Steinhagen (Westfalen)
| Wappen | Deutschlandkarte | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:DEU Steinhagen (Westf.) COA.svg |
| |||||
| Basisdaten | ||||||
| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city 52° 0′ N, 8° 25′ O keine Zahl: {{Metadaten Einwohnerzahl DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code|05754040}}
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| Bundesland: | Nordrhein-Westfalen | |||||
| Regierungsbezirk: | Detmold | |||||
| Kreis: | Gütersloh | |||||
| Höhe: | 99 m ü. NHN | |||||
| Fläche: | Fehler im Ausdruck: Nicht erkanntes Satzzeichen „{“ km² | |||||
| Einwohner: | {{Metadaten Einwohnerzahl DE−Vorlage:Deutsches Bundesland/Code|05754040}} (Fehler: Ungültige Zeitangabe)<ref name="Metadaten Einwohnerzahl DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code">{{Metadaten Einwohnerzahl DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code | QUELLE}}</ref> | ||||
| Bevölkerungsdichte: | Fehler im Ausdruck: Nicht erkanntes Satzzeichen „{“ Einwohner je km² | |||||
| Postleitzahl: | 33803 | |||||
| Vorwahl: | 05204 | |||||
| Kfz-Kennzeichen: | GT | |||||
| Gemeindeschlüssel: | 05 7 54 040 | |||||
| LOCODE: | DE SGN | |||||
| Gemeindegliederung: | 3 Ortsteile | |||||
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Am Pulverbach 25 33803 Steinhagen | |||||
| Website: | www.steinhagen.de | |||||
| Bürgermeisterin: | Sarah Süß (SPD) | |||||
| Lage der Gemeinde Steinhagen im Kreis Gütersloh | ||||||
| <imagemap>
Bild:Steinhagen in GT.svg|rahmenlos|300x375px|zentriert|Karte poly 178 189 222 174 295 212 305 229 305 239 266 239 266 283 245 296 186 272 170 229 186 221 Gütersloh poly 337 221 387 212 425 221 479 283 419 296 405 274 377 293 Schloß Holte-Stukenbrock poly 266 283 276 239 305 239 305 229 337 221 377 294 337 332 Verl poly 259 453 245 420 337 332 269 283 245 300 224 355 195 368 224 423 214 453 Rietberg poly 195 368 224 420 213 453 195 453 146 381 202 368 Langenberg poly 156 381 224 354 245 301 183 274 112 332 Rheda-Wiedenbrück poly 65 239 97 212 173 229 183 274 112 332 Herzebrock-Clarholz poly 146 158 234 97 259 121 259 158 172 189 Steinhagen poly 195 14 186 48 245 87 259 87 259 14 233 28 224 14 Werther (Westf.) poly 146 158 245 87 186 48 121 97 121 139 Halle (Westf.) poly 9 158 121 139 159 168 186 218 176 229 97 211 65 239 Harsewinkel poly 121 97 186 48 195 14 121 0 97 58 121 70 Borgholzhausen poly 13 97 97 58 121 69 121 137 25 157 9 158 Versmold poly 259 453 245 419 405 274 419 295 479 283 479 462 295 462 295 453 Kreis Paderborn poly 387 195 387 211 424 218 479 283 479 195 Kreis Lippe poly 195 453 295 453 295 462 195 462 Kreis Soest poly 387 211 387 195 295 195 295 14 259 28 259 87 238 97 259 120 259 161 224 178 295 206 307 229 Bielefeld poly 224 16 236 28 295 10 295 0 224 0 Kreis Herford poly 195 454 195 462 0 462 0 87 12 97 8 158 Kreis Warendorf poly 0 82 16 97 55 68 80 73 132 0 155 16 174 10 224 17 211 0 0 0 Niedersachsen poly 479 190 295 190 296 0 479 0 479 195 Nordrhein-Westfalen desc bottom-right </imagemap> | ||||||
Vorlage:Check Geschlecht gegen Wikidata
Steinhagen ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zum Kreis Gütersloh.
Geographie
Geografische Lage
Steinhagen liegt in der Emssandebene am Südhang des Teutoburger Waldes, der das Gemeindegebiet von Nordwesten nach Südosten durchzieht. Dieser Höhenzug begrenzt gleichzeitig das östliche Münsterland und die Westfälische Bucht und ist an dieser Stelle Teil der Weser-Ems-Wasserscheide. Höchste Erhebung ist der Bußberg mit 306 Metern. Der Kottenteich liegt mit 70 Metern am tiefsten. Durch die Gemeinde verläuft der 52. Breitengrad, der am Steinhagener Gymnasium gekennzeichnet ist. Die Entfernung nach Bielefeld beträgt 10 km und nach Gütersloh 15 km.
Geologie
Der nördliche Teil des Gemeindegebietes befindet sich im Höhenzug Teutoburger Wald, wobei die Gemeindegrenze zu weiten Teilen auf dem Kammrücken verläuft. Nach Süden hin läuft das Gemeindegebiet in die Emssandebene aus.
Steinhagen wird zum Nordostrand des Münsterländer Beckens gerechnet, das in etwa die Gestalt einer Schüssel hat. Hier sind die Gesteine des oberflächennahen Untergrunds steil aufgerichtet. Sie bestehen aus Tonmergel-, Kalkmergel-, Kalk- und Mergelsteinen, aber auch aus Sandsteinen und Sandmergeln des Erdmittelalters (Unter- und Oberkreide). Diese Gesteine liegen über einem Sockel aus gefalteten Gesteinen des Erdaltertums (Devon, Karbon). Im Übergangsbereich zum Münsterland werden die Kreideschichten zunehmend von einer geringmächtigen, meist sandigen Lockergesteinsschicht aus dem Eiszeitalter (Quartär) überdeckt, die aus Flusssedimenten der Ems und aus eiszeitlichen Ablagerungen wie Grundmoräne oder Schmelzwassersanden besteht.
Im Gemeindegebiet sind die nassen und die trockenen Böden unregelmäßig verteilt. In den Niederungen und Tälern steht das Grundwasser bis dicht an die Bodenoberfläche. Dort dominieren Grundwasserböden Gleye, die mit einem Schleier aus Flugsand (Quartär) überzogen sind. Dieser neigt zur Heidebodenbildung (Podsolierung), so dass großflächig Podsol-Gleye vorliegen. Mit zunehmender Flugsanddecke nimmt der Grundwassereinfluss ab. Auf den Flugsanden haben sich Heideböden (Podsole) gebildet, örtlich mit Ortstein im Unterboden (z. B. bei Brockhagen). Bei Steinhagen sind sandig-lehmige Böden aus Geschiebelehm vorherrschend. Über den undurchlässigen Schichten des Geschiebelehms staut sich das Sickerwasser zeitweise bis in den Oberboden. Diese staunassen Böden (Pseudogleye) zeigen im Profil ein graurotbraunes Fleckungsbild. Am Südwesthang des Teutoburger Waldes sind aus den Schmelzwassersanden Podsole entstanden. Als Ergebnis des jahrhundertelangen Landbaus bestehen diese Böden zum Teil tiefreichend aus Humus, vereinzelt mit Plaggenauftrag (Plaggenesch). Am Oberhang des Teutoburger Waldes, z. B. auf dem Jakobsberg, sind Kalksteine der Kreide zu flachgründigen toniglehmigen Böden (Rendzinen) verwittert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>
Steinhagen eignet sich mittelmäßig bis gut, im südwestlichen Bereich zum Teil sehr gut, zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geologischer Dienst NRW: Erdwärme nutzen – Geothermiestudie liefert Planungsgrundlage ( vom 14. September 2005 im Internet Archive) (PDF; 369 kB).</ref>
Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets
Die als große Landgemeinde klassifizierte Gemeinde umfasst eine Fläche von 56,19 km², davon 6,93 km² im Ortsteil Amhausen, 25,85 km² im Ortsteil Brockhagen und 23,39 km² im Ortsteil Steinhagen. Der überwiegende Teil besteht aus landwirtschaftlich genutzter Fläche und Waldfläche, zusammen etwa 79 %, gefolgt von bebauter Fläche und Verkehrsfläche, zusammen etwa 19 %.<ref name="Kommunalprofil">Kommunalprofil Steinhagen. (PDF) Statistisches Landesamt für Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 24. April 2026.</ref> Die größte Ausdehnung in Nordsüdrichtung ist rund 8,3 km, in Ostwestrichtung etwa 11,5 km.
| Fläche nach Nutzungsart |
Landwirt- schaftsfläche |
Wald- fläche |
Gebäude-, Frei- und Betriebsfläche |
Verkehrs- fläche |
Wasser- fläche |
Sport- und Grünfläche |
sonstige Nutzung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Fläche in km² | 34,14 | 10,44 | 7,42 | 3,01 | 0,33 | 0,59 | 0,25 |
| Anteil an Gesamtfläche | 60,76 % | 18,58 % | 13,21 % | 5,36 % | 0,58 % | 1,05 % | 0,44 % |
Nachbargemeinden
| Halle | Werther | BI-Dornberg |
| Harsewinkel | Datei:Windrose klein.svg | BI-Quelle |
| Gütersloh | BI-Ummeln |
Steinhagen grenzt im Osten an die kreisfreie Stadt Bielefeld, im Einzelnen im Nordosten an den Stadtteil Dornberg, im Osten an den Stadtteil Quelle und im Südosten an den Stadtteil Ummeln sowie im Süden an Gütersloh. Im Westen schließt sich Harsewinkel, im Nordwesten Halle und im Norden Werther an, die jeweils zum Kreis Gütersloh gehören.
Gemeindegliederung
Steinhagen gliedert sich in drei Ortsteile: neben der Kerngemeinde Steinhagen besteht der Ort aus Amshausen und Brockhagen. Letzteres ist dörflich-ländlich geprägt. Einen Überblick über die Bevölkerungszahlen der Ortsteile gibt folgende Tabelle:
| Ortsteil | Einwohner (nur Hauptwohnsitze) Stand: 1. Januar 2022<ref name="Einwohner">Der Kreis Gütersloh: Zahlen | Daten | Fakten 2022. (PDF; 7,34 MB) Abgerufen am 13. November 2022.</ref> |
Gliederung von Steinhagen |
|---|---|---|
| Amshausen | 3.141 | |
| Brockhagen | 3.139 | |
| Steinhagen | 14.130 | |
| Gesamt | 20.410 |
Klima
Steinhagen gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an. Es liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der Steinhagen gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.
Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen an der Messstation Brockhagen im langjährigen Mittel 775 mm Niederschlag je Jahr. Somit fällt mehr Niederschlag, als im deutschen Mittel (700 mm), allerdings deutlich weniger Niederschlag, als von der Messstation aus in nordöstlicher Richtung des Gemeindegebietes. Dort fallen durch die Regenfängerwirkung des Teutoburger Walds aufgrund von Steigungsregen bis zu 1200 mm Niederschlag je Jahr. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
Geschichte
Konrad III. bestätigte im Jahr 1147 dem Stift Herford Besitzrechte an mehreren Hagen (also Höfen oder Hofstellen), darunter den Hofstellen oder Ortsbezeichnungen<ref>W. Hoffbauer: Studien zur älteren Geschichte der Abtei Herford. In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde. N.F. 10. Friedrich Regensberg, Münster 1859, S. 51.</ref> „Schabbehardt“ (scapaharda<ref>Hermann Jellinghaus: Die westfälischen Ortsnamen nach ihren Grundwörtern. Lipsius & Tischer, Kiel 1896, S. 41.</ref>) und „Burde“ (Bedeutung vermutlich Börde oder Gegend, althochdeutsch gibûrida?<ref>Ernst Förstermann: Altdeutsches Namenbuch. Band 2. Bonn 1900, S. 627.</ref>) im Siedlungsgebiet des heutigen Steinhagen.<ref>Heinrich Erhard: Regesta Historiae Westfaliae Accedit Codex Diplomaticus. Band 2. Friedrich Regensberg, Münster 1854, S. 45.</ref> Es wird vermutet, dass diese Höfe die Keimzellen des heutigen Ortes sind. Urkundlich belegt ist, dass ein Hagen in Burde mit zwölf Höfen dem Stift Herford im Jahr 1300 zu Zinsleistungen verpflichtet war. In späteren Urkunden wird „Burde“ auch „Nienhagen“ genannt.
In unmittelbarer Nachbarschaft dieses Hagen wurde durch den Grafen von Ravensberg (Hermann oder Ludwig) vermutlich Mitte des 11. Jahrhunderts eine Siedlung gegründet, die aus elf freien Höfen bestand und „Steinhagen“ genannt wurde. In einer Paderborner Urkunde vom 2. August 1258 wird die Siedlung erstmals als „Steinhagen“ bezeichnet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Artikel im Haller Kreisblatt vom 16. November 2006 ( vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive)</ref> Beide Siedlungskerne wurden im Zuge einer kirchlichen Gebietsreform im Jahr 1334 vereint. Nach und nach wurden die Bezeichnungen „Burde“ und „Nienhagen“ zugunsten von „Steinhagen“ nicht mehr verwendet. In der Grafschaft Ravensberg gehörte das Kirchdorf Steinhagen zur Vogtei Brackwede im Amt Sparrenberg.
Im Mittelalter nahm die Leinenproduktion einen gewaltigen Aufschwung. Die Ursprünge des Leinengewerbes lagen in der ländlichen Hausspinnerei und Hausweberei. Beides wurde im Winter betrieben und diente anfangs der Deckung des Eigenbedarfs. Bald schon jedoch entdeckten die Grundherren die neue Einnahmequelle. Vom 12. Jahrhundert an wurden in den Heberegistern der Abtei Herford grundherrliche Abgaben an Flachsbündeln und Leinentüchern erwähnt. Die Anfänge des Leinengewerbes in Steinhagen sind unklar. Vermutlich baute man dort jedoch schon im 13. Jahrhundert Flachs und Hanf an. In den Herforder Heberegistern wird von einer Bokemühle bei Borde berichtet.<ref name=":0">Hans Otto Busch: Entstehung und Entwicklung des Leinengewerbes. In: Gemeinde Steinhagen (Hrsg.): Steinhagen 1258-2008. Geschichte und Entwicklung. Bielefeld 2008, S. 160.</ref> Sie soll an einem heute nicht mehr erkennbaren Arm des Landbaches in der Nähe des Hofes Rueshop gelegen haben.
In den folgenden Jahrhunderten galt das bäuerliche Textilgewerbe vor allem bei Heuerlingen und Köttern als Nebenerwerb, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Verarbeitung war vom 14. bis zum 18. Jahrhundert deshalb mehr auf dem Lande als in den Städten zu finden.
Auch Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst (1640–1688) und Graf von Ravensberg, sah das Leinengewerbe als einen der wichtigsten wirtschaftlichen Faktoren der Grafschaft Ravensberg an. Am 20. April 1688 erließ er ein Edikt über den Handel in der Grafschaft, nach denen schmales Leinen aus den Kirchspielen Steinhagen und Brockhagen frei vom Vorkaufsrecht der Herforder und Bielefelder Kaufleute sein sollten.<ref>R. Reese: Die historische Entwickelung der Bielefelder Leinenindustrie. In: Hansische Geschichtsblätter. Band 1895. Leipzig 1896, S. 89.</ref> Er nannte das Ravensberger Land auch „mein liebes Spinn- und Leinenländchen“.<ref name=":0" />
Neben dem Flachs galten Hanfanbau und Hanfverarbeitung seit dem Hochmittelalter als wesentlicher Produktionszweig. Vor allem in feuchten Niederungs- und Bruchgebieten wurde er auf Steinhagener und Brockhagener Gebiet und im südlichen Ravensberger Land angebaut. Produkte aus Hanf wurden auch nach England, Niederlande und Nordamerika exportiert. Die Faser wurde zur Herstellung von Seilen und groben Stoffen wie Schiffssegeln u. a. verwendet. Auch die groben Hemden der Sklaven in Übersee waren oft aus diesem Gewebe. Seit der Zeit des Großen Kurfürsten wurden Anbau und Fertigung von Hanf- und Leinenerzeugnissen staatlich reglementiert, wie auch das gesamte Wirtschaftsleben in der Grafschaft Ravensberg, zu der Steinhagen gehörte. Durch Leggeordnungen (1669/1672) wurde die Leinenproduktion vereinheitlicht und überprüft. Kurfürstliche Beamte kontrollierten Qualität und Maße; und legten Strafen und Gebühren fest. Steinhagen und Brockhagen wurden in der Gebührenordnung genannt. Wichtigstes Dokument ist das "Commercien-Edict" von 1688. Hier ist eine Sonderregelung für Steinhagen und Brockhagen verzeichnet.
Die Nachfolger des Kurfürsten haben auch als Preußenkönige das Leinengewerbe in immer größerem Maße gefördert. Steuerermäßigungen, die Erlangung der Personenfreiheit und Befreiung vom Wehrdienst veranlassten immer Menschen, Flachs anzubauen und zu verarbeiten. Um 1720 gab es in der Grafschaft Ravensberg kaum einen Bauern, der nicht Flachs anbaute.
Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts brachen über das bäuerliche Leinengewerbe schwere Zeiten herein. Die Auswirkungen der Französischen Revolution, die napoleonischen Kriege, dazu die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre führten zu Absatzrückgang und zur Verelendung großer Teile der Landbevölkerung. Während der Zeit des Königreichs Westphalen gehörte Steinhagen im Distrikt Bielefeld von 1807 bis 1810 zum Kanton Brackwede und von 1811 bis 1813 zum Kanton Brockhagen. Steinhagen wurde 1813 wieder preußisch und kam 1816 zum neuen Kreis Halle. Im Kreis Halle gehörte die Gemeinde zum Amt Halle.
In dem durch die anschließende Industrielle Revolution eingeleiteten Industriezeitalter wurden die an den heimischen Boden gebundenen bäuerlichen Lebensformen brüchig. Die Umgestaltung der Wirtschaft begann in Europa u. a. mit der Verwendung von Maschinen zur Textilherstellung. Besonders die Konkurrenz aus dem Ausland mit Erzeugnissen von höherer Qualität und niedrigeren Preisen verstärkte die Situation und setzte die heimischen Löhne unter massivem Druck. Nirgendwo dürfte die Not so bitter und aussichtslos gewesen sein wie unter den Heimwebern im südwestfälisch-ravensberger Raum und in Schlesien.<ref>Gertrud Angermann: Land-Stadt-Beziehungen. Bielefeld und sein Umland 1760–1860. Coppenrath, Münster 1982, ISBN 3-88547-175-2, S. 162–182.</ref> Große Teile der verelendeten Landbevölkerung wanderten aus oder in die großen, aufblühenden und wachsenden Industriestädte ab, weil die in Heimarbeit betriebene Handweberei wirtschaftlich unrentabel geworden war.
In der Folgezeit setzte in Deutschland eine Spezialisierung auf die Produktion von Industrieflachs ein.
Eingemeindungen
Am 1. Januar 1932 wurde ein bewohnter Teil der Gemeinde Künsebeck eingemeindet (0,35 km²).<ref></ref> Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurden die drei Gemeinden Steinhagen, Amshausen und Brockhagen aus dem Amt Halle und Teile der Gemeinde Hoberge-Uerentrup am 1. Januar 1973 im Zuge der Umsetzung des Bielefeld-Gesetzes (§ 3) zur neuen Gemeinde Steinhagen zusammengeschlossen.<ref></ref>
Einwohnerentwicklung
Steinhagen ist die größte Gemeinde (nach Einwohnern) im Kreis Gütersloh. Stadtrechte wurden Steinhagen nicht verliehen.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Gemeinde Steinhagen nach dem jeweiligen Gebietsstand, bei einigen Zahlen zusätzlich nach heutigem Gebietsstand. Bei den Zahlen handelt es sich bis 1970 und für 1987 um Volkszählungsergebnisse<ref name="einwohner1816-1871">Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1816–1871. Düsseldorf 1966, S. 189.</ref><ref name="einwohner1871-1961">Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1871–1961. Düsseldorf 1964, S. 374–375.</ref><ref name="einwohner1970">Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Die Wohnbevölkerung in den Gemeinden Nordrhein-Westfalens 1970: Ergebnisse der Volkszählung am 27. Mai 1970. Düsseldorf 1972, S. 41.</ref><ref name="einwohner1987">Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Sonderreihe zur Volkszählung 1987 in Nordrhein-Westfalen. Band 1.1: Bevölkerung, Privathaushalte und Erwerbstätige. Düsseldorf 1989, S. 110.</ref> und ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik.<ref name="LDS">Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Landesdatenbank Nordrhein-Westfalen</ref> Die Zahlen von 1975 bis 1985 sind geschätzte Werte, die Zahlen ab 1990 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987. Die Angaben beziehen sich ab 1871 sowie für 1946 auf die Ortsanwesende Bevölkerung, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und ab 1985 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt. Im Jahr 1974 wurden noch einmal die Einwohnerzahlen in der Gesamtgemeinde und in der Gemeinde Steinhagen mit den ehemaligen Grenzen vom Statistischen Landesamt ermittelt.<ref>Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 100.</ref>
Steinhagen nach dem damaligen Gebietsstand
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1799<ref>Peter Florens Weddigen: Westphälischer historisch-geographischer National-Kalender. Kleinenbremen 1805, § 1 Das Amt Sparrenberg, S. 29 (google.de).</ref> | 1.441 |
| 1818 (31. Dez.) | 1.589 |
| 1831 (3. Dez.) | 1.659 |
| 1837 (3. Dez.) | 1.818 |
| 1843 (3. Dez.) | 1.828 |
| 1849 (3. Dez.) | 1.880 |
| 1852 (3. Dez.) | 1.860 |
| 1858 (3. Dez.) | 1.727 |
| 1867 (3. Dez.) | 1.812 |
| 1871 (1. Dez.) | 1.753 |
| 1885 (1. Dez.) | 1.797 |
| 1895 (1. Dez.) | 1.931 |
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1900 (1. Dez.) | 2.110 |
| 1905 (1. Dez.) | 2.269 |
| 1910 (1. Dez.) | 2.698 |
| 1925 (16. Juni) | 3.027 |
| 1933 (16. Juni) | 3.508 |
| 1939 (17. Mai) | 3.896 |
| 1946 (29. Okt.) | 5.693 |
| 1950 (13. Sep.) | 6.260 |
| 1961 (6. Juni) | 7.677 |
| 1970 (27. Mai) | 8.397 |
| 1972 (31. Dez.) | 9.224 |
Steinhagen nach dem heutigen Gebietsstand
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1939 (17. Mai) | 6.909 |
| 1950 (13. Sep.) | 10.693 |
| 1961 (6. Juni) | 12.377 |
| 1970 (27. Mai) | 14.258 |
| 1972 (31. Dez.) | 15.129 |
| 1974 (30. Juni) | 15.514 |
| 1975 (31. Dez.) | 15.771 |
| 1980 (31. Dez.) | 16.220 |
| 1985 (31. Dez.) | 16.056 |
| 1987 (25. Mai) | 16.486 |
| 1990 (31. Dez.) | 17.303 |
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1995 (31. Dez.) | 18.591 |
| 2000 (31. Dez.) | 19.619 |
| 2005 (31. Dez.) | 19.902 |
| 2007 (31. Dez.) | 19.938 |
| 2012 (31. Dez.) | 20.197 |
| 2015 (31. Dez.) | 20.749 |
| 2016 (31. Dez.) | 20.660 |
| 2017 (31. Dez.) | 20.715 |
| 2018 (31. Dez.) | 20.701 |
| 2019 (31. Dez.) | 20.585 |
| 2022 (31. Dez.) | 20.671 |
Religion
Mit Stand 1. Januar 2025 waren 40 % der Einwohner evangelisch, 13 % katholisch und 47 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.<ref>Kreis Gütersloh Unsere Region Zahlen Daten Fakten 2025, abgerufen am 10. Mai 2025</ref>
Politik
Steinhagen gehört zum Landtagswahlkreis Gütersloh I – Bielefeld III, in dem bei den Landtagswahlen 2010, 2012 und 2017 Georg Fortmeier (SPD) und 2022 Thorsten Klute (SPD) als Direktkandidat gewählt wurden. Auf Bundesebene gehört Steinhagen zum Bundestagswahlkreis Gütersloh, in dem 2009, 2013, 2017, 2021 und 2025 Ralph Brinkhaus (CDU) als Direktkandidat gewählt wurde.
Gemeinderat
<templatestyles src="Wahldiagramm/styles.css" />
Der Gemeinderat hat gegenwärtig 34 Mitglieder aus fünf Parteien. Hinzu kommt die Bürgermeisterin als Ratsvorsitzende.
Die lokale Politik war ähnlich wie im benachbarten Halle von 2004 bis 2014 recht stark von den Ausbauplanungen der Autobahn A 33 bestimmt. So stellte sich bei der Kommunalwahl 2004 erstmals die Südtrassenunion (STU) zur Wahl, die sich den Weiterbau der A 33 auf einer bestimmten Trassierung zum Programm gemacht hat. Auch die Bürgerallianz stellte sich erstmals zur Wahl. 2013 haben sich beide Parteien zur Wählergemeinschaft BA/STU zusammengeschlossen. Bei der Kommunalwahl 2014 verlor die BA/STU ihren Fraktionsstatus und stellte bis zur Kommunalwahl 2020 nur noch ein Ratsmitglied. Bei der Kommunalwahl 2020 trat die BA/STU nicht mehr an. Im Juli 2018 trat ein Ratsmitglied aus der CDU aus, so dass die Fraktion bis zum Ende der Wahlperiode nur noch aus 11 Mitgliedern bestand. Das ausgetretene Ratsmitglied war eines von zwei fraktionslosen Ratsmitgliedern in der Wahlperiode 2014/2020.
Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1975:
| <ref>Kommunalwahlen in NRW. Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 24. April 2026.</ref><ref>VoteManager Gemeinde Steinhagen</ref> | 2025 | 2020 | 2014 | 2009 | 2004 | 1999 | 1994 | 1989 | 1984 | 1979 | 1975 | |||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Partei | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | % |
| SPD | 13 | 38,76 | 13 | 33,80 | 15 | 44,97 | 13 | 37,13 | 11 | 31,33 | 12 | 36,41 | 16 | 37,87 | 15 | 37,57 | 15 | 37,23 | 16 | 41,86 | 16 | 41,59 |
| CDU | 13 | 39,66 | 13 | 33,87 | 12 | 34,68 | 11 | 31,78 | 12 | 35,83 | 15 | 44,06 | 16 | 38,81 | 15 | 37,11 | 15 | 37,73 | 14 | 34,54 | 16 | 39,66 |
| Grüne | 4 | 11,87 | 7 | 18,64 | 4 | 12,57 | 4 | 11,09 | 2 | 7,59 | 2 | 6,50 | 4 | 10,16 | 3 | 7,74 | 3 | 8,50 | − | − | − | − |
| FDP | 2 | 4,72 | 2 | 5,69 | 2 | 4,37 | 2 | 7,09 | 2 | 4,78 | 2 | 4,37 | 0 | 3,77 | 2 | 5,28 | 2 | 5,06 | 2 | 6,31 | 7 | 18,74 |
| UWG1 | — | – | 1 | 2,56 | – | – | 2 | 6,60 | 2 | 6,53 | 3 | 8,67 | 3 | 9,39 | 4 | 12,17 | 4 | 11,48 | 7 | 17,29 | − | − |
| STU2 | — | - | − | − | – | – | 1 | 3,89 | 3 | 8,92 | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − |
| Bürgerallianz | — | - | − | − | – | – | 1 | 2,41 | 2 | 5,03 | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − |
| BA/STU | — | - | − | − | 1 | 3,41 | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – |
| Die PARTEI | 2 | 4,99 | 1 | 2,56 | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − |
| AfD | - | — | 1 | 2,88 | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − | − |
| Einzelbewerber | - | - | − | − | – | – | − | − | − | − | − | − | − | − | 0 | 0,14 | − | − | − | − | − | − |
| Gesamt3 | 34 | 100 | 38 | 100 | 34 | 100 | 34 | 100 | 34 | 100 | 34 | 100 | 39 | 100 | 39 | 100 | 39 | 100 | 39 | 100 | 39 | 100 |
| Wahlbeteiligung | 63,65 | 61,92 | 57,55 | 61,33 | 61,88 | 65,26 | 85,34 | 73,11 | 74,49 | 79,57 | 87,73 | |||||||||||
1Unabhängige Wählergemeinschaft, 2Südtrassenunion, 3ohne Berücksichtigung von Rundungsdifferenzen
Bürgermeister
- 1961 bis 1982 Rudolf Wolf (FDP/UWG)
- 1982 bis 1994 Heinrich Consbruch (CDU)
- 1994 bis 2020 Klaus Besser (SPD)
- seit November 2020 Sarah Süß (SPD)
Bürgermeisterin der Gemeinde ist seit dem 1. November 2020 Sarah Süß (SPD). Sie setzte sich in der Stichwahl am 27. September 2020 mit 61,38 Prozent gegen den CDU-Kandidaten durch und wurde am 14. September 2025 mit 58,92 Prozent im ersten Wahlgang wiedergewählt. Sarah Süß ist die Nachfolgerin von Klaus Besser (SPD), der das Amt des Bürgermeisters 26 Jahre ausübte.<ref>Bürgermeisterstichwahl Gemeinde Steinhagen. vote iT GmbH, 27. September 2020, abgerufen am 1. November 2020.</ref><ref>Bürgermeister zu sein, dafür gibt es kein YouTube-Video. In: spiegel.de. 1. November 2020, abgerufen am 1. November 2020.</ref>
Wappen
Das Wappen von Steinhagen ist dreigeteilt. Oben links blau mit einer goldenen Ähre und rechts gold mit blauem Wacholder gespalten. Damit wird Bezug genommen auf die Spezialität Steinhäger, für den die Gemeinde bekannt ist. Unten ist das Wappen der Grafschaft Ravensberg (drei rote Sparren auf silber) abgebildet, um die (ehemalige) Zugehörigkeit zu diesem Gebiet darzustellen.
Das Wappen wurde am 16. August 1977 durch den Regierungspräsidenten in Detmold genehmigt. Vorher führte die Gemeinde ein Wappen mit braunem Wacholderzweig mit blauen Nadeln und Früchten. Braun ist jedoch keine heraldische Farbe. Das bisherige Wappen hatte der Oberpräsident Steinhagen am 1. März 1939 verliehen.<ref>Peter Veddeler: Wappen - Siegel - Flaggen. Die kommunalen Hoheitszeichen des Landschaftsverbandes, der Kreise, Städte und Gemeinden in Westfalen-Lippe. In: Westfälische Siegel und Wappen. Band 5. Ardey-Verlag, Münster 2003, ISBN 978-3-87023-252-8, S. 225.</ref>
Städtepartnerschaften
Die Gemeinde Steinhagen unterhält drei europäische Städtepartnerschaften, zum einen seit 1972 zu der niederländischen Gemeinde Woerden in der Provinz Utrecht, zum anderen seit 1988 zu der italienischen Kommune Fivizzano in der Provinz Massa-Carrara und seit 2023 mit Rūjiena im Norden Lettlands.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater
Steinhagen verfügt nicht über ein Theatergebäude und auch nicht über ein Ensemble. Für Tourneetheateraufführungen und Konzerte wird die Aula des Schulzentrums (758 Sitzplätze) unter anderem vom Verein Kulturwerk Steinhagen genutzt.
Museum
Das Historische Museum Steinhagen stellt in Räumen der ehemaligen Brennerei Schlichte eine Sammlung von historischen Brenngeräten und Werkzeugen zur Herstellung von Wacholderbranntwein aus. Darüber hinaus können alte Fotos, Urkunden, Trachten, ein historischer Schreibwarenladen und eine historische Apotheke und andere mit der Entwicklung und Siedlungsgeschichte von Steinhagen zusammenhängende Gegenstände betrachtet werden.
Musik
Es gab und gibt zahlreiche weltliche und kirchliche Chöre. Zu nennen sind die Sängergemeinschaft Steinhagen, die von 1921 bis 2013 bestand, der Männerchor Belcanto Steinhagen e. V. und der Kammerchor Belcanto. Seit 2005 gibt es den Chor feelHarmonie mit ca. 40 Sängerinnen und Sängern. Zum Repertoire gehören Lieder aus vielen Epochen der Musikgeschichte – von der Renaissance bis hin zur Moderne. Im Ortsteil Amshausen war der Männerchor Amshausen von 1921 bis 2023 aktiv und trat mit einer 4-köpfigen Rhythmusgruppe auf. Der Chor löste sich 2023 auf. Er sang Schlager- und Musical-Melodien. Im Ortsteil Brockhagen gab es von 1858 bis 2016 ebenfalls einen Männerchor. Die Musikschule Gütersloh unterhält eine Zweigstelle in Steinhagen. Sie veranstaltet Konzerte und gibt Unterricht. Das Steinhagener Gymnasium verfügt über Musikklassen, eine Big Band, ein Philharmonisches Orchester und Chöre. In der Katholischen Kirchengemeinde St. Hedwig trifft sich seit 2011 der Junge Chor 4laut mit einem 4-stimmigen Repertoire aus neuem geistlichen Liedgut, Gospel und auch aktueller Musik. Im Ortskern unterbreitet der Verein Kultur vor Ort seit 2021 verschiedene Kulturangebote.
Bauwerke
Seit 1334 ist die Evangelische Dorfkirche in Steinhagen eine Pfarrei. Die zweischiffige, aus dem 14. Jh. stammende Halle wurde 1901 von Karl Siebold mit einer querschiffartigen Erweiterung versehen. Dem Bau ist im Westen ein Turm mit Satteldach vorgelagert. Zur Ausstattung gehören ein bemerkenswerter Flügelaltar, der wohl um 1450/60 im Umkreis des Johann Koerbecke entstand, eine Kanzel mit spätgotischen Maßwerkfüllungen, ein Taufstein von 1693 sowie der „Steinhagener Michael“, ein 1922 als Kriegerdenkmal eingelassenes Mosaik von Wolfgang Pagenstecher über dem Haupteingang, das den Erzengel Michael (den Drachentöter und Schutzpatron Deutschlands) im Kampf mit einem Drachen zeigt und die Inschrift trägt „Und wenn die Welt voll Teufel wär“. Die Inschrift verweist auf die erste Zeile der dritten Strophe in Martin Luthers Kirchenlied Ein feste Burg ist unser Gott, ein von Hans Sitt 1914 vertontes Soldatenlied<ref>Hans Sitt: Soldaten-Lied: Und wenn die Welt voll Teufel wär. Ausgabe für Männerchor, Papst, Leipzig 1914</ref> und den Titel einer 1915 veröffentlichten Erzählung des Schriftstellers und Weltkriegteilnehmers Otto Rodehorst.<ref>Otto Rodehorst: Und wenn die Welt voll Teufel wär! Ein Bericht, wie kleine Leute den großen Krieg miterlebten. G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1915 (Digitalisat)</ref> An die Zeit der Hausspinnerei erinnert noch heute das „Haspelkreuz“ an der südlichen Turmseite der Steinhagener Kirche, das als Maß mit dem Eichstempel von 1778 zwei Brandenburger Ellen (ca. 1,334 m) zwischen vier Zapfen anzeigt. 1902 fand ein großer Umbau in der Kirche statt. Da bekam auch der Turm seine Uhr, eine Stiftung der Familie Schlichte. Am 28. Oktober 1906 wurde das Kriegerdenkmal vor der Kirche eingeweiht.
Während die Ev. Kirche insgesamt das älteste Gebäude Steinhagens darstellt, ist das ehem. Wirtschaftsgebäude des Hofes Meier-Michaelis in Brockhagen der älteste Profanbau (2. Hälfte 16. Jhd.).<ref>Gemeinde Steinhagen, Heimatverein Steinhagen: Tag des offenen Denkmals 2024. Katalog zur Ausstellung. Steinhagen 2024, S. 63.</ref>
Im Ortskern von Steinhagen blieben nur noch wenige Fachwerkbauten erhalten, die zumeist aus dem 18. u. 19. Jahrhundert stammen. Die ehemalige Kirchringbebauung wurde weitgehend durch Neubauten ersetzt. An der Alten Kirchstraße (Nr. 4) befindet sich das als Heimathaus genutzte Haus Ordelheide. Es handelt sich um ein Dielenhaus, das am Torbalken „1609“ bezeichnet ist. 1988 wurde es durchgreifend saniert. Am Kirchplatz 22 steht die Alte Schmiede, ein eingeschossiger Fachwerkbau von 1834 mit Krüppelwalmdach, der heute als Restaurant dient. Gegenüber befindet sich das Steinhäger Häuschen, Steinhagens älteste Gaststätte. Das abseits des Kirchplatzes am südlichen Rand des Ende der 1870er/Anfang der 1880er Jahre neu entstandenen Marktplatzes gelegene Brinkhaus ist ein stattliches, 1715 bezeichnetes Fachwerk-Dielenhaus mit Utlucht, das später durch Anbauten erweitert wurde.
Auf dem Dach des Historischen Museums ist seit 1912 das Wahrzeichen von Steinhagen zu sehen, ein 5 Meter hoher Steinhägerkrug. Im September 2025 wurde die erste, zuletzt grün gestrichene Kruke abgebaut und im Oktober 2025 an gleicher Stelle eine neue Kruke in historischer hellbrauner Farbgebung installiert.
Rittergut Patthorst. Das zweigeschossige Herrenhaus mit Krüppelwalmdach wurde 1777–83 erbaut und 1840–64 erweitert. Südwestlich des Gutes liegt die Familiengrabstätte mit dem Mausoleum, das 1818 in den Formen eines dorischen Tempels errichtet wurde. Das Haus befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.
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Parks
Westlich der Bahnhofstraße in Höhe des Kirchplatzes ist ein parkähnliches Gelände mit Teich öffentlich zugänglich, das im Zuge der zweiten Ortskernsanierung neu gestaltet wurde und seither den Namen Bürgerpark trägt. In Privatbesitz befindet sich der etwa 2 ha große Gutspark Patthorst am ehemaligen Jagdschloss der Grafen von Ravensberg<ref>Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Gutspark Patthorst (Archivversion). Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. Juli 2009; abgerufen am 5. April 2014.</ref>.
Das Gemeindegebiet ist Teil des Naturparks TERRA.vita, ehemals Naturpark Nördlicher Teutoburger Wald-Wiehengebirge.
Naturschutzgebiete und Naturdenkmäler
<imagemap> Bild:Steinhagen - nature reserves.png|400px|rechts|Steinhagen (Westfalen) poly 808 181 809 178 810 176 810 173 810 171 811 170 813 168 810 168 812 166 814 166 818 167 822 170 824 173 828 173 831 172 832 171 833 169 833 173 829 175 828 179 837 181 842 185 844 184 845 184 845 185 851 189 850 190 868 198 868 196 870 199 870 196 871 193 874 195 875 199 874 201 872 202 880 205 880 207 886 211 889 210 890 210 892 211 893 211 896 212 897 211 899 210 900 211 902 213 902 217 907 218 913 220 917 218 922 222 930 227 934 228 936 229 944 233 945 234 945 235 942 237 940 238 938 240 937 243 937 246 935 247 932 247 930 246 913 239 887 227 887 226 884 224 884 224 882 224 881 224 867 215 866 218 865 218 849 211 848 212 838 207 841 199 828 192 809 183 808 181 808 181 Egge (Naturschutzgebiet) poly 937 252 937 251 938 251 939 246 940 243 941 241 942 240 944 238 947 236 948 236 949 236 950 236 952 237 953 237 953 236 954 236 955 236 956 240 955 245 961 249 967 252 972 253 975 253 974 256 972 258 971 260 970 261 966 264 952 262 947 258 937 252 937 252 Egge (Naturschutzgebiet) poly 966 285 971 275 970 272 973 269 981 257 983 255 984 255 982 257 987 257 990 258 1000 267 1002 267 1002 269 1004 270 1006 269 1007 271 1003 281 979 275 978 276 979 277 979 278 975 286 974 289 966 285 966 285 Egge (Naturschutzgebiet) poly 781 135 783 132 786 131 787 131 788 133 789 135 791 136 793 131 794 131 794 129 796 125 799 128 799 132 800 132 801 134 800 137 799 140 796 141 796 143 798 146 800 150 801 151 802 152 804 154 807 155 808 156 809 157 809 158 811 164 809 174 808 180 809 183 808 188 809 190 807 200 805 207 803 205 805 197 804 195 802 194 801 193 802 187 802 185 804 180 805 177 803 176 806 169 806 166 806 163 806 162 806 161 805 160 798 152 794 147 791 145 783 139 782 138 781 135 781 135 Jakobsberg (Naturschutzgebiet) poly 718 121 721 119 722 116 726 110 727 106 731 104 735 104 743 103 749 104 752 106 756 109 756 111 762 117 763 117 765 121 771 121 772 125 768 126 770 133 772 133 774 136 772 137 774 140 778 141 782 143 787 147 793 151 797 154 799 156 800 155 805 160 805 161 806 162 806 164 806 166 806 168 802 176 799 175 784 172 777 168 769 165 767 163 759 159 758 157 757 157 746 150 741 148 742 145 740 144 740 143 731 137 728 135 727 136 721 128 720 124 718 121 718 121 Jakobsberg (Naturschutzgebiet) poly 352 430 358 424 359 423 359 433 372 431 376 420 391 437 380 435 381 438 367 440 369 448 360 452 358 451 353 436 352 430 352 430 Feuchtwiesen In den Wösten poly 359 385 361 385 365 384 369 383 373 380 378 376 379 375 378 371 375 355 376 355 376 353 383 353 394 369 389 372 387 372 385 373 385 375 383 376 381 378 378 381 379 382 382 386 383 393 386 393 388 395 390 397 402 385 406 388 410 382 411 383 414 374 416 373 415 372 414 368 403 363 403 363 399 359 415 343 418 345 421 340 423 340 426 331 428 333 418 370 419 370 421 373 429 379 425 393 430 402 432 407 423 419 428 424 426 425 423 422 415 430 413 428 422 420 413 410 407 414 405 414 406 417 397 418 398 415 393 414 391 418 382 418 383 423 393 423 390 428 389 429 390 432 391 434 391 434 380 422 372 413 368 408 369 406 371 405 370 404 369 405 366 405 363 398 370 394 368 389 366 391 364 390 362 392 361 393 360 392 359 385 359 385 Feuchtwiesen In den Wösten poly 596 641 603 638 602 634 607 632 607 628 613 627 612 625 619 624 618 621 620 621 619 617 639 618 649 616 650 621 668 617 671 626 671 630 672 631 673 632 681 632 683 633 686 638 687 639 687 640 684 642 675 646 673 647 664 659 664 662 643 668 642 662 640 663 639 663 636 662 634 661 633 659 627 663 624 664 622 664 620 662 620 661 618 661 615 663 612 663 607 662 604 660 602 659 599 657 597 655 602 645 596 641 596 641 Feuchtwiesen Ströhen poly 417 612 443 603 441 591 438 588 438 581 439 578 441 575 449 581 465 573 458 566 464 563 476 575 486 570 482 563 485 560 494 563 529 576 536 581 548 584 547 591 549 596 539 605 527 597 517 608 516 607 502 616 503 619 505 623 506 625 490 620 482 619 481 607 467 608 466 601 451 602 453 620 426 621 417 612 417 612 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Steinhagen hat sechs ausgewiesene Naturschutzgebiete mit insgesamt 461,6 ha Fläche. Dies ist in absoluten Zahlen die viertgrößte Fläche im Kreisgebiet und prozentual bezogen auf das Gemeindegebiet mit 8,21 % die drittgrößte Fläche.
Der Leberblümchenberg ist Teil des etwa 48 ha großen Naturschutzgebiets Jakobsberg in Amshausen und beheimatet ein großes Vorkommen des Leberblümchens. Zur Blütezeit des Leberblümchens ab Mitte März ist er eine touristische Attraktion. Ein Wanderweg, der am Ausflugslokal Friedrichshöhe beginnt, führt rund um den Berg und unter anderem zum Aussichtspunkt Emilshöhe, der Blicke auf das Münsterland gewährt. Die Wanderwege und Bänke im Ortsteil Amshausen werden vom Heimatverein Amshausen beaufsichtigt und gepflegt. Auf dem Vorplatz des Lokals Friedrichshöhe findet sich eine 18 Meter hohe geschützte Stieleiche, die als einer der bedeutendsten Bäume im Kreisgebiet gilt. Ihr geschätztes Alter liegt zwischen 300 und 500 Jahren.
Das Naturschutzgebiet Feuchtwiese Vennheide in Brockhagen ist ein Grünlandkomplex auf 130 ha Fläche, der 19 Pflanzenarten der Roten Liste gefährdeter Arten und weiteren 15 Pflanzenarten der nordrhein-westfälischen Vorwarnliste Heimat bietet. Es bietet darüber hinaus zwei Arten von Wiesenvögeln der Roten Liste und weiteren vier Arten der Vorwarnliste Schutz. Es wurden elf Heuschreckenarten nachgewiesen, von denen fünf als gefährdet oder stark gefährdet gelten. Mit weiteren 21 nachgewiesenen Tagfalterarten, von denen drei auf der Roten Liste stehen, weist das Gebiet eine bemerkenswerte Artenvielfalt auf.<ref>Kreis Gütersloh NSG Feuchtwiesen Vennheide (PDF, 128 KB). (PDF) Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 5. April 2014. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>
Das Naturschutzgebiet Feuchtwiesen Ströhen trägt zum Erhalt von seltenen Pflanzengesellschaften und traditionellen Brutplätzen bei, zum Beispiel für Brachvogel, Kiebitz und Steinkauz.
Das Naturschutzgebiet Feuchtwiesen In den Wösten hat eine Größe von 50 ha und beherbergt kleine feuchte bis nasse Waldbestände. Im Naturschutzgebiet Foddenbach-Landbach wird den beiden genannten Bächen auf einer Fläche von ca. 87 ha Raum zur natürlichen Mäandrierung gelassen.
Das Naturschutzgebiet Egge existiert seit 2008 und ist damit das jüngste der unter Schutz gestellten Gebiete. Es befindet sich mit einer Größe von ca. 53,6 ha im Teutoburger Wald im nordwestlichen Gemeindegebiet.
Bereits 1939 wurde der Kraalbusch als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Aufgrund der starken Eutrophierung des Gewässers, die zu einem völligen Verlust der wertvollen Flora führten, wurde die Verordnung jedoch in den 1970er Jahren wieder aufgehoben.
Am Spielplatz an der Mühlenstraße steht eine etwa 200 Jahre alte geschützte Stieleiche, die rund 18 Meter hoch ist und einen Kronendurchmesser von etwa 26 Metern hat.
Sport
Folgende Sportvereine in Steinhagen sind nennenswert:
- TSV Amshausen (Fußball, Jiu Jitsu, Jazz-Dance, Bogenschießen)
- TC Amshausen (Tennis)
- TuS Brockhagen (Handball)
- SCSA Schwimmclub Steinhagen-Amshausen (Schwimmen, Wasserball [Damen und Herren])
- Spvg Steinhagen (Fußball, Handball, Volleyball, Tischtennis, Turnen, Radball, Badminton); die Damentischtennisabteilung des Vereins wurde zwischen 1989 und 1994 sechsmal hintereinander Deutscher Meister
- Flugsportvereinigung Ravensberg-Steinhagen (Segelfliegen, Modellbau, Modellfliegen)
- ZRFV Steinhagen-Brockhagen-Hollen e. V. (Zucht-, Reit- und Fahrverein im Reitsportzentrum Steinhagen)
- Islandpferdereitverein Vinir e. V.
- DLRG Steinhagen (Rettungsschwimmen)
Regelmäßige Veranstaltungen
Im März und im August findet jedes Jahr die Frühjahrskirmes und die Sommerkirmes auf dem Marktplatz und rund um den Kirchplatz Steinhagen statt. Ende April/Anfang Mai ist der jährliche Köchemarkt. Jährlich im Juli finden die Steinhagener Reitertage statt. Sie haben überregionale Bedeutung. Immer am ersten Septemberwochenende wird das Heidefest mit Weinmarkt und Wahl zur Heidekönigin veranstaltet.
Der jährliche Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende ist nicht kommerzieller Natur. Die Stände werden überwiegend durch Vereine, Schulen, Kindergärten und Parteien betrieben, die den Gewinn über die Aktionsgemeinschaft Steinhagen gemeinnützigen Zwecken innerhalb der Gemeinde zufließen lassen.
Einmal jährlich am Samstag zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag findet die große Prunksitzung des Karnevals Club Cronsbachfunken Steinhagen e. V. (KCCF) in der Aula des Schulzentrums Steinhagen statt. Mit über 600 verkleideten Gästen das Großereignis in der Karnevalszeit.
Der Ortsteil Brockhagen erlangte zwischen 1997 und 2003 durch die dort stattfindende Future Parade, ein Rave im Stil der Loveparade, überregionale Bedeutung. In der Spitze wurden rund 55.000 Besucher verzeichnet. Am letzten Wochenende im August feiern die Brockhagener das Dorfgemeinschaftsfest und am 3. Adventssonntag den Sternchenmarkt.
Kulinarische Spezialitäten
Bekannt ist Steinhagen durch seinen Wacholderbranntwein, den Steinhäger.
Infrastruktur und Wirtschaft
Verkehr
Straßenverkehr
Steinhagen ist über die Bundesautobahn 33 an das Fernstraßennetz in Richtung Bielefeld und Osnabrück angebunden. Die ehemalige B 68 wurde nach Inbetriebnahme der Autobahn zur L 756. Über die L791 ist der Bielefelder Süden, über die L778 der westliche Teil des Kreises Gütersloh und der Bielefelder Westen und über die L782 Gütersloh erreichbar.
Schienen- und Busverkehr
Der Bahnhof Steinhagen (Westf) sowie der Haltepunkt Steinhagen (Westf) Bielefelder Straße liegen an der Bahnstrecke Osnabrück–Bielefeld (KBS 402<ref name="Link_402">Abfrage der Kursbuchstrecke 402 bei der Deutschen BahnVorlage:Abrufdatum </ref>), auf der im Stundentakt (zwischen Bielefeld und Halle teilweise 30-Minuten-Takt) die Regionalbahn „Haller Willem“ RB 75 verkehrt. Der Personennahverkehr wird von der NordWestBahn mit Talent-Dieseltriebwagen für Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h durchgeführt.
Im Straßenpersonennahverkehr verkehren Regionalbusse nach Bielefeld und Halle (Westf.). Alle Ortsteile können mit einem Anruflinienbus erreicht werden. Im gesamten öffentlichen Personennahverkehr gilt der Verbundtarif Westfalentarif und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif. In Richtung Osnabrück gibt es einen Übergangstarif zur Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS-Plus).
Fuß- und Radverkehr
Steinhagen liegt auf der Strecke der BahnRadRoute Teuto-Senne, die von Osnabrück über Steinhagen und Bielefeld nach Paderborn führt.
Auf dem Kamm des Teutoburger Waldes, also an der nördlichen Gemeindegrenze, verläuft der Hermannsweg, der als Wanderweg Rheine mit dem lippischen Velmerstot verbindet. Auf diesem Weg etwa bei 52° 2′ 4,6″ N, 8° 25′ 47,9″ O
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}} findet sich der Karl-Carstens-Gedenkstein, der daran erinnert, dass der ehemalige Bundespräsident Karl Carstens diesen Punkt bei einer seiner zahlreichen Wanderungen gequert hat.
Flugverkehr
Der Flughafen Münster/Osnabrück befindet sich in 60 km Entfernung, der Flughafen Paderborn/Lippstadt ist 65 km entfernt. Der Flughafen Dortmund ist etwa 90 km, der von Hannover ist rund 122 km entfernt.
Etwas außerhalb von Steinhagen, am Hof Meyer auf dem Ströhen, gibt es einen Ballon- und Luftschiffhafen mit Hubschrauberlandeplatz, der von der Firma Air-Taxi-Service Bielefeld betrieben wird. Zum Gelände gehören eine kleine Start- und Landebahn, ein Hubschrauberhangar (300 m²) und eine Luftschiffhalle (370 m²). Seit 1969 gibt es dort Flugbetrieb. Im September 1978 startete auf dem Ströhen der erste Heißluftballon – zu jener Zeit der einzige Ballon in Ostwestfalen-Lippe, in dem Gäste mitfahren durften.
Medien
Druckmedien
Als Tageszeitungen erscheinen täglich montags bis samstags in der Auflage etwa gleich stark das Haller Kreisblatt, eine Tochterzeitung der Neuen Westfälischen, sowie eine Lokalausgabe des Westfalen-Blatts. Beide Zeitungen beziehen ihren Mantel von ihren jeweiligen Mantelredaktionen aus Bielefeld. Beide Zeitungen berichten im Lokalteil aus allen Gemeinden des Altkreises Halle, unter anderem Steinhagen. Darüber hinaus erschien bis 2023 sonntäglich und kostenfrei die Zeitung „OWL am Sonntag“, ein Ableger des Westfalen-Blatts. Das „Steinhagener Schaufenster“, ein Anzeigenblatt mit Neuigkeiten und Berichten aus allen drei Ortsteilen, erscheint 9- bis 10-mal im Jahr. Ein weiteres Anzeigenblatt sind die monatlich erscheinenden „Teutonews“.
Radio und Fernsehen
Steinhagen gehört zum Berichtsgebiet des WDR-Studios Bielefeld. Weiterhin gehört Steinhagen seit 1991 zum Sendegebiet von Radio Gütersloh, das es in der Berichterstattung als Lokalradio mit abdeckt.
Öffentliche Einrichtungen
Die Gemeinde bietet in ihren Einrichtungen verschiedene Dienstleistungen für ihre Bürger an. Die Hauptstelle der Gemeindebibliothek befindet sich seit Juni 2018 am Kirchplatz 26a im Schlichte Carree, eine Zweigstelle existiert in Brockhagen. Insgesamt werden rund 28.000 Medien angeboten.<ref>Gemeindebibliothek Steinhagen abgerufen am 7. Februar 2019.</ref>
In jedem Ortsteil unterhält die Gemeinde öffentliche Begegnungsstätten (Heimathaus in Steinhagen, Alte Dorfschule in Brockhagen und Alte Feuerwehr in Amshausen).
Das Waldbad ist ein über 90 Jahre altes Freibad. Es ist ein Naturbad mit Strandanlage und wird vom Pulverbach durchflossen. Im Ortsteil Steinhagen findet sich darüber hinaus ein Hallenbad mit 25-m-Bahn, das regelmäßig auf 29 °C geheizt wird. In unmittelbarer Nähe befinden sich das Cronsbach-Stadion, die größte Sportanlage der Gemeinde, mit Rasenspielfeld inklusive Sitz- und Stehplatztribüne, zwei Rasen-Trainingsfeldern, einem Kunstrasen-Spielfeld sowie Leichtathletikanlagen, und mehrere Sporthallen, darunter das 2022 eingeweihte Hörmann-Sportzentrum. Das Waldbad ist auch die Wiege des Schwimmclubs Steinhagen-Amshausen.
Die Freiwillige Feuerwehr Steinhagen mit über 100 Mitgliedern ist für den Brandschutz im Gemeindegebiet zuständig und verfügt über drei Löschzüge, davon einer in Steinhagen, ein weiterer in Brockhagen und ein dritter in Amshausen. Darüber hinaus gibt es eine aktive Jugendfeuerwehr und eine Kinderfeuerwehr.
Die Gemeinde verfügt mit der Gemeindewerke Steinhagen GmbH über ein eigenständiges Versorgungsunternehmen mit den Sparten Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und Bäder. Seit 2011 wird ausschließlich sogenannter grüner Strom von den Gemeindewerken über ihr eigenes Stromnetz vertrieben.
Bildung
Es gibt im Gemeindegebiet fünf Grundschulen: die Grundschule Laukshof, die Grundschule Amshausen, die Grundschule Brockhagen, die Grundschule Steinhagen sowie die privat unterhaltene Georg-Müller-Grundschule. Weiterführende Schulen sind die Realschule und das Gymnasium Steinhagen. Die Realschule und das Gymnasium werden als gebundene Ganztagsschule geführt.
Darüber hinaus gibt es für die Erwachsenenbildung Angebote der Volkshochschule Ravensberg, einem kommunalen Zweckverband, in dem sich die Städte Halle, Werther, Borgholzhausen, Versmold und die Gemeinde Steinhagen zusammengeschlossen haben. Die Volkshochschule betreibt seit 2009 das Gesundheitsforum am Steinhagener Kirchplatz.
Ansässige Unternehmen
Steinhagen zeichnet sich nach dem weitgehenden Niedergang der Brennereien durch eine recht breit diversifizierte Industrie aus. Zu den weltweit bekannten Unternehmen zählt Hörmann, ein weltweit tätiges Unternehmen im Bereich Bauelemente (Türen, Tore, Zargen und Antriebe) mit mehr als 6000 Mitarbeitern. Es hat seinen Hauptsitz in Steinhagen. Die Jung Pumpen GmbH ist mit rund 350 Mitarbeitern im Bereich Abwassertechnik weltweit tätig. Auch sie hat ihren Hauptsitz in Steinhagen.
Überregional bekannt sind die Brennerei Zum Fürstenhof Robert H. Günther, die Steinhäger herstellt; die INA-Schaeffler KG, ein Hersteller von Wälzlagern, Linearprodukten sowie Direktantrieben, die Firma Plasmatreat, ein Hersteller und Anbieter von Plasmaanlagen, und die Lütgemeier GmbH, ein Hersteller von Spezialteilen für die Kraftfahrzeugindustrie. Ein weiteres Unternehmen in Steinhagen ist die Runge Verlagsauslieferung.
In Steinhagen war die Balsam AG (Spezialist für Sportfußböden) ansässig, die 1994 aufgrund von Misswirtschaft in Konkurs ging.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- 1840–1911: Friedrich Meyer, Reichstags- und Landtagsabgeordneter
- 1848–1932: Hermann Niehaus, zweiter Stammapostel der Neuapostolischen Kirche
- 1944: Ursula Bolte, Politikerin (SPD)
- 1944: Axel Diekmann, Verleger und Ehrenbürger der Stadt Passau
- 1960: Klaus Besser, Politiker (SPD)
- 1968: Andreas Golombek, Fußballtrainer
- 1968: Buttermaker, Musiker und Komiker
Liste der Personen, die hier leb(t)en
- 1921–2009: Reinhard Mohn, Unternehmer, lebte in Steinhagen
- 1938: Lutz Goessing, Spring- und Vielseitigkeitsreiter, lebt in Steinhagen
- 1939–2011: Christa Goessing, Springreiterin, Pferdezüchterin und Reitsportmäzenin, mit Lutz Goessing verheiratet, 2011 verstorben
- 1944: Ursula Bolte, Politikerin (SPD), ehemalige Landtagsabgeordnete und Landrätin des Kreises Gütersloh
- 1950: Manfred Führer, ehemaliger Fußball-Bundesligaschiedsrichter, lebt in Steinhagen
- 1951–2023: Heinrich-Wilhelm Johannsmann, Springreiter, zwischen 1973 und 1978 und von 1981 bis 2005 aktiv im Turnierstall von Lutz Goessing in Steinhagen
- 1958: Franke Sloothaak, Springreiter, lebt in Steinhagen
- 1974: Jörg Böhme, ehemaliger Fußballer, jetzt Trainer, lebt in Steinhagen
- 1975: Jörg Ludewig, Radsportprofi, hat sein Elternhaus in Steinhagen
- 1981: Cemil Şahinöz, Soziologe und Autor, lebt in Steinhagen
- 1982: Tim Rieskamp-Goedeking, Springreiter, lebt in Steinhagen
- 1984: David Odonkor, ehemaliger Profi-Fußballer und Nationalspieler, WM-Teilnehmer 2006, lebte in Steinhagen
- 1992: Sarah Süß, Politikerin (SPD)
Literatur
- Evangelische Kirchengemeinde Steinhagen (Hrsg.): 650 Jahre Kirchengemeinde Steinhagen. Steinhagen 1984.
- Helmut Dellbrügge: Steinhäger. Der Schnaps aus (Ost-)Westfalen und sein Heimatort. Verlag Busse + Seewald, 1993, ISBN 3-512-03116-1.
- Hans-Otto Busch (Redaktion): 750 Jahre Steinhagen. Hrsg.: Heimatverein Steinhagen e. V. und Gemeinde Steinhagen. Selbstverlag, 2008, ISBN 978-3-00-021324-3.
- Jürgen Büschenfeld: Steinhagen im Nationalsozialismus. Verlag für Regionalgeschichte, 2018, ISBN 978-3-7395-1145-0.
Weblinks
- Literatur von und über Steinhagen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website der Gemeinde Steinhagen
- Regional bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich D 06.06 Steinhagen bei LWL-GeodatenKultur des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Einzelnachweise
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- Seiten mit nicht-numerischen formatnum-Argumenten
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Koordinaten-Parameterfehler
- Steinhagen (Westfalen)
- Gemeinde in Nordrhein-Westfalen
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Webarchiv
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Wikipedia:Weblink offline
- Ort im Kreis Gütersloh
- Ersterwähnung 1258