Víctor (Symbol)
Der Víctor oder Vítor<ref name="rae">Real Academia Española: Diccionario de la lengua española de la Real Academia Española, Eintrag vítor, Onlineversion (spanisch).</ref> ist ein Symbol, das in spanischsprachigen Ländern als Ehrenauszeichnung genutzt wird.
Bedeutung und Gestaltung
Víctor oder Vítor stammt vom lateinischen Wort victor, „Sieger“. Das Wort wird zudem als Interjektion einer Beifallsbekundung verwendet,<ref name="rae" /> insbesondere im Rahmen der Feierlichkeiten bei der Verleihung eines Doktortitels.<ref name="Nuñez Moro">Silvia Nuñez Moro: Actos patronales. La festividad de Santo Tomas de Aquino. Online, S. 70–72 (pdf, spanisch; 249 kB).</ref>
Das Symbol besteht aus den Buchstaben V-Í-T-O-R bzw. V-Í-C-T-O-R, die nach Art eines Monogramms, ähnlich einem Christusmonogramm, kunstvoll miteinander verbunden sind. Der Víctor wird in der Regel von Studierenden nach Abschluss der Promotion mit rotbrauner Farbe auf den Außenwänden von (Universitäts-)Gebäuden angebracht. Dazu wurde früher Stierblut oder Pigmentfarbe verwendet.<ref>El Misacantano y el Doctorado. 19. Januar 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011 (spanisch).</ref><ref>Curiosidades de la Universidad de Salamanca. Abgerufen am 18. Dezember 2011 (spanisch).</ref> Außerdem werden in der Regel noch der Name der Absolventin oder des Absolventen, das Jahr der Promotion sowie manchmal ein erläuternder Text hinzugefügt. Dabei wird darauf geachtet, dass sich das Symbol in der Art der Gestaltung des Monogramms von den anderen bereits angebrachten Vítores unterscheidet.<ref>Vgl. Escritos con sangre de toro: Los «vítores» de Salamanca. (pdf; 456 kB) Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. November 2013; abgerufen am 18. Dezember 2011 (spanisch). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Geschichte
Die Tradition, seinen Namen nach dem Erreichen des Doktortitels auf die Wand des Universitätsgebäudes zu schreiben, besteht seit Jahrhunderten.
Mit der Ley Moyano (1857) wurde die Vergabe von Doktortiteln über Jahrzehnte hinweg auf die Universität Madrid beschränkt. Beispielsweise durfte die Universität Salamanca erst ab 1954 wieder Doktortitel vergeben.<ref>Luis Enrique Rodríguez-San Pedro Bezares: Bosquejo histórico de la Universidad de Salamanca, Universidad de Salamanca, 2002, S. 49 (Eingeschränkte Vorschau bei Google Books).</ref> In der Zwischenzeit hatte dies Einfluss auf das Anbringen der Víctor-Symbole in den Universitätsstädten.
Der Víctor wurde vom spanischen Diktator Franco während seiner Herrschaft als Siegessymbol genutzt. Schon bei seiner Siegesparade (El gran desfile de la victoria) am 19. Mai 1939 kam das Zeichen zum Einsatz.<ref>Vgl. El gran desfile de la victoria. 20. Juni 2009, abgerufen am 19. Dezember 2011 (spanisch).</ref>
Vielerorts werden keine neuen Víctor-Zeichen mehr angebracht und die alten Symbole verschwinden durch die Wettereinflüsse und Umweltverschmutzung.<ref name="elpais sevilla">Santiago Belausteguigoitia: El misterio de los vítores. 11. Oktober 2009, abgerufen am 18. Dezember 2011 (spanisch).</ref>
Der Víctor in Salamanca
Besonders für die Vítores bekannt ist die Stadt Salamanca, wo die Symbole auf vielen Gebäuden zu finden sind.<ref name="elpais sevilla" />
Für die Universität Salamanca existiert die Auffassung, dass der Buchstabe C erst später hinzugefügt worden sei. Dieser sollte die Mondsichel darstellen, was eine Anspielung auf Papa Luna, den Papst Benedikt XIII. (1342/43–1423) sei, der den Ausbau der Universität vorangetrieben hatte.<ref>José María Iribarren, José María Romera: El porqué de los dichos: Sentido, origen y anécdota de los dichos, modismos y frases proverbiales de España con otras muchas curiosidades. Institución Príncipe de Viana, 2005, S. 125 (Eingeschränkte Vorschau bei Google Books).</ref>
Der Víctor wird dort auch prominenten Personen von der Universität gewidmet. Dies geschah beispielsweise bei Staats- und Regierungschefs wie dem ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Adolfo Suárez,<ref>Homenaje Institucional al Excmo. Sr. D. Adolfo Suárez González. 29. April 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011 (spanisch).</ref> dem damaligen japanischen Kronprinzen Akihito und seiner Frau Michiko, den Politikern Fernando Henrique Cardoso, Ricardo Lagos, Aristides Royo,<ref name="wikisalamanca">Vgl. Vitores. Abgerufen am 18. Dezember 2011 (spanisch).</ref> ehemaligen Rektoren wie Miguel de Unamuno, Enrique Tierno Galván,<ref name="wikisalamanca" /> Francisco Tomás y Valiente<ref name="Nuñez Moro" /> und dem Kinderhilfswerk UNICEF<ref>A UNICEF. 22. Februar 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. Oktober 2011; abgerufen am 18. Dezember 2011 (spanisch). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>.
Auch dem langjährigen spanischen Diktator Franco, der 1936/1937 während des Bürgerkriegs sein Hauptquartier in der Stadt hatte, wurde an der Kathedrale von Salamanca ein Monogramm gewidmet.<ref>Angel Gutierrez, David Zurdo: La vida secreta de Franco. EDAF, 2005, S. 122 (Vorschau bei Google Books).</ref>
An der Universität Salamanca kann jeder und jede Studierende nach Abschluss des Doktorats noch heute einen Vítor an den Wänden seiner Fakultät anbringen.<ref>¿Cuáles son las gestiones para pintar un Vítor en un centro universitario? Abgerufen am 18. Dezember 2011 (spanisch).</ref>
Weitere Verbreitung
Außerdem waren oder sind die Zeichen in Sevilla (beispielsweise in den Straßen Calle Alemanes und der Avenida de la Constitución) sowie am Archivo General de Indias<ref name="elpais sevilla" /> und außerhalb von Spanien an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos (Lima, Peru) verbreitet.<ref>Juan Carlos Talavera Velezmoro: Vítores y “hieroglificos”: celebraciones triunfales en la ciudad de Lima. 2. Februar 2010, abgerufen am 18. Dezember 2011 (spanisch).[1]</ref> und in Ciudad Rodrigo<ref name="Nuñez Moro" /> verbreitet.
Einzelnachweise
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