Walter Großmann (Geodät)
Walter Hans Gustav Großmann (* 6. April 1897 in Norden; † 13. Oktober 1980 in Hamburg) war ein deutscher Geodät. Bis zu seiner Ernennung zum Professor für Geodäsie an der Technischen Hochschule Hannover 1943 war Großmann Direktor des Reichsamtes für Landesaufnahme.<ref></ref>
Leben
Der Sohn des Töchterschullehrers Rudolf Adolf Großmann und der Johanna Gerhardine Diederike, geb. Müller, besuchte das Staatliche Ulrichs-Gymnasium in Norden. Am Ersten Weltkrieg nahm er seit dem 14. September 1914 als Freiwilliger teil, nachdem er am 15. August 1914 die Notreifeprüfung am Gymnasium abgelegt hatte. Nach den Einsätzen an Ost- und Westfront, bei dem er einen Lungenschuss erlitt, wurde er im Januar 1919 als Leutnant der Reserve mit den Eisernen Kreuzen I. und II. Klasse entlassen. 1919/20 machte er ein Praktikum am Katasteramt der Stadt Norden und begann danach an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Bonn das Studium der Geodäsie und Kulturtechnik. Während seines Studiums wurde er Mitglied beim Verein Deutscher Studenten zu Bonn.<ref></ref> Ab 1922 war er in Ostfriesland bei der Preußischen Katasterverwaltung tätig und legte 1926 die zweite Staatsprüfung ab. 1928 wurde er abgeordnet als Assistent an das Institut für Vermessungskunde der Technischen Hochschule Berlin und beendete 1931 sein Studium als Diplomingenieur. Im gleichen Jahr heiratete er in Rathenow Ilse Stackfleth. 1932 promovierte Großmann an der Technischen Hochschule Berlin zum Dr.-Ing. mit einer Arbeit über die reduzierte Länge der geodätischen Linie und wurde dann wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Preußischen Geodätischen Institut in Potsdam, wo er sich mit Fragen der ellipsoidischen Geodäsie und der konformen Abbildung befasste.
Von 1923 bis zum 31. Dezember 1933 war Großmann Mitglied im Stahlhelm. Seit dem 1. Januar 1934 war er Mitglied der SA und wurde zum 20. April 1935 als Sturmführer mit der Führung des Sturms 3/R 35 in Potsdam beauftragt. Zum 1. Mai 1937 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 4.199.161).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/12170914</ref> Er war zudem ab 1934 Mitglied des Reichsluftfahrtbundes, ab 1935 der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt sowie des NS-Bundes Deutscher Technik und des NSAHB. In der NSDAP (Ortsgruppe Eppendorf-Ost) war er ab 1940/41 als Blockhelfer aktiv. 1941 wurde ihm das Kriegsverdienstkreuz verliehen.<ref>Michael Jung: Eine neue Zeit. Ein neuer Geist? Eine Untersuchung über die NS-Belastung der nach 1945 an der Technischen Hochschule Hannover tätigen Professoren unter besonderer Berücksichtigung der Rektoren und Senatsmitglieder. Hrsg. v. Präsidium der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2020, ISBN 978-3-7319-1082-4, S. 129 (vollständig als PDF-Dokument).</ref>
1932 bis 1935 war er auch Geschäftsführer des Beirats für das Vermessungswesen und wurde anschließend beim Reichsministerium des Inneren Referent für Fragen der Berufsausbildung und der geodätischen Wissenschaft.
1937 habilitierte er sich an der Technischen Hochschule Berlin und erhielt dort einen Lehrauftrag. Ab 1938 baute er in Hamburg die Hauptvermessungsabteilung VI auf. 1941 wurde er nach Berlin an das Reichsamt für Landesaufnahme versetzt, wo er die Leitung der Zentralabteilung und ab 1942 auch der Trigonometrischen Abteilung übernahm. Noch 1942 wurde er Direktor des Reichsamts.
1942 übernahm er an der Technischen Hochschule Hannover zunächst vertretungsweise den geodätischen Lehrstuhl und wurde dort im nächsten Jahr ordentlicher Professor für Geodäsie und Direktor des Geodätischen Instituts.
Großmann war ab dem 1. Februar 1943 Direktor des Geodätischen Instituts der Technischen Hochschule in Hannover und stand ihr 1950 bis 1951 als Rektor vor. 1965 wurde Großmann mit der Helmert-Gedenkmünze des Deutschen Vereins für Vermessungswesen ausgezeichnet. 1967 wurde er vom damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke mit dem Großen Bundesverdienstkreuz unter anderem für die allgemeinverständliche Darstellung der Landvermessung und des Katasterwesens ausgezeichnet.<ref></ref> Seit 1959 war er ordentliches Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft.
Zu Ehren Großmanns wurde der Walter-Großmann-Preis an Absolventen der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität in Hannover verliehen, die den Studiengang Vermessungswesen mit überdurchschnittlich bewerteten Diplomarbeiten abgeschlossen haben.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Walter-Großmann-Preis.] Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 2. Oktober 2024.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Zum 1. Januar 2026 ist der Preis in Junge-Talente-Preis – Geodäsie und Geoinformatik umbenannt worden. Eine Fortführung der bisherigen Namensgebung wurde angesichts der NS-Belastung von Großmann in der Zeit zwischen 1923 und 1945 als Ehrung als nicht mehr angemessen angesehen.<ref></ref> Hervorgehoben wurde dabei, dass Großmann bereits 1923 Mitglied im Stahlhelm war, einer Organisation, die ausdrücklich antidemokratische und antisemitische Positionen vertrat und die später teilweise in die SA überführt wurde. Er übte das Amt des stellvertretenden Führers eines Stahlhelmsturms aus und bekleidete ab 1935 als SA-Sturmführer einen Offiziersrang.
Großmann wird in einer Studie<ref>Michael Jung: Eine neue Zeit. Ein neuer Geist? – Eine Untersuchung über die NS-Belastung der nach 1945 an der Technischen Hochschule Hannover tätigen Professoren unter besonderer Berücksichtigung der Rektoren und Senatsmitglieder. Michael Imhof Verlag, Petersberg, 2020.</ref> im Zusammenhang mit der Aufarbeitung und Publikation der „nationalsozialistischen Unrechtsmaßnahmen an der Technischen Hochschule Hannover – Beeinträchtigungen und Begünstigungen von 1933 bis 1945“ aufgrund seiner Biographie und Aktivitäten in der NS-Zeit als eine Person mit substantieller (NS-)Belastung angesehen.
Großmann war verheiratet und hatte vier Kinder, u. a. den Bauforscher Peter Grossmann.
Sonstiges
Die Walter-Großmann-Düne auf der Ostfriesischen Insel Norderney, mit 24,4 m ü. NN der höchste geografische Punkt Ostfrieslands, ist nach ihm benannt.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Niedersachsen Karte – Stadtplan 1:25.000 für exakte Planungen.] Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL) des Bundeslandes Niedersachsen, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 14. Dezember 2009.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
1987 wurde in Hannover in den Herrenhäuser Gärten ein rd. 2 km langer Wanderweg entlang der Herrenhäuser Allee in „Walter-Großmann-Weg“ benannt. Es ist jener Weg, an dem die Studenten der Geodäsie nahe dem Institutsgebäude Am Schneiderberg ihre grundlegenden Vermessungsübungen durchführen.<ref>https://www.vermessungsgeschichte.de/detail/wir-erinnern-an-professor-dr-ing-walter-grossmann</ref><ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Professoren am GIH.] Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 5. März 2013.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
In Großmanns Geburtsstadt Norden wurde 1987 eine Bronzetafel in Erinnerung an sein Wirken an dem Haus enthüllt, in dem er von 1917 bis 1926 wohnte.<ref>https://www.vermessungsgeschichte.de/detail/wir-erinnern-an-professor-dr-ing-walter-grossmann</ref>
Veröffentlichungen
Literatur
- TH Hannover (Hg.): Catalogus Professorum. Der Lehrkörper der technischen Hochschule Hannover 1831–1956. Technische Hochschule Hannover, 1956, S. 149.
- Universität Hannover (Hg.): Catalogus Professorum 1831–1981. Festschrift zum 150jährigen Bestehen der Universität Hannover, Band 2. Verlag W. Kohlhammer 1981, S. 89.
- Michael Jung: Eine neue Zeit. Ein neuer Geist? Eine Untersuchung über die NS-Belastung der nach 1945 an der Technischen Hochschule Hannover tätigen Professoren unter besonderer Berücksichtigung der Rektoren und Senatsmitglieder. Hrsg. v. Präsidium der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2020, ISBN 978-3-7319-1082-4, S. 117–118, 128–129 (vollständig als PDF-Dokument).
Weblinks
- Literatur von und über Walter Großmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Professoren am GIH.] Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung
Einzelnachweise
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Direktoren: Karl Karmarsch (1831–1875) | Wilhelm Launhardt (1875–1880)
Rektoren: Wilhelm Launhardt (1880–1886) | Carl Dolezalek (1886–1892) | Wilhelm Kohlrausch (1892–1895) | Albert Frank (1895–1898) | Heinrich Köhler (1898–1901) | Ludwig Kiepert (1901–1904) | Georg Barkhausen (1904–1907) | Hermann Ost (1907–1910) | Franz Frese (1910–1911) | Karl Mohrmann (1911–1913) | Robert Otzen (1913–1915) | Carl Heim (1915–1917) | Ludwig Troske (1917–1919) | Conrad Müller (1919–1923) | Ernst Vetterlein (1923–1925) | Fritz Oesterlen (1925–1927) | Friedrich Quincke (1927–1929) | Otto Blum (1929–1931) | Ludwig Klein (1931–1933) | Otto Franzius (1933–1934) | Horst von Sanden (1934–1937) | Hanns Simons (1937–1939) | Alexander Matting (1940–1943) | Helmut Pfannmüller (1943–1945) | Conrad Müller (1945–1947) | Otto Flachsbart (1947–1950) | Walter Großmann (1950–1951) | Hermann Deckert (1951–1952) | Walter Hensen (1952–1954) | Hans Schönfeld (1954–1956) | Johannes Schlums (1956–1957) | Walter Theilacker (1957–1958) | Wilhelm Nicolaisen (1958–1959) | Egon Martyrer (1959–1960) | Wilhelm Wortmann (1960–1961) | Hans-Oskar Wilde (1961–1963) | Albert Vierling (1963–1964) | Walter Renard (1964–1966) | Theodor Kaluza (1966–1968) | Alf Pflüger (1968–1969) | Eduard Pestel (1969–1970) | Hermann Böhrs (1970–1971) | Jürgen Wehrmann (1971–1972) | Lothar Hübl (1973–1974) | Gerhart Laage (1974–1975) | Hinrich Seidel (1975–1977) | Otwin Massing (1977–1978) | Klaus Schäfer (1978–1979)
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Großmann, Walter |
| ALTERNATIVNAMEN | Großmann, Walter Hans Gustav (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Geodät, Leiter des Geodätischen Instituts der Universität Hannover (1947–1968) |
| GEBURTSDATUM | 6. April 1897 |
| GEBURTSORT | Norden |
| STERBEDATUM | 13. Oktober 1980 |
| STERBEORT | Hamburg |
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