Botschaft des Vereinigten Königreichs (Bonn)
Die Botschaft des Vereinigten Königreichs in der Bundesrepublik Deutschland hatte von 1955 bis 1999 ihren Sitz im Bonner Parlaments- und Regierungsviertel. Das ehemalige Kanzleigebäude der Botschaft, erbaut 1952/54, befand sich an der Ostseite der Friedrich-Ebert-Allee (Bundesstraße 9) nördlich der Kreuzung mit der A562 im Ortsteil Gronau. 2003 wurde es abgebrochen.
Geschichte
Als Alliierte Kontroll- und Besatzungsmacht unterhielt das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 zunächst keine Botschaft am Regierungssitz Bonn. Die britische Hochkommission hatte ihren Sitz 1950 in Köln-Wahn genommen. In Erwartung der näherrückenden Aufhebung des Besatzungsstatuts begannen frühzeitig Planungen für die damit verbundene Umwandlung der Hochkommission in eine, personalmäßig weniger stark besetzte, Botschaft. Mit dem Bau für das zukünftige britische Botschaftsgebäude wurde 1952 begonnen, bereits am 6. November fand das Richtfest statt.
Am 5. Oktober 1953 erfolgte die offizielle Eröffnung des schlicht gehaltenen Neubaus. Er diente zunächst noch als Sitz der nun von Wahn umziehenden britischen Hochkommission. 1954 wurde rückwärtig ein Erweiterungsbau erstellt. Erst mit Inkrafttreten der Pariser Verträge am 5. Mai 1955 kam es zur Umwandlung der Hochkommission in eine Botschaft des Vereinigten Königreichs. Sie war die einzige der drei westlichen Alliierten Kontrollmächte, die im Bereich des sich entwickelnden, aber zunächst noch weitgehend unbebauten Parlaments- und Regierungsviertels entstand. Anfangs beschäftigte die Botschaft etwa 170 Mitarbeiter, die in 85 Büros untergebracht waren. Die Kulturabteilung (Universities Section) war zunächst in der Villa Wilhelma in Bad Godesberg als einem vormaligen Standort der britischen Hochkommission beheimatet. Als Residenz der Botschaft, Wohnsitz des Botschafters, diente die Villa Heisterbachstraße 39 am Rheinufer in Bad Godesberg; für den Gesandten wurde ein Wohnhaus im Bad Godesberger Ortsteil Rüngsdorf (Fasanenstraße 25) vorgehalten und erworben<ref>Auswärtiges Amt: Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: März 1962)</ref><ref>Auswärtiges Amt: Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in Bonn (Stand: November 1981)</ref><ref name="GA20000711" />. Ein – jedoch nicht der Botschaft zugeordneter – Verbindungsstab der britischen Streitkräfte befand sich in der Villa Spiritus. Als Schulen für die Kinder von Angehörigen der britischen Botschaft bestanden in Bonn die British Embassy Preparatory School und die British High School (seit 1997 Bonn International School).<ref>Auf dem Weg zu einer internationalen Schule, General-Anzeiger, 24. Januar 1997, Bonner Stadtausgabe, S. 10</ref>
Im Zuge der Verlegung des Regierungssitzes zog die Botschaft im Spätsommer 1999<ref>Goodbye, Wartesaal, Der Spiegel, 12. Juli 1999</ref> nach Berlin um, die letzten Mitarbeiter verließen das Gebäude im November 1999 (→ Britische Botschaft in Berlin). In Bonn verblieb zunächst, in angemieteten Räumen der vormaligen litauischen Botschaft in der Südstadt (Argelanderstraße 108a)<ref name="GA20000711">Die Briten residieren jetzt in der Südstadt, General-Anzeiger, 11. Juli 2000, Stadtausgabe Bonn, S. 7</ref>, eine Außenstelle der Botschaft für die Bereiche Landwirtschaft sowie Forschung und Technologie mit zwei Diplomaten und elf Ortskräften, die im August 2002 geschlossen wurde.<ref>Briten schließen Bonner Außenstelle (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2023. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, General-Anzeiger, 8. November 2001</ref> Das ehemalige britische Botschaftsgebäude stand seit dem Umzug nach Berlin leer und wurde ebenso wie einige benachbarte Gebäude (darunter die nördlich angrenzende CDU-Parteizentrale) von der Deutschen Telekom angekauft und im Herbst 2003 abgerissen<ref>Brandstifter in der Botschaft, Kölnische Rundschau/Bonner Rundschau, 19. September 2003</ref>, um dort von 2006 bis 2008 den Office Port Bonn (eine Erweiterung der Konzernzentrale) zu errichten. Das Grundstück der ehemaligen Botschaft selbst ist zurzeit noch unbebaut.
Gebäude
Die britische Botschaftskanzlei war ein dreigeschossiges, verputztes und flachgedecktes Bürogebäude auf U-förmigem Grundriss. An der vorspringenden Südseite der Straßenfront war es mit Schiefer verkleidet, mit dem Wappen des Vereinigten Königreichs geschmückt und mit einem Balkon versehen. Der Eingang befand sich am Übergang zu diesem südlichen Gebäudeflügel, der zuletzt die Haustechnik beherbergte. Die für ein Botschaftsgebäude üblichen Elemente der Repräsentation fehlten weitgehend.
British Embassy Preparatory School
Als Schule der britischen Botschaft, die aber auch Kindern aus anderen Ländern offenstand, wurde auf Initiative einer Gruppe von Eltern 1963 die British Embassy Preparatory School (BEPS) gegründet, die als älteste internationale Privatschule in Bonn gelten kann. Sie war zunächst im Bad Godesberger Ortsteil Friesdorf und später in einer Villa im Ortsteil Plittersdorf (Am Büchel 100) beheimatet<ref>Privatschule bezieht ehemalige Botschaft im Villenviertel, General-Anzeiger, 16. November 2011</ref>, bevor sie im September 1978 in einen von der Stadt Bonn bereitgestellten Schulbau<ref name="GA1996" /> im Ortsteil Heiderhof (Tulpenbaumweg) umzog.<ref>Paul Metzger: Bonner Chronik 1978. In: Bonner Heimat- und Geschichtsverein, Stadtarchiv Bonn (Hrsg.): Bonner Geschichtsblätter: Jahrbuch des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins, ISSN 0068-0052, Band 31, 1979, S. 255–279 (hier: S. 269).</ref> Ein einstöckiger Erweiterungsbau wurde am 3. November 1987 von Prinz Charles und Prinzessin Diana eingeweiht<ref>Karl Gutzmer: Chronik der Stadt Bonn. Chronik-Verlag, Dortmund 1988, ISBN 3-611-00032-9, S. 176</ref><ref>Princess Diana in Bonn and Cologne, Germany, Youtube</ref>; 1989 folgte eine zweistöckige Erweiterung. Im Jahre 1996 besuchten 203 Kinder aus 35 Nationen die Schule.<ref name="GA1996">Wo Deutsch für die eine Fremdsprache ist, General-Anzeiger, 10. Februar 1996, Bonner Stadtausgabe, S. 10</ref> 1997 wurde die Schule aufgrund des anstehenden Umzugs der britischen Botschaft nach Berlin (1999) in Independent Bonn International School (IBIS) umbenannt, die seit 2001 vom gleichnamigen Förderverein getragen wird und den Status einer Ersatzschule der Primarstufe erhielt.<ref>History, I.B.I.S.</ref> Sie ist noch heute ein anerkanntes Mitglied des Council of British Independent Schools (COBIS) und wird daher vom Independent Schools Inspectorate (ISI) inspiziert.<ref>School Organisation, I.B.I.S.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Welcome ( des Vorlage:IconExternal vom 23. September 2017 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., I.B.I.S.</ref>
Siehe auch
- Liste der diplomatischen Vertretungen in Bonn (→ Eintrag)
- Eine kleine Stadt in Deutschland, Spionageroman über die Suche nach einem verschwundenen Mitarbeiter der britischen Botschaft in Bonn
Weblinks
- Britische Botschaft, Friedrich-Ebert-Allee 77. Eintrag in der Datenbank „KuLaDig“ des Landschaftsverbands Rheinland (mit Kurzbeschreibung des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland von Angelika Schyma, 2014)Vorlage:Abrufdatum
Literatur
- Angelika Schyma: In Diplomatischer Zurückhaltung: Botschaftsarchitektur der Bundesrepublik Deutschland in Bonn von der Staatsgründung bis zum Fall der Mauer. In: Botschaften in Berlin. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-7861-2472-8, S. 29–41 (hier: S. 32–33).
- Helmut Vogt: Wächter der Bonner Republik: Die Alliierten Hohen Kommissare 1949–1955. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-70139-8, S. 225–226.
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 50° 42′ 27,41″ N, 7° 7′ 51,74″ O
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- Botschaft in Bonn
- Britische Botschaft
- Organisation (britisch-deutsche Beziehungen)
- Kanzlei einer Botschaft
- Alliierte Hohe Kommission
- Botschaftsbau
- Bürogebäude in Bonn
- Abgegangenes Bauwerk in Bonn
- Gronau (Bonn)
- Gemarkung Dottendorf
- Friedrich-Ebert-Allee (Bonn)
- Erbaut in den 1950er Jahren
- Zerstört in den 2000er Jahren
- Behördengründung 1955
- Aufgelöst 1999