Der Totentanz oder Makabertanz ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=fr|SCRIPTING=Latn|SERVICE=französisch}}) ist die im 14. Jahrhundert aufgekommene Darstellung des Einflusses und der Macht des Todes auf beziehungsweise über das Leben der Menschen. Dies erfolgt oft in allegorischen Gruppen, in denen die bildliche Darstellung von Tanz und Tod meist gleichzeitig zu finden sind.
14. und 15. Jahrhundert
Zwischen 1410 und 1425 entstand in der Abtei La Chaise-Dieu ein Wandgemälde mit ursprünglich 30 und heute noch 24 Tanzpaaren. Bereits 1424 wurde der Totentanz an der Mauer eines Pariser Friedhofs, des Cimetière des Innocents, vollendet, der nach dem Bilderbogen-Totentanz von Johan Le Fèvre, der 1374 am Schwarzen Tod erkrankt gewesen war, entstanden ist<ref>Friedrich von Zglinicki: Die Uroskopie in der bildenden Kunst. Eine kunst- und medizinhistorische Untersuchung über die Harnschau. Ernst Giebeler, Darmstadt 1982, ISBN 3-921956-24-2, S. 90.</ref> und heute vor allem durch die Holzschnittfolge<ref>V. Dufour: Faksimile-Ausgabe des Holzschnitt-Werkes von Guyot Marchant über den ‘Danse macabré’. Paris 1485. Paris 1875; Neuausgabe ebenda 1925.</ref> des Pariser Druckers Guyot Marchant von 1485<ref>Friedrich von Zglinicki: Die Uroskopie in der bildenden Kunst. Eine kunst- und medizinhistorische Untersuchung über die Harnschau. Ernst Giebeler, Darmstadt 1982, ISBN 3-921956-24-2, S. 90 f.</ref> bekannt ist. In Basel entstanden 1439/40 der Basler Totentanz, auch Predigertotentanz genannt, an der Friedhofsmauer des dortigen Dominikanerklosters und 1460 der Kleinbasler Totentanz in Basel-Klingental (Museum Kleines Klingental). Es folgte u. a. um 1460 der Lübecker Totentanz in der Marienkirche von Lübeck und des 1489 in Lübeck in Mittelniederdeutscher Sprache gedruckten Buches Des Dodes Dantz.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Dieses teilweise Bernt Notke zugeschriebene Wandgemälde in der so genannten Totentanzkapelle wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört; zwei von Alfred Mahlau 1955/56 gestaltete Fenster in der Kapelle erinnern heute an dieses untergegangene Kunstwerk. Fragmente von Notkes weiterem Totentanz für Reval (Tallinn) befinden sich noch heute in der dortigen Nikolaikirche.
Ursprünglich bildete der Totentanz den Stoff zu dramatischer Dichtung und szenischer Aufführung und wurde in kurzen, meist vierzeiligen Wechselreden zwischen dem Tod und anfangs 24 nach absteigender Rangfolge geordneten Personen verarbeitet. Wahrscheinlich war darin den sieben makkabäischen Brüdern mit ihrer Mutter und Eleasar (Vorlage:Bibel/Link) eine hervorragende Rolle zugeteilt, und die Aufführung fand an deren Gedächtnisfest zu Paris im „Kloster der unschuldigen Kindlein“ ({{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) statt; daher der in Frankreich von alters her übliche lateinische Name Chorea Machabaeorum ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=fr|SCRIPTING=Latn|SERVICE=französisch}}). Andere Theorien gehen davon aus, das Wort ‚makaber‘ komme von {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}, von arabisch{{#if:مقابر| {{#invoke:Vorlage:lang|fold}}{{#if:maqâbir| {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:|, DMG{{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:| <templatestyles src="IPA/styles.css" />{{#if:|[}}{{#if:
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In Paris war bereits 1424 die ganze Reihe jener dramatischen Situationen nebst den dazugehörigen Versen an die Kirchhofsmauer des genannten Klosters gemalt, und hieran schlossen sich bald weitere Malereien, Teppich- und Steinbilder in den Kirchen zu Amiens, Angers, Dijon, Rouen usw. sowie seit 1485 auch Holzschnitt- und Druckwerke, welche die Bilder und Inschriften wiedergaben.
Noch erhalten ist der textlose, aber die Dichtung illustrierende Totentanz in der Abteikirche von La Chaise-Dieu in der Auvergne, der nach neueren ikonographischen Forschungen insbesondere zur Kleidung erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand.
Reime und Bilder des Totentanzes wurden durch den englischen Mönch John Lydgate kreativ kopiert und gelangten so von Frankreich aus auch nach England. Eine besondere Beschäftigung mit der Thematik fand in Deutschland statt, wo der Totentanz mit wechselnden Bildern und Versen in die Wand- und Buchmalerei überging. Eine Darstellung in einer Kapelle der Lübecker Marienkirche von Bernt Notke, deren niederdeutsche Reime teilweise erhalten sind, zeigte den Totentanz noch in seiner einfachsten Form: 24 Personen, Geistliche und Laien in absteigender Rangordnung, von Papst, Kaiser, Kaiserin, Kardinal und König bis hinab zu Klausner, Bauer, Jüngling, Jungfrau, Kind, und zwischen je zwei Personen eine tanzende Todesgestalt als verschrumpfte Leiche mit umhüllendem Grabtuch; dabei halten die Tänzer einander die Hände und bilden eine Art Reigen; eine einzelne Todesgestalt springt pfeifend voran (vgl. Ausführliche Beschreibung und Abbildung des Totentanzes in der Marienkirche zu Lübeck. Lübeck 1831).
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Das älteste Zeugnis eines Totentanzes in Deutschland ist die Handschrift Cpg 314 in der Universitätsbibliothek Heidelberg.<ref name="cpg_314" /> Hier wurden den lateinischen Versen, die wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert stammen, deutsche Übersetzungen hinzugefügt. In ihrer monumentalen Form waren die an Klostermauern gemalten Totentänze des Wengenklosters in Ulm (um 1440) und in den beiden Dominikanerkonventen in Basel die Vorreiter. Einer der größten bekannten Totentänze entstand zur Zeit der Berliner Pestepidemie von 1484 in der Marienkirche (Berlin-Mitte).<ref>Wilhelm Lübke: Der Todtentanz in der Marienkirche zu Berlin. Riegel, Berlin 1861 ({{#if: 0vb4ngm1wRMC
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Weitere Wandgemälde mit Totentanz-Motiven aus dieser Epoche befinden sich in Metnitz (Österreich), Hrastovlje (Slowenien) mit von Johannes de Castua gemalten Totentanzfresken von über sechs Metern Länge, die von Marijan Zadnikar<ref>Hrastovlje romanska arhitektura in gotske freske. Tiskarna Ljudska Pravica, Ljubljana 1961, OCLC258694330.</ref> entdeckt wurden,<ref>Friedrich von Zglinicki: Die Uroskopie in der bildenden Kunst. Eine kunst- und medizinhistorische Untersuchung über die Harnschau. Ernst Giebeler, Darmstadt 1982, ISBN 3-921956-24-2, S. 91 f.</ref><ref>Werner Block: Der Arzt und der Tod in Bildern aus sechs Jahrhunderten. Enke, Stuttgart 1966, S. 45.</ref> und Beram (Kroatien). Auch in der Lombardei ist eine Reihe von Totentänzen erhalten, z. B. in Clusone<ref>Mauro Zanchi: Theatrum mortis nel nome della vita eterna: l’Oratorio dei Disciplini a Clusone. Ferrari Editrice, Clusone 2005.</ref> und Bienno. Der typische Bildaufbau weicht jedoch von den in Deutschland und Frankreich üblichen Bildern ab, denn das Geschehen wird in zweigeteilten Großfresken dargestellt: im oberen Teil findet sich jeweils der Triumph des Todes, im unteren eine Tanzszene, ähnlich wie in La Chaise-Dieu.
Seit Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die Bilder des Totentanzes immer mehr vervielfältigt, während die Verse wechselten oder ganz weggelassen wurden, und zuletzt gestalteten sich beide, Bilder und Verse, völlig neu. Zunächst wurde der Totentanz von Grossbasel auch in Kleinbasel nachgeahmt (nicht vor der Mitte des 15. Jahrhunderts übertragen), wobei Zahl und Anordnung der tanzenden Paare dieselbe blieben.
Am Anfang wurden ein Pfarrer und ein Beinhaus und am Ende der Sündenfall hinzugefügt, während die das Ganze beschließende Person des Malers vielleicht erst Hans Hug Kluber anhängte, der 1568 das Bild restaurierte. Dieses Motiv übernahm er von Niklaus Manuels Berner Totentanz, der zwischen 1516 und 1520 entstand.<ref>Paul Zinsli: Der Berner Totentanz des Niklaus Manuel (1484–1530) (= Berner Heimatbücher. Band 54/55). Bern 1953.</ref> Bei dem Abbruch der Kirchhofsmauer 1805 ist das Original bis auf geringe Fragmente zugrunde gegangen; doch haben sich Nachbildungen nebst den Reimen erhalten, namentlich in den Handzeichnungen Emanuel Büchels (bei Hans Ferdinand Maßmann: Literatur der Todtentänze. Leipzig 1841 (Nachdruck: Olms, Hildesheim 1963)). Der zum Volkssprichwort gewordene „Tod von Basel“ gab neuen Anstoß zu ähnlichen Darstellungen, obschon die Dichtkunst den Stoff ganz fallen ließ. So ließ Herzog Georg von Sachsen noch 1534 längs der Mauer des dritten Stockwerks des nach ihm benannten Georgentores ein steinernes Relief von 24 lebensgroßen Menschen- und drei Todesgestalten ausführen, ohne Reigen oder tanzende Paare und nach Auffassung wie nach Anordnung durchaus neu und eigentümlich. Dieses Bildwerk wurde bei dem großen Schlossbrand von 1701 stark beschädigt, aber wiederhergestellt und auf den Kirchhof von Dresden-Neustadt übertragen. Jetzt befindet es sich in der Dresdner Dreikönigskirche (abgebildet bei Nanmann (richtig: Naumann): „Der Tod in allen seinen Beziehungen“, Dresden 1844).
Von der Basler Darstellung abhängig ist das im 15. Jahrhundert entstandene Gemälde mit dem Totentanz in der Straßburger Predigerkirche, das verschiedene Gruppen zeigt, aus deren jeder der Tod seine Opfer zum Tanz holt; abgebildet bei Edel: „Die Neue Kirche in Straßburg“, Straßburg 1825. Aus den Jahren 1470 bis 1490 stammt der Totentanz in der Turmhalle der Marienkirche zu Berlin (herausgegeben von W. Lübke, Berlin 1861, und von Th. Prüfer, daselbst 1876). Einen wirklichen Totentanz malte von 1514 bis 1522 Niklaus Manuel an die Kirchhofsmauer des Predigerklosters zu Bern, dessen 46 Bilder, die jetzt nur noch in Nachbildungen vorhanden sind, bei aller Selbständigkeit ebensowohl an den Basler Totentanz wie an den erwähnten „doten dantz mit figuren“ erinnern.
Eine neue und künstlerische Gestalt erhielt der Totentanz dann durch Hans Holbein den Jüngeren.<ref>Alexander Goette: Holbeins Totentanz und seine Vorbilder. Karl J. Trübnr, Straßburg 1897 ({{#if: lU6wos12F5kC
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}}{{#if:Scan|{{#if:{{#invoke:WLink|isBracketedLink|Scan}}| Linktext ungültig}}}}).</ref> Daraus, dass Hulderich Frölich in seinem 1588 erschienenen Buch „Zween Todtentäntz, deren der eine zu Bern, der andre zu Basel etc.“ dem Totentanz am Predigerkirchhof größtenteils Bilder aus Holbeins Holzschnitten unterschob und Christian von Mechel sie als ersten Band seiner 1780 erschienenen Reproduktionen der Werke Holbeins als „Le Triomphe de la mort“ (47 Radierungen nach den Holzschnitten Holbeins) aufnahm, entstand der doppelte Irrtum, dass man auch den älteren wirklichen Totentanz im Predigerkloster für ein Werk Holbeins hielt und des letzteren „Imagines“ ebenfalls Totentanz benannte.
Im Lauf des 16., 17. und 18. Jahrhunderts entstanden weitere Totentänze u. a. in Chur (bischöflicher Palast nach den Vorbildern der Holbeinschen Kompositionen), in Füssen (Füssener Totentanz), in Konstanz, in Kuks (Böhmen, Totentanz als Wandfresko im Hospital, 18. Jh.), in Luzern (Totentanzgemälde im ehemaligen Jesuitenkolleg und auf der Spreuerbrücke), in Freiburg im Üechtland, in Bleibach (Schwarzwald) und in Erfurt. Auch Daniel Chodowiecki schuf 1791 eine Serie von Radierungen mit dem Thema Totentanz.<ref>Siehe etwa Werner Block: Der Arzt und der Tod in Bildern aus sechs Jahrhunderten. Enke, Stuttgart 1966, {{#if: {{#if: | {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{{suffix}}}}} }}
}}{{#ifeq: 0 | 0 | {{#if: {{#invoke:URIutil|isDNBvalid|456138404}} | | (???)}}
}}.</ref> Die Totentanzkapelle in Straubing, erbaut 1486, hat einen umfangreichen Zyklus von Fresken, welcher durch den Straubinger Rokoko-Künstler Felix Hölzl im Jahr 1763 geschaffen wurde. Auch die Holzschneide- wie Kupferstecherkunst nahmen den Stoff wieder auf, zum Beispiel Johann Gottfried Flegel, ebenso wie die Dichtkunst, z. B. Bechstein („Der Totentanz“, Leipzig 1831).
Auch in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zeichnete man wieder Totentänze, so namentlich Alfred Rethel und Wilhelm von Kaulbach. Vermutlich ab dem 16. Jahrhundert hat auch die regional jeweils unterschiedliche Redensart „Aussehen wie der Tod im Basler/Lübecker/Dresdner Totentanz“ Eingang in die Sprache gefunden, die blasse, ungesund aussehende Menschen beschreibt.<ref>Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Band 3, Herder, Freiburg 1992, S. 1628.</ref>
Die beiden Weltkriege veranlassten im 20. Jahrhundert zahlreiche Künstler, Motive aus dem Totentanz wieder aufzunehmen, oder eigene Werke entsprechend zu benennen. Zu den bekanntesten Beispielen gehören:
HAP Grieshaber: Der Totentanz von Basel, 40 Farbholzschnitte, 45 cm × 35 cm, 1965
Aloys Ohlmann: Der Kirchzartener Totentanz zum Lübecker Totentanz von Hugo Distler 14 Serigrafien 70 cm × 50 cm, 1982
Aloys Ohlmann: Macabre. Zeichnungen und Texte, 1991 – K. und U. Schulz, Die Totentänze B 153: „einer der wohl ungewöhnlichsten Totentänze hat A. Ohlmann mit seiner Text- und Bilderfolge „Macabre“ geschaffen. Es ist die ganz persönliche Auseinandersetzung mit dem jederzeit möglichen Sterben. Also nicht die Begegnung der verschiedensten Menschen mit dem Tod, sondern nur die eines einzelnen Menschen, hier die des Künstlers A. Ohlmann wird thematisiert…“
Heinrich Knoblochtzer: Oberdeutscher achtzeiliger Totentanz, Straßburg-Heidelberg (1485/88), auch 1491 (Heidelberger Totentanz) durch Jacob Meydenbach (je nach Druckort Mainz bzw. Heidelberg)<ref>doi:10.11588/diglit.2150; Friedrich von Zglinicki: Die Uroskopie in der bildenden Kunst. Eine kunst- und medizinhistorische Untersuchung über die Harnschau. Ernst Giebeler, Darmstadt 1982, ISBN 3-921956-24-2, S. 86 f.; Albert Schramm: Heinrich Knoblochtzers Todten-Dantz. Heidelberg o. J.; Neudruck Leipzig 1921.</ref>
Alfred Kubin „Ein Totentanz. Die Blätter mit dem Tod“ (1918)
Simon Marmion Darstellung eines Totentanzes in einer Kreuzganggalerie auf dem rechten Innenflügel des ehemaligen Hochaltars von St-Bertin in St-Omer (1455–1459)
Wilhelm Werner von Zimmern, Vergänglichkeitsbuch, bebilderte Handschrift, Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Cod. Donaueschingen A III 54<ref>{{#invoke:Vorlage:URN|f|errHide=1|errNS=0|errClasses=error editoronly|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:URN}}{{#if: | Vorlage:URN – Parameter 3= wird nicht mehr unterstützt; bitte verwende resolver=}} (Transkription der gesamten Handschrift).</ref>. Das Vergänglichkeitsbuch (1520–1550) enthält auf Blatt 21v eine lavierte Federzeichnung der Begegnung der drei Lebenden und der drei Toten sowie einen Totentanz mit 41 Illustrationen und den zugehörigen Dialogversen.<ref>Hans Georg Wehrens: Der Totentanz im alemannischen Sprachraum. „Muos ich doch dran – und weis nit wan“. Schnell & Steiner, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7954-2563-0, S. 36 f. und 154 ff.</ref>
Dass im späten Mittelalter Totentänze als geistliche Spiele, vielleicht am ehesten als Fastnachtsspiele, aufgeführt wurden, erscheint auf den ersten Blick evident.<ref>Vgl. dazu: Gert Kaiser: Der tanzende Tod. Frankfurt am Main 1983, S. 68; ders.: Totentanz und verkehrte Welt. 1993.</ref> Dennoch sind bisher keine eindeutigen Spieltexte bekannt geworden und es finden sich nur wenige Belege für Aufführungen.<ref>Peter Salmen: Zur Praxis von Totentänzen im Mittelalter. In: Tanz und Tod in Kunst und Literatur (= Schriften zur Literaturwissenschaft. 8). Berlin 1993, S. 119–126; liefert zwar eine interessante Quellensammlung zum volksgeschichtlichen Hintergrund, der möglicherweise eine Wurzel der spätmittelalterlichen Totentänze darstellt, kann aber in seiner Argumentation nicht schlüssig nachweisen, dass die von ihm geschilderten „Friedhofsreigen“ (S. 121 f.) tatsächlich als dramatisierte Totentänze zu verstehen sind. Seine Bemerkungen zu „Arten und besonderen Merkmalen der Aufführung von Totentänzen“ (S. 122 f.), die vorwiegend auf Quellenmaterial des 16. Jahrhunderts beruhen, führen nicht viel weiter, zumal er letztlich wieder auf die bildliche Darstellung der Totentänze zurückgreifen muss, die aber keinen eindeutigen Beleg für die Aufführungspraxis darstellt.</ref> Überliefert ist die Aufführung eines Totentanzdramas im Jahr 1449 in einer Hofrechnung der Herzöge von Burgund: „A Nicaise de Cambray, paintre, demourant en la ville de Bruges quant il a joué devant MdS en son hostel avec ses autres compaignons, certain jeu, histoire et moralité sur le fait de la danse macabre.“<ref>Gert Kaiser: Der tanzende Tod. Frankfurt am Main 1983, S. 54.</ref> Für den deutschen Sprachraum ist lediglich eine Aufführung überliefert, die Neumann als Totentanzspiel identifiziert (Basel 1519): „Idem [i. e. Martinus Vonvillere] ordinavit choream mortis“.<ref>Bernd Neumann: Geistliches Schauspiel im Zeugnis der Zeit (= Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters. Band 84). Band 1, München 1987, S. 125, Beleg Nr. 49.</ref> Erst mit Entdeckung eines neuen Totentanzfragmentes, das sich mit Blick auf die Sprache am Niederrhein verorten lässt, dem Klever Totentanz,<ref>Geert H. M. Claassens, Brigitte Sternberg: Ein Klever Totentanz? Neu entdeckte Fragmente. In: Zeitschrift für deutsche Philologie. Band 115, 1996, S. 55–83.</ref> gibt es einen ersten Beleg für einen „Rollentext“, wie er für die Aufführung eines Totentanzspieles Verwendung finden konnte.<ref>Carola Kirschner: Die Klever (Overijsselschen) Totentanzfragmente. In: Helmut Tervooren u. a.: Van der Masen tot op den Rijn. Ein Handbuch zur Geschichte der mittelalterlichen volkssprachlichen Literatur im Raum von Rhein und Maas (= Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend. Nr. 105). Geldern 2005, ISBN 3-921760-41-0, S. 203–204; Erich Schmidt, Berlin 2006, ISBN 3-503-07958-0.</ref>
Totentanz-Motive in der Musik
Auch als musikalisches Sujet fand der Totentanz weite Verbreitung. Sowohl ausdrücklich als Totentanz bezeichnete Werke wie auch zahlreiche Vertonungen zum Thema „Der Tod und das Mädchen“ reihen sich thematisch ein.
Felix Woyrsch schuf mit dem 1906 uraufgeführten Totentanz. Ein Mysterium für Solostimmen, Chor, Orchester und Orgel op. 51 ein abendfüllendes Oratorium.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Wilhelm Kempff komponierte 1931 Totentanz op. 37, ein Konzert in Suitenform für Klavier, Streichorchester, Schlagzeug und gemischten Chor.
Arthur Honegger komponierte 1938–1940 das szenische Oratorium La danse des morts (Totentanz) auf den Text von Paul Claudel, bei einem gemeinsamen Besuch der Stadt Basel 1938 inspiriert von den Holzschnitten Hans Holbeins d. J., die dieser um 1440 nach dem Basler Totentanz geschaffen hatte.
Der österreichische Liedermacher Wolfgang Ambros schuf 1975 mit Es lebe der Zentralfriedhof einen modernen Klassiker des Totentanzes und Hymnus auf den Wiener Zentralfriedhof.
Die Komponistin Dorothée Hahne vertonte 2006 in ihrem softwarebasierten, interaktiven dance macabre für Blockflöte & Live-Elektronik die Klänge des Friedhoftores im münsterländischen Schöppingen.
Der Gitarrist Peter Finger komponierte eine Instrumental-Vertonung von Goethes Ballade Der Totentanz.
Der deutsche Komponist und Organist Harald Feller vertonte einen Danse macabre für Orgel und Schlagzeug
Das deutschsprachige Musical Elisabeth erzählt die Lebensgeschichte der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Sissi) als Totentanz.
Die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden brachte im Jahr 2003 das Album Dance of Death (dt. Tanz des Todes) auf den Markt, auf welchem auch ein gleichnamiger Titel zu finden ist.
Die deutsche Folkrockband Larkin brachte 2004 eine CD mit dem Namen Totentanz auf den Markt.
Der Name der Mittelalterband Saltatio Mortis bedeutet übersetzt „Totentanz“.
Von der Mittelalterband In Extremo existiert das Instrumentalstück Totentanz.
Die Mittelalterband WirrWahr kombinierte den flämischen Hoebockentanz mit einem traditionellen Stück namens Totentanz für das Album Pest-Of.
Auf dem Album Mit Leib und Seele der Mittelalterband Schandmaul findet sich der Titel Das Mädchen und der Tod.
Ein Lied mit dem Titel Totentanz befindet sich auf dem Album Fau der Mittelalterband „Die Streuner“.
Die Mittelalterband Van Langen & des Teufels Lockvögel komponierte für ihre 2002 erschienene CD ales umb der holden frouwen minne das Lied Todtentanz als musikalische Umsetzung spätmittelalterlicher Abbildungen.
Das Lied Ballo in Fa Diesis Minore des italienischen Sängers Angelo Branduardi greift die Totentanz-Thematik ebenfalls auf.
Die schwedische Black-Metal-Band Marduk befasst sich auf ihrem Album La grande Danse macabre mit Totentänzen und Tod im Allgemeinen. Auch auf dem Album Rom 5:12 beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema Totentanz. Dort zieren zahlreiche Totentanz-Darstellungen das Beiheft und auch die Texte beziehen sich auf Gedichte und Schriften der Vanitas.
SDiddy (feat. Hakan Abi und Eko Fresh) – Totentanz auf dem Album 21 Gramm.
Ebenfalls vertreten ist ein Track mit besagtem Titel auf dem Album Stille des deutschen Rappers und Produzenten Tua.
Der deutsche Hip-Hop Künstler Prinz Pi brachte im Jahr 2007 ein Exclusive Release auf der Juice Vol. 75 mit dem Namen Totentanz auf den Markt.
Auf einem Album des deutschen Rappers Swiss ist der Titel Totentanz zu finden.
Der Rapper Capo veröffentlichte 2017 den Track Totentanz für sein Album Alles auf Rot.
Die schwedische Band Ghost brachte mit ihrem Album Prequelle 2018 den Song Dance Macabre heraus. Zu diesem Song gibt es unter anderem ein offizielles Musikvideo, ein Instagram-Video sowie eine Remix Version vom Künstler Carpenter Brut.
Auf dem Debütalbum der niederländischen Band Ekseption ist eine Bearbeitung des Dance Macabre von Camille Saint-Saëns enthalten (1969)
Lars von Trier bezeichnet in seinem Film Melancholia (2011) die von Gravitation und Fliehkraft bestimmte Flugbahn des die Erde zerstörenden Planeten als Totentanz.
William Combe und Thomas Rowlandson (Illustrator): The English Dance of Death. 2 Bände. Ackermann’s Repository of Art, London 1815–1816. 72 Verskapitel zu Aquatinta-Blättern ({{#invoke:Vorlage:URN|f|errHide=1|errNS=0|errClasses=error editoronly|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:URN}}{{#if: | Vorlage:URN – Parameter 3= wird nicht mehr unterstützt; bitte verwende resolver=}}).
Walter Scott besang im Versepos The Dance of the Death 1815 die Gefallenen von Waterloo.
Georg Trakl verwendete das Totentanzmotiv in seinem Gedicht Verfall („blasser Kinder Todesreigen“)
August Strindberg schrieb ein Theaterstück mit dem Titel Totentanz. In einem Dialog zwischen zwei Eheleuten anlässlich ihrer silbernen Hochzeit ist der Tod sowohl als Erlöser als auch als Vernichter ständig gegenwärtig.
Thomas Mann benannte ein Kapitel in seinem Roman Der Zauberberg als Totentanz, in dem Fritz Rotbein („der Herrenreiter“) durch Hans Castorp die letzte Ehre gegeben wird.
Michael Siefener und Silke Urbanski schrieben 2005 Totentanz, einen Mittelalterkrimi, der historische Ereignisse um den Maler der Lübecker Totentanzes, Bernd Notke, als Ausgang nimmt.
Peter Brannath schrieb 2006 den Kriminalroman Seebacher – Der Tod schreibt schwarze Zahlen, der die Totentänze in Freiburg, Bleibach und Herten zum Thema hat.
Lena Falkenhagen veröffentlichte 2008 den historischen Roman Das Mädchen und der schwarze Tod, in dem die Entstehung des Totentanzes in der Lübecker Marienkirche thematisiert wird.
In Neil GaimansGraveyard-Buch von 2008 feiern im Kapitel „Totentanz“ der Protagonist Nobody Owens und die anderen Bewohner des Friedhofs für eine Nacht ein besonderes Fest mit den lebenden Stadtbewohnern.
Werner Ryser: Walliser Totentanz. Roman. Nagel & Kimche, Zürich 2009, ISBN 978-3-312-00645-8.
Jürgen Kropp schrieb 2013 den Gedichtzyklus Ganz alleen. En Dodendanz in fief Slääg. Er thematisiert darin in klangbildgewaltiger niederdeutscher Sprache Tod und Sterben in der Gegenwart und erhielt dafür den renommierten Klaus-Groth-Preis der Stadt Heide 2013.
Gabriel Peignot: Recherches historiques et littéraires sur les danses des morts. Lagier, Paris 1826 (Digitalisat).
Francis Douce: The danse of Death […]. William Pickering, London 1833 ({{#if: h3pWY2Je2Y4C
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}}{{#if:Scan|{{#if:{{#invoke:WLink|isBracketedLink|Scan}}| Linktext ungültig}}}}; insbes. zu Hans Holbein d. J.).
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Franz Egger: Basler Totentanz. Basel 1990. 2. Auflage. Reinhardt, Basel; Historisches Museum, Basel 2009, ISBN 978-3-7245-1557-9.
Imke Lüders: Der Tod auf Samt und Seide. Todesdarstellungen auf liturgischen Textilien des 16. bis 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum (= Kasseler Studien zur Sepulkralkultur. Band 14). Zentralinstitut für Sepulkralkultur Kassel, Kassel 2009, ISBN 978-3-924447-40-3, insbes. S. 28 f. und Kap. 2.1 Totentänze auf liturgischen Textilien, S. 35–53 (zu den Osnabrücker Pluvialfragmenten und dem Kasseler Totentanztuch).
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Hans Georg Wehrens: Der Totentanz im alemannischen Sprachraum. „Muos ich doch dran – und weis nit wan“. Schnell & Steiner, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7954-2563-0.
Jessica Nitsche (Hrsg.): Mit dem Tod tanzen. Tod und Totentanz im Film. Neofelis, Berlin 2015, ISBN 978-3-943414-58-5.
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Totentänze. In: webhistoriker.de (Todesvorstellungen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, hier auch Erläuterungen zu Totentanz und ars moriendi)
Den gamle danske DØDEDANS. In: gravgaver.no. Der dänische Totentanz-Text von 1555(?) mit Holzschnitten (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20170109162240
Wiener Totentänze. In: totentanz-online.de, Europäische Totentanz-Vereinigung. Danses Macabres d’Europe, Bundesrepublik Deutschland e. V., 10. Dezember 2006