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St. Gallenkapelle (Hannover)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die St. Gallenkapelle<ref name="Nöldeke 2">Arnold Nöldeke: St. Gallenkapelle auf der Altstadt (siehe Literatur)</ref> (auch: St. Galluskirche, Gallenkirche<ref name="Görges">Wilhelm Görges, Ferdinand Spehr (Hrsg.): Vaterländische Geschichten und Denkwürdigkeiten der Vorzeit der Lande Braunschweig und Hannover, F. Wagner, Braunschweig 1881, S. 3 u.ö.; Vorschau über Google-Bücher</ref>) in der Altstadt von Hannover war im Mittelalter eine dem heiligen St. Gallus gewidmete<ref name="Helmut Plath">Helmut Plath: Die Frühgeschichte. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.), Dieter Brosius (Mitarb.): Geschichte der Stadt Hannover, Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, Hannover: Schlütersche, 1992, ISBN 3-87706-351-9, hier: S. 30; online über Google-Bücher</ref> römisch-katholische Kirche und Kapelle und Nachfolgerin der älteren Burgkapelle St. Galli.<ref name="Andreae">Friedrich Wilhelm Andreae: Chronik der Residenzstadt Hannover von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, Hildesheim, Finck, 1859, hier: S. 5f.; online über Google-Bücher;

Geschichte

Nach der Schleifung der verhassten Burg Lauenrode 1371 durch die Bürger der Stadt Hannover ließen diese nur die „Schlosskapelle“ St. Gallus stehen, bis der Bischof von Minden im Folgejahr 1372 auch diesen Abriss und den Wiederaufbau an anderer Stelle erlaubte.<ref name="Andreae" /> Tatsächlich aber wurde der Neubau erst um 1446 errichtet, diesmal innerhalb der Stadtbefestigung Hannovers an der Burgstraße Ecke Ballhofstraße.<ref name="Andreae" /> Bei der Ausstattung bedienten sich die Bürger am Inventar der ehemaligen Burgkapelle, auch die Dotationen das Hauptaltars, der St. Gallenhof und die dazugehörigen Güter, gingen auf die neue Kapelle über.<ref name="Nöldeke 1">Arnold Nöldeke: Burgkapelle St. Galli auf der Burg Lauenrode. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover Bd. 1 ..., S. 209</ref>

Gestiftet wurde der Bau, nach bischöflicher Bestätigung, von dem Patrizier Ludolph Quirre<ref name="Nöldeke 2" /> (auch: Ludolf Quirre (* um 1395 in Hannover; † 1463), der es später durch hannoversche Seilschaften bis zum Dompropst von Halberstadt brachte).<ref>Brigide Schwarz: Eine „Seilschaft“ von Klerikern aus Hannover im Spätmittelalter. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. Band 81, 2001, S. 256–277 (online auf perspektivia.net).</ref> Im Folgejahr 1447 wurde das Gotteshaus durch Bischof Heinrich von Minden geweiht. Im selben Jahr erhielt Gerd von Dassel die Erlaubnis des Herzogs zum Bau einer Küsterei nach den Vorstellungen und Anweisungen von Quirre.<ref name="Nöldeke 2" />

Für den späteren Bischof von Dorpat, Dietrich Reseler, wurde jährlich jeweils eine Woche nach Mariä Himmelfahrt (15. August) eine Seelenmesse gefeiert.<ref>Thomas Schwark: RESELER, Dietrich. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 296; online über Google-Bücher</ref>

Die Kapelle diente ein knappes Jahrhundert den Gottesdiensten bis zur Einführung der Reformation in Hannover 1533.<ref name="Andreae" /> Die Erben des Stifters trafen mit dem Rat der Stadt von Hannover die Vereinbarung, dass sie auf Lebenszeit ihre Rechte und Einkünfte an dem Stift genießen konnten, diese anschließend aber dem Bürgermeister und dem Rat zufallen sollten.<ref name="Nöldeke 2" />

Der Landesherr, der seit der Reformation angesehene Persönlichkeiten auf Lebenszeit mit der der Kapelle zustehenden Gütern belehnte, trat 1555 seine Rechte an den Magistrat ab mit der Bedingung, das zusätzliche Vermögen „zur Ehre Gottes und zur Beförderung der [religiösen] Studien“ einzusetzen.<ref name="Nöldeke 2" /><ref>nach Nöldeke ist zum „Geistlichen Lehnsregister“ Näheres in den Hannoverschen Geschichtsblättern von 1905, S. 152 zu erfahren.</ref>

Dann zerfiel das Gebäude allmählich, der größere Teil inmitten des Dreißigjährigen Krieges, am 26. November 1630 während eines Orkans, der auch die Turmspitze der Kreuzkirche zum Einsturz brachte.<ref name="Andreae" />

Vier Jahrzehnte später dienten die Steine der St. Gallus-Kapelle 1670 dem Bau der Neustädter Hof- und Stadtkirche in der Calenberger Neustadt.<ref name="Andreae" />

Baubeschreibung

Die 1446 errichtete St. Gallenkapelle an der Burgstraße Ecke Ballhofstraße war ein rechteckiger Ziegelbau. Er hatte steile Giebel und Dachreiter. Der Chronist Johann Heinrich Redecker zeichnete später einen Grundriss und eine Ansicht des Gebäudes.<ref name="Nöldeke 2" /><ref>Laut Nöldeke abgebildet in den Hannoverschen Geschichtsblättern von 1906, S. 156</ref>

Literatur

  • Arnold Nöldeke: St. Gallenkapelle auf der Altstadt. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover Bd. 1, H. 2, Teil 1, Hannover, Selbstverlag der Provinzialverwaltung, Theodor Schulzes Buchhandlung, 1932 (Neudruck Verlag Wenner, Osnabrück 1979, ISBN 3-87898-151-1), S. 211f.
  • Brigide Schwarz: Die Stiftskirche St. Galli in Hannover. Eine bürgerliche Stiftung des Spätmittelalters. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Bd. 68 (1996), hrsg. von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, S. 107–135

Anmerkungen

<references />

Koordinaten: 52° 22′ 20,4″ N, 9° 43′ 55,9″ O

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