Verwaltungsgliederung Ungarns
Die Verwaltungsgliederung Ungarns bezeichnet die administrative Struktur des Landes. Es gliedert sich in 19 Komitate, 197 Kreise und 3155 Siedlungen. Die Hauptstadt Budapest nimmt einen besonderen Status ein. Zusätzlich existieren acht statistische Regionen.
Regionen
Das Staatsgebiet Ungarns wurde 1998 zunächst in sieben Regionen (ungarisch Sing. régió, Plur. régiók) eingeteilt, die der NUTS-2-Ebene entsprechen. Zum 1. Januar 2018 wurde die Region Mittelungarn in Budapest und Pest aufgeteilt, sodass das Land seither in acht Regionen gegliedert ist. Die übrigen sechs Regionen umfassen jeweils drei Komitate.<ref name="ksh_region">Területi atlasz – Régiók. In: Központi Statisztikai Hivatal. Abgerufen am 3. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Historisch betrachtet waren Verwaltungsbezirke oberhalb der Komitats-Ebene in Ungarn jeweils nur von kurzer Dauer und scheiterten an der breiten Ablehnung des Adels und des Bürgertums. So schlug Erzbischof Leopold von Kollonitsch vergeblich Ende des 17. Jahrhunderts die Einrichtung solcher Regionen in den von den Türken zurückeroberten Landesteilen vor. Ähnliche Reformversuche unternahm 1785 Kaiser Joseph II. (mit Abschaffung der Komitate) sowie Alexander von Bach nach Niederschlagung des Unabhängigkeitskriegs 1849.<ref name="ksh_region" />
Erst mit dem Beitritt Ungarns zur Europäischen Union im Jahr 2004 wurde das Bestehen größerer, mehrere Komitate umfassender Regionen notwendig – vor allem für Planungs- und Statistikzwecke.<ref name="ksh_region" />
Komitate
Die heute bestehenden 19 Komitate (ung. Sg. vármegye, Pl. vármegyék) sind in der Verfassung verankert und entstanden 1950 durch eine Verwaltungsreform. Sie stellen die historisch bedeutendste Art Verwaltungseinheit des Landes dar und existieren bereits seit mehr als einem Jahrtausend, wobei ihre politische Bedeutung und ihre Funktionen im Laufe der Jahrhunderte erheblichen Wandlungen unterlagen.<ref name="ksh_komitat">Területi atlasz – Vármegyék. In: Központi Statisztikai Hivatal. Abgerufen am 3. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Unter König Stephan I. entstanden um das Jahr 1000 die ersten Komitate des Landes, die vom 13. Jahrhundert bis 1848 von Adligen verwaltet wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Ungarn infolge des Vertrags von Trianon 1920 über zwei Drittel seiner Staatsfläche – und damit auch den Großteil seiner 63 historischen Komitate. Die im Lande verbliebenen wurden zur Zeit der Volksrepublik 1950 umgegliedert und ein Rätesystem nach sowjetischem Vorbild eingeführt. Nach der politischen Wende 1990 erhielten sie wieder mehr Selbstverwaltungsrechte.<ref name="ksh_komitat" />
Kreise
Als unterste administrative Einheit, angesiedelt zwischen der Ebene der Gemeinden und der Komitate, wurden zum 1. Januar 2013 die Kreise (ung. Sg. járás, Pl. járások) geschaffen. In Ungarn existieren davon 197, wovon sich 23 in Budapest befinden und den dortigen Stadtbezirken entsprechen.<ref name="ksh_kreis">Területi atlasz – Járások. In: Központi Statisztikai Hivatal. Abgerufen am 3. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
In Ungarn existieren Kreise seit dem 13. Jahrhundert und dienten dazu, die Komitate besser verwalten zu können. Ihre Größe wurde ursprünglich so bemessen, dass ein Kreis an einem Tag zu Pferd oder mit der Kutsche durchquert werden konnte – daher der Name járás, zu Deutsch wörtlich „(Durch-)Gang“. Die Funktion der Kreise wandelte sich im Laufe der Zeit, so auch 1950, als sie in das Rätesystem der Volksrepublik integriert wurden. 1984 wurden sie aus Gründen der Zentralisierung zunächst abgeschafft, jedoch zum Ende des Jahrzehnts wieder hergestellt. Ab 1994 existierten auf derselben Ebene die Kleingebiete (ung. Sg. kistérség, Pl. kistérségek) bevor sie 2013 durch das heutige System der Kreise ersetzt wurden.<ref name="ksh_kreis" />
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Städte und Gemeinden
In Ungarn wird zwischen den folgenden Siedlungstypen unterschieden:<ref name="ksh_siedlung">Területi atlasz – Települések. In: Központi Statisztikai Hivatal. Abgerufen am 3. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Hauptstadt (ung. főváros)
- Stadt mit Komitatsrecht (ung. megyei jogú város)
- Stadt (ung. város)
- Großgemeinde (ung. nagyközség)
- Gemeinde (ung. község)
Ungarn umfasst (Stand 1. Mai 2022) 3.155 Siedlungen, wovon 348 Städte sind (darunter die Hauptstadt und 25 Städte mit Komitatsrecht). Von den übrigen 2807 Gemeinden haben 127 den Status einer Großgemeinde.<ref name="ksh_siedlung" />
Gemeinden mit mindestens 3.000 Einwohnern können zu einer Großgemeinde erhoben werden. Städte mit Komitatsrecht erfüllen zusätzliche Aufgaben, die über ihre eigenen Grenzen hinausgehen und oft das gesamte Komitat betreffen. Städte können, sobald sie mindestens 50.000 Einwohner haben, vom Parlament zu Städten mit Komitatsrecht ernannt werden. Hierzu zählen neben den 18 Komitatssitzen (Hauptorte der Komitate) sieben weitere Städte.<ref name="ksh_siedlung" />
Die Hauptstadt Budapest ist in 23 Stadtbezirke gegliedert, die sich auf der administrativen Ebene der Kreise befinden und jeweils über eigene lokale Selbstverwaltungen verfügen. Dabei ist die Margareteninsel keinem Stadtbezirk zugeordnet, sondern wird direkt von der Stadt verwaltet.<ref name="ksh_siedlung" />
Weblinks
- Amtliches Verzeichnis der Ortsnamen in Ungarn (PDF; Stand 2019) des Központi Statisztikai Hivatal
Einzelnachweise
<references /> Vorlage:Klappleiste/Anfang
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