Volksbefreiungsfront von Tigray
| Volksbefreiungsfront von Tigray ህዝባዊ ወያነ ሓርነት ትግራይ (tigrinisch) | |
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| colspan="2" class="notheme" style="padding: 1em 0; text-align: center; background-color:#Vorlage:Standardfarbe;"| Datei:Emblem Of Tigray People's Liberation Front.svg | |
| Datei:Debretsion Gebremichael in 2014.jpg Debretsion Gebremichael im Jahr 2014. | |
| Parteivorsitzender | Debretsion Gebremichael<ref>Nach Militäroffensive: Äthiopien erklärt Sieg in Tigray - tagesschau.de</ref> |
| Stellvertretender Vorsitzender | Fetlework Gebregziabher |
| Gründung | 18. Februar 1975 |
| Gründungsort | Dedebit, Datei:Flag of Ethiopia (1975–1987).svg Derg |
| Verbot | 18. Januar 2021 |
| Hauptsitz | Mek’ele, Datei:Flag of Ethiopia.svg Äthiopien |
| Ausrichtung | • Tigrayischer Nationalismus • Revolutionäre Demokratie • Marxismus • Sozialismus • Ethnischer Föderalismus • Linksnationalismus • Populismus Unter Meles Zenawi: • Dritter Weg 1975–1991: • Kommunismus • Marxismus-Leninismus • Hoxhaismus • Tigrayischer Separatismus (bis Ende der 1980er Jahre) |
| Farbe(n) | rot, gold |
| Mitgliederzahl | etwa 500.000 |
Die Volksbefreiungsfront von Tigray ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), Kürzel TPLF, in Äthiopien eher bekannt unter der Kurzform Woyane<ref name="GH">Giga Hamburg: Parlamentswahlen in Äthiopien. Vorwahlkampf (PDF; 63 kB, deutsch)</ref>) ist eine ehemalige marxistisch-leninistische Befreiungsbewegung und heutige Partei in der äthiopischen Region Tigray, und ist laut Global Terrorism Database eine Terrororganisation.
Die Partei war die beherrschende Kraft in der Koalition Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker (EPRDF), die Äthiopien bis 2019 regierte. So ist bzw. war unter anderem der äthiopische Außenminister Seyoum Mesfin und der 2012 verstorbene ehemalige Ministerpräsident Meles Zenawi, der auch Parteivorsitzender war, Mitglied. Zudem stellt die Volksbefreiungsfront von Tigray in der äthiopischen Region Tigray die Regionalregierung. Sie hat insgesamt etwa 500.000 Parteimitglieder.<ref>Friedrich-Ebert-Stiftung: Parteien in Äthiopien: Zwischen ethnischer Orientierung und Programmausrichtung (PDF; 135 kB).</ref> Der militärische Arm der Volksbefreiungsfront von Tigray ist die Volksbefreiungsarmee von Tigré.<ref>Brockhaus Enzyklopädie in 5 Bänden (2004), 1 (A-EIS), S. 260.</ref><ref>Meyers Großes Länderlexikon. 2005, L, S. 50.</ref>
Am 18. Januar 2021 beendete die Nationale Wahlkommission Äthiopiens im Zuge der Kriegsgesetze gegen die Regierung 2020 die Registrierung der Volksbefreiungsfront von Tigray als legale politische Partei.<ref>NEBE cancels registration of TPLF. In: Welcome to Fana Broadcasting Corporate S.C. Abgerufen am 4. April 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Ethiopia Pulls Tigray Party License Ahead of June Elections. In: Bloomberg.com. 18. Januar 2021 (bloomberg.com [abgerufen am 4. April 2021]).</ref><ref>Ethiopia's electoral board revokes TPLF's legal status as political party. Abgerufen am 4. April 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Am 1. Mai 2021 genehmigte der äthiopische Ministerrat eine Resolution zur Ausweisung der TPLF als terroristische Organisation zusammen mit der OLF-Shene nach mehreren Angriffen in verschiedenen Teilen des Landes gegen Zivilisten und öffentliche Infrastruktur in den letzten Jahren.<ref>Ethiopia designates TPLF, OLF-Shene as terror groups. Anadolu Agency, 1. Mai 2021, abgerufen am 5. Juli 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Der Bürgerkrieg in Tigray weitete sich ab Oktober 2021 zu einem landesweiten Konflikt aus, als die TPLF eine Offensive auf Addis Abeba starteten, welcher sich auch andere Rebellengruppen anschlossen.<ref>Konflikt in Äthiopien: Proteste und ein Appell des Papstes. In: tagesschau.de. 7. November 2021, abgerufen am 7. November 2021.</ref>
Ideologie
Heute ist die Volksbefreiungsfront von Tigray offiziell demokratisch-sozialistisch und setzt sich für die Selbstbestimmung der Tigray-Ethnie ein. Die Volksbefreiungsfront von Tigray ist geprägt von der ehemaligen Erfahrung im Kampf gegen die realsozialistische Derg-Regierung unter der Arbeiterpartei Äthiopiens.
In den 1970er-Jahren folgte die Volksbefreiungsfront von Tigray einem von der Partei der Arbeit Albaniens geprägten Kommunismus als Leitideologie, entwickelte ab den späten 1980er-Jahren jedoch eine neue Ideologie, die zusammengesetzt ist aus Staatsdirigismus, Kapitalismus und demokratischen Elementen, wobei seit etwa 1985 sozialistische Ziele in der Politik der Organisation immer weiter in den Hintergrund rückten.<ref name="GH" /> Die TPLF trat ferner für eine antiimperialistische und antifeudale demokratische Revolution gegen den amharischen Zentralismus sowie für das Selbstbestimmungsrecht Eritreas ein.
Geschichte
Die Volksbefreiungsfront von Tigray wurde 1975 von jüngeren Intellektuellen aus der Tigraynischen Universitäts-Studentenvereinigung (TUSA) als Nachfolgeorganisation der 1974 entstandenen Tigraynischen Nationalen Organisation (TNO) gegründet, die mit dem promonarchistischen Kurs der etablierten Opposition in der Provinz Tigray unzufrieden waren und unter dem Einfluss der Befreiungsfront des Eritreischen Volkes (EPLF) standen. Die TPLF stand seit ihrer Gründung in Opposition zum Derg unter Mengistu und verstand sich zunächst als marxistisch-leninistische Bewegung, die in den 1970er- und 1980er-Jahren enge Beziehungen zur Partei der Arbeit Albaniens und in geringeren Maßen auch zur KPD/ML in der BRD pflegte.
Im Bündnis mit der EPLF gelang es den bewaffneten Einheiten der TPLF, sich Ende der 1970er-Jahre gegen die royalistisch-konservativen Kräfte um Ras Mengesha Seyyum (Äthiopische Demokratische Union), die nationalistische Tigray-Befreiungsfront und gegen die Äthiopische Revolutionäre Volkspartei (IHAPA) militärisch als dominante Kraft der Opposition in Tigray durchzusetzen und – nach einigen militärischen Rückschlägen durch das Derg-Regime – ab 1980 Gebiete zu kontrollieren. Die TPLF begann dort, eine Verwaltung aufzubauen, eine (auch von Gegnern als relativ erfolgreich anerkannte) Agrarreform durchzuführen und wichtige Schritte in Richtung einer Gleichberechtigung von Frauen und Muslimen in einer bisher christlich-patriarchal dominierten Gesellschaft einzuleiten. Der Rebellenorganisation selbst gelang es auch, die Hungerkatastrophe und den von der Regierung eingeleiteten Zwangsumsiedlungen in den Jahren 1984/85 zu überstehen. Ihr gelang es jedoch nicht, über die ihr nahestehende Fürsorgegesellschaft von Tigray (Relief Society of Tigray, REST) Hilfsgüter zu verteilen. Die TPLF soll illegal Entwicklungshilfe für Waffen und die Errichtung einer marxistischen Partei veruntreut haben. Allein 95 % der entsandten Hilfsgelder wurden für Waffenkäufe verwendet.<ref>laut.de: Geld für Waffen abgezweigt von 8. März 2010.</ref>
Ab Anfang 1989 kontrollierte die TPLF Tigray vollständig (außer die Stadt Maychew und die Provinzhauptstadt Mek’ele, ab März 1989 auch Mek’ele) und schloss sich mit der Demokratischen Bewegung des Äthiopischen Volkes (Ethiopian People's Democratic Movement, EPDM) und der Demokratischen Volksorganisation der Oromo zur Äthiopischen Volksrevolutionären Demokratischen Front zusammen, zeitweise bestand innerhalb der TPLF mit der Marxistisch-Leninistischen Liga von Tigray (MALELIT) eine Parallelstruktur, deren Ziel der Aufbau einer Kaderpartei war.
Bei der Parlamentswahl im Mai 2005 erhielt die Partei insgesamt 38 der möglichen 546 Sitze, von denen 24 Männer und 14 Frauen waren.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Webseite des Äthiopischen Parlaments ( vom 24. Juli 2008 im Internet Archive) (PDF, englisch).</ref>
Siehe auch
Literatur
- Dieter Beisel: Reise ins Land der Rebellen. Tigray, eine afrikanische Zukunft. Reinbek 1989, ISBN 3-499-12515-3.
- Kahsay Berhe: Ethopia: Democratization and Unity. The Role of the Tigray's People Liberation Front. Münster 2005, ISBN 3-86582-137-5.
- John Young: Peasant revolution in Ethiopia. The Tigray People's Liberation Front. Cambridge 1997, ISBN 0-521-59198-8.
- Jenny Hammond: Fire from the Ashes. A Chronicle of the Revolution in Tigray, Ethiopia, 1975–1991. Red Sea Press, Lawrenceville 1999, ISBN 1-56902-087-6.
Weblinks
- Text von Aregawi Berhe zur Entstehungsgeschichte der Volksbefreiungsfront von Tigray (PDF, englisch)
- BBC-Porträt über Debretsion Gebremichael (2020, englisch)
Einzelnachweise
<references />
Volksbefreiungsfront von Tigray | Argobba Nationality Democratic Organization | Forum für Demokratischen Dialog | Äthiopische Revolutionäre Volkspartei | Gesamtäthiopische Sozialistische Bewegung | National-Demokratische Bewegung der Amharen | Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker | Demokratische Organisation des Oromovolkes | Somali People’s Democratic Party | Demokratische Bewegung der Südäthiopischen Völker | Nationaldemokratische Partei Afars | Revolutionäre Demokratische Einheitsfront der Afar | Föderalistische Demokratische Oromo-Bewegung | Demokratische Bewegung der Völker Gambellas | Oromo People’s Congress | Demokratisches Bündnis der Völker Südäthiopiens | Äthiopische Sozialdemokratische Partei | Demokratische Einheitsfront des Volkes von Benishangul-Gumuz | Nationale Liga der Aderi | Einheit für Demokratie und Gerechtigkeit | All-Amhara-Volksorganisation | Äthiopische Demokratische Einheitspartei | Somali Democratic Alliance Forces | Union of Tigrians for Democracy and Sovereignity