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Dorothée Hahne

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Datei:DorotheeHahne.jpg
Dorothée Hahne beim Klangraum Festival Stuttgart (November 2008)

Dorothée Hahne (* 1966 in Bonn) ist eine deutsche Komponistin, Produzentin und Verlegerin.

Werdegang

Hahne studierte an den Staatlichen Hochschulen für Musik Köln und Düsseldorf Trompete. Während ihrer Studienzeit spielte sie u. a. als Trompeterin in der ersten deutschen Frauenbigband Reichlich weiblich.<ref>Besetzungsangabe Reichlich Weiblich: Live at Moers Festival ’87. In: moers-music.de. Abgerufen am 15. März 2024.</ref> 1987 begann sie zu komponieren.

1988 gründete sie das Renitent-Quartett, mit dem sie eigene Kompositionen bei Kunstausstellungen und Festivals aufführte. Gemeinsam mit Martin Kätelhön (Lichtprojektionen) und der Künstlerin MAF Räderscheidt (Malerei) entstanden Kompositionen für Blasinstrumente (unter anderem Trompete, Alphorn, Didgeridoo) und Live-Elektronik. Neben zahlreichen Performances und Konzerten in Museen, Galerien und Kunstvereinen entstanden mehrere instrumentale und elektronische Kompositionen, Filmmusiken, Lyrikvertonungen, Hörspielprojekte und Auftragskompositionen. 1999–2009 arbeitete sie mit der Blockflötistin Dorothee Oberlinger zusammen.<ref>Neue Musikzeitung 2/02 Eine Flöte ist keine Trillerpfeife - Die Blockflötistin Dorothee Oberlinger zuletzt gesichtet am 2. April 2011.</ref> Im Jahr 2000 gründete sie das ensemble newsic (Maria Jonas, Dorothee Oberlinger, Norbert Rodenkirchen, seit 2004 mit Dorothee Mields, seit 2007 mit Johanna Krumin).

Ein Merkmal ihrer Kompositionen in der Verwendung von elektronischen Mitteln ist der Verzicht auf jedwede Art von Klangsynthese. Die elektronischen Mittel dienen ausnahmslos der Repetition und Variation von „natürlich“ erzeugten Klängen. Dem Tanztheater ist sie in Kooperationen mit Tänzern und Performances mit eigenem Auftritt als Musiker nach wie vor eng verbunden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tanztheater: Verfolgungsjagd im Parkhaus (Memento vom 22. Dezember 2014 im Internet Archive), Der Westen vom 1. Juli 2012, abgerufen am 18. Dezember 2014.</ref> Die Komponistin widmet sich außerdem der Beschallung von Kirchenräumen mit eigens für die speziellen Akustikverhältnisse entstandenen Konzertprojekten.

Hahne betont, Elektronik insbesondere für klassisch ausgebildete Musiker zugänglich zu machen, damit der Fokus auf der Musik und nicht auf der Technik liegt.<ref name="taz2025">Benno Schirrmeister: Komponistin über elektronische Musik: „Es ist, als würdest du einen neuen Stern entdecken“. In: taz. 12. November 2025, abgerufen am 13. November 2025.</ref> Sie kombiniert dafür klassische Instrumente mit Elektronik und arbeitet häufig mit aufgenommenen, realweltlichen Klängen.<ref name="taz2025" /> Im Jahr 2025 schrieb sie für das Musiktheater-Porträt Sor Juanas Traum des Marsyas Baroque Ensembles drei elektronische Intermezzi auf Kompositionsauftrag des Ensembles.<ref name="taz2025" /> Ausgangspunkt waren Passagen aus Sor Juana Inés de la Cruz’ Gedicht Primero Sueño, die von zwei spanischsprachigen Ensemblemitgliedern eingesprochen wurden und deren Sprachklang Hahne zu einer abstrakten, elektronisch simulierten Klanglandschaft umformte.<ref name="taz2025" /> Ein Intermezzo enthält eine acht Takte lange szenische Geste, in der die Interpretinnen ihre Instrumente reinigen; die Geste verbindet sich mit elektronisch bearbeiteten Aufnahmen aus Hahnes Bienenstock und widerspiegelt zugleich gängige Geschlechterklischees.<ref name="taz2025" /> In einem weiteren Intermezzo verwendet sie Aufnahmen eines Kontoauszugsdruckers, den sie nachts in einer Sparkassenfiliale mehrkanalig mikrofonierte, um dessen zwingenden Rhythmus als musikalischen Motor einzusetzen.<ref name="taz2025" /> Hahne beschreibt die Beschäftigung mit der Jahrhunderte alten Dichtung als Blick „wie durch ein Teleskop auf einen neuen, zugleich uralten Stern“.<ref name="taz2025" /> Aufführungen des Projekts fanden Ende 2025 im Zentrum für Kunst in Bremen und im Tonali Saal in Hamburg statt.<ref name="taz2025" />

Ihre späteren Kompositionen spiegeln schwerpunktmäßig die Auseinandersetzung mit Deutscher Geschichte (zum Beispiel Die Hoffnungsfalle – Performance zur Deutschen Wiedervereinigung, Ode an Anne für 7 Trompeten – 1998, Unita – 3 elektronische Kompositionen aus Ateliergeräuschen ost- und westdeutscher Künstlerinnen, Kompositionsauftrag der GEDOK Köln – 1999), Europäischer Geschichte (zum Beispiel Theophanu – Konzertprojekt über das Leben der Kaiserin Theophanu) und dem Thema Frau und Spiritualität (zum Beispiel commentari – Konzert für Blockflöten, Didgeridoo & Live-Elektronik über die Jungfrauenlegende der Hl. Ursula).

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Die Hoffnungsfalle – frei nach einem Streichquartett von Joseph Haydn für Alphorn, Live-Elektronik & Lichtprojektionen 1990
  • Milch & Honig für Trompete, Didgeridoo & Live-Elektronik 1993
  • farbE musik Instrumentale und elektronische Kompositionen aus den 90ern
  • @homo für Sopran, Streichquartett, Live-Elektronik und Lichtprojektionen 1998
  • Unita elektronische Kompositionen zum Thema Deutsche Einheit 1999
  • commentari Konzert für Blockflöten, Didgeridoo & Live-Elektronik 1999/2000
  • Theophanu Konzert für Sopran, Flöten & Live-Elektronik 2000
  • MultiSolo 3.3 in memoriam 9/11 2001
  • NullOrt Klanginstallation im Flughafen Münster-Osnabrück 2002
  • Stella Maris für Sopran, Blockflöte & Live-Elektronik 2003
  • Der glückliche Prinz von Oscar Wilde – Hörspiel CD newsic 2004
  • RestZeit für Violine & Live-Elektronik 2005
  • Multiple 8 für 8 Violoncelli & Live-Elektronik 2006
  • dance macabre Totentanz für Blockflöte & Live-Elektronik 2006
  • Luscinia Fantasie für Sopranblockflöte, Nachtigallstimmen & Live-Elektronik über die Englische Nachtigall von Jacob van Eyck 2007
  • Spinnereimaschinen Musik für Sopran, Blockflöten & Live-Elektronik (UA MDR-Musiksommer 2007 Leipzig – ensemble newsic)
  • Quellenquartett Musik für 4 Instrumente & Live-Elektronik UA Jugend Musiziert 2008 Quartett Fontaine
  • Sonnengesang für Blockflöte & Live-Elektronik UA Bundeswettbewerb Jugend Musiziert 2008 (Dominik Werle)
  • Tanz für Terpsichore für Altsaxophon & Akkordeon 2009 (für Common Contrasts)
  • Interferences of inner voices für 3 Sopranino-Blockflöten & Live-Elektronik 2010, Kompositionsauftrag für Trio aXoloT, gefördert von der Kunststiftung NRW
  • Overview – Mercatorprojektionen, Musik nach den Proportionen der ersten Weltkarte (1569) von Gerhard Mercator (1512 – 1594) für Orchester und Videoprojektionen (2012/13)<ref>Duisburger Philharmoniker The pulse of planet, der Kompositionsauftrag der Duisburger Philharmoniker wurde gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.</ref>
  • Sor Juanas Traum – drei elektronische Intermezzi für ein Musiktheater-Porträt zum Primero Sueño der Sor Juana Inés de la Cruz; Auftragswerk für das Marsyas Baroque Ensemble; angekündigte Aufführungen: 14.–15. November 2025, Zentrum für Kunst, Bremen, sowie 16. November 2025, Tonali Saal, Hamburg.<ref name="taz2025" />

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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