Volksbank BRAWO
Vorlage:Infobox Kreditinstitut Die Volksbank BRAWO eG (bis 2023 Volksbank eG Braunschweig Wolfsburg) ist eine deutsche Genossenschaftsbank, deren Geschäftsgebiet die Regionen Braunschweig, Gifhorn, Peine,<ref name="unternehmensregister">siehe chronologischer Abdruck, Braunschweig Genossenschaftsregister 100001; online im Unternehmensregister.</ref> Salzgitter und Wolfsburg umfasst. Ihr juristischer Sitz ist Wolfsburg, der Verwaltungssitz ist Braunschweig.
Geschichte
Die Volksbank Braunschweig Wolfsburg ging 2005 aus der Fusion zwischen der Volksbank Braunschweig eG und der Volksbank eG Wolfsburg hervor. In ihrer Öffentlichkeitsarbeit nannte sie sich kurz Volksbank BraWo. Am 15. August 2023 firmierte die Bank von Volksbank eG Braunschweig Wolfsburg um in Volksbank BRAWO eG (kurz Volksbank BRAWO).
Die Wurzeln der Volksbank BRAWO eG reichen über die Fallerslebener Volksbank von 1871 eG bis in das Jahr 1871 zurück.<ref name="standort38">Vorlage:Internetquelle</ref> 1986 wurde die Fallerslebener Volksbank der Volksbank Wolfsburg eG angeschlossen.<ref>BRAWO aktuell. Ausgabe Dezember 2025, S. 9.</ref>
1881 wurde der Spar- und Vorschußverein zu Vorsfelde gegründet. 1938 wurde eine Annahmestelle in Rühen eröffnet und 1939 eine Zahlstelle in der Stadt des KdF-Wagens (heute Wolfsburg). 1940 erfolgte die Umbenennung des Vereins in Volksbank Vorsfelde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden beide Außenstellen wieder aufgegeben. Neue Zweigstellen entstanden 1953 in Rümmer,<ref>Heinz Pohlendt: Der Landkreis Helmstedt. Bremen-Horn 1957, S. 218.</ref> 1960 in Hehlingen, 1962 in Kästorf und Reislingen, 1963 in der Vorsfelder Südstadt, 1965 in der Meinstraße und 1969 in Tiddische. Im Jahr 2000 ging die Volksbank Vorsfelde eG zusammen mit der Volksbank Gifhorn eG in der Volksbank Wolfsburg auf.
1900 wurde der Lehre-Essehofer Spar- und Darlehenskassenverein eGmubH (Eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung) gegründet, aus dem 1936 die Spar- und Darlehenskasse Lehre eG und später die Volksbank Lehre eG wurde, die 2002 in der Volksbank Braunschweig eGmbH aufging.<ref>Modernes Banking mit ländlichem Charme. In: BRAWOaktuell. Ausgabe 3/2025, September 2025, S. 3.</ref>
1910 gründete Gustav Frede die Grundbesitzerbank zu Braunschweig eGmbH, die 1924 in Grundbesitzer- und Handelsbank eGmbH und 1941 in Volksbank Braunschweig eGmbH umbenannt wurde. 1943 erfolgte die Übernahme der Braunschweiger Genossenschaftsbank eGmbH, und 1959 fusionierte sie mit der Waren-Kreditgenossenschaft Braunschweig eGmbH. Weitere Fusionen erfolgten 1966 mit der Volksbank Thiede eGmbH, 1974 mit der Genossenschaftsbank eG Braunschweig, 1985 mit der Genossenschaftsbank Sickte eG und 1991 mit der Volksbank Wenden eG. 2005 schloss sie sich mit der Volksbank eG Wolfsburg zur heutigen Volksbank BRAWO zusammen.
1914 erfolgte in Tülau die Gründung einer Spar- und Darlehnskasse,<ref>Geschichte von Tülau auf Internetpräsenz der Gemeinde Tülau, abgerufen am 21. Januar 2017.</ref> die sich zur Volksbank Tülau eG entwickelte. Um 1978 hatte sie Geschäftsstellen in Bergfeld, Parsau, Rühen und Tülau. Sie fusionierte um 1990 mit der Volksbank Vorsfelde, die ihrerseits 2000 zusammen mit der Volksbank Gifhorn in der Volksbank Wolfsburg aufging.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Am 25. Januar 1925 wurde in Heßlingen die Heßlingen-Rothenfelder Spar- und Darlehnskassenverein eGmbH gegründet. Nachdem das Dorf Heßlingen in der 1938 gegründeten Stadt des KdF-Wagens aufgegangen war, erfolgte im Juli 1939 eine Umbenennung in Spar- und Darlehnskassenverein eGmbH Stadt des KdF-Wagens, und 1940 bekam die Gesellschaft den Namen Volksbank eGmbH Stadt des KdF-Wagens. 1945 wurde die Stadt des KdF-Wagens in Wolfsburg umbenannt, und ihre Volksbank in Volksbank Wolfsburg eGmbH. Am 27. März 1952 erfolgte der erste Spatenstich für das heute noch bestehende Bankgebäude in der damals im Aufbau befindlichen Porschestraße, und bereits im Dezember des gleichen Jahres zog die Bank von der Goethestraße in die Porschestraße um. Ihre erste Zweigstelle wurde gegenüber dem Brandenburger Platz im Stadtteil Wohltberg eingerichtet. 1959 folgte die Eröffnung einer weiteren Zweigstelle im damals noch zum Landkreis Gifhorn gehörenden Neindorf, um die in den Dörfern des Hasenwinkels wohnenden Kunden ortsnah betreuen zu können. Auch in anderen Stadtteilen Wolfsburgs wurden Zweigstellen eröffnet: 1961 Rabenberg, 1962 Hellwinkel und Tiergartenbreite, 1964 Detmerode, 1969 Eichelkamp und Sandkamp, sowie 1972 Laagberg, Westhagen und am Rand von Kästorf an der Oebisfelder Straße in einer Wohnsiedlung, die 1971/72 vom Volkswagenwerk Wolfsburg für ausländische Gastarbeiter erbaut worden war. Das Dorf Kästorf selbst gehörte damals zum Einzugsgebiet der Volksbank Vorsfelde. 1975 erfolgte eine Umbenennung in Volksbank Wolfsburg eG. 1982 bezog die Volksbank Wolfsburg ihr neuerbautes Bankgebäude Am Mühlengraben,<ref>Volksbank Wolfsburg (Hrsg.): Geschäftsbericht 1982. Wolfsburg 1983, S. 15–16.</ref> in diesem Zusammenhang wurde die nahegelegene Geschäftsstelle im Stadtteil Hellwinkel geschlossen. Im Jahr 2000 gingen die Volksbank eG Gifhorn und die Volksbank Vorsfelde eG in der Wolfsburger Bank auf, die von da an Volksbank eG Wolfsburg hieß.
Aus der Spar- und Darlehenskasse Meine ging die Genossenschaftsbank Papenteich und später die Volksbank Papenteich eG Meine hervor.<ref>Informationen des ehemaligen Filialleiters auf Internetpräsenz der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung, abgerufen am 24. Januar 2017.</ref> Sie wurde der Volksbank eG Gifhorn angeschlossen.
Im April 2013 vollzog die Volksbank BraWo den Einstieg in das Private Banking. Dafür wurden die Mitarbeiter des Privat-Banking-Bereichs der Credit Suisse in Braunschweig übernommen<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> und die Braunschweiger Privatbank gegründet.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Kein selbständiges Kreditinstitut, sondern eine Zweigniederlassung der Volksbank eG Braunschweig Wolfsburg in Braunschweig.</ref>
Mit Wirkung vom 1. Januar 2016 fusionierte die Bank mit der Volksbank Peine eG.<ref name="unternehmensregister" /><ref>Vorlage:Literatur</ref>
Im Herbst und Winter 2020 erwarb die Bank mehrere kommerziell genutzte Großimmobilien in Salzgitter, Duisburg und Pinneberg. Die millionenschweren Kaufpreise wurden von den Geschäftspartnern eigentlich geheim gehalten, für den Ankauf des Duisburger Citypalais inklusive der Mercatorhalle aber von Dritten in der Tagespresse bekannt gemacht.<ref>Monique de Cleur: Millionengeschäft. In: WAZ, 26. November 2020, abgerufen am 13. Dezember 2020.</ref> Beim Kauf des City Carré Magdeburg im Dezember 2020 soll es sich um die bisher größte Investition der Volksbank Braunschweig Wolfsburg in ihrer Geschichte handeln.<ref>Kerstin Kalkreuter: City Carré in Magdeburg - Größte Investition der Volksbank Brawo. In: Braunschweiger Zeitung, 12. Dezember 2020.</ref>
BraWoPark
Beim Bauvorhaben BraWoPark, einem der größten privatwirtschaftlichen Bauprojekte Braunschweigs,<ref name="standort38" /> trat die Volksbank BraWo als Hauptinvestor auf. Das aus zwei Business-Centern und einem Shopping-Center bestehende Ensemble wurde Ende 2015 eingeweiht. Standort ist das ehemalige, 75.000 Quadratmeter große Gelände der Deutschen Post in der Nähe des Braunschweiger Hauptbahnhofs.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Die Gesamtinvestitionssumme beläuft sich auf rund 130 Millionen Euro, von denen die Volksbank BraWo 110 Millionen Euro trägt.<ref name="IZ Aktuell">Vorlage:Literatur</ref>
Im BraWoPark wurden Büro- und Einzelhandelsflächen geschaffen. Unter anderem haben hier ein Fachmarktzentrum und der mit 6.500 Quadratmetern Verkaufsfläche größte Edeka-Markt Niedersachsens eröffnet.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Ein InterCityHotel der Deutschen Hospitality wurde im November 2016 eröffnet.<ref name="IZ Aktuell" /><ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Anfang 2021 begannen im BraWoPark die Bauarbeiten für das „Business Center III“, das im Sommer 2023 fertiggestellt wurde.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Das Investitionsvolumen des Objekts beläuft sich auf weitere 50 Mio. Euro. Die Stadt Braunschweig ist Hauptmieter des Gebäudes.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Soziales Engagement
Bestandteil der sozialen Aktivitäten ist eine jährliche Ausschüttung der Reinerträge aus dem Gewinnsparen. Die Erträge der 1952 gegründeten Gewinnspargemeinschaft fließen u. a. an örtliche Sportvereine. 2019 gingen rund 180.700 Euro an regionale Organisationen.
Im Jahr 2005 wurde die Volksbank BraWo Stiftung mit einem Stiftungskapital von 10 Millionen Euro gegründet.<ref name="dzi">Vorlage:Internetquelle</ref> Laut eigener Auskunft erhöhte die Volksbank das Stiftungskapital in zwei Schritten auf 30 Millionen Euro.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Gemeinsam mit dem ebenfalls 2005 von der Volksbank Braunschweig Wolfsburg gegründeten Kindernetzwerk United Kids Foundations unterstützte die Stiftung in der Region Braunschweig-Wolfsburg bislang mehr als 425 Projekte, die über 52.250 Kindern und Jugendlichen zugutekamen.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Eine Spendeninitiative Ende 2015 erbrachte insgesamt 12,8 Millionen Euro.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Ein Ziel von United Kids Foundations ist die Bekämpfung von Kinderarmut in der Region.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Die Volksbank BraWo Stiftung hat im Jahr 2015 das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) erhalten.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref name="dzi" /> Das DZI Spenden-Siegel wurde 2016 erneuert.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Zur Volksbank BRAWO gehört die gemeinnützige Tochtergesellschaft Engagementzentrum, die eine Crowdfunding-Plattform für die Region betreibt.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Unternehmensgruppe
Nach eigenen Angaben beschäftigte die Volksbank Braunschweig Wolfsburg im April 2021 konzernweit über 1400 Mitarbeiter.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Sie hatte 165 Tochtergesellschaften (Stand 31. Dezember 2021).
Kontroversen und Kritik
Im November 2025 wurde bekannt, dass der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) die Volksbank BRAWO als sogenannten Präventionsfall eingestuft hat. Damit unterliegt das Institut einer verstärkten Beobachtung durch die genossenschaftliche Sicherungseinrichtung.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Medienberichten zufolge stehen die Größe der BRAWO-Gruppe, ihre komplexe Konzernstruktur mit über 400 Tochtergesellschaften sowie das umfangreiche Immobilien- und Beteiligungsengagement im Zusammenhang mit dieser Einstufung. Die Bank erklärte, es handele sich dabei nicht um eine Sanierungsmaßnahme, sondern um eine vorsorgliche Begleitung innerhalb des Sicherungssystems.<ref name=":0">Vorlage:Literatur</ref>
Für das Geschäftsjahr 2024 lag noch Ende Februar 2026 kein testierter Konzernabschluss vor. Nach Angaben des Instituts steht die Verzögerung im Zusammenhang mit der bilanziellen Abbildung der früheren Beteiligung an dem Logistik-Factoring-Unternehmen Jitpay, dessen Geschäftsbetrieb 2025 eingestellt wurde. Weitere Gründe bestünden nicht.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Die strategische Ausrichtung der Bank wird innerhalb des Genossenschaftssektors unterschiedlich bewertet. Während viele Volks- und Raiffeisenbanken vor allem regional ausgerichtetes Einlagen- und Kreditgeschäft betreiben, verfolgt die BRAWO seit der Finanzkrise eine stärker diversifizierte Geschäftsstrategie mit Aktivitäten in den Bereichen Immobilien, Beteiligungen, erneuerbare Energien sowie weiteren Branchen.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Vorstandsvorsitzender ist seit 2006 Jürgen Brinkmann. In Medienberichten wurde wiederholt über die Führungsstruktur und strategische Ausrichtung des Instituts berichtet. Die Bank verweist demgegenüber auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Diversifizierung der Gruppe.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Im April 2026 berichtete das Handelsblatt, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Brinkmann sowie ein weiteres Vorstandsmitglied aufgenommen hat. Hintergrund seien zwei Strafanzeigen im Zusammenhang mit der Brawo-Beteiligung an der Jitpay-Tochtergesellschaft und der Legacy Consulting GmbH, bei der unter anderem der Verdacht besteht, wertlose Forderungen über Darlehen aus der Bilanz der Bank herausgehalten zu haben. Die Bank wies die Vorwürfe zurück.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Publikationen
- Volksbank Wolfsburg eG (Hrsg.): 50 Jahre Volksbank Wolfsburg 1925–1975. Wolfsburg 1975.
Weblinks
- Vorlage:BaFin
- Website der Volksbank BRAWO eG
- Website der BRAWO Group (Unternehmensgruppe der Volksbank BRAWO eG)
Einzelnachweise
<references></references>