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Tom Franz

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Datei:2018-08-19 ZDF Fernsehgarten Tom Franz-1667.jpg
Tom Franz, 2018

Thomas „Tom“ Franz<ref>Hans-Christian Rößler: Thomas Franz im Koch-Finale. Quarkbällchen für Israel. In: FAZ, 30. Januar 2013.</ref> (* 10. Mai 1973<ref name="daskochrezept">Kitchentalk mit Tom Franz. In: daskochrezept.de, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />bongusto.tv, (Memento vom 11. August 2016 im Internet Archive), 22. Januar 2014, aufgerufen am 30. Juli 2020.</ref> in Köln<ref name="Günther">Inge Günther: Koscher kochen: Liebling der Gourmets. In: Frankfurter Rundschau, 24. Januar 2013.</ref>) ist ein deutscher<ref name="Yaron_TS">Gil Yaron: Versöhnung geht durch den Magen: Die Israelis lieben den deutschen Koch Tom Franz. In: Tagesspiegel, 29. Januar 2013.</ref> Rechtsanwalt und Fernsehkoch. 2013 gewann er den Fernseh-Kochwettbewerb der israelischen Ausgabe von MasterChef<ref>Schreibweise im englischen Original: MasterChef und MasterChef. In: BBC One.</ref> und wurde dadurch international bekannt. Dieser Erfolg machte ihn zu einem „kulinarischen Botschafter“<ref>Kirsten Schiekiera: Deutscher Starkoch in Israel: Tom Franz kocht alles ganz koscher. In: manager magazin, 22. November 2013.</ref> und „Brückenbauer“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kulinarischer Brückenbauer. Tom Franz auf Küchenreise durch Israel. (Memento vom 17. Februar 2016 im Internet Archive) In: B5 aktuell, 16. Oktober 2015.</ref> zwischen Israel und Deutschland.

Leben

Thomas Franz ist der ältere Sohn von Manfred und Karin Franz,<ref>Traueranzeigen: Karin Elisabeth Franz. In: wirtrauern.de, November 2016.</ref> er ist in Erftstadt bei Köln aufgewachsen.<ref name="Günther" /> Seit seiner Begegnung mit israelischen Schülern an seiner Schule 1989 im Rahmen eines Schüleraustauschs fühlt sich Franz zum Judentum hingezogen:<ref name="Yaron_TS" /> „Die Mentalität hat mich angezogen: Die waren fröhlicher als wir und haben getanzt.“<ref name="Kuhn" /> „Da waren Freude und ein Gefühl der Zugehörigkeit, die ich in meinem Leben vermisste.“<ref>Gil Yaron: Deutsche in Israel. Wenn die Liebe stärker ist als Vorurteile. In: Die Welt, 11. Mai 2015.</ref> Nach dem Abitur machte er eine Lehre zum Bankkaufmann bei einer Kölner Privatbank. Seinen Zivildienst leistete er mittels Aktion Sühnezeichen in Israel<ref>Schon damals bestand seine Motivation darin, "in diesem wunderbaren Land zu leben, inmitten dieser wunderbaren Menschen. Etwas zog mich zu ihnen hin." (Tom Franz (mit Regina Carstensen): Sehnsucht Israel. Mein Leben zwischen Kippa, Küche und Koriander, Gütersloh 2018 (= Franz, Israel), S. 33)</ref>, wo er achtzehn Monate lang in einem Krankenhaus und einem Altersheim für Holocaust-Überlebende arbeitete.<ref name="dpa">dpa / Sara Lemel: Meisterkoch. Deutscher siegt bei Israels größter TV-Castingshow. In: Die Welt, 30. Januar 2013.</ref> Danach kehrte er nach Deutschland zurück, studierte Rechtswissenschaft und legte das zweite Staatsexamen in Jura ab. Anschließend arbeitete er ein Jahr lang als Anwalt für Versicherungs- und Handelsrecht in der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle in Köln.<ref name="daskochrezept" />

Im Jahr 2004 wanderte er nach Israel<ref>Seine Sicht auf den Staat Israel fasst er so zusammen: "Das, was in Israel passierte, dass die Juden aus aller Welt nach fast 2000 Jahren Diaspora und nach der Schoah in ihr Land zurückkehrten, um wieder einen eigenen Staat zu gründen, erschien mir das schönste und bedeutendste Ereignis der Neuzeit." (Franz, Israel, S. 53)</ref> aus. Als katholisch getaufter Anwärter bereitete er sich zweieinhalb Jahre lang auf seine Konversion zum Judentum vor, was auch eine fehlende Arbeitsgenehmigung und eine Beschneidung mit einschloss.<ref name="Yaron_FAS" /> Eine entscheidende Erfahrung machte er dabei durch das regelmäßige Gebet an der Westmauer: Sie "wurde für mich zu einer örtlichen Verdichtung göttlicher Anwesenheit auf dieser Welt."<ref>Franz, Israel, S. 189. Diese Erfahrung stellt er in einen historischen Kontext: "Juden hatten keinen Zugang ... und konnten dort nicht beten ... Erst nach dem Sechstagekrieg neunzehn Jahre später war dies wieder möglich". (Franz, Israel, S. 197)</ref> 2007 wurde er nach eingehender Prüfung im Judentum aufgenommen.<ref name="dpa" />

Kurz darauf lernte er seine israelische Frau Dana Harari (* 1977)<ref name="Kuhn" /> kennen. Sie stammt aus einer Familie von Holocaust-Überlebenden aus Lwiw (Lemberg).<ref name="dpa" /> Seit 2003 arbeitet sie als PR-Beraterin für Meisterköche und Restaurants.<ref name="daskochrezept" /> 2010<ref name="Günther_2">Inge Günther: Tel Avivs Mann für deutsche Küche. In: Stuttgarter Zeitung, 22. Januar 2013.</ref> heiratete sie Tom Franz nach jüdischem Ritus.<ref name="Kuhn" /><ref>Linda Chevreuil: Chatuna: Die jüdische Hochzeit. In: gofeminin.de, 28. Januar 2011.</ref>

MasterChef

Dana Franz konnte ihn nach vielen Versuchen schließlich davon überzeugen, bei der israelischen Version des Fernseh-Kochwettbewerbs MasterChef teilzunehmen.<ref>Chaya Tal: Tom, der Brückenbauer. Ein Koch ist der berühmteste Deutsche in Israel. In: Jüdische Rundschau, 13. Mai 2015.</ref> Die Kochsendung MasterChef wurde in England kreiert und wird in mittlerweile 50 Ländern produziert (Stand: 2016). Diese Kochschau ist in Israel die beliebteste Fernsehsendung geworden.<ref name="Yaron_TS" /> In einem langen Ausscheidungsverfahren treten die Teilnehmer mit ihren Gerichten als Konkurrenten nach dem K.-o.-System gegeneinander an, bis nach dem Urteil einer Jury nur noch ein Kandidat übrigbleibt. Franz bereitete sich gründlich auf das Auswahlverfahren vor, indem er Koch- und Lehrbücher studierte sowie eigene Gerichte entwickelte.<ref name="Kaufmann">Lissy Kaufmann: „So schmeckt Israel.“ Der kulinarische Botschafter Tom Franz. In: Deutschlandradio Kultur, 20. Dezember 2013.</ref> Dazu kaufte er sich die besten Bücher, die er finden konnte, las darin zwei bis drei Stunden täglich und verbrachte eine Stunde am Tag in der Küche.<ref>Daniella Cheslow: New Israeli MasterChef a German-Born Convert to Judaism. In: Public Radio International, 6. Februar 2013:
„I bought best books I could find, and from that day I read two or three hours every day and spent an hour in kitchen.“</ref> 6000 Bewerber meldeten sich bei dem Schaukochen an<ref name="Kaufmann" /> und nur etwa hundert Teilnehmer wurden zu den Aufnahmen zugelassen.<ref>Franz in: Nachtlinie. Unterwegs mit Tom Franz. In: Bayerischer Rundfunk, 7. April 2014, online-Video.</ref> Die Jurymitglieder lobten neben dem Geschmack und dem Aussehen seiner Gerichte auch die Genauigkeit und Sorgfalt, mit der er diese kochte.<ref name="Kaufmann" /> „Er ist auf eine Weise genau wie es nur ein Deutscher sein kann.“<ref>Daniella Cheslow: New Israeli MasterChef a German-Born Convert to Judaism. In: Public Radio International, 6. Februar 2013:
„He is accurate in a way that only a German can be.“</ref>

Nach vier Monaten bei zwei Sendungen pro Woche zur besten Sendezeit konnte er im Januar 2013 den Wettbewerb der dritten Staffel der israelischen Kochsendung MasterChef mit 200.000 Schekel (rund 40.000 Euro) für sich gewinnen.<ref name="Günther" /> Im Finale erreichte die Sendereihe den Rekordwert von 52,3 % an Zuschauern,<ref name="daskochrezept" /> was die bisher zweithöchste Einschaltquote in der israelischen Fernsehgeschichte überhaupt ist.<ref name="Yaron_FAS">Gil Yaron: Vom Juristen zum Starkoch in Israel. Kann dieser Deutsche koscher sein? In: FAS, 12. April 2013.</ref> Franz wurde zu einer bekannten und beliebten Persönlichkeit in Israel.<ref name="dpa" /> „Die Leute lieben ihn. Egal wo er auftaucht, sie wollen ihn anfassen und kennenlernen.“<ref name="Kuhn">Philip Kuhn: „Masterchef“. Ein Deutscher dominiert Israels größte TV-Show. In: Die Welt, 14. Januar 2013.</ref> „Plötzlich ist Deutsch etwas Gutes, und das ist bei der Geschichte unserer beiden Völker wirklich etwas Besonderes“, so Dana Franz über ihren Mann.<ref name="dpa" />

Projekte

Ein wichtiges Lebensziel von Franz ist es, die Qualität der koscheren Küche auf das Niveau der Haute Cuisine zu heben.<ref>Monika Hebbinghaus: „Reibekuchen sind gut für die Völkerverständigung.“ Ein Rheinländer ist Israels beliebtester Koch. In: Deutschlandfunk, 10. April 2013.</ref> Gleichwohl lebt auch in Israel nur eine Minderheit der gläubigen Menschen koscher.<ref>Lars Reichardt: »Die Regeln vom koscheren Essen sind nicht logisch«. In: SZ-Magazin, 28. November 2014, Heft 48, Interview mit Tom Franz.</ref> „Für Durchschnittsisraelis ist koscheres Essen schnöde Hausmannskost“, meint Michal Anski, eine der Jurorinnen bei MasterChef.<ref name="Yaron_FAS" /> Um das zu ändern, möchte er die deutschen Gerichte mit der mediterranen Küche Israels verbinden. Beispiele dafür sind der rheinische Reibekuchen mit Apfel- und Birnenmus und einem Sirup aus eingekochter Roter Bete, ein häufig verwendetes Gemüse in der israelischen Küche,<ref>Tom Franz: Reibekuchen mit Gewürzkompott. In: daskochrezept.de, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />bongusto.tv, (Memento vom 11. August 2016 im Internet Archive), 22. Januar 2014, aufgerufen am 30. Juli 2020.</ref> oder ein israelisch-rheinischer Sauerbraten mit getrockneten Feigen und Pilaw.<ref>Tom Franz: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Israelisch-Rheinischer Sauerbraten. (Memento vom 17. Februar 2016 im Internet Archive) In: BuchGourmet.com, aufgerufen am 17. Februar 2016.</ref>

Gegenwärtig kocht Franz im Fernsehen und für Zeitschriften, außerdem nimmt er Einladungen zu Veranstaltungen wahr. Pläne für ein kulinarisch gehobenes Restaurant oder für eine innovative Imbisskette hat er wegen seiner kleinen Kinder vertagt.<ref name="Stänner">Paul Stänner: Ein deutscher Koch begeistert Israel. Tom Franz im Porträt. In: Deutschlandradio Kultur, 18. Juni 2014.</ref>

Privatleben

Tom Franz hat einen jüngeren Bruder, der in Köln lebt.<ref name="Günther" /> Mit seiner israelischen Frau hat er zwei Söhne und eine Tochter, ein viertes Kind kam 2018 hinzu. 2004 wandert er nach Israel aus und konvertiert nach langer Vorbereitung zum Judentum. Die Familie wohnt im Tel Aviver Vorort Raʿanana.<ref>Godel Rosenberg: Tom Franz. Ein Deutscher Starkoch in Israel. In: Sankt Michaelsbund, 24. September 2019</ref> Aus Liebe zu ihm begann seine Frau, sich mit religiöser Tracht zu bekleiden (Kopftuch, knielange Röcke, armlange Oberbekleidung, schwarze Schuhe).<ref name="Kuhn" /> Um weiterhin Sport betreiben zu können, entwirft sie Sportbekleidung für sich und andere orthodoxe Frauen.<ref name="Yaron_FAS" /> Tom Franz betet drei Mal täglich und geht am Schabbat in die Synagoge.<ref name="Kuhn" /> „Besonderen Spaß“ am Schabbat machen ihm die kulinarischen Vorbereitungen.<ref name="daskochrezept" /> <ref name="Stänner" /> Neben dem Kochen verbringt Franz seine Freizeit mit Fotografieren.<ref name="daskochrezept" /> Er spricht fließend Hebräisch und Englisch.<ref name="dpa" />

Publikationen

  • mit Regina Carstensen: Sehnsucht Israel. Mein Leben zwischen Kippa, Küche und Koriander. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2018, gebunden, ISBN 978-3-579-08680-4, Auszug, (PDF).
  • Israel kocht vegetarisch. Die schönsten Rezepte aus meiner neuen Heimat. AT Verlag, Aarau 2017, gebunden, ISBN 978-3-03800-957-3, Auszug.
  • So schmeckt Israel. Meine Lieblingsrezepte aus der israelischen Küche, gewürzt mit einer Prise Heimat. AT Verlag, Aarau 2013, gebunden, ISBN 978-3-03800-781-4 Leseprobe, (PDF; 5,4 MB).

Filme (Auswahl)

Weblinks

Commons: Tom Franz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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