersetzt. 1876 wurde daneben die Monkwearmouth Railway Bridge eröffnet.

Erste Wearmouth-Brücke (1796)

Datei:West View of the Cast Iron Bridge over the River Wear at Sunderland.jpg
Die erste Wearmouth Bridge

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts mussten die Einwohner von Sunderland (damals Monkwearmouth am nördlichen und Bishopwearmouth am südlichen Ufer) zur Querung des Flusses die Fähre nehmen oder die 13 km Luftlinie entfernte Brücke bei Chester-le-Street benutzen.<ref>The Wearmouth Bridge auf sunderland.gov.uk</ref> Mit der Industrialisierung und der Ausdehnung von Sunderland auf den beiden Plateaus hoch über dem Fluss wuchs auch der Wunsch nach einer festen Querung.

Rowland Burdon (1757–1838),<ref>Rowland Burdon (1756–1838) auf gracesguide.co.uk</ref> Member of Parliament für die Grafschaft Durham (zu der Sunderland damals gehörte), erreichte 1792 das für den Bau einer Brücke notwendige Gesetz und sorgte für die Gründung der Gesellschaft zu ihrer Finanzierung.

Die Schifffahrt auf dem Fluss durfte nicht gestört werden, aber noch nie war ein fast 80 m breiter Fluss mit einem einzigen Bogen überspannt worden.<ref>Nur die nur kurze Zeit am Ende des 14. Jahrhunderts bestehende Trezzo-Brücke hatte einen 72 m weiten Bogen.</ref> Eine steinerne Brücke würde viel zu teuer, eine hölzerne schied wegen ihrer kurzen Lebensdauer von vornherein aus. Mit dem neuen Gusseisen hatte man erst 1779 den nur 30 m weiten Rundbogen der Iron Bridge gebaut. Thomas Paine hatte danach Überlegungen zu flacheren Segmentbögen angestellt, mit denen größere Stützweiten mit geringeren Höhen gebaut werden könnten und hoffte, damit ein Geschäft machen zu können. 1788 erhielt er ein Patent und ließ 1789 von der renommierten Gießerei Walker<ref>Joshua Walker and Co auf gracesguide.co.uk</ref> in Rotherham eine große Bogenrippe anfertigen und in Paddington (London) ausstellen.<ref>Tom Paine's Bridge (mit Text seines Patents) auf thegreywillow.co.uk</ref><ref>Adrian Tawfik: Thomas Paine’s Iron Bridge Design Spans the Start of the Industrial Revolution aufthomaspaine.org</ref>

Datei:Sunderland Bridge (1796).jpg
Erste Wearmouth-Brücke mit den typischen gusseisernen Ringen

Paine hatte damit zwar nicht den erhofften kommerziellen Erfolg, aber Burdon ließ die Wearmouth Bridge<ref name="gracesguide">Wearmouth Bridge auf gracesguide.co.uk</ref><ref name="seagullcity">Wearmouth’s bridges auf wp.sunderland.ac.uk</ref> von Thomas Wilson (1751–1820)<ref>Thomas Wilson (1751–1820) auf gracesguide.co.uk</ref> nach der Idee von Paine errichten, wobei die Eisenteile wieder in der Gießerei Walker hergestellt wurden.

Ihre sechs Bogenrippen bestanden aus mehreren kleineren Elementen, die leichter fehlerfrei zu gießen waren als große Bogenträger und durch schmiedeeiserne Stangen zusammengepresst wurden. Diese Bogenrippen wurden untereinander durch gusseiserne Röhren versteift. Zur Aufständerung der Fahrbahn dienten gusseiserne Ringe mit abnehmendem Durchmesser. Die gewölbte Fahrbahnplatte lag auf schmalen Vollwandträgern.<ref>Die gußeisernen Bogensprengwerkbrücken Englands. In: Friedrich Heinzerling: Die Brücken in Eisen. Verlag von Otto Spamer, Leipzig 1870, S. 95 (Volltext in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Schon die Iron Bridge hatte einen Ring in jedem Zwickel. Die Ringe der Wearmouth Bridge wurden dann zum Vorbild einer Reihe weiterer Brücken, so der Gusseisenbrücke in Laasan, der Spanish Town Iron Bridge in Spanish Town (Jamaika), einer Brücke im Park von Stratfield Saye, der bald wieder eingestürzte Staines Bridge, der East Bridge (Dundee) und einer Brücke in den Sydney Gardens in Bath. In Paris wurde die Idee in der Pont du Carrousel (1834) aufgenommen, die wiederum das Vorbild weiterer Brücken in Frankreich und schließlich der Puente de Isabel II in Sevilla wurde.</ref>

Datei:Wearmouth Bridge (1796) under construction.jpg
Der Brückenbogen kurz vor der Entfernung des Lehrgerüsts

Der Baubeginn war im September 1793. Zunächst wurden die beiden steinernen Türme für die Widerlager gemauert. Dann wurden die beiden für die Zeit hochmodernen Lehrgerüste errichtet, die Segelschiffen die Durchfahrt auch während der Bauarbeiten erlaubten. Anschließend wurden die Bogenrippen montiert, die Widerlagertürme bis zu ihrer endgültigen Höhe gemauert und die Brückenträger fertiggestellt. Sie war mehr als doppelt so lang wie die Iron Bridge und hatte mit einer Stützweite von 72 m (236 ft) den seinerzeit größten Brückenbogen der Welt. Sie war 9,75 m (32 ft) breit<ref name="seagullcity" /> und hatte bei Niedrigwasser eine lichte Höhe von 27 m (90 ft).<ref name="gracesguide" />

Am 9. August 1796 wurde die Brücke durch Prince William of Gloucester in Gegenwart von 80 000 Zuschauern eröffnet.

Die für die damalige Zeit kühne Konstruktion wurde von Zeitgenossen viel bewundert.<ref>Johanna Schopenhauer, die Mutter des Philosophen, schrieb bei ihrem Besuch: Ein einziger ungeheurer Bogen wölbt sich hundert Fuß hoch über die Fläche des Wassers, so daß ein Schiff, ohne die Masten umzulegen, darunter hinsegeln kann. Nie sahen wir Zierlichkeit und Stärke so vereint. Wie ein Zauberwerk scheint die Brücke in der Luft zu schweben. Nur der Bogen, auf welchem sie ruht, und die Geländer, die sie an beiden Seiten einfassen, sind von Eisen, sie selbst ist von Stein. (zitiert aus: Johanna Schopenhauer: Reise durch England und Schottland. Leipzig 1818, digitalisiert durch Project Gutenberg (Volltext))</ref>

Sie stellte eine wichtige Verbindung über den Wear dar, da die nächste Brücke in Chester-le-Street rund 13 km entfernt war, und trug so wesentlich zur Entwicklung von Sunderland bei.

Umbau (1859)

Datei:Commemorative plates Sunderland Museum and Winter Gardens (8096465856).jpg
Die von Stephenson umgebaute Brücke

Nach 60 Jahren musste die Brücke überholt, verstärkt und modernisiert werden. Der damit beauftragte Robert Stephenson sah vor, den Bogen bis auf seine sechs Bogenrippen zu demontieren und drei schmiedeeiserne Hohlkasten-Rippen einzufügen. Die Widerlagertürme und die Zufahrtsstraßen sollten erhöht werden, um einen waagrechten Fahrbahnträger zu ermöglichen. Dieser sollte nicht mehr durch Ringe, sondern durch die inzwischen allgemein gebräuchlichen, sich kreuzenden diagonalen Stäbe aufgeständert werden.<ref name="gracesguide" />

Wegen der Krankheit von Stephenson wurden die Arbeiten in der Zeit von 1857 bis 1859 von George Henry Phipps (1807–1888) ausgeführt.<ref>George Henry Phipps (1807–1888) auf gracesguide.co.uk</ref>

Zweite Wearmouth-Brücke (1929)

Datei:Sunderland wearmouth bridge.JPG
Gegenwärtige Wearmouth-Brücke (1929)

Nach fast weiteren 55 Jahren schien auch die umgebaute Brücke dem gestiegenen Verkehr nicht mehr zu genügen. Man hatte zwar schon 1915 das für einen Neubau notwendige Gesetz erhalten, beauftragte aber in den finanziell angespannten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zunächst den renommierten Bauingenieur Basil Mott<ref>Nachruf auf royalsocietypublishing.org</ref> mit einer Untersuchung der Standsicherheit und voraussichtlichen weiteren Lebensdauer der Brücke. In seinem Gutachten führte Basil Mott aus, dass ein Neubau nicht dringend sei, aber sofort mit ihrer Planung begonnen werden sollte, damit sie vorhanden sei, falls dies in den nächsten Jahren notwendig werden sollte. Man beauftragte dann sein Büro Mott, Hay and Anderson mit der Planung,<ref>Mott, Hay and Anderson auf gracesguide.co.uk</ref> aber erst 1927 wurde es notwendig, Sir William Arrol & Company mit dem Bau der neuen Brücke zu beauftragen.

Diese Brücke mit fünf Fahrspuren und beidseitigen Geh- und Radwegen trägt heute den Verkehr der A 183 und der A 1018. Ihre beiden dreigelenkigen stählernen Fachwerkbögen haben eine Stützweite von 114,30 m (375 ft).<ref name="gracesguide" /> Ihr Fahrbahnträger besteht aus einem stählernen Trägerrost und einer Stahlbetonplatte<ref name="historicengland">Wearmouth Bridge auf historicengland.org.uk</ref> und ist deutlich über den Widerlagern aus Beton aufgehängt, die etwas zurückgesetzt in die bestehenden Türme eingefügt wurden.

Um den Verkehr aufrechtzuerhalten, wurde die Brücke um die alte Brücke herum gebaut, deren Träger erst nach der Eröffnung der neuen Brücke entfernt wurde.<ref name="gracesguide" />

Sie wurde am 31. Oktober 1929 vom Duke of York, dem späteren König Georg VI., eröffnet.<ref name="gracesguide" />

Seit 1994 steht sie unter Denkmalschutz (Grade II).<ref name="historicengland" />

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Commons: Wearmouth Bridge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Wearmouth Bridge (1796) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Wearmouth Bridge auf Wearsideonline.com (englisch) (abgerufen am 30. Januar 2011)
  • The Wearmouth Bridge Sunderland: LOCAL STUDIES CENTRE FACT SHEET NUMBER 7 (englisch) (abgerufen am 30. Januar 2011)