Tagebau Sedlitz
Der Tagebau Sedlitz war ein Braunkohletagebau im Lausitzer Braunkohlerevier, der von 1921 bis 1980 im Bezirk Cottbus betrieben wurde. Er lag im Kreis Senftenberg. Im Zuge der Rekultivierung entstand als Bergbaufolgelandschaft der Sedlitzer See.
Geografie
Der Tagebau Sedlitz lag in der Niederlausitz im sogenannten Niederlausitzer Braunkohlerevier. Abgebaut wurde Braunkohle des Lausitzer Unterflözes (2. Lausitzer Flözhorizont), das durch pleistozäne Erosion des eiszeitlichen Schmelzwassers in eine Vielzahl von Feldern zerschnitten war.
Der Tagebau lag nordöstlich der Stadt Senftenberg, südöstlich von Großräschen und südlich von Lieske sowie dem Flugplatz Welzow. Im Westen begrenzten ihn die Bahnstrecke Großenhain–Cottbus, die Stadt Sedlitz und die heutige Bundesstraße 169.
Geschichte
Im Jahr 1921 begannen die Entwässerungsarbeiten für den Tagebau, der 1926 als Grube Ilse-Ost der Ilse Bergbau AG aufgeschlossen wurde, nachdem das Oberflöz durch verschiedene Gruben abgebaut war. Um den Grubenbetrieb ungehindert ausführen zu können, musste die Kreisstraße Senftenberg-Sedlitz, die heutige B96 und die Sornoer Elster verlegt und um das Tagebaufeld herumgelegt werden.<ref name="Gold" details="S. 103">Dr.-Ing. Otto Gold: Der Aufschluß von Braunkohletagebauen, Verlag Wilhelm Knapp, Halle, 1952.</ref><ref name="Schild" details="S. 88">Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010</ref> Die Kohleförderung im Hauptfeld begann 1928, aufgeschlossen wurden weiterhin die Nebenfelder Nord und Süd. Im Jahr 1931 wurde eine Förderbrücke, die in der Literatur auch als F35 bezeichnet wird, als eine der größten damaligen Abraumförderbrücken Deutschlands in Betrieb genommen. Da im Bereich der Haldenseite mit Grundwasserzuflüssen zu rechnen war, wurde diese auf dem Kohleflöz abgestützt. Auch der Haldenausleger war mit 140 m einer der längsten bei damaligen Förderbrücken. Erwähnenswert war ein technisches Detail der Brücke; die Brücke besaß eine hydraulisch anlegbare Schienenzange für den Falle übermäßiger Windbeanspruchung.<ref name="Abraumförderbrücke" details="S. 204">Siegfried Laumen und Thomas Suhr, Einhundert Jahre Abraumförderbrücken, die Geschichte einer Bergbaumaschine, Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-910447-35-6</ref> Als erste Kohlebahn vom Tagebau Ilse-Ost aus wurde eine 11 km lange und teilweise zweigleisige Kohleverbindungsbahn angelegt, die kurz vor Sedlitz die Gleise der Bahnstrecke Großenhain–Cottbus über die Cottbuser Brücke überquerte und im Bereich des späteren Tagebau Meuro bis zu dem Kraftwerk in Sedlitz, der Brikettfabriken in Großräschen-Süd (Brikettfabrik Ilse) und dem Kraftwerk und Brikettfabrik Sonne (Brikettfabrik Renate-Eva) führte.<ref name="Gold" details="S. 102" /><ref name="Neumann" details="S. 29">Holger Neumann, Matthias Fiedler: Der Tagebau Meuro und die Kohlebahnen um Senftenberg, Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode, ISBN 978-3-933178-49-7</ref>
Diese Förderbahnbrücke über die Bahnstrecke Großenhain–Cottbus existiert heute nicht mehr, ungefähr an selber Stelle kann man die Gleise heute durch den Ilse-Kanal unterqueren. Die Förderbahn war mit einer Spannung von 1100 V = ausgeführt, es wurden 44t -Lokomotiven von AEG eingesetzt.<ref name="Schild" details="S. 28" /> Die ursprüngliche Förderbrücke sowie der eingesetzte Eimerkettenbagger und der Schaufelradbagger wurden 1945 als Reparationszahlungen für die Sowjetunion demontiert.
Die Kohleförderung begann wieder im Jahr 1947. Der Tagebau Ilse-Ost wurde in Tagebau Tatkraft umbenannt. Er entwickelte sich im Zugbetrieb zum Nord- und Südfeld Sedlitz. Daraus entstand bis zum Jahr 1960 der Drehpunkt Sorno für das Hauptfeld Sedlitz. Von 1960 bis 1978 arbeitete eine neue Förderbrücke vom Typ F 34, die nun auch auf der Haldenseite im Abraum abgestützt war.<ref name="Abraumförderbrücke" details="S. 222" />
In den Nebenfeldern Süd und Nord wurde die Kohleförderung 1961 und 1963 eingestellt. Im sogenannten Brückenfeld Sedlitz begann die Kohleförderung 1963. Am 18. März 1963 ereignete sich eine Havarie als der Haldenausleger der Förderbrücke auf die Kippe auflief und sich stark verformte. Deshalb wurde die Rohkohleförderung teilweise eingestellt. Am 1. Mai 1963 ging die Förderbrücke wieder in Betrieb.
Am 1. März 1978 wurde die Förderbrücke in Nähe der Ortschaft Lieske in die Endstellung gebracht. Im Jahr 1980 wurden die Arbeiten im Tagebau Sedlitz eingestellt.
Abraumförderbrücken des Tagebaues
| Im Einsatz befindliche Abraumförderbrücken des Tagebaus Sedlitz | ||||
|---|---|---|---|---|
| Typ | Einsatzorte | Betrieb | Abraumbewegung | Bemerkungen |
| Abraumförderbrücke Sedlitz („Ilse-Ost“) | ||||
| Typ F 35 | Tagebau Sedlitz | 1932–1945 | 154 Mio. m³ | Reparationen in die UdSSR |
| Abraumförderbrücke F 34 | ||||
| Typ F 34, Nr. 3 | Tagebau Sedlitz | 1960–1979 | 545 Mio. m³ | Übergabe an Braunkohlenkombinat Bitterfeld für Betrieb im Tagebau Delitzsch-Südwest |
Braunkohle
Die geförderte Braunkohle wurde an die umliegenden Brikettfabriken und Kraftwerke in Senftenberg, Brieske Großräschen, Lauta und Schwarze Pumpe versorgt.
Insgesamt wurden 267 Millionen Tonnen Rohbraunkohle gefördert.
Kohleverbindungsbahn
Die 1927 angelegte Kohleverbindungsbahn kreuzte nach der Überquerung der Bahnstrecke Großenhain–Cottbus auch die Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz über die sogenannte Lübbenauer Brücke. Ein Abzweig gab es nach 1945 auch vor dem Kraftwerk Sedlitz nach links, als eine Kohlebahnverbindung über die sogenannte Matador-Brücke die Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz überquerte, an Reppist vorbei bis zu einer von den ehemaligen Anhaltischen Kohlenwerken betriebenen Brikettfabrik Clara Zetkin und der Bahnstrecke Kortitzmühle–Meuro führte.<ref name="Neumann" details="S. 29" /> Nach dem 2. Weltkrieg existierten auch südöstlich der Bahnlinie Großenhain-Cottbus Förderbahnen an Senftenberg und dem Tagebau Niemtsch vorbei bis nach Brieske. Alle diese Bahnen, die durchgängig mit Werkbahnspurweite von 900 mm angelegt waren, hat es 1990 nicht mehr gegeben.<ref name="Neumann" details="Umband" /> Die Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz wurde um den Tagebau Meuro herumgeführt. Die ehemaligen Kohlebahnen nordwestlich der Bahnlinie Großenhain-Cottbus wurden wegen des Tagebau Meuro abgerissen und stattdessen eine Werkbahnverbindung vom neuen Bahnhof Dörrwalde zu den Werken in Großräschen geführt,<ref name="Neumann" details="Umband" /> die Kohlebahnen südwestlich der Bahnlinie Großenhain-Cottbus wurden nach der Auskohlung des Tagebau Niemtsch nicht mehr benötigt. Stattdessen erfolgte jeder Transport Richtung Osten über die Bahnstrecke Kortitzmühle–Meuro.<ref>Bild des Tagebaubetriebs am Tagebau Sedlitz um 1990 auf ostkohle.de</ref>
Orts- und Flächeninanspruchnahme
Der Tagebau nahm eine Fläche von 2639 Hektar in Anspruch. 975 Millionen Kubikmeter Abraum wurden bewegt. Dabei wurden die Orte Rosendorf 1971 und Sorno im Jahr 1972 devastiert und 340 Einwohnern umgesiedelt. Von 1962 bis 1963 erfolgte der Teilortsabbruch von Sedlitz und von 1962 bis 1967 der Teilortsabbruch Lieskes mit 35 umgesiedelten Einwohnern.
Sanierung und touristische Nutzung
Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) sanierte das Gebiet des ehemaligen Tagebaus. Dabei wurden die gekippten Böschungen abgeflacht, ehemalige Deponien entfernt oder gesichert sowie Infrastruktur geschaffen und ehemalige Tagebauanlagen rückgebaut. Des Weiteren erfolgte eine Hebung und Reinigung des Tagebauwassers.
Als Bergbaufolgelandschaft entsteht durch Flutung des Restloches der Sedlitzer See. Er ist über den Sornoer Kanal mit dem Geierswalder See und über den Rosendorfer Kanal mit dem Partwitzer See verbunden worden. Diese beiden Seen entstanden ebenfalls aus ehemaligen Tagebauen, der Geierswalder See aus dem Tagebau Koschen und der Partwitzer See aus dem Tagebau Skado. Die zahlreichen Abbaubahnen um den See wurden als Fahrradwege mit den Anlaufpunkten Rostiger Nagel und Sornoer Kanal gestalten. Die Sanierungen am Sedlitzer See waren Ende 2019 abgeschlossen.
Quellen und Literatur
- Dr.-Ing. Otto Gold: Der Aufschluß von Braunkohletagebauen, Verlag Wilhelm Knapp, Halle, 1952, S. 127–137
- Siegfried Laumen und Thomas Suhr, Einhundert Jahre Abraumförderbrücken, die Geschichte einer Bergbaumaschine, Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-910447-35-6
- Holger Neumann, Matthias Fiedler: Der Tagebau Meuro und die Kohlebahnen um Senftenberg, Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode, ISBN 978-3-933178-49-7
- {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}
- Günter Bachmann: Die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Sauo, VEB Braunkohlekombinat Senftenberg
- Hellmuth Barthel: Abschnitt Geologischer-geomorphischer Überblick, In: Lausitz, VEB Tourist Verlag, Berlin/Leipzig, 1985
- Frank Förster: Verschwundene Dörfer. Die Ortsabbrüche des Lausitzer Braunkohlenreviers bis 1993. (=Schriften des Sorbischen Instituts. 8) Bautzen 1995. ISBN 3-7420-1623-7
- Landschaften im Wandel – Lausitzer Seenland. Informationsbroschüre der LMBV. 12/2007
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
{{Coordinate{{#ifeq:|y|Simple|Complex}}|NS=51.549111|EW=14.098721|type=landmark|region=DE-BB|globe=|dim=|elevation=|pop=|lw=|name={{#invoke:Coordinates/kml|kmlTitle|1=}}|article=/|text=|sortkey=|tooltip=|tooltipformat=|map=|mapsize=|maplevel=|maptype=|maplabel=|maplayer=|mapcaption=}}{{#if:|{{#switch:5
|1 = Gradzahl-Fehler: {{#iferror:{{{1}}} | NS: {{{1}}} | }} {{#iferror: | EW: | }}{{#switch:0 |0|6|14= }} |2 = nicht im Bereich von {{{1}}}{{#switch:0 |0|6|14= }} |3 = {{#switch: {{{type}}} |country|state|adm1st|adm2nd|city|isle|airport|mountain|waterbody|forest|landmark= |example={{#if: | | falscher Wert ›example‹ im Artikelnamensraum }} |#default= {{#ifeq:{{{type}}}| | kein Wert | falscher Wert ›{{{type}}}‹ }} in type-Parameter{{#switch:0 |0|6|14= }} }} {{#if: {{{rg}}} | | region-Parameter fehlt{{#if: | | }} }} {{#iferror: {{{elevation}}} | {{{elevation}}}{{#switch:0 |0|6|14= }} | }} {{#iferror: {{{pop}}} | {{{pop}}}{{#switch:0 |0|6|14= }} | }} |5 = unbenannte Parameter 1:{{{1}}}{{#if:|, 2:}}{{#if:|, 3:}}{{#if:|, 4:}} {{#if:|usw.}}{{#switch:0 |0|6|14= }} |8 = Parameter name fehlt in Fließtextkoordinate{{#switch:0 |0|6|14= }} |10= |#default=coordinates error
}}}}