Vereinigte Eisenbahnbau- und Betriebs-Gesellschaft
Die Vereinigte Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Gesellschaft AG (VEB) war ein Eisenbahnunternehmen, das in Mitteleuropa eine große Zahl überwiegend nicht zusammenhängender Eisenbahnstrecken errichtete und/oder betrieb.
Geschichte
Die Gesellschaft wurde in Berlin am 8. Oktober 1895 als Aktiengesellschaft gegründet. Sie übernahm die Geschäfte einer gleichnamigen GmbH, die zugleich liquidiert wurde.<ref name="Fink">Fink.</ref>
Die Gesellschaft baute und betrieb zahlreiche Nebenbahnen. Die überwiegende Zahl der Strecken in Deutschland verkaufte sie aber noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Strecken in der ehemaligen Donaumonarchie konnten nach dem Krieg von Deutschland aus nicht mehr verwaltet werden. Hinzugewonnen wurde als Geschäftsfeld in den 1920er Jahren der Betrieb von Abraum-Bahnen in Rheinischen Braunkohlerevier. 1924 war Hauptaktionär Georg Futter, der unter anderem mit Eisenbahn-Oberbaumaterial handelte, 1926 eine Münchner Investorengruppe. Die wirtschaftliche Lage war schwierig. Überwiegend errichtete die VEB in dieser Zeit Gleisanschlüsse.<ref name="Fink"/>
1932 beantragte die VEB – schwer angeschlagen durch die Weltwirtschaftskrise – ein Konkursverfahren, was aber mangels Masse abgelehnt wurde. So zog sich das endgültige Ende bis 1938 hin.<ref name="Fink"/> Der Hauptaktionär Max Blaser übernahm das gesamte Gesellschaftsvermögen.
Strecken
Die VEB baute und betrieb Eisenbahnen unter der eigenen Firma, aber fungierte auch als Holding für andere Eisenbahngesellschaften, die ihr gehörten, aber eine eigene juristische Person bildeten oder an denen sie Anteile hielt. Die Strecken lagen überwiegend im Deutschen Reich, in Österreich-Ungarn und deren Nachfolgestaaten. In Wien unterhielt die VEB eine Zweigniederlassung für ihre Bahnen in der österreichisch-ungarischen Monarchie.<ref name="Fink"/>
Zu den Strecken zählten:
| Strecke | von | bis | Länge (km) | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| Agram (Zagreb)–Samobor<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Aschersleben–Schneidlingen–Nienhagener Kleinbahn AG<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn AG<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Bitterfeld–Düben<ref name="Fink"/> | 1898/99 | 27 | Vorarbeiten | |
| Drahtseilbahn Loschwitz–Weißer Hirsch AG<ref name="Fink"/> (Dresden) | um 1900 | |||
| Eichenbarleben–Meitzendorf–Wolmirstedt–Ochtmersleben<ref name="Fink"/> | 1897 | 90 | Vorarbeiten | |
| Frankfurter Gütereisenbahn<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Gaisbergbahn<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Hanauer Kleinbahn AG<ref name="Fink"/> | 1899 | 1933/35 | ||
| Hildesheim-Peiner Kreis-Eisenbahn-Gesellschaft<ref name="Fink"/> | um 1900 | 31. März 1902 | ||
| Bahnstrecke Jablonowo–Riesenburg mit Abzweig nach Marienwerder<ref name="Fink"/> | 1898 | 1900 | Bau für die Preußische Staatseisenbahnen | |
| Königs Wusterhausen-Mittenwalde-Töpchiner Kleinbahn<ref name="Fink"/> | nur Betrieb | |||
| Kostener Kreisbahnen<ref name="Fink"/> | 1900 | 31. Dezember 1910 | 42 | Kosten (Kościan)–Gostingen (Gostyń) |
| Kotzenau–Köben–Guhrnau–Herrnstadt<ref name="Fink"/> | 1897 | 33 | Vorarbeiten | |
| Leva–Garamberzenczer Lokaleisenbahn<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Losoncz (Lučenec)–Aszód<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Marienborn–Beendorfer Kleinbahn AG<ref name="Fink"/> | um 1900 | 31. Dezember 1920 | ||
| Meseritz (Międzyrzecz)–Schwiebus (Świebodzin)–Züllichau (Sulechów)<ref name="Fink"/> | 1898 | 62 | Vorarbeiten | |
| Nauendorf–Gerlebogker Eisenbahn AG<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft<ref name="Fink"/> | um 1900 | 31. März 1909 | ||
| Bahnhof Nordstemmen–Kalischacht<ref name="Fink"/> | 1896 | 15 | Anschlussgleis, Planung oder Vorarbeiten | |
| Polkwitz-Raudtener Kleinbahn AG<ref name="Fink"/> | um 1900 | 31. Dezember 1909 | ||
| Kleinbahnen im Kreis Posen West<ref name="Fink"/> | 1898/99 | 40 | Vorarbeiten | |
| Riesengebirgsbahn GmbH<ref name="Fink"/> | um 1900 | 31. Dezember 1905 | ||
| Lokalbahn Saitz–Czeicz–Göding<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Schneebergbahn<ref name="Fink"/> | um 1900 | Wiener Neustadt–Puchberg am Schneeberg–Hochschneeberg | ||
| Lokalbahn Sedlitz–Tschischkowitz (Čížkovice)<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Lokalbahn Stramberg–Wernsdorf<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Bahnstrecke Tannwald–Grünthal<ref name="Fink"/> | um 1900 | Tanvald–Kořenov<ref group="Anm.">Fink gibt statt Kořenov als tschechischen Ortsnamen „Zelený Důl“, eine Wüstung in der Gemeinde Brandov im Okres Most (Brüx) an.</ref> | ||
| Temeswar (Timișoara)–Lippra–Radna<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Lokalbahn Teplitz–Eichwald<ref name="Fink"/> | um 1900 | Teplice–Dubí | ||
| Lokalbahn Tiszapolgár–Nyíregyháza<ref name="Fink"/> | um 1900 | |||
| Brandenburgische Städtebahn<ref name="Fink"/> | um 1900 | 31. März 1914 | 125 | |
| Bahnstrecke Wächtersbach–Bad Orb | 1929 | 1929 | Planung der Verlängerung der Strecke bis Partenstein<ref name="Fink"/> (nicht umgesetzt) | |
| Wittenberg–Wiesenburg/Mark–Görzke<ref name="Fink"/> | 1897 | 52 | Vorarbeiten |
Literatur
- Jochen Fink: Die Hanauer Kleinbahnen. Kenning & VGB, Nordhorn 2019. ISBN 978-3-944390-13-0, S. 14.
Weblinks
- Dokumente und Zeitungsartikel zur Vereinigte Eisenbahnbau- und Betriebs-Gesellschaft in den Historischen Pressearchiven der ZBW
Anmerkungen
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Einzelnachweise
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