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St. Kilian (Aschaffenburg)

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Datei:Nilkheim p 035.jpg
St. Kilianskirche 2010
Datei:Kiliankapelle Aussen3.jpg
Die 1720 erbaute Kilianskapelle
Datei:Innenansicht Kilianskapelle AB-Nilkheim.jpg
Innenansicht der Kilianskapelle

St. Kilian ist eine 1952/53 errichtete katholische Pfarrkirche im Aschaffenburger Stadtteil Nilkheim.

Geschichte

Laut ältestem christlichem Zeugnis weihte in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts der Mainzer Bischof Rigibert die unter dem Priester Adalhuno erbaute und dem Hl. Dionysius von Paris gewidmete Kirche ein.<ref>Hans Heßler: Aus der Geschichte der Kirchen St. Dionysius … 1250 Jahre Christliches Nilkheim, s. u. – Das Steindokument, das die Daten 711/716 bestätigt, ging leider verloren.</ref><ref>Max Spindler, Sigmund Benker: Geschichte Frankens bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. Bd. 3/1, S. 109, 237. In: Andreas Kraus (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Geschichte. Gesamtwerk in 4 Bänden, C. H. Beck, 1997.</ref> Im Markgräflerkrieg 1552 wurden Kapelle und umliegende Anwesen zerstört; 1577 erfolgten die Vereinigung mit der Muttergottespfarrei und der Abbruch der baufälligen Kapelle. Die heutige Kapelle, dem Hl. Kilian und seinen Gefährten geweiht, stammt von 1720. Als Stifterehepaar werden die Erbbeständer (Pächter) des Nilkheimer Hofgutes genannt, Johann Jacob und Maria Martha Morhard, deren Epitaphien in der Kapelle aufbewahrt werden. Der von zwei Säulen flankierte Barockaltar von 1731 stellt auf dem zentralen Gemälde die Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan dar.

Kirchenbau

1932 entstanden durch Industrieansiedlungen die ersten Wohnhäuser für Mitarbeiter östlich der Hafenbahnlinie Richtung Aschaffenburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg, am 15. September 1946, schuf dann der Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried angesichts der anwachsenden Bevölkerung eine Expositurstelle; Expositus wurde der heimatvertriebene Priester des Deutschen Ordens, Pater Otto Maly (OTeut). Dieser fuhr jeweils zur alten Kilianskapelle, um den Einwohnern des neuen Stadtteils das Wort Gottes zu verkünden und mit ihnen die Hl. Messe zu feiern, verunglückte mit seinem Motorrad aber am 30. Mai 1952 kurz vor der Aschaffenburger Mainbrücke tödlich.

Bereits 1950 wurden die ersten Grundstücke zum Bau der neuen Kirche erworben. Die Planung verantwortete das Aschaffenburger Architekturbüro Grimm und Schmitt (später Goldhammer und Schmitt), den ersten Spatenstich machte am 26. Oktober 1952, einem Christkönigsfest, der am 28. Juni eingeführte neue Kuratus Ferdinand Scherpf.<ref>Main-Echo Nr. 149 vom 2. Juli 1952.</ref> Die Grundsteinlegung durch den Generalvikar des Bistums Würzburg, Vinzenz Fuchs, fand am 23. November 1952 statt. Am 25. Oktober 1953 wurde St. Kilian von dem Würzburger Bischof Julius Döpfner geweiht.

Datei:StKilian innen.jpg
St. Kilianskirche innen

Die Kirche

Die 40 m lange und 16 m breite Kirche aus rotem und weißem Sandstein<ref name="Pfarrarchiv St. Kilian">Pfarrarchiv St. Kilian.</ref> mit abgerücktem, über eine Wandelhalle zugänglichem Glockenturm betritt man durch drei mit Kupferblech überzogene Türen. Über dem Portal befindet sich ein Mosaik mit den Frankenaposteln Kilian, Kolonat und Totnan des Bildhauers Hans König aus Trennfurt. Unter der Empore liegt links die Nische mit den Priestergräbern von Otto Maly und Ferdinand Scherpf, rechts die Werktagskapelle. Der Innenraum mit leicht eingezogenem Chor besitzt eine durchgehende Kassettendecke; über der Sakristei ist ein Sängerraum eingerichtet, der sich mit einem großen Fenster zum Altarraum hin öffnet. Das 8 m hohe und 5 m breite Altarbild, geschaffen aus 65.000 Sinterplättchen<ref>Sinter ist ein durch mineralische Ablagerungen in wässrigen Lösungen entstandenes poröses Gestein.</ref> und fein wie das Gewebe eines überdimensionalen Gobelins,<ref>Volksblatt Nr. 101 vom 8. Juli 1953.</ref> stellt Christus als guten Hirten dar. Oben rechts ist UT VITAM HABEANT zu lesen, zu deutsch „Ich bin gekommen – damit sie das Leben haben“ (Vorlage:Bibel/Link). Auch Altartisch, Taufstein und Priestersitz aus dunklem unterfränkischem Muschelkalk wurden von Hans König hergestellt, zudem der Kreuzweg aus getriebenem Kupferblech mit seinen 60 auf 80 cm messenden Stationen. Der aus vergoldetem Messing gefertigte Tabernakel aus der Werkstatt des Würzburger Goldschmieds Josef Amberg trägt die Aufschrift SANCTA – SANCTIS, zu deutsch „das Heilige den Heiligen“.<ref>Volksblatt Nr. 44 vom 24. Oktober 1953.</ref>

Nach Maßgabe des II. Vatikanischen Konzils wurde der Altarraum durch den Aschaffenburger Künstler Hermann Kröckel umgestaltet und mit Triumphkreuz, Tabernakelsäule und einer Bronzefigur des Hl. Kilian aus der Kunstgießerei Grundhöfer versehen.<ref>Main-Echo Nr. 308 vom 30. Dezember 1988.</ref> Gleichfalls ein Werk Hermann Kröckels ist die Holzschnitzfigur der Muttergottes mit Kind.

Glocken

Im 28 m hohen Turm läuten vier in der Tonfolge des Te Deums gestimmte Glocken, die von Karl Czudnochowsky in der Erdinger Glockengießerei gegossen und am 5. Juli 1953 durch den Würzburger Domkapitular Johannes Kötzner feierlich geweiht wurden. Glocke 1: „Der Muttergottes“ oder Friedensglocke, e′, 17 Zentner; Glocke 2: „Dem Kostbaren Blute“, g′, 11 Zentner; Glocke 3: „Dem Heiligen Kilian“, a′, 7 Zentner; Glocke 4: „Dem Heiligen Gaspare del Bufalo“, c″, 4 Zentner.<ref name="Pfarrarchiv St. Kilian"/><ref>Main-Echo Nr. 152 vom 6. Juli 1953.</ref>

Orgel

Auf der Empore steht ein Werk des Plattlinger Orgelbauers Michael Weise von 1955. Das Kegelladen-Instrument verfügt über 26 Register auf zwei Manualen und Pedal und elektropneumatische Trakturen. Die Orgel mit dem von Alois Grimm entworfenen fünfteiligen Freipfeifenprospekt<ref>Hermann Fischer: Orgeln der Region Bayerischer Untermain. Geschichts- und Kunstverein e. V., Aschaffenburg 2004, ISBN 3-87965-099-3.</ref> besitzt folgende Disposition:

I Hauptwerk C–g3
1. Gedacktpommer 16′
2. Principal 8′
3. Koppelflöte 8′
4. Octave 4′
5. Quintade 4′
6. Nachthorn 2′
7. Mixtur V 113
8. Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
9. Sing. Gedackt 8′
10. Weidenpfeife 8′
11. Weitprincipal 4′
12. Spitzflöte 4′
13. Octave 2′
14. Spitzquinte 113
15. Sifflöte 1′
16. Sesquialter II
17. Scharff IV 1′
18. Trichterregal 8′
Tremolant
Pedal C–f1
19. Principal 16′
20. Subbaß 16′
21. Zartbaß (aus Nr. 20) 16′
22. Oktavbaß 8′
23. Holzquintade 8′
24. Choralbaß 4′
25. Rauschpfeife III
26. Posaune 16′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P

In der Kilianskapelle stand ein historisches Positiv mit folgender Disposition: Gedackt 8′, Flöte 4′, Principal 2′, Quinte 113′, Zimbel I 12′.<ref>s. o.</ref>

Pfarrer

  • (1954–1978) Ferdinand Andreas Scherpf, * 1. Dezember 1919 in Frankfurt am Main, am 21. April 1946 in Kufstein (Österreich) zum Priester geweiht, † 3. Oktober 1978 in Aschaffenburg, von 1952 bis 1954 Kuratus in Nilkheim.
  • (1978–1987) Josef Otter, * 31. März 1944 in Haibach, am 29. Juni 1969 zum Priester geweiht, † 12. April 2006 in Aschaffenburg.
  • (1987–1991) Gerd Eugen Goldhammer, * 1941 in Aschaffenburg, am 29. Juni 1968 zum Priester geweiht.
  • (1991–2004) Richard Mechler, * 1934 in Kirchzell, am 13. März 1960 zum Priester geweiht.
  • (seit 2005) Wolfgang Kempf, * 1962 in Aschaffenburg, am 20. Februar 1988 in Münsterschwarzach zum Priester geweiht.

Ein Schwank

Als nach dem ersten Spatenstich die Bauarbeiten begannen, stand für die vier Meter tiefe Baugrube, die für den Bau des Pfarrsaals auszuhebend war, nur ein kleines Baggerchen bereit. Kuratus Scherpf sagte: „Ja, wenn wir nur einen Bagger der amerikanischen Armee hätten.“ Die Antwort eines Bauarbeiters: „Do det isch halt emol froche.“ Der Kuratus ging nach telefonischer Anmeldung in die Kaserne, wo auch das nötige Arbeitsgerät stand, traute sich aber nicht, den Preis zu erfragen. Der Major Salomin lächelte: „Einen Bagger erhalten Sie für Ihre Kirche und der kostet nichts.“ Am nächsten Tag rollte ein schwerer Bagger über die Mainbrücke und die Großostheimer Straße entlang bis zur Baustelle.<ref>Main-Echo Nr. 187 vom 5. November 1952.</ref>

Einzelnachweise

<references />

Siehe auch

Literatur

  • Ferdinand Scherpf: 1250 Jahre Christliches Nilkheim – Festschrift zur 1250 Jahrfeier der ersten Kirchweihe Nilkheims 711 – 1961. i. A. der Kirchenverwaltung St. Kilian Aschaffenburg-Nilkheim 1961.
  • Franz Schaub: Ein Vierteljahrhundert Pfarrgeschichte – Marginalien zur Chronik von Nilkheim. Wenzel, Goldbach bei Aschaffenburg 1977.
  • Aschaffenburger Studien. II. Dokumentationen, Band 12 – Nilkheim – Von der christlichen Siedlung zum Stadtteil, zusammengestellt vom Arbeitskreis Nilkheimer Geschichte, Verlag: Stadt Aschaffenburg, 1997, ISBN 3-922355-17-X.

Weblinks

Commons: St. Kilian (Aschaffenburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 57′ 24,3″ N, 9° 7′ 3,5″ O

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