Safer Sex
Der englische Begriff Safer Sex (deutsch: „Sichererer Sex“) kam im Zuge der Verbreitung von HIV bzw. AIDS auf und beschreibt ein Bündel von Vorsichtsmaßnahmen, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit dazu beitragen, das Risiko einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten deutlich zu reduzieren. Der Komparativ safer verweist darauf, dass es keinen absoluten Schutz vor einer Infektion geben kann, wenn auch deutlich reduziert. Das Kondom ist sowohl Mittel für Safer Sex als auch zur Empfängnisverhütung.
Entwicklung und Geschichte
Die Verwendung von Kondomen aus tierischen Membranen ist schon über 3000 Jahre alt, diente aber primär der Empfängnisverhütung, da insbesondere das Konzept des Krankheitserregers lange Zeit unbekannt war.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschichte des Kondoms ( vom 7. Oktober 2010 im Internet Archive)</ref>
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Kulturrevolution der 1968er Jahre wurden das Penicillin und die Antibabypille entdeckt. Das Penicillin war unter anderem wirksam gegen die Syphilis, eine der bis dahin gefürchtetsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Antibabypille versprach wirksamen Schutz vor ungewollten Schwangerschaften. Diese Entwicklungen ermöglichten jungen Menschen der 1968er Jahre (siehe auch 68er-Bewegung), eine Zeit der sexuellen Freizügigkeit einzuläuten, die unter anderem von einem erhöhten Grad an Promiskuität („Freie Liebe“) geprägt war.
Der Begriff und das Konzept Safer Sex wurden erstmals im Mai 1983 von den AIDS-Aktivisten Richard Berkowitz und Michael Callen gemeinsam mit einem der ersten Ärzte und Forscher, die zu AIDS forschten, Joseph Sonnabend, geschaffen, als sie die Broschüre How to Have Sex in an Epidemic: One Approach veröffentlichten.<ref>Gary Goldstein: Recognizing the pioneers of safe sex. 14. Juni 2009, abgerufen am 8. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Joseph Sonnabend MD: Joseph Sonnabend, MD, Will Be Celebrated at April 12 Memorial in New York City. 9. April 2025, abgerufen am 8. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Broschüre richtete sich, so das Vorwort, an denjenigen Teil schwuler Männer, die sich trotz der AIDS-Krise gegen sexuelle Enthaltsamkeit entschieden hatten. Sie behandelte sexuelle Spielarten schwuler Männer, und wie dabei der Kontakt zu Sperma und Zytomegalievirus (CMV) vermieden werden konnte. Neben den Sexualakten an sich wurde auch der Kontext des Kontakts, etwa geschlossene Gruppen von Sexualpartnern, Cruising in Saunen und Prostitution bezüglich der Gesundheitsrisiken bewertet. Die Broschüre befasste sich zudem mit ethischen Fragen, etwa ob AIDS-Patienten Sex haben sollten und ob sie moralisch verpflichtet seien, ihren Status ihren potentiellen Sexualpartnern zu offenbaren. Auch wurde bereits in dieser Broschüre vorgeschlagen, sich selbst (auf CMV) testen zu lassen, um Sexualpartner zu schützen.
Die AIDS-Krise seit 1981 bedeutete auch für die Homosexuellenbewegung einen Umbruch. Die Autoren beschrieben Safer Sex dabei nicht als Gegensatz zur sexuellen Befreiung, sondern als Teil davon.<ref></ref>
“Taking ignorance to the baths and backrooms is not sexual freedom--its oppression. [...] What's over isn't sex--just sex without responsibility.”
„Ignoranz in die Badehäuser und Hinterzimmer zu tragen, ist nicht sexuelle Freiheit – es ist Unterdrückung. [...] Was vorbei ist, ist nicht der Sex – nur Sex ohne Verantwortung.“
Das Zytomegalievirus (CMV) ist ein Virus, das bei AIDS die CMV-Retinitis verursachen kann und eine häufige AIDS-definierende Krankheit darstellte.<ref>Ausgabe 4/2009: Christian Hoffmann, Hamburg - Opportunistische Infektionen – Teil 9: CMV-Erkrankungen. Abgerufen am 8. April 2026.</ref> Das HI-Virus, der tatsächliche Auslöser von AIDS, wurde erst im selben Monat (Mai 1983) entdeckt.<ref>Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Der erste Schritt im Kampf gegen Aids. 18. Mai 2023, abgerufen am 8. April 2026.</ref>
1985 ließ das Ministerium für Jugend, Familie und Gesundheit unter Rita Süßmuth (CDU) die Broschüre „Was Sie über AIDS wissen sollten“ an alle deutschen Haushalte verteilen,<ref name=":3">1981 bis 1990: AIDS – die politische Dimension in den 1980er Jahren. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 17. August 2025; abgerufen am 11. April 2026.</ref> die erste deutsche Aufklärungskampagne zum Thema. Sie klärte auf über den Verlauf von AIDS, die Ansteckungsmöglichkeiten, Schutzmöglichkeiten, Diagnosemöglichkeiten, die Forschung an Behandlungsmethoden und gab Ratschläge für den Fall einer Ansteckung.<ref>Was Sie über AIDS wissen sollten. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln Dezember 1985 (magazin.hiv [PDF]).</ref> Dieser Weg der Aufklärung war politisch insofern besonders, dass zeitgleich auch deutlich autoritärere Maßnahmen wie die Internierung von Erkrankten und erzwungene Tests von „Ansteckungsverdächtigen“ diskutiert wurden. Der Gebrauch des Worts „Kondom“ hingegen war in dieser Zeit für eine Amtsträgerin, so Süßmuth später, skandalös.<ref name=":3" /> Fünf Jahre später fand der TV-Spot „Supermarkt“, Teil der Kampagne „Gib Aids keine Chance“ der BzgA zur Verwendung von Kondomen, große öffentliche Beachtung.<ref>HIV - Ein Rückblick. In: LIEBESLEBEN. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, abgerufen am 11. April 2026.</ref><ref>TV-Spot zur Aufklärungskampagne „Gib Aids keine Chance“. Das Bundesarchiv, abgerufen am 11. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im Gegensatz zu den ersten HIV-Medikamenten sind die heutigen antiretroviralen Therapien relativ gut verträglich, können den Ausbruch von AIDS dauerhaft unterdrücken und eine normale Lebenserwartung ermöglichen. Bei erfolgreicher Therapie sinkt die Viruslast im Blut unter die sogenannte Nachweisgrenze, wodurch eine Ansteckung bei dieser Person praktisch nicht mehr möglich ist. Das Konzept „Schutz durch Therapie“ wird auch als TasP, „Treatment as Prevention“, bezeichnet.<ref>Schutz durch Therapie. In: Deutsche Aidshilfe. Abgerufen am 8. April 2026.</ref> 2016 wurde in der Europäischen Union die medikamentöse Präexpositionsprophylaxe (HIV-PrEP) mit Truvada (Tenofovir und Emtricitabin) zugelassen.<ref>Dr. med. Ramona Pauli: Truvada® – Zulassung für die PrEP ja, aber mit Auflagen. In: HIV&more. Andmore-Media GmbH, März 2016, abgerufen am 11. April 2026.</ref> Die drei Möglichkeiten Kondome, Erfolgreiche medikamentöse Therapie und Präexpositionsprophylaxe werden (seit 2018 von der DAH<ref>Neustart im Netz: Safer Sex gibt’s jetzt dreifach. In: aidshilfe.de. Deutsche Aidshilfe, 24. Mai 2018, abgerufen am 11. April 2026.</ref> und seit 2020 vom Land Brandenburg<ref>Brandenburg: Neuer Flyer über Safer Sex 3.0 in fünf Sprachen. In: Initiative Brandenburg für sexuelle Gesundheit und Bildung. 1. Dezember 2020, abgerufen am 11. April 2026.</ref><ref>Safer Sex 3.0 - Schutz vor einer HIV-Infektion. Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, Potsdam September 2020 (brandenburg.de [PDF]).</ref>) unter dem Namen Safer Sex 3.0 kommuniziert.
Die Entwicklung lebensverlängernder Medikamente für HIV-Positive und die Agitation politisch oder religiös motivierter Kreise, die meist Enthaltsamkeit als Alternative propagieren (siehe z. B. True Love Waits), haben die Aufklärung über Safer Sex seit dem Jahr 2000 ins Stocken gebracht. Insbesondere die römisch-katholische Kirche untersagte ihren Mitgliedern, bis auf wenige Ausnahmen, explizit den Gebrauch von Kondomen.<ref>Papst lockert das strikte Kondom-Verbot. spiegel.de, 20. November 2011.
In Afrika regt sich Widerstand gegen Benedikt XVI. (spiegel.de).</ref>
Übertragbarkeit Sexuell Übertragbarer Infektionen
Je stärker Gewebe beansprucht wird („harter Sex“), desto leichter können Krankheitserreger in dieses eindringen. Ausreichende Befeuchtung (Gleitgel) kann die Beanspruchung des Gewebes verringern, somit Mikroverletzungen vermeiden und Infektionsrisiken reduzieren.
Bakterielle Infektionen
Zu den bakteriellen Infektionen gehören Chlamydien, Gonorrhoe (Tripper) und Syphilis sowie die nur selten pathogenen Mykoplasmen und Ureaplasmen.<ref>Chlamydien: Übertragung, Schutz, Symptome und Behandlung. In: aidshilfe.de. Deutsche Aidshilfe, abgerufen am 8. April 2026.</ref><ref>Tripper (Gonorrhoe): Übertragung, Schutz, Symptome und Behandlung. In: aidshilfe.de. Deutsche Aidshilfe, abgerufen am 8. April 2026.</ref><ref>Syphilis: Übertragung, Schutz, Symptome und Behandlung. In: aidshilfe.de. Deutsche Aidshilfe, abgerufen am 8. April 2026.</ref>
Chlamydien, Syphilis und Gonorrhoe werden klassischerweise durch engen Schleimhaut-Schleimhaut-Kontakt übertragen, Syphilis ist jedoch auch bei Haut-Haut- oder Haut-Schleimhaut-Kontakt übertragbar, das insbesondere bei nässenden Hautstellen, auch bei scheinbar intakter Haut. Zudem ist bei allen eine Schmierinfektion möglich, etwa durch gemeinsam genutztes Spielzeug oder per Hand.<ref name=":0" details="Seiten 17 - 18"></ref> Die wichtigsten Übertragungsmöglichkeiten sind somit daher Vaginal-, Oral- und Analsex, aber auch Petting, oral-anale Kontakte, Fingerspiele und Fisten können eine Übertragung ermöglichen.<ref name=":0" details="Seiten 156 - 158" /> Syphilis und womöglich Gonorrhoe sind zudem beim Küssen übertragbar.<ref>SYPHILIS - AidsHilfeOÖ. Aidshilfe Oberösterreich, 21. November 2024, abgerufen am 8. April 2026.</ref><ref>Syphilis (Lues): Übertragung, Symptome & Behandlung - USZ. In: Universitätsspital Zürich. Abgerufen am 8. April 2026.</ref><ref></ref> Die Infektionen sind lokal begrenzt, breiten sich also nicht von selbst im Körper, etwa von der Harnröhrenschleimhaut zur Schleimhaut des Afters, aus.
Kondome und Femidome reduzieren das Übertragungsrisiko der bakteriellen Infektionen erheblich,<ref name=":0" details="Seite 75" /><ref name=":0" details="Seite 88" /> beim Fisten die Verwendung eines Handschuhs. Die Deutsche Aidshilfe empfiehlt, Sexspielzeug nicht mit mehreren Partnern zu verwenden oder für jede Person mit einem neuen Kondom zu versehen oder gründlich zu reinigen, nicht in denselben Gleitmitteltopf zu greifen, sich bei Fingerspielen zwischen Personen die Hände zu waschen, und, insbesondere jüngeren Erwachsenen, Schwangeren, schwulen Männern und anderen Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) sowie Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, sich regelmäßig testen und gegebenenfalls behandeln zu lassen.<ref name=":0" details="Seiten 156 - 158" /><ref name=":0" details="Seite 75" />
HIV
Das Humane Immunodefizienzvirus, HIV, ist schwer übertragbar. Es wird beim Austausch von Körperflüssigkeiten übertragen (etwa bei Ejakulation in Rektum, Vagina oder Mund), bei intensivem Schleimhautkontakt mit einer infektiösen genitalen oder rektalen Schleimhaut (Analsex und Vaginalsex, auch ohne Ejakulation)<ref name=":0" details="Seiten 17 - 18" /> und abseits von Sex unter anderem bei intravenösem Drogenkonsum bei gemeinsam genutzten Spritzen. Tränen, Speichel und Urin enthalten HIV in deutlich niedrigeren Konzentrationen, Infektionen auf diesem Weg sind nicht bekannt. Bestehende Infektionen mit anderen STI erhöhen das HIV-Infektionsrisiko, da in entzündete Schleimhäute das HI-Virus leichter eindringen kann.<ref>HIV Übertragung: Was geht und was ist gefährlich? In: aidshilfe.de. Deutsche Aidshilfe, abgerufen am 8. April 2026.</ref>
Oralverkehr gilt in Bezug auf HIV als sicher, sowohl Fellatio als auch Cunnilingus. Es sind nur wenige Fälle von HIV-Infektionen durch Oralsex bekannt.<ref>Safer Sex und Oralverkehr. In: Deutsche Aidshilfe. Abgerufen am 8. April 2026.</ref> Übertragungen bei Oralsex sind für den leckenden/blasenden Partner unwahrscheinlich, weil die Mundschleimhaut sehr robust ist, die Schleimhäute bei Oralsex vergleichsweise wenig beansprucht werden und Speichel die infektiöse Flüssigkeit verdünnt. Das gilt, auch weil nur wenig Blut in den Mund gelangt, selbst bei der Anwesenheit von Menstruationsblut.<ref>AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. - Safer Sex und Oralverkehr. In: halle.aidshilfe.de. AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V., abgerufen am 9. April 2026.</ref>
Die Ansteckungsgefahr ist unmittelbar nach einer Infektion mit HIV am größten, weil dann die Viruslast im Blut am höchsten ist. Da der HIV-Antikörper-Test ein diagnostisches Fenster von sechs Wochen<ref>Deutschen AIDS-Hilfe e. V.: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />HIVreport 2015/3 ( vom 24. September 2015 im Internet Archive) (PDF; 2,4 MB)</ref> hat, liegt die Zeit mit dem größten Infektionsrisiko ausgerechnet in der Zeit, in der sich bei einem Test noch keine klaren Aussagen machen lassen. Trotz Vorliegens eines aktuellen negativen HIV-Tests kann aus diesem allein keine Aussage über den gegenwärtigen Infektionsstatus der betreffenden Person abgeleitet werden.
Vor HIV schützen bei Vaginal- und bei Analverkehr Kondome, Femidome sowie kein Blut oder Sperma auf Schleimhäute und offene Hautstellen gelangen zu lassen.<ref name=":0" details="Seite 113 ff" />
Hepatitis
Hepatitis A, B und C sind Viren, deren Hauptsymptom eine Leberentzündung (Hepatitis) ist. Hepatitisviren sind deutlich infektiöser als HIV. Hepatitis A wird im sexuellen Kontext insbesondere anal-oral, also beim Anilingus (Rimming), übertragen.<ref>Hepatitis A: Übertragung, Symptome, Verlauf, Behandlung, Schutz. In: aidshilfe.de. Deutsche Aidshilfe, abgerufen am 9. April 2026.</ref> Die infektiösen Körperflüssigkeiten des Hepatitis B schließen Samenflüssigkeit, Speichel, Tränenflüssigkeit, Urin, Vaginalsekret und insbesondere Blut ein. Risikobehaftet sind daher Anal-, Vaginal- und Oralsex sowie alle weiteren Spielarten, bei denen Kontakt mit diesen Körperflüssigkeiten besteht.<ref name=":0" details="Seite 95 f" /> Die Gefahr einer Infektion kann drastisch verringert werden durch Verwendung von Barrieremethoden (Kondom, Lecktuch), sowie durch eine Impfung, die in vielen Fällen von den Krankenkassen übernommen wird. Auch gemeinsame Benutzung zum Beispiel von Sexspielzeug oder Zahnbürsten kann das Virus übertragen. Hepatitis C wird über Blut übertragen, selten auch sexuell, wenn es dabei zu Kontakt zu Blut gibt.<ref>Hepatitis C. In: ICH WEISS WAS ICH TU. Deutsche Aidshilfe, abgerufen am 9. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Gegen Hepatitis A und Hepatitis B sind Impfungen möglich und empfohlen. Gegen Hepatitis C ist gegenwärtig kein Impfstoff in Sicht, es ist aber in 95 % der Fälle heilbar, meist in höchstens 3 Monaten.<ref>Impfung gegen Hepatitis A/B- Gelbsuchtformen A/B/C. Auf: praxis-wiesbaden.de vom 5. März 2016.</ref><ref>Hepatitis C: Übertragung, Symptome, Schutz, Therapie. In: aidshilfe.de. Deutsche Aidshilfe, abgerufen am 9. April 2026.</ref>
HPV
Humane Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Die meisten dieser Infektionen verlaufen ohne Symptome. Die von HPV verursachten Feigwarzen kommen nicht nur auf Schleimhäuten, sondern im Genital- und Analbereich auch auf der Haut vor. Daher ist eine Übertragung auch durch engen Körperkontakt möglich.<ref name=":1">RKI-Ratgeber - Humane Papillomviren. In: rki.de. Robert Koch Institut, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. Mai 2025; abgerufen am 9. April 2026.</ref>
Durch Verwendung von Kondomen kann eine HPV-Infektion nicht sicher verhindert werden. Infektiöse Stellen treten auch außerhalb der üblicherweise von Kondomen abgedeckten Hautbereiche auf, Schmierinfektionen sind möglich und die verantwortlichen Viren können außerhalb selbiger Bereiche eindringen (insbesondere durch Mikroverletzungen wie Rasurwunden).
Eine präventive Impfung gegen HPV ist möglich und für beide Geschlechter (seit 2018 für Jungen<ref name=":1" />) von 9 bis 14 Jahren insbesondere vor dem ersten sexuellen Kontakt durch die Ständige Impfkommission (STIKO) empfohlen. Das Nachholen der Impfung empfiehlt sie ungeimpften Jugendlichen bis zu ihrem 18. Geburtstag. Je nach Lebensführung können auch Personen ab 18 von der Impfung profitieren.<ref>Schutzimpfung gegen Humane Papillomviren (HPV). In: RKI. 6. Juni 2025, abgerufen am 8. Februar 2026.</ref>
Schutzmaßnahmen
Umgang mit Kondomen, Handschuhen und Gleitmittel
Hilfsmittel sind Kondome, Handschuhe aus Latex und Gleitmittel. Das Gleitmittel schützt die Schleimhäute der Vulva und Vagina, am vorderen Teil des Penis, im Anus und im Rektum vor Irritation und es vermindert die mechanische Belastung des Kondoms erheblich. Eine der häufigsten Ursachen für ein Reißen des Kondoms ist der Verzicht auf Gleitmittel. Das Gleitmittel muss für die Verwendung zusammen mit Kondom oder Handschuh geeignet und freigegeben sein. Geeignet sind fettfreie Gleitmittel (zum Beispiel auf Glycerin- bzw. Wasserbasis oder Silikonbasis).<ref>Anne Philpott, Wendy Knerr, Vicky Boydell: Pleasure and Prevention: When Good Sex Is Safer Sex. In: Reproductive Health Matters. Band 14, Ausgabe 28, 10. November 2006, S. 23–31.</ref>
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Das Kondom – bekannteste und wichtigste Schutzmaßnahme
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Latexhandschuh
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Gleitmittel auf Wasserbasis
Fetthaltige Substanzen (wie zum Beispiel Öle) zersetzen das Latex, wodurch es durchlässig für Krankheitserreger wird oder reißen kann.<ref>WHO, Department of Reproductive Health and Research: Use and procurement of additional lubricants for male and female condoms. In: WHO/UNFPA/FHI360, 2012.</ref> Für die Verwendung mit fetthaltigen Substanzen eignen sich jedoch Kondome aus Polyethylen (PE) und Polyurethan (PUR).
Vermeidung von Penetration
Viele Sexualpraktiken kommen ohne das Eindringen („Penetration“) in den Körper des Partners aus; diese werden meist dem Petting zugeordnet. Bei der Stimulation des Partners mit den Händen bestehen keine Risiken bezüglich HIV und Hepatitis A, B und C. Bezüglich anderer STI besteht nur ein geringes Risiko von über die Hand verbreiteten Schmierinfektionen.<ref name=":0" details="Seite 62 f" /> Sperma auf unverletzter Haut (nicht auf den Schleimhäuten) gilt als sicher.<ref name=":0" details="Seite 65" />
Schutzmaßnahmen für den Oralverkehr
Das Risiko einer Infektion mit STIs kann durch ein Kondom bei Fellatio, beziehungsweise ein Femidom oder Lecktuch beim Cunnilingus, vermindert werden.
Schutzmaßnahmen für den Vaginalverkehr
Wichtigste Schutzmaßnahme ist die Verwendung von Kondomen oder Femidomen, welche einerseits den Kontakt des Penis mit dem Vaginalsekret oder Blut vermeidet und andererseits das Eindringen von Spermien oder Präejakulat in die Vagina verhindert.
Schutzmaßnahmen für den Analverkehr
Der Analverkehr wird allgemein als eine Sexualpraktik mit sehr hohem Infektionsrisiko angesehen, insbesondere für Infektionen mit HIV. Kondome vermindern den wechselseitigen Kontakt von Körperflüssigkeiten mit Schleimhäuten. Zusätzlich senkt der Gebrauch von Gleitmittel die Wahrscheinlichkeit von Mikroverletzungen, die Infektionen begünstigen.
Schutzmaßnahmen für die Prostatamassage
Entsprechendes gilt für die Prostatamassage, bei der das Rektum sowie die Hand mit dem penetrierenden Finger durch einen mit reichlich Gleitgel bestrichenen Einmalhandschuh zu schützen ist, und im Falle einer Ejakulation der Kontakt mit dem Sperma entweder vorsorglich durch einen zweiten Handschuh oder durch Vermeiden der Berührung des Ejakulats verhindert wird.
Schutzmaßnahmen beim Fisting
Das Fisting ist eine Sexualpraktik, bei der das Gewebe sowohl des aktiven Partners (Hand) als auch des passiven Partners (Darm, Vagina) stark belastet und gedehnt wird. Dadurch besteht ein großes Verletzungsrisiko und dadurch ein erhöhtes Risiko für Kontakte mit Blut. Das Verletzungsrisiko kann durch Gleitmittel vermindert werden. Außerdem werden Latexhandschuhe empfohlen, die einen direkten Kontakt mit Blut an Wundstellen oder Schleimhäuten verhindern.
Sicherung von Sexspielzeug
Das Einführen von Sexspielzeug, beispielsweise Dildos, mit Rückständen von Körperflüssigkeiten stellt ein Infektionsrisiko für STIs dar, jedoch nicht für HIV. Safer Sex in diesem Kontext bedeutet, die gemeinsame Nutzung solcher Spielzeuge durch mehrere Personen zu vermeiden oder das Spielzeug bei jedem Personenwechsel mit einem frischen Kondom zu überziehen, sowie das Spielzeug vor und nach Gebrauch zu reinigen.
Dies lässt sich per Hand mit Wasser und Seife erledigen. Es sollte in der Anleitung geprüft werden, ob das Spielzeug wasserdicht ist. Falls nicht, sollten die entsprechenden Stellen nicht unter fließendem Wasser, sondern vorsichtig mit einem feuchten Tuch gereinigt werden. Insbesondere bei Spielzeug, welches sowohl anal als auch in anderen Körperöffnungen verwendet wird, sollte zusätzlich mit einem geeigneten Desinfektionsmittel desinfiziert werden. Spielzeug aus Silikon und Stahl, welches über keine Elektronik verfügt, lässt sich sterilisieren, indem man es einige Minuten abkocht.
Erste Hilfe
Safer Sex ist nicht perfekt, es bestehen auch bei der Beachtung von Safer Sex verschiedene Risiken. Insbesondere im Zustand sexueller Erregung, in dem die Rationalität oft herabgesetzt ist, werden wichtige Vorsichtsmaßnahmen gelegentlich außer Acht gelassen. Manchmal kann es auch vorkommen, dass der Partner den Wunsch nach Safer Sex nicht respektiert (bis hin zur Vergewaltigung) oder es kann einfach das Kondom versagen und reißen (3–4 % der Anwendungen unter jungen Erwachsenen<ref></ref>).
Nach Anal- oder Vaginalverkehr mit erhöhtem Risiko (dazu gehören unter anderem Sex zwischen Männern sowie Sex mit einem Partner mit erhöhtem HIV-Risiko) kann eine medikamentöse Postexpositionsprophylaxe (PEP) eingeleitet werden. Die Gabe antiretroviraler Medikamente für eine begrenzte Dauer von regulär 28 bis 30 Tagen<ref name=":2" details="Seite 23" /> soll dabei eine Infektion mit dem HI-Virus verhindern. Bei rechtzeitigem Beginn innerhalb von 48 Stunden, bestenfalls innerhalb von 2 Stunden, wird von einem Schutzeffekt von deutlich besser als 80 % ausgegangen.<ref name=":2" details="Seite 2 f">Deutsch-Österreichische Leitlinie zur medikamentösen Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach HIV-Exposition (Version 2022). Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V., Österreichische AIDS Gesellschaft, 2022 (awmf.org [PDF]).</ref> Auch bei späterem Beginn, bis maximal 72 Stunden nach Exposition, kann die PEP noch sinnvoll sein.<ref name=":2" details="Seite 19e" />
Mit einem Schnelltest lässt sich, das Einverständnis des Partners vorausgesetzt, zur Risikoeinschätzung bei der Abwägung der PEP binnen ca. 30 Minuten dessen Serostatus ermitteln. Eine PEP kann in ärztlicher Absprache vorzeitig beendet werden, etwa bei negativer PCR-Testung des Partners.
Bei Aufnahme von Sperma in die Scheide oder in den Enddarm kann äußerliches Abbrausen zur Risikominderung beitragen. Durch Pressen beziehungsweise Stuhlgang kann versucht werden, aufgenommenes Sperma teilweise aus der Scheide oder dem Enddarm zu entfernen und damit eine Reduktion der Viruslast zu erreichen. Es wird abgeraten, innere Spülungen von Scheide oder Enddarm vorzunehmen, da dabei die Infektionsgefahr durch mögliche Verletzungen und tieferes Hineinspülen der Krankheitserreger eher erhöht als verringert werden könnte.<ref>Safer-Sex-Unfall / PEP (Postexpositionsprophylaxe). In: aidshilfe.de. Deutsche Aidshilfe, abgerufen am 8. April 2026.</ref>
Kritik
Immer wieder wird auch Kritik an Safer Sex geübt. Die Motivation für diese Kritik ist sehr unterschiedlich.
Ablehnung von Kondomen durch die katholische Kirche
Der Vatikan hat als Sprecher der katholischen Kirche klar Stellung bezogen und den Mitgliedern der katholischen Kirche Safer Sex explizit verboten. Als Begründung für dieses Verbot wurde genannt, dass nur jene sexuellen Aktivitäten zulässig seien, die innerhalb einer gültigen Ehe stattfinden und die direkt auf die Zeugung von Kindern ausgerichtet sind, beziehungsweise bei denen die Zeugung von Kindern möglich ist. Das ist bei Safer Sex ausgeschlossen, daher ist Safer Sex für Katholiken verboten. Man argumentiert weiter, dass dies der Verbreitung von Geschlechtskrankheiten keinen Vorschub leistet, da Enthaltsamkeit und eheliche Treue einen zuverlässigeren Schutz vor Ansteckung bieten und somit eine Alternative zu Safer Sex darstellen.
Der Vatikan hat im Dezember 2003 seine Kritik an den staatlichen Safer-Sex-Kampagnen unter anderem in Form einer Abhandlung mit dem Titel Family Values Versus Safe Sex (Familienwerte versus sicheren Geschlechtsverkehr) veröffentlicht.<ref>Kardinal A. L. Trujillo: Family Values Versus Safe Sex. (vatican.va)</ref> In dem Text kritisiert Kardinal Alfonso López Trujillo die vorbehaltlose Empfehlung von Kondomen, da sie noch weniger vor Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten als vor ungewollten Schwangerschaften schützten.
Unter Papst Benedikt XVI. sprach sich Kardinal Baragàn für eine Ausnahme des grundsätzlichen Kondomverbots aus, falls in einer Ehe ein Ehepartner HIV-infiziert ist.<ref>dpa: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vatikan will Aids-Kranken Kondome erlauben. ( vom 19. Oktober 2007 im Internet Archive). In: Der Tagesspiegel. 24. April 2006.</ref><ref>Meldung der Tagesschau: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lockerung des Kondomverbots ( vom 10. Juli 2010 im Internet Archive)</ref><ref>Kurswechsel im Vatikan bahnt sich an. In: stern.de. 22. November 2006, abgerufen am 9. April 2026.</ref>
Demgegenüber wird von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für den Gebrauch von Kondomen zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit geworben. Die EKD-Kammer für nachhaltige Entwicklung äußert im Juli 2007 in einer Studie Für ein Leben in Würde, dass zur Bekämpfung von HIV „die Verwendung von Kondomen sowie der Verzicht auf Promiskuität“ gehöre. Im 58-seitigen Text wird 22 Mal das Wort „Kondom“ verwendet.<ref>EKD: Für ein Leben in Würde -Die globale Bedrohung durch HIV/Aids und die Handlungsmöglichkeiten der Kirche. (ekd.de, PDF; 696 kB)</ref>
Förderung von unmoralischem Verhalten
Eine weitere Form der Kritik wendet sich gegen die Förderung von „unmoralischem Verhalten“. Diese Argumentationsweise findet sich besonders häufig in den USA. Es wird argumentiert, dass durch die Möglichkeit der Verminderung von Ansteckungsrisiken die Angst vor der Ausübung von Sexualität vermindert wird und auf diese Weise unmoralisches Verhalten gefördert würde, was wiederum eine Vergrößerung des Ansteckungsrisikos mit sich brächte.
Gegen diese Behauptung der Risikokompensation spricht eine Studie von Steven D. Pinkerton über sexuelle Risikokompensation und HIV/STD-Übertragung. Laut seiner Studie existieren zwar Studien, nach denen bei Homosexuellen die Kondomnutzung zwar mit einem Anstieg an Geschlechtsakten korreliert, dabei korrelierte sie aber weder mit einem allgemeinen Anstieg des HIV/STD-Risikos, noch wurde über einen gleichzeitigen Anstieg der Geschlechtspartner berichtet.<ref></ref>
Kampagnen in Afrika
In Uganda hat dagegen eine Kampagne für eheliche Treue beziehungsweise gegen Promiskuität zur deutlichen Abnahme der HIV-Neuinfektionen geführt.<ref>R. Stoneburner, D. Low-Beer: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Population-level HIV declines and behaviour risk avoidance in Uganda. ( vom 25. Februar 2006 im Internet Archive). In: Science. Nr. 304, 30. Apr 2004, S. 714–718.</ref>
Der Erfolg in Uganda beruhte auf einem ABC-Programm. Es setzte zwar auch auf Keuschheit (Abstinenz) und Treue (Be faithful), aber Safer Sex (Condoms) war integraler Bestandteil.<ref>Uganda AIDS Commission: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Frequently Asked Questions ( vom 4. Oktober 2006 im Internet Archive)</ref> Die Abkehr von Safer Sex geschah erst in jüngster Zeit und droht das bisher Erreichte zunichtezumachen.<ref>Praxis Psychosoziale Beratung Frankfurt am Main: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Abkehr vom Kondom ( vom 13. Februar 2009 im Internet Archive)</ref>
Rechtliche Aspekte
In Deutschland ist die vorsätzliche Infizierung eines anderen Menschen mit dem HI-Virus und anderen Krankheiten als Körperverletzung (§§ 223 ff. StGB) oder als Tötungsdelikt (§§ 211 ff. StGB) strafbar.<ref>Walter Scheuerl: Aids Und Strafrecht: Die Strafbarkeit HIV-Infizierter Personen Beim Vollziehen Sexueller Kontakte. Dissertation. Hamburg / Münster 1992, ISBN 3-89473-287-3.</ref>
In Österreich gelten Gesetze gegen die vorsätzliche (§ 178 öStGB) und die fahrlässige (§ 179 öStGB) Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten. In diesem Falle wäre die Gefährdung als gemeingefährliche strafbare Handlung zu werten.
In der Schweiz steht sowohl fahrlässiges wie vorsätzliches Verbreiten von menschlichen Krankheiten nach Art. 231 StGB unter Strafe.<ref>Artikel 231 StGB. In: Fedilex. Schweizer Eidgenossenschaft, abgerufen am 9. April 2026.</ref>
Verwandte Themen
- Safer Use – Maßnahmen zur Unterbindung der Virenübertragung zwischen Drogenkonsumenten.
Literatur
Weblinks
- Liebesleben - Informationsprojekt des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) zu Sexueller Gesundheit
- Deutsche Aidshilfe e.V. - Zu HIV und STI aufklärender deutscher Dachverband
- Sexuelle Gesundheit auf Frauengesundheitsportal - Informationsplattform des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit
- Ich weiß, was ich tu – Präventionskampagne der Deutschen Aids-Hilfe für Männer, die Sex mit Männern haben
- Love Life Stop Aids - Präventionskampagne der Aids-Hilfe Schweiz
- Aids-Hilfe Schweiz - Alles über HIV/Aids
- familienplanung.de – Verhütung: Das Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Einzelnachweise
<references />