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Villa Wilhelma (Bonn)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Villa Wilhelma ist ein ehemaliges Regierungsgebäude in Bad Godesberg, einem Stadtbezirk von Bonn. Sie liegt im Ortsteil Rüngsdorf an der Karl-Finkelnburg-Straße (Hausnummer 19).

Geschichte

Das Gebäude entstand 1894 als Fremdenpension.<ref name="Vogt" /> 1926 wurde es von der neu gegründeten Gemeinschaft von den heiligen Engeln unter Führung von Franz Xaver Geyer erworben, der dort Novizen ausbildete und später auch eine höhere Schule einrichtete. 1934 zog die Gemeinschaft nach Bad Staffelstein um.<ref>Johann Ammer: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zur Geschichte der Gemeinschaft von den heiligen Engeln für die Seelsorge der Auslandsdeutschen (Memento vom 26. September 2007 im Internet Archive)</ref><ref name="Schwalb1998_1" /> Von 1935 bis 1938 war das Gebäude einer von vier Godesberger Standorten des SA-Hilfswerks Nord-West als Nachfolgeorganisation der Österreichischen Legion, die sich aus ins Deutsche Reich geflüchteten österreichischen Nationalsozialisten rekrutierte. 1938 beherbergte es die SA-Gruppenschule Niederrhein, später ging sie in Wehrmachtsbesitz über.<ref name="Schwalb1998_2">Karl Josef Schwalb: Österreichische Nationalsozialisten im Exil in Bad Godesberg (1934–38). In: Godesberger Heimatblätter: Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V., ISSN 0436-1024, Heft 36 (1998), Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg, Bad Godesberg 1999, S. 56.</ref> 1943 war die Villa vorübergehender Standort der Kölner Gestapo.<ref>Jolanta Altman-Radwanska: "Schlagen gut ein und leisten Befriedigendes": Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Bonn 1940–1945. In: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, Stadt Bonn, Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek, 2006, ISBN 978-3-922832-37-9, S. 101.</ref>

Nachdem Bonn 1949 Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland geworden war, richtete die in Köln-Wahnheide ansässige britische Hochkommission – Dienststelle des britischen Hohen Kommissars und Teil der Alliierten Hohen Kommission – in der Villa ihre Repräsentanz in der Enklave Bonn ein.<ref>Hermann Wandersleb (Hrsg.): Die Unterbringung der Bundesorgane in Bonn. Düsseldorf o. J. (Oktober 1949), S. 38, 59 (Abb.).</ref> Seinerzeit umfasste sie 44 Räume auf gut 1.000 .<ref name="Vogt" /> Nach der mit dem Auslaufen des Besatzungsstatuts verbundenen Umwandlung der britischen Hochkommission in eine reguläre Botschaft war in der Villa zunächst die Kulturabteilung (Universities Section) der Botschaft beheimatet.<ref>Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Deutscher Bundes-Verlag, 1956, S. 1844.</ref><ref>Wilhelm Viëtor (Hrsg.); Adolf Bohlen Die Neueren Sprachen: Zeitschrift für den neusprachlichen Unterricht, Diesterweg, 1959, S. 152.</ref> Später (Stand: 1959) wurde sie durch das Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen genutzt.<ref>Kartographische Nachrichten, Band 9, Ausgaben 1-4, Deutsche Gesellschaft für Kartographie, Velhagen & Klasing, 1959, S. 30.</ref> Anschließend übernahm das Bundesgesundheitsministerium die Liegenschaft, das hier die Abteilung „Lebensmittelwesen und Veterinärmedizin“ (Stand: 1968)<ref>Bund Deutscher Lebensmittel-Fabrikanten und -Händler für Lebensmittelkunde und Lebensmittelrecht, Wirtschaftsgruppe Lebensmittelindustrie (Hrsg.): Deutsche Lebensmittel-Rundschau, Band 64, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1968, S. 93.</ref> unterbrachte und zeitweilig 47 Bedienstete beschäftigte (Stand: 1974)<ref>Dietrich Höroldt: 25 Jahre Bundeshauptstadt Bonn: eine Dokumentation (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, Band 14). Ludwig Röhrscheid Verlag, 1974, ISBN 978-3-7928-0374-5, S. 143.</ref>. Ein weiterer Nutzer war die Stiftung Deutsche Jugendmarke (Stand: 1977/78)<ref>Verhandlungen des Deutschen Bundestags: Stenographische Berichte. Anlagen zu den stenographischen Berichten. Drucksachen, Band 225, 1976, S. 45.</ref><ref>Gerhard Lange (Hrsg.); Wolfgang Henrich: Vademecum der politischen Bildungsarbeit: Personen, Institutionen, Materialien d. Polit. Bildung in d. Bundesrepublik Deutschland, Hohwacht-Verlag, 1977, S. 119.</ref>. 1989 wurde das Gebäude umgebaut, sodass es heute Wohnungen und Arztpraxen beheimatet.

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Vogt"> Helmut Vogt: Wächter der Bonner Republik: Die Alliierten Hohen Kommissare 1949–1955, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-70139-8, S. 51 f. </ref> <ref name="Schwalb1998_1"> Karl Josef Schwalb: Österreichische Nationalsozialisten im Exil in Bad Godesberg (1934–38). In: Godesberger Heimatblätter: Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V., ISSN 0436-1024, Heft 36 (1998), Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg, Bad Godesberg 1999, S. 55–62. </ref> </references>

Koordinaten: 50° 41′ 0,8″ N, 7° 10′ 2,4″ O

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