Zum Inhalt springen

Steinkohlenwerk Karl Liebknecht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Karlliebknechtschacht.jpg
KohleWelt – Museum Steinkohlenbergbau Sachsen – in Oelsnitz/Erzgeb., der ehemalige Kaiserin-Augusta- (seit 1946 Karl-Liebknecht-) Schacht

Der VEB Steinkohlenwerk Karl-Liebknecht war ein Bergbauunternehmen auf Steinkohle in Oelsnitz/Erzgeb. im Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier. Seit 1986 sind Teile der ehemaligen Schachtanlage als Bergbaumuseum der Öffentlichkeit zugänglich.

Geschichte

Datei:Gewerkschaft Gottes Segen 1920.jpg
Kux-Schein der Gewerkschaft Gottes Segen vom 30. September 1920
Datei:Panorama oelsnitz lugau.jpg
Panorama des Oelsnitz-Lugauer Steinkohlenreviers mit den Standorten wichtiger ehemaliger Bergwerke

Der Abbau der Steinkohle wurde durch mehrere Unternehmen nacheinander betrieben.

  • 1856–1920 Steinkohlenbauverein Gottes Segen, Lugau
  • 1920–1946 Gewerkschaft Gottes Segen
  • 1946–1949 Werk Gottes Segen
  • 1949–1960 VEB Steinkohlenwerk Karl-Liebknecht
  • 1960–1975 VEB Steinkohlenwerk Oelsnitz (Erzgeb.)

Steinkohlenbauverein Gottes Segen

Datei:Lugau Gottes-Segen-Schacht um 1900 (01).jpg
Gottes-Segen- und Glück-Auf-Schacht um 1900
Datei:HGG-ElektrischeTurmfoerdermaschineOelsnitz.jpg
Elektrische Turmfördermaschine von 1923 auf der Maschinenbühne des Förderturms
Datei:Gottessegenschacht 1.jpg
Schachtgebäude des Glückauf-Schachtes (rechts) der Doppelschachtanlage Gottes-Segen- und Glückauf-Schacht im Jahr 2010
Datei:Gottes segen verwaltung.jpg
Früheres Verwaltungsgebäude der Gewerkschaft Gottes Segen in Lugau

Im Jahr 1856 wurde der Steinkohlenbauverein Gottes Segen gegründet, welcher noch im selben Jahr den gleichnamigen Schacht in Lugau abteufte. Nach schwierigen Anfangsjahren konnte sich das Werk zu wirtschaftlich solidem Stand emporarbeiten. Entscheidend für seinen Fortbestand und den Aufstieg zum führenden Unternehmen des Reviers war der Ankauf des Fürstlich Schönburgischen Steinkohlenwerks mit dem von 1869 bis 1874 auf 313 m geteuften Kaiserin-Augusta-Schacht 1895.

Gewerkschaft Gottes Segen

Nach Zusammenlegungen infolge der Auswirkungen des Ersten Weltkrieges und der anschließenden politischen Veränderungen blieben 1920 nur noch drei Bergbauunternehmen im Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier übrig: die Gewerkschaft Gottes Segen, die Gewerkschaft Deutschland und der Gersdorfer Steinkohlenbauverein.

Modernisierung der Tagesanlagen

In den 1920er Jahren wurde durch umfangreiche Modernisierungen die Förderung des Reviers auf wenige Schachtanlagen konzentriert. Der Kaiserin-Augusta-Schacht in Neuoelsnitz wurde für die Gewerkschaft Gottes Segen zur zentralen Schacht-, Förder- und Aufbereitungsanlage ausgebaut. Er erhielt 1921–1923 einen modernen Förderturm in Eisenfachwerkbauweise mit Ziegelausfachung und einer elektrischen Turmförderanlage. Ebenso wie der Förderturm des Deutschland-Schachtes II wurde er im Heimatschutzstil errichtet. In den Jahren 1922/23 wurde eine neue Aufbereitung mit einer Leistung von 300 t/h errichtet, die nach mehrfacher Erweiterung ab 1937 die gesamte Förderung des Werkes durchsetzte. Um die Förderleistung weiter zu erhöhen, wurde 1932/34 der Schacht auf 595 m weiterverteuft und mit einer zweiten Förderanlage (Dampffördermaschine) ausgestattet. Diese Dampffördermaschine wurde als Flurfördermaschine aufgestellt und zur Aufnahme der seitlichen Kräfte wurde ein einzelnes Rohr als Strebe in die Anlage integriert.

Ab 1932 entstand in mehreren Etappen bis 1943 ein neuer Kraftwerkskomplex mit Kesselhaus, Schornstein und Maschinenhalle.

Modernisierung des Untertagebetriebes

Das Weiterverteufen des Schachtes diente der Auffahrung einer neuen Hauptfördersohle auf 146 m unter NN im standfesten Grundgebirge. Der Schacht erhielt ein sehr großzügiges Füllort und es wurde Zugbetrieb mit Oberleitungsloks (Spurweite 460 mm) eingerichtet.<ref>Dr.-Ing. Waldemar May, Prof. Dr. Otto Stutzer, Dr.-Ing. Eckardt: 75 Jahre Gemeinschaftsarbeit der Sächsischen Steinkohlenbergwerke. Überblick über den geologischen Aufbau des erzgebirgischen Steinkohlenbeckens. Hrsg.: Bezirksgruppe Sachsen der Fachgruppe Steinkohlenbergbau Zwickau. Zwickau Juni 1936, S. 220.</ref> Durch all diese Maßnahmen zur Betriebskonzentration erreichte das Werk eine Förderkapazität von 1,2 Millionen Tonnen Rohsteinkohle pro Jahr und galt aufgrund seiner technischen und technologischen Strukturierung als modernstes Steinkohlenwerk Deutschlands.

VEB Steinkohlenwerk Karl Liebknecht

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer Umorganisation des Bergbaus infolge der sozialistischen Wirtschaftspolitik in der Sowjetischen Besatzungszone und später der DDR. Durch den Volksentscheid in Sachsen am 30. Juni 1946 wurde die Schwerindustrie in Sachsen enteignet. Viele Schachtanlagen wurden umbenannt, die Gewerkschaft Gottes Segen wurde unter verschiedener Rechtsträgerschaft zunächst weiter als Werk Gottes Segen geführt. Am 15. Januar 1949 erhielt es den Namen VEB Steinkohlenwerk Karl Liebknecht. Schon 1946 wurde aus dem Kaiserin-Augusta-Schacht der Karl-Liebknecht-Schacht. So verfuhr Adolf Hennecke 1948 seine Hochleistungsschicht auf dem Karl-Liebknecht-Schacht des Werkes Gottes Segen.

VEB Steinkohlenwerk Oelsnitz (Erzgeb.)

Nachdem der Gersdorfer Steinkohlenbauverein seinen Betrieb 1944 eingestellt hatte, bestanden nur die beiden Oelsnitzer Werke fort, die ab 1949 als VEB Steinkohlenwerk Karl-Liebknecht und VEB Steinkohlenwerk Deutschland firmierten. 1960 wurden diese zum VEB Steinkohlenwerk Oelsnitz (Erzgeb.) zusammengelegt. Die Förderung wurde auf dem Karl-Liebknecht-Schacht konzentriert, eine untertägige Förderverbindung zwischen beiden Grubenfeldern geschaffen und die Deutschland-Schächte abgeworfen und verwahrt.

Trotzdem sank die Produktion durch die zur Neige gehenden Reserven in den 1960er Jahren kontinuierlich und wurde mit der Förderung des letzten Huntes am 31. März 1971 eingestellt. Grundlage war der Beschluss des DDR-Ministerrates zur schrittweisen Einstellung des Steinkohlenbergbaus in der DDR von 1967. Die nachfolgende Stilllegung und Abrüstung der Schachtanlage dauerte bis 1975 (Verfüllung der Schachtröhre).

Während der Stilllegungsphase führte die SDAG Wismut Erkundungsmaßnahmen auf Uran durch, traf aber keine bauwürdigen Vererzungen an.

Bergbaumuseum

Datei:HGG-DampffoerdermaschineOelsnitz.jpg
Dampf-Förderanlage von 1923 mit 1500-PS-Dampfmaschine im Maschinenhaus

1967 wurde eine „Konzeption zur Errichtung eines technischen Denkmals mit musealem Charakter über die Entwicklung der Produktivkräfte des Steinkohlenbergbaus der DDR“ beschlossen. Ab 1976 wurde ein Teil der Tagesanlagen zum Bergbaumuseum Karl-Liebknecht-Schacht umgestaltet und am 4. Juli 1986 der Öffentlichkeit übergeben. Im Jahr 2015 konnte das seit 1991 nur noch Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge den millionsten Gast, eine Besucherin, seit der Eröffnung des Museums begrüßen.<ref>Bergbaumuseum begrüßt millionsten Besucher. In: Freie Presse. Stollberger Zeitung. 28. Februar 2015, S. 11.</ref>

Am 18. Januar 2025 ist das Museum als KohleWelt – Museum Steinkohlenbergbau Sachsen – nach sechsjährigen, tiefgreifenden Sanierungs- und Neugestaltungsarbeiten wiedereröffnet worden.

Literatur

  • Jan Färber, Heino Neuber: Vom Bergwerk zum Museum. 30 Jahre Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge. in: Erzgebirgische Heimatblätter Heft 4/2016, S. 12–15
  • H. Krug: Das Lugau-Ölsnitzer Steinkohlenrevier. In: Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen Sachsen. Freiberg 1920.
  • Rolf Vogel: Das Lugau–Oelsnitzer Steinkohlenrevier. Hrsg.: Förderverein Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgeb. e. V. Hohenstein–Ernstthal 1992.

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Koordinaten: 50° 43′ 31″ N, 12° 43′ 46,7″ O

 {{#coordinates:50,725287|12,729625|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=Skriptfehler: Ein solches Modul „Coordinates/kml“ ist nicht vorhanden.
   |region=DE-SN
   |type=landmark
  }}