Tagesanlagen
Unter Tagesanlagen,<ref name="Quelle 1" /> früher auch Tagegebäude,<ref name="Quelle 2" /> versteht man die oberirdischen Betriebsteile eines Bergwerks.<ref name="Quelle 1" /> Die Tagesanlagen entwickelten sich im Zuge der Industrialisierung aus einfachsten Einrichtungen wie Haspeln über einfache Anlagen wie Malakow-Türme zu großindustriellen Komplexen.<ref name="Quelle 24" /> Im frühen Bergbau wurden die Preise der Anteilscheine eines Bergwerks nach dem Umfang und der Größe der Tagesanlagen des zu bewertenden Bergwerks festgelegt.<ref name="Quelle 12" />
Allgemeines
Die erforderlichen Tagesanlagen eines Bergwerks müssen im Vorfeld ermittelt und geplant werden.<ref name="Quelle 19" /> Dies gilt insbesondere für die Größe und die Anzahl der erforderlichen Tagesanlagen.<ref name="Quelle 18" /> Im Vorfeld muss geplant werden, an welcher Stelle des zur Verfügung stehenden Geländes welches Bauwerk erbaut wird.<ref name="Quelle 16" /> Dabei muss berücksichtigt werden, welche Lebensdauer und welche Betriebsgröße das zu erstellende Bergwerk hat. Außerdem muss berücksichtigt werden, welcher Bodenschatz abgebaut wird.<ref name="Quelle 18" /> Durch eine sorgfältige und gute Planung der Transportwege wird eine Trennung der Produkte (Erz, Kohle) vom Material (z. B. Grubenausbau) erreicht.<ref name="Quelle 20" /> Des Weiteren müssen die Tagesanlagen so konzipiert sein, dass die anfahrenden und ausfahrenden Bergleute ungefährdet von der Kaue, z. B. durch einen unterirdischen Mannschaftskanal, bis zum Schacht und zurückgehen können.<ref name= "Quelle 21" /> Der Bau der Tagesanlagen muss möglichst zeitgleich mit der Beendigung der Aufschlussarbeiten erledigt sein. Eine zu frühe Fertigstellung der jeweiligen Tagesanlagen führt zu unnötigen Zinsverlusten, eine verspätete Fertigstellung zum Verlust von Betriebsgewinnen.<ref name="Quelle 20" /> Bei der Errichtung der Gebäude muss auch die möglichst verlustarme Führung von Energieleitungen von den Energieerzeugungsanlagen zu den Verbrauchern berücksichtigt werden.<ref name= "Quelle 22" /> Hinzu kommt, dass die architektonische Ausführung der jeweiligen Gebäude an die technisch-wirtschaftlichen Anforderungen angepasst wird.<ref name="Quelle 20" /> Des Weiteren ist die Nutzung der Abwärme der Maschinen beim Bau zu berücksichtigen.<ref name= "Quelle 21" /> In der Regel haben die Tagesanlagen eine kürzere Lebensdauer als das Grubengebäude.<ref name="Quelle 23" /> In den meisten Fällen werden die Tagesanlagen nach der Schließung des Bergwerks abgerissen, nur einige bleiben für eine Nachnutzung oder als Denkmal erhalten.<ref name="Quelle 24" />
Tagesanlagen im frühen Bergbau
Die frühen Stollenbergwerke hatten nur wenige Tagegebäude.<ref name="Quelle 3" /> Vor dem Stollenmundloch befand sich ein kleines Gebäude, welches die Bergleute als Kaue bezeichneten. Diese Kaue diente dem Schutz des Stollenmundloches.<ref name= "Quelle 4" /> Hatte das Bergwerk für die Förderung einen Haspel, so wurde dieser zum Schutz der dort arbeitenden Bergleute mit einer Kaue versehen.<ref name="Quelle 3" /> Zusätzlich diente diese Kaue dem Schutz des Schachtmundes.<ref name= "Quelle 4" /> Um das Gezähe der Bergleute und die benötigten Materialien sicher aufbewahren zu können, hatten die Bergwerke in der Regel ein Huthaus. Hier wohnte der Hutmann, der auf dem Bergwerk die Aufsicht führte und gleichzeitig für die Übernahme und Ausgabe des Gezähes verantwortlich war.<ref name= "Quelle 5" /> In dem Huthaus versammelten sich die Bergleute vor Schichtbeginn zum Gebet.<ref name="Quelle 3" /> In einigen Gegenden gab es auch Bethäuser. Um das verschlissene Gezähe schmieden zu können oder sonstige Bergschmiedearbeiten durchführen zu können, war auf größeren Bergwerken eine Bergschmiede vorhanden.<ref name="Quelle 6" /> Die Schmiedearbeiten wurden von einem Bergschmied ausgeführt.<ref name="Quelle 7" />
Bevor die geförderten Bodenschätze verkauft werden konnten, mussten sie in mehreren Schritten aufbereitet werden.<ref name="Quelle 3" /> Hierfür waren weitere Tagegebäude erforderlich.<ref name="Quelle 8" /> Zunächst mussten die großen Brocken in einem Pochwerk zerkleinert werden.<ref name="Quelle 10" /> Die Pochwerke waren in der Regel in die Schmelzhütten oder Eisenhämmer integriert.<ref name="Quelle 11" /> Es gab aber auch größere Bergwerke, die mit einem eigenen Pochwerk ausgerüstet waren.<ref name="Quelle 12" /> Damit die Erze vom tauben Gestein getrennt werden konnten, hatten die jeweiligen Bergwerke ein Scheidehaus.<ref name="Quelle 3" /> Hier waren mehrere Scheidebänke aufgebaut, an denen Scheidejungen die Erze vom tauben Gestein trennen mussten.<ref name="Quelle 9" /> Anschließend mussten die so geschiedenen Erze noch mittels Wasser weiter aufbereitet werden.<ref name="Quelle 3" /> Hierfür hatten die Bergwerke ein Gebäude, in dem die Setzwäsche aufgebaut war, mit der das Erz vom restlichen noch vorhandenem Gestein und Unrat getrennt wurde.<ref name="Quelle 13" /> Weitere Tagegebäude waren die erforderlichen Wasserhaltungsmaschinen und die dazugehörigen Göpel.<ref name="Quelle 14" />
Tagesanlagen im industriellen Bergbau
Bis Anfang der 1850er Jahre wurde in der Regel noch aus geringen Teufen gefördert. Hinzu kam, dass die Leistungsfähigkeit der einzelnen Bergwerke noch relativ gering war.<ref name="Quelle 17" /> Gegen Ende des 19. Jahrhunderts drang man beim Tiefbau in immer größere Teufen vor.<ref name="Quelle 16" /> Auch wurden die Bergwerke immer leistungsfähiger.<ref name="Quelle 17" /> Die Bergwerksbetreiber waren nun gezwungen, die Tagesanlagen entsprechend anzupassen.<ref name="Quelle 16" /> Aus diesem Grunde wurden die Tagesanlagen der Bergwerke immer umfangreicher.<ref name="Quelle 15" /> Auch wurden im Laufe der Jahre immer größere Bauwerke gebaut.<ref name="Quelle 16" /> Dies macht sich insbesondere bei den Fördereinrichtungen wie Fördergerüsten, Fördertürmen und Fördermaschinengebäuden bemerkbar. Zuerst wurden die Fördergerüste aus Holz gebaut.<ref name="Quelle 17" /> Eine weitere Ausbaustufe waren die gemauerten Malakowtürme.<ref name="Quelle 16" /> Ab der Mitte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen Fördergerüste aus Stahl zum Einsatz.<ref name="Quelle 17" /> Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Tagesanlagen weiter ausgebaut. So wurden die Aufbereitungsanlagen modernisiert, um die Rohstoffe weiter zu veredeln. Es wurden die ersten größeren Zechenkraftwerke gebaut.<ref name="Quelle 15" /> Weitere Tagesanlagen sind der Grubenlüfter, die Betriebswerkstätten, Materiallager, Sozial- und Verwaltungsgebäude und die Waschkaue.<ref name="Quelle 1" /> Hinzu kommt die Markenkontrolle, das ist eine Funktions- und Gebäudegruppe die der Überwachung der unter Tage arbeitenden Bergleute dient.<ref name="Quelle 25" /> Außerdem gibt es Anlagen zur Verladung und Verkauf, deren Besonderheit, bei Transport über die Straße, der Landabsatz ist.<ref name="Quelle 16" /> Einige größere Steinkohlenbergwerke sind mit einer Kokerei ausgestattet.<ref name="Quelle 18" />
Fotos
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Tagesanlagen einer Steinkohlenzeche
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Malakow-Turm der Zeche Brockhauser Tiefbau in Bochum-Stiepel
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Fördergerüst der Zeche Zollverein in Essen
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Huthaus eines Bergwerks
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Tagesanlagen des Tagebaus Phönix-Nord; im Bild als ehem. Verwaltungsgebäude des späteren Glaswerkes Maltitz
Einzelnachweise
<references responsive> <ref name="Quelle 1"> Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7.</ref> <ref name="Quelle 2">Heinrich Veith: Deutsches Bergwörterbuch mit Belegen. Verlag von Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1871.</ref> <ref name="Quelle 3">Christian Ludwig Stieglitz: Encyklopädie der bürgerlichen Baukunst, in welcher alle Fächer dieser Kunst nach alphabetischer Ordnung abgehandelt sind. Zweyter Theil E-J, bey Caspar Fritsch, Leipzig 1794, S. 546–549.</ref> <ref name="Quelle 4">Moritz Ferdinand Gätzschmann: Sammlung bergmännischer Ausdrücke. Zweite wesentlich vermehrte Auflage, Verlag von Craz & Gerlach, Freiberg 1881.</ref> <ref name="Quelle 5">Moritz Ferdinand Gätzschmann: Sammlung bergmännischer Ausdrücke. Verlag Craz & Gerlach, Freiberg 1859.</ref> <ref name="Quelle 6">Johann Samuel Schröter: Mineralisches und Bergmännisches Wörterbuch über Rahmen, Worte und Sachen aus der Mineralogie und Bergwerkskunde. Erster Band, von A bis Berg, bei Barrentrapp und Wenner, Frankfurt am Main 1789, S. 436–437.</ref> <ref name="Quelle 7">Christian Ludwig Stieglitz: Encyklopädie der bürgerlichen Baukunst, in welcher alle Fächer dieser Kunst nach alphabetischer Ordnung abgehandelt sind. Zweyter Theil E-J, bey Caspar Fritsch, Leipzig 1794, S. 546–549.</ref> <ref name="Quelle 8">Christian Ludwig Stieglitz: Encyklopädie der bürgerlichen Baukunst, in welcher alle Fächer dieser Kunst nach alphabetischer Ordnung abgehandelt sind. Fünfter Theil Schi-Z, bey Caspar Fritsch, Leipzig 1798, S. 213.</ref> <ref name="Quelle 9">Erklärendes Wörterbuch der im Bergbau in der Hüttenkunde und in Salinenwerken vorkommenden technischen und in Salinenwerken vorkommenden technischen Kunstausdrücke und Fremdwörter. Verlag der Falkenberg’schen Buchhandlung, Burgsteinfurt 1869.</ref> <ref name="Quelle 10">Minerophilo Freibergensi: Neues und wohleingerichtetes Mineral - und Bergwerks-Lexikon. Andere und vielvermehrte Ausgabe, bei Johann Christoph und Johann David Stößeln. Chemnitz 1743.</ref> <ref name="Quelle 11">Moritz Ferdinand Gätzschmann: Die Aufbereitung. Erster Band, Verlag von Arthur Felix, Leipzig 1864.</ref> <ref name="Quelle 12">Carl Immanuel Löscher: Historisch Bergmännische Briefe über verschiedene Gegenstände des Freybergischen Bergbaues. Bei Siegfried Lebrecht Crusins, Leipzig 1786, S. 113–114.</ref> <ref name="Quelle 13">Carl Friedrich Richter: Neuestes Berg- und Hütten-Lexikon. Zweiter Band, Kleefeldsche Buchhandlung, Leipzig 1805.</ref> <ref name="Quelle 14">Carl Hartmann: Handwörterbuch der Mineralogie, Berg-, Hütten- und Salzwerkskunde nebst der französischen Synonymie und einem französischen Register. Zweite Abtheilung L bis Z, 2. Auflage, Gedruckt und verlegt Bernhard Friedrich Voigt, Ilmenau 1825.</ref> <ref name="Quelle 15">Karl Heinz Bader, Karl Röttger, Manfred Prante: 250 Jahre märkischer Steinkohlenbergbau. Ein Beitrag zur Geschichte des Bergbaues, der Bergverwaltung und der Stadt Bochum. Studienverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum 1987, ISBN 3-88339-590-0, S. 95–96.</ref> <ref name="Quelle 16">Verein für bergbauliche Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund (Hrsg.): Die Entwicklung des Niederrheinisch-Westfälischen Steinkohlen-Bergbaues in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Teil VIII Disposition der Tagesanlagen - Dampferzeugung - Centralkondensation - Luftkompression - Elektrische Centralen, Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH, Berlin Heidelberg 1905, S. 1–18.</ref> <ref name="Quelle 17">A. Eichenauer: Die Seilscheibengerüste der Bergwerks-Förderanlagen. Baumgärtner's Buchhandlung, Leipzig 1877, S. 1–4.</ref> <ref name="Quelle 18">Ernst-Ulrich Reuther: Einführung in den Bergbau. 1. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen, 1982, ISBN 3-7739-0390-1, S. 17–18.</ref> <ref name="Quelle 19">Rolf Dieter Stoll, Christian Niemann-Delius, Carsten Drebenstedt, Klaus Müllensiefen (Hrsg.): Der Braunkohlentagebau. Bedeutung, Planung, Betrieb, Technik, Umwelt. 1. Auflage, mit 550 Abbildungen und 60 Tabellen, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-78400-5, S. 74.</ref> <ref name="Quelle 20">K. Kegel: Lehrbuch der Bergwirtschaft. Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH, Berlin Heidelberg 1931, S. 419–438.</ref> <ref name="Quelle 21">Die Einrichtungen zum Besten der Arbeiter auf den Bergwerken. Verlag von Ernst & Korn, Band II, Berlin 1876, S. 80–81.</ref> <ref name="Quelle 22">Hans Väth: Zechenbauten Über Tage. Dissertation an der Technischen Hochschule Carolo-Wilhelmina, Druck von Fr. Wilh. Ruhfus, Dortmund 1929, S. 10–11.</ref> <ref name="Quelle 23">Förderverein Rammelsberger Bergbaumuseum Goslar e. V. (Hrsg.): Tagesanlagen des Rammelsberges. Eigenverlag des Fördervereins, Druck Papierflieger Clausthal-Zellerfeld, Goslar 2008, S. 3–20.</ref> <ref name="Quelle 24">Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. 4. Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Nachfolger Hans Köster KG, Königstein i. Taunus 1994, ISBN 3-7845-6992-7, S. 3–133.</ref> <ref name="Quelle 25">Walter Buschmann: Zechen und Kokereien im rheinischen Steinkohlenbergbau, Aachener Revier und westliches Ruhrgebiet. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-7861-1963-5, S. 120, 121, 349, 612.</ref> </references>