Zum Inhalt springen

Vareniclin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Chemikalie

Vareniclin ist ein Arzneistoff, der zur Raucherentwöhnung angewendet wird. Seine Wirkung entfaltet dieser Wirkstoff wie auch das strukturähnliche Cytisin, ein Alkaloid des Goldregens, an den nikotinischen Acetylcholinrezeptoren. Es ist als Tartrat in den USA unter dem Markennamen Chantix zugelassen. Seit Oktober 2006 ist das Medikament auch in Europa zugelassen und wird unter dem Namen Champix vertrieben. Der Pharmakonzern Pfizer vermarktet den Wirkstoff seit dem 1. März 2007 in Deutschland. 2021 nahm Pfizer das Mittel vom Markt und kündigte umfassende Prüfungen an. Seit 2024 ist es mit dem Wirkstoff Vareniclin-Citrat seitens der Firma Ratiopharm als Vareniclin-ratiopharm in gleicher Dosierung, wie Champix auf dem Markt.<ref>Bild, Datenblatt und Dosierung auf shop-apotheke.com</ref>

Vareniclin wurde 2021 in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen.<ref>Mittel gegen Nikotinsucht "unverzichtbar"</ref>

Pharmakologie

Wirkmechanismus

Vareniclin ist ein Partialagonist an Nicotinrezeptoren des Subtyps α4β2, der für eine suchterzeugende Wirkung des Nicotins mitverantwortlich zu sein scheint. Als Partialagonist stimuliert es einerseits den Rezeptor teilweise, wodurch die Entzugssymptome der Raucherentwöhnung minimiert werden, und andererseits hemmt es die Effekte extern zugefügten Nicotins, womit zusätzliches Rauchen effektlos würde.

Nebenwirkungen

Unter der Anwendung von Vareniclin können häufig Übelkeit, Kopfschmerz, Erbrechen, Blähungen und Schlafstörungen auftreten. Manche Patienten leiden unter Somnolenz (Benommenheit) und Vertigo (Schwindel), was zu einer Beeinträchtigung beim Autofahren oder beim Bedienen von Maschinen führen kann.<ref>Fachinformation Champix.</ref> Ebenso wurde über abnormes Träumen, Geschmacksstörungen und weitere Nebenwirkungen berichtet. Fälle von Depression, Selbstmordgedanken und Selbstmord, Aggressivität und auffälligem Verhalten unter Vareniclin sind dokumentiert.<ref>Early Communication About an Ongoing Safety Review Varenicline. FDA, 20. November 2007.</ref> Weltweit kam es 2008 zu 39 vollendeten Suiziden von mit Vareniclin behandelten Patienten, wovon allerdings, wie die amerikanische Zulassungsbehörde FDA feststellte, 50 % eine psychiatrische Vorgeschichte hatten.<ref name="Christalla">P. Christalla, M. Dewenter, A. El-Armouche: [Effectiveness and safety of varenicline for smoking cessation]. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift, 1946, Band 137, Nummer 18, Mai 2012, S. 940–944, doi:10.1055/s-0032-1304895. PMID 22492478.</ref> Die FDA hat deswegen einen auffälligen Warnhinweis angeordnet.<ref>FDA drug safety newsletter (PDF) 2009, Vol. 2, Nr. 1 (PDF; 778 kB).</ref> Eine Kohortenstudie stellte in England keinen Unterschied in der Auftrittswahrscheinlichkeit von Depressionen, Suizidgedanken bzw. -versuchen und Suiziden bei der Behandlung mit Vareniclin, Bupropion und Nicotinersatzstoffen fest.<ref name="Christalla" /> Eine Metaanalyse aus 2014 bestätigt, dass keine relevante Suizidgefährdung durch diese Substanzen besteht.<ref>Vorlage:Cite journal</ref>

2006 wurde ein Anstieg von Herzinfarkten und Herzrhythmusstörungen unter Vareniclin vermutet.<ref>Varenicline: new drug. Smoking cessation: no better than nicotine. In: Prescrire international. Band 15, Nummer 86, Dezember 2006, S. 210–212, PMID 17165237.</ref> Auch dieser Risikoerhöhung wurde 2014 in einer Metaanalyse widersprochen.<ref>Vorlage:Cite journal</ref>

Wechselwirkungen

Vareniclin kann die Wirkungsweise von verschiedenen Medikamenten beeinflussen:

Zudem kann das Mittel in Einzelfällen die Wirkung von Alkohol verstärken. In einigen Fällen der FDA Adverse Event Reporting System (FAERS) Datenbank ist aufgeführt, dass Patienten eine verringerte Toleranz gegenüber Alkohol mit erhöhter Trunkenheit, aggressives oder ungewöhnliches Verhalten aufwiesen.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Chemie

Synthese

Vareniclin tartrat kann in einer dreistufigen Synthese aus Benzazepin hergestellt werden. Diese Synthese verläuft über eine Dinitrierung des aromatischen Systems, eine Reduktion der Nitrogruppen und eine Kondensation mit Glyoxal.<ref>J. W. Coe, P. R. Brooks, M. G. Vetelino, M. C. Wirtz, E. P. Arnold, J. Huang, S. B. Sands, T. I. Davis, L. A. Lebel, C. B. Fox, A. Shrikhande, J. H. Heym, E. Schaeffer, H. Rollema, Y. Lu, R. S. Mansbach, L. K. Chambers, C. C. Rovetti, D. W. Schulz, F. D. Tingley, B. T. O’Neill: Varenicline: an alpha4beta2 nicotinic receptor partial agonist for smoking cessation. In: Journal of medicinal chemistry, Band 48, Nummer 10, Mai 2005, S. 3474–3477, doi:10.1021/jm050069n. PMID 15887955.</ref>

Handelsnamen

Monopräparate

ASMOKEN (A)

CHAMPIX (D)<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

VARENICLIN-DALITA (CH)<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Literatur

  • J. Foulds: The neurobiological basis for partial agonist treatment of nicotine dependence: varenicline. In: International Journal of Clinical Practice. 60, 2006, S. 571, doi:10.1111/j.1368-5031.2006.00955.x.
  • T. J. Moore, C. D. Furberg, J. Glenmullen, J. T. Maltsberger, S. Singh: Suicidal behavior and depression in smoking cessation treatments. In: PloS one. Band 6, Nummer 11, 2011, S. e27016, doi:10.1371/journal.pone.0027016. PMID 22073240. Vorlage:PMC.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Gesundheitshinweis