Vertreibung der Palästinenser aus Kuwait 1991
Die Vertreibung der Palästinenser aus Kuwait 1991 erfolgte unmittelbar nach dem Zweiten Golfkrieg, als die etwa 450.000<ref name=":0">Myriam Ababsa, photographies de Fabien Calcavechia: Amman, de pierre et de paix. In: Collection Villes en mouvement. Éditions Autrement avec le soutien de l’ambassade de France en Jordanie, Paris 2007, ISBN 978-2-7467-1027-6, S. 19 f. (mit einem Vorwort von Omar Maani, Bürgermeister von Amman, S. 11).</ref> in Kuwait lebenden Palästinenser bzw. Jordanier nahezu vollständig vertrieben wurden.<ref name="bbc">Angry welcome for Palestinian in Kuwait. BBC News, 30. Mai 2001.</ref> Auch Saudi-Arabien vertrieb Palästinenser.<ref name=":0" /> Sie hatten in Kuwait bereits früher unter Diskriminierung zu leiden gehabt.<ref name="spo">Palästinenser – In den Sand getreten – Kuweit vertreibt die letzten Palästinenser, Jordanien leidet unter der Flüchtlingslast. In: Der Spiegel, 8. Juni 1992.</ref> Die Parteinahme des PLO-Führers Jassir Arafat und des jordanischen Königs Hussein I.<ref name=":0" /> für Saddam Husseins Invasion Kuwaits löste das Geschehen aus.<ref>James L. Gelvin: The Israel-Palestine Conflict – One Hundred Years of War. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-71652-9, S. 140.</ref> Die Vertreibung setzte mit dem Rückzug irakischer Truppen auf dem Highway of Death ein und war bereits in den ersten Märzwochen 1991 abgeschlossen. In der Folge ließen sich rund 300.000<ref name=":0" /> Vertriebene im Großraum Amman nieder, was dort zu einer „Kuwaitisierung“<ref name=":0" /> der Stadt führte.
Hintergrund
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Vor ihrer Vertreibung bildeten die Palästinenser über 40<ref>Alizée De Pin, Xavier Guignard: Comprendre la Palestine : Une enquête graphique. Des informations précises, des cartes et des infographies pour un décryptage de la question palestinienne qui n’a jamais été aussi nécessaire. Éditions les Arènes, Paris 2025, ISBN 979-1-03750168-4, S. 149.</ref> Prozent der 2,2 Millionen Einwohner Kuwaits. Über 400.000 palästinensische Araber und ihre Nachfahren wohnten 1990 in Kuwait.<ref name="jstor">Ann M. Lesch: Palestinians in Kuwait. In: Journal of Palestine Studies, Vol. 20, No. 4 (Sommer 1991), pp. 42–54.</ref> Sie waren in drei großen Einwanderungswellen angekommen. Zunächst im Zusammenhang mit dem Ausbau der Ölförderung und der Nakba 1948,<ref name=jstor/> bei der rund 700.000 Palästinenser aus ihrer Heimat flohen oder vertrieben worden waren. In den 1960er und 1970er Jahren kamen Palästinenser aus Jordanien hinzu, die als solche mehrheitlich jordanische Staatsbürger waren, um von den guten Bildungs- und Anstellungsbedingungen in Kuwait profitieren zu können. Dennoch hatten sie ähnlich wie die Bedun unter Diskriminierung zu leiden und erhielten niemals komplette Bürgerrechte.
Die Anzahl von Familiengründungen mit einheimischen Kuwaitis blieb extrem gering.<ref name="locpostwar" /> Jassir Arafat selbst war bereits 1956 nach Kuwait gegangen, wo er als Ingenieur arbeitete und ein erfolgreicher Bauunternehmer wurde. Die in den Golfstaaten arbeitenden Palästinenser galten lange als privilegiert und konnten ihre daheimgebliebenen Angehörigen unterstützen.<ref name="Pal">»Immer auf der Verliererseite«. In: Der Spiegel, 10. März 1991.</ref> Teilweise waren Palästinenser und Jordanier auch in Management-Positionen tätig.<ref name=":0" />
Verlauf
Ein Großteil der ausländischen Bevölkerung hatte während der Invasion Kuwait verlassen. Die Einreise von Ausländern wurde nach der Invasion deutlich restriktiver gehandhabt. Kurz nach der Befreiung Kuwaits von den Truppen Saddam Husseins wurden die Palästinenser als „Kollaborateure“<ref name = "spo"/> vertrieben, durch staatliche Interventionen wie auch durch Racheaktionen seitens der Kuwaitis.<ref name="locpostwar"/> Der Emir nannte die Palästinenser die Fünfte Kolonne der Invasion.<ref name="Hitch">Christopher Hitchens: Arafat's Squalid End How he wasted his last 30 years. In: Slate, 17. November 2004.</ref><ref name="locpostwar">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Kuwait: Post-War Society.] In: The Persian Gulf States: A Country Study. Library of Congress, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 5. März 2011.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Am 14. März 1991 waren noch 150.000 Palästinenser in Kuwait, die ebenso um ihr Leben fürchten mussten<ref name = "spo"/> und bald das Land verließen.<ref name="nyt">Youssef M. Ibrahim: After the War: Kuwait; Palestinians in Kuwait Face Suspicion and Probable Exile In: The New York Times, 15. März 1991.</ref> Prozesse gegen echte und angebliche Kollaborateure wurden mit äußerster Härte geführt und waren eigentliche Schauprozesse.<ref name="locpostwar"/><ref>Ulrich Schmid: Vergessener Exodus der Palästinenser - Vertreibung aus dem Ölparadies. In: Neue Zürcher Zeitung, 15. Dezember 2015.</ref> Der materielle Verlust der von den Kuwaitern faktisch enteigneten Flüchtlinge allein aus Kuwait wurde 1992 auf mindestens zehn Milliarden Dollar geschätzt.<ref name = "spo"/> Auch die Folgen für Hilfseinrichtungen und Infrastruktur etwa in Ostjerusalem waren einschneidend.<ref Name ="Pal"/>
Einige Dutzend Palästinenser wurden durch militante Kuwaitergruppen umgebracht, einige Hundert gefoltert, die Verantwortlichen unterhielten teilweise Beziehungen bis in die kuwaitische Führung.<ref name="locpostwar" /> Es blieben zunächst nicht mehr als 7.000 Palästinenser in Kuwait.<ref name=bbc/><ref name="tt">Palestine apology to Kuwait Mahmoud Abbas Mahmoud Abbas wants to look to the future. In: The Telegraph, 12. Dezember 2004.</ref> 2006 kehrten nur wenige zurück, heute beläuft sich ihre Gesamtzahl auf 40.000.
Auch nach der militärischen Niederlage des Iraks blieb die PLO im Westjordanland und im Gaza-Streifen bei ihrer Unterstützung der Politik Husseins.<ref Name ="Pal"/> 2004 verlangte Kuwait vor einem Besuch von Mahmoud Abbas eine offizielle Entschuldigung für die Unterstützung der Invasion Kuwaits. Abbas kam dem erst nach dem Tod Arafats nach.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Abbas apology to Kuwait over Iraq ( vom 19. Oktober 2018 im Internet Archive), BBC News, 12. Dezember 2004.</ref>
Einzelnachweise
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