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Simsonsche Gerade

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Simson neu1.svg
Simson-Gerade

Die simsonsche Gerade ist ein Gegenstand der Dreiecksgeometrie. Liegen die Fußpunkte der von einem Punkt <math> P </math> aus gefällten Lote auf die (eventuell verlängerten) Seiten eines Dreiecks <math> \triangle ABC </math> auf einer gemeinsamen Geraden, so wird diese Gerade als simsonsche Gerade oder wallacesche Gerade und der Punkt <math> P </math> als ihr Pol bezeichnet. Dies ist genau dann der Fall, wenn <math> P </math> auf dem Umkreis von <math> \triangle ABC </math> liegt.

Die Simson-Gerade ist irrtümlicherweise nach dem Mathematiker Robert Simson (1687–1768) benannt, in dessen Werk sich jedoch keine Arbeit zur Simson-Geraden finden lässt. In Wirklichkeit wurde sie 1797 von William Wallace (1768–1843) entdeckt.<ref name="coxeter">H. S. M. Coxeter, S. L. Greitzer: Simson Lines. § 2.5 in Geometry Revisited. In: Math. Assoc. Amer., Washington DC 1967, S. 41.</ref>

Weitere Eigenschaften

Parallelen zur Simson-Gerade

Datei:Simson neu2.svg
Simson-Gerade ist parallel zu AGBC, BGAC und CGAB

Jede Simson-Gerade eines Dreieckes besitzt drei besondere Parallelen, die jeweils durch einen der drei Eckpunkte des Dreiecks verlaufen. Genauer gesagt gilt der folgende Satz:

Gegeben sind ein Dreieck <math> \triangle ABC </math>, ein Punkt <math> P </math> auf seinem Umkreis und die zugehörige Simson-Gerade. Ist GAB nun der Schnittpunkt des Lotes von <math> P </math> auf <math> AB </math> mit dem Umkreis, dann ist die Gerade CGAB parallel zur Simson-Geraden.<ref name="coxeter" />

Schnittwinkel zwischen Simson-Geraden

Datei:Simson neu3.svg
<math> 2\alpha=\beta </math>

Betrachtet man bei einem Dreieck zwei unterschiedliche Punkte auf dessen Umkreis, so erhält man zwei verschiedene Simson-Geraden. Der Schnittwinkel dieser beiden Simson-Geraden ist genau halb so groß wie der Winkel, den die beiden Punkte mit dem Mittelpunkt des Umkreises bilden.

Es seien <math> P_1 </math> und <math> P_2 </math> zwei Punkte auf dem Umkreis von <math> \triangle ABC </math> mit Mittelpunkt <math> O </math>. Weiterhin sei <math>\alpha </math> der Schnittwinkel der beiden zugehörigen Simson-Geraden und <math> \beta=\angle P_1OP_2 </math>. Dann gilt <math>2\alpha=\beta</math>.<ref name="coxeter" />

Simson-Gerade als Streckenhalbierende

Datei:Simson neu4.svg
</math>

Verbindet man den Höhenschnittpunkt eines Dreiecks mit einem Punkt auf dem Umkreis des Dreiecks, so wird diese Verbindungsstrecke von der zugehörigen Simson-Geraden halbiert.

Gegeben sind ein Dreieck <math> \triangle ABC </math>, ein Punkt <math> P </math> auf seinem Umkreis und die zugehörige Simson-Gerade. Ist H der Höhenschnittpunkt von <math> \triangle ABC </math>, dann schneidet die Simson-Gerade die Strecke <math> \overline{HP} </math> in <math> G </math> und es gilt <math>|HG|=|GP| </math>. Außerdem liegt <math> G </math> auf dem Feuerbachkreis.<ref name="coxeter" /><ref name="mathworld">{{#if: | {{{author}}} | Eric W. Weisstein }}: Simson-Gerade (engl.). In: MathWorld (englisch). {{#if: SimsonLine | {{#ifeq: {{#property:P2812}} | SimsonLine | | {{#if: {{#property:P2812}} | {{#ifeq: 0 | 0 | }} | {{#ifeq: 0 | 0 | }} }} }} }}</ref>

Geradenschar

Datei:Simson-deltoid-anim.gif
Simson-Geraden als Tangenten einer Deltoide

Lässt man den Simson-Pol <math> P </math> auf dem Kreis wandern, dann besitzt die so entstehende Geradenschar von Simson-Geraden eine Deltoide, auch als Steiner-Hypozykloide bezeichnet, als Hüllkurve.<ref name="coxeter" /><ref name="mathworld" />

Sonstiges

Besitzen zwei Dreiecke denselben Umkreis und ihre zugehörigen Simson-Geraden denselben Pol, so ist der Schnittwinkel der beiden Simson-Geraden unabhängig von der Wahl des Pols. Mit anderen Worten: Für alle Punkte <math>P</math> auf dem gemeinsamen Umkreis der beiden Dreiecke ergibt sich ein gleich großer Schnittwinkel der beiden zugehörigen Simson-Geraden.

Die Simson-Gerade beziehungsweise eine auf ihr liegende Strecke lässt sich auch als entartetes Fußpunktdreieck auffassen. Verbindet man die Fußpunkte eines Punktes in der Ebene, so erhält im Normalfall ein Dreieck. Nähert sich der Punkt in der Ebene dem Umkreis des Ausgangsdreiecks an, dann geht das Fußpunktdreieck in eine Strecke auf der Simson-Gerade über.

Beweis

Datei:Simson neu proof.svg
Skizze zum Beweis der Kollinearität der Fußpunkte

Bewiesen wird: Liegt <math> P </math> auf dem Umkreis von <math> \triangle ABC </math>, so liegen die Fußpunkte auf einer gemeinsamen Geraden. Dazu zeigt man, dass <math>\angle EFP + \angle PFD = 180^\circ</math> gilt.

Die Fußpunkte <math>E</math> und <math>F</math> liegen auf dem Thaleskreis über <math>[PA]</math>. Da Umfangswinkel (Peripheriewinkel) über demselben Kreisbogen gleich groß sind, folgt

<math>\begin{align}
         \angle EFP &=90^\circ+\angle EFA = 90^\circ+\angle EPA \\
          &=90^\circ+(90^\circ - \angle PAC) =180^\circ - \angle PAC
       \end{align}

</math>. Andererseits ist <math>PBCA</math> voraussetzungsgemäß ein Sehnenviereck. Die gegenüberliegenden Winkel <math>\angle PAC</math> und <math>\angle CBP</math> dieses Vierecks ergänzen sich daher zu <math>180^\circ</math>. Insgesamt ergibt sich also

<math>\angle EFP = \angle CBP</math>.

Die Punkte <math>D</math> und <math>F</math> liegen auf dem Thaleskreis über <math>[PB]</math>, sodass auch <math>PBDF</math> ein Sehnenviereck ist. Ähnlich wie vorher schließt man <math>\angle PFD = \angle DBP </math>. Wegen <math>\angle DBP + \angle CBP = 180^\circ</math> erhält man daraus

<math>\begin{align}
          \angle PFD &= 90^\circ-\angle DFB= 90^\circ-(90^\circ-\angle PBD) \\
           &= \angle PBD =180^\circ - \angle CBP
       \end{align}

</math>.

Damit ist mit

<math>\angle EFP + \angle PFD = \angle CBP + (180^\circ - \angle CBP) = 180^\circ</math>

die Behauptung bewiesen.

Bemerkung: Der angegebene Beweis bezieht sich auf die in der Skizze dargestellte Lage der Höhenfußpunkte. Liegen diese anders, muss die Begründung entsprechend variiert werden.

Einzelnachweise

<references />

Literatur

  • Max Koecher, Aloys Krieg: Ebene Geometrie. 3. Auflage. Springer-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-540-49327-3, S. 170–172.
  • H. S. M. Coxeter, S. L. Greitzer: Zeitlose Geometrie. Klett, Stuttgart 1983.
  • Roger A. Johnson: Advanced Euclidean Geometry. Dover 2007, ISBN 978-0-486-46237-0, S. 137 ff., 206 ff., 243, 251 (Erstveröffentlichung 1929 bei der Houghton Mifflin Company (Boston) unter dem Titel Modern Geometry).
  • Ross Honsberger: Episodes in Nineteenth and Twentieth Century Euclidean Geometry. MAA, 1995, S. 43–48, 82–83, 121, 128–136.

Weblinks

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