Sfruz
Vorlage:Infobox Gemeinde in Italien
Sfruz (Nones: Sfrúz) ist eine italienische Gemeinde (comune) mit Vorlage:EWZ Einwohnern (Stand Vorlage:EWD) in der Provinz Trient, Region Trentino-Südtirol. Die Gemeinde gehört der Talgemeinschaft Comunità della Val di Non an.
Etymologie
Der Ort wurde erstmals 1243 als Fruzo schriftlich erwähnt.<ref name="Mastrelli365">Giulia Mastrelli Anzilotti: Toponomastica trentina: i nomi delle località abitate. S. 365.</ref> 1350 taucht der Name Frutz auf.<ref name="Atlante">Giuseppe Gorfer et al.: Atlante Trentino: Passato e presente dei 223 comuni del Trentino. S. 338.</ref> Das Suffix könnte ein Diminutivaffix sein. Unklar ist nach Mastrelli Anzilotti der Wortstamm. Möglicherweise leitet sich der Name aus dem lateinischen forare (deutsch bohren) ab, auch wenn kein Bezug zu erkennen ist. Mastrelli Anzilotti schließt dagegen das lateinische forum (deutsch Marktplatz) ebenso aus, wie das im Trentino in der Toponomastik nicht vorkommende langobardische fara (deutsch Stamm, Sippe).<ref name="Mastrelli365" /> Denkbar ist allerdings eine Herleitung aus dem keltischen *frutu → *srutu mit der Bedeutung „Sturzbach“.<ref>Diether Schürr: Zum Ursprung von Tramin – Termeno. S. 420.</ref>
Wappen
Blasonierung: Im Schnitt schräg geteilt in blau und grün. Vorne eine weiße Kartoffelblüte, hinten ein ebenfalls weißer Kachelofen. Das Gemeindewappen wurde erst 1984 eingeführt und spielt auf die zwei charakteristischen Produkte der lokalen Wirtschaft an.<ref>Mariano Welber: Gli stemmi dei comuni del Trentino. S. 170.</ref>
Geographie
Sfruz liegt auf der orographisch linken Seite des mittleren Nonstals, etwa 30 km nördlich von Trient, auf einem mit Wiesen umgebenen Plateau auf Vorlage:Höhe, zwischen dem Monte Roen und dem Corno di Tres. Das Gemeindegebiet grenzt an die Gemeinde Predaia und an die Südtiroler Gemeinde Tramin. Auf dem Gemeindegebiet von Sfruz liegt das NATURA 2000 Schutzgebiet Valle del Verdes.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Geschichte
In der Umgebung von Sfruz wurden Münzen und kleinere Statuen aus der Römerzeit gefunden.<ref name="Atlante" /> Nachgewiesen ist die Existenz einer römischen Nekropole bei Sfruz.<ref>Enrico Cavada: Il territorio: popolamento, abitati, necropoli. S. 391.</ref> Eine Dorfgemeinschaft bestand seit dem Mittelalter, deren Ursprung aufgrund fehlender Dokumente allerdings nicht geklärt ist. Im Fürstbistum Trient bewahrte die Dorfgemeinschaft eine weitgehende Autonomie und verfügte mit der Carta di regola über ein eigenes Statut. Das älteste erhaltene Statut dieser Art ist mit 1529 datiert und regelte die Nutzung der Allmende, wie Waldflächen. Bis zur napoleonischen Epoche wurde das Statut mehrfach geändert und erweitert. Der Dorfgemeinschaft in Sfruz stand ein Dorfvorsteher vor, der in der Regel der Familie der Thun aus der Linie Castel Bragher angehörte. Der Reichsdeputationshauptschluss und die damit verbundenen Auflösung des Fürstbistums Trient beendete diese Form der Selbstverwaltung. Nach der Eingliederung in das Königreich Italien 1810 wurde die Gemeinde Sfruz erstmals aufgelöst und der Gemeinde Coredo angeschlossen.<ref>Simonetta Cova (Hrsg.): Comune di Sfruz. Inventario dell’archivio storico (1445-1956) e degli archivi aggregati (1896–1993). S. 13–16.</ref>
Mit dem Anschluss an das Habsburgerreich nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Sfruz 1818 wieder zu einer eigenständigen Gemeinde und gehörte dem Gerichtsbezirk Cles der Gefürsteten Grafschaft Tirol an. Mitte des 19. Jahrhunderts zählte Sfruz knapp 580 Einwohner und bestand aus 19 Häusern.<ref>Agostino Perini: Statistica del Trentino. S. 515.</ref> Ende des 19. Jahrhunderts war die Anzahl der Einwohner auf über 750 angestiegen.<ref>Ottone Brentari: Guida del Trentino. Trentino Occidentale parte seconda: Campo Rotaliano, Valle di Non, Valle di Sole, I Monti del Trentino Occidentale. S. 60.</ref> Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Anschluss an das Königreich Italien blieb die österreichische Gemeindeordnung bestehen und wurde 1923 durch die italienische Gemeindeordnung ersetzt.<ref>Simonetta Cova (Hrsg.): Comune di Sfruz. Inventario dell’archivio storico (1445-1956) e degli archivi aggregati (1896–1993). S. 57.</ref> Im Zuge der 1927 verabschiedeten faschistischen Gemeindereform, auf deren Grundlage Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern eingemeindet wurden, wurde die Gemeinde Sfruz 1929 aufgelöst und Sfruz zusammen mit Smarano und Tavòn erneut der Gemeinde Coredo angeschlossen. Der Zusammenschluss wurde 1952 rückgängig gemacht.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Im Zuge der in der Provinz Trient durchgeführten Gemeindezusammenlegungen der 2010er Jahre, sollte Sfruz der 2015 neugegründeten Gemeinde Predaia angeschlossen werden. Dem Projekt widersetzte sich aber zunächst der Gemeinderat von Sfruz.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Ein 2016 abgehaltenes Referendum, in dem die Bevölkerungen von Sfruz und Predaia über das Fusionsprojekt abstimmten, scheiterte schließlich am nicht erreichten Quorum in Predaia.<ref>Regione Trentino-Alto Adige XV Legislatura Anno 2016 Delibera N. 33. (Digitalisat)</ref>
Bevölkerungsentwicklung
| Jahr | 1921 | 1931 | 1951 | 1961 | 1971 | 1981 | 1991 | 2001 | 2011 | 2021 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 565 | 447 | 381 | 332 | 294 | 292 | 271 | 275 | 323 | 364 |
Quelle: ISTAT
Wirtschaft
Der landwirtschaftlich geprägte Ort war zwischen den 1930er und den 1970er Jahren für die Produktion von Kartoffeln bekannt.<ref>Comune di Sfruz: Statuto Comunale. S. 5. (PDF)</ref> Die 1937 aus Schottland eingeführte Kartoffelsorte Majestic fand in Sfruz auf über Vorlage:Höhe Höhe ideale Bedingungen vor, so dass die vormals auf den Eigenbedarf ausgerichtete Produktion sprunghaft anstieg.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Die überschüssige Produktion wurde vor allem als Setzkartoffeln vermarktet.<ref name="Atlante" />
Wesentlich ältere Wurzeln hat die Herstellung von Kachelöfen, die seit der Renaissance in Sfruz nachgewiesen ist.<ref>Eleonora Callovi, Luca Siracusano (Hrsg.): Guide del Trentino. Val di Non: storia, arte. paesaggio. S. 74.</ref> Der Bau von Kachelöfen fand im Laufe des 16. Jahrhunderts seinen Aufschwung, als während der Gegenreformation einige aus Faenza stammende und als Majolika-Töpfer tätige Anabaptisten in Sfruz Zuflucht fanden.<ref name="Atlante" /> Ab dem 18. Jahrhundert entstanden in Sfruz Kachelöfen aus dunkelgrünen Ofenkachel, die als „Sfruz-Grün“ Bekanntheit erlangten.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Kachelöfen aus Sfruz fanden Abnehmer auch außerhalb des Bistums und wurden in verschiedene Habsburgische Länder und in die Lombardei verkauft. Fast jede Familie im Ort hatte sich auf den Bau von Kachelöfen spezialisiert und Werkstätten eingerichtet.<ref>Aldo Gorfer: Le valli del Trentino. Trentino occidentale. S. 764.</ref>
Verkehr
Sfruz liegt an der Provinzstraße SP 7, die zwischen Dermulo und Sanzeno von der Strada Statale 43 dir della Val di Non abzweigt.
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Rathaus
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Pfarrkirche Sant’Agata
Persönlichkeiten
- Guido Parteli (1895–1945), Antifaschist und politisch Verfolgter
Literatur
- Ottone Brentari: Guida del Trentino. Trentino Occidentale parte seconda: Campo Rotaliano, Valle di Non, Valle di Sole, I Monti del Trentino Occidentale. Sante Pozzato, Bassano del Grappa 1892, S. 60.
- Eleonora Callovi, Luca Siracusano (Hrsg.): Guide del Trentino. Val di Non: storia, arte. paesaggio. Temi, Trient 2005, ISBN 88-89706-07-4, S. 95.
- Enrico Cavada: Il territorio: popolamento, abitati, necropoli. In: Ezio Buchi (Hrsg.): Storia del Trentino: II L’eta romana. Il Mulino, Bologna 2000, ISBN 88-15-08080-5, S. 363–438.
- Simonetta Cova (Hrsg.): Comune di Sfruz. Inventario dell’archivio storico (1445-1956) e degli archivi aggregati (1896–1993). Provincia autonoma di Trento. Servizio Beni librari e archivistici, Trient 1997, (PDF).
- Aldo Gorfer: Le valli del Trentino. Trentino occidentale. Manfrini, Calliano 1975, S. 763–764.
- Giuseppe Gorfer et al.: Atlante Trentino: Passato e presente dei 223 comuni del Trentino. Società Iniziative Editoriali, Trient 1997, S. 338.
- Giulia Mastrelli Anzilotti: Toponomastica trentina: i nomi delle località abitate. Provincia autonoma di Trento. Servizio beni librari e archivistici, Trient 2003, ISBN 978-88-86602-56-3.
- Agostino Perini: Statistica del Trentino. Band 2, Tipografia Fratelli Perini, Trient 1852, S. 515–516 (Digitalisat).
- Diether Schürr: Zum Ursprung von Tramin – Termeno. In: Archivio per l’Alto Adige. N. 99–100/2005–2006, S. 405–424 (Digitalisat).
- Mariano Welber: Gli stemmi dei comuni del Trentino. Edizioni U.C.T., Trient 1993.
Weblinks
Einzelnachweise
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