Bresimo
Vorlage:Infobox Gemeinde in Italien
Bresimo (Nones: Brésem) ist eine italienische Gemeinde (comune) mit Vorlage:EWZ Einwohnern (Stand Vorlage:EWD) in der Provinz Trient, Region Trentino-Südtirol. Die Gemeinde gehört der Talgemeinschaft Comunità della Val di Non an.
Etymologie
Nach Christian Schneller wurde der Ort erstmals 1220 als Bresem schriftlich erwähnt. 1285 erscheint zum ersten Mal der Name Bresimo. Er steht im Zusammenhang mit dem Namen, des durch das Gemeindegebiet fließenden Torrente Barnes. Womöglich leitet er sich aus dem vorrömischen *barra ab, was so viel wie Abgrund oder Absturz bedeutet und schließlich zu Bresimo umgewandelt wurde.<ref>Giulia Mastrelli Anzilotti: Toponomastica trentina: i nomi delle località abitate. S. 329.</ref>
Im benachbarten deutschsprachigen Deutschnonsberg wird der Ort mit dem Exonym Brisen bezeichnet,<ref>Cristian Kollmann: Grammatik der Mundart von Laurein. Eine Laut- und Formenlehre aus synchroner, diachroner und kontrastiver Sicht. (= Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik – Beihefte). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2012, S. ISBN 978-3-515-10511-8, S. 29 (Vorlage:Webarchiv PDF).</ref> im Ultental dagegen mit Prisen.<ref>Gemeinde St. Pankraz (Hrsg.): St. Pankraz – Mosaiksteine einer Berggemeinde. Edition Raetia, Bozen 2010, ISBN 978-88-7283-385-8, S. 58 (Digitalisat)</ref>
Wappen
Blasonierung: Geteilt im Sparren in rot und schwarz, goldene Sparrenleiste an der Teilung; Zinnenschildfuß in silber mit schwarz gemauerten Ghibellinenzinnen. Das Wappen entspricht dem Wappenschild der Herren von Altaguardia. Es wurde 1987 als Gemeindewappen eingeführt.<ref>Mariano Welber: Gli stemmi dei comuni del Trentino. S. 24.</ref>
Geographie
Die Streugemeinde liegt in Luftlinie etwa 39,5 Kilometer nordnordwestlich von Trient im Valle di Bresimo, einem nordwestlichen Seitental des Nonstals. Zum unmittelbar an Südtirol angrenzenden Gemeindegebiet gehören die vier Fraktionen Baselga, Bevia, Fontana und Fontana Nuova mit dem Gemeindesitz. Die Vorlage:Höhe hohe Gemeinde befindet sich mit allen ihren Fraktionen auf der orographisch linken Seite etwas oberhalb des Torrente Barnes an den südöstlichen Ausläufern der Maddalene, wie der Ilmenkamm im Italienischen auch genannt wird.
Geschichte
Das Tal von Bresimo weist bereits Spuren aus der Ur- und Frühgeschichte auf. Zunächst waren es mesolithische Jäger, die den oberen Talbereich saisonal zur Jagd aufsuchten.<ref>Klaus Kompatscher, Nandi Maria Hrozny Kompatscher: Dove piantare il campo: modelli insediativi e di mobilità nel Mesolitico in ambiente alpino. In: Preistoria Alpina. N. 42 (2007), Trient 2007, S. 143–144 (www2.muse.it PDF).</ref> Danach waren es insbesondere die Übergänge in das nördlich angrenzende Ultental, in das westlich gelegene Val di Rabbi und dem östlich gelegenen Valle di Rumo die genutzt wurden. Gegenstände aus der Bronze- und Eisenzeit wurden an verschiedenen Stellen des Gemeindegebiets entdeckt.<ref name="Atlante62">Giuseppe Gorfer et al.: Atlante Trentino: Passato e presente dei 223 comuni del Trentino. S. 62.</ref> Giacomo Roberti listet in seinem 1929 erschienenen Beitrag über archäologische Funde eine ganze Reihe von Objekten auf, die in Bresimo und Umgebung zwischen dem Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts gefunden wurden, darunter auch einige Münzen aus der römischen Kaiserzeit.<ref>Giacomo Roberti: Gli antichi rinvenimenti nella Valle di Non fra il Noce e la sponda destra della Novella. In: Studi Trentini di Scienze Storiche. Jahrgang X, Fascicolo 3, Trient 1929, S. 188–189 (pressviewpat.immanens.com).</ref>
Zum Schutz des Übergangs in Ultental wurde die Burg Altaguardia errichtet. Das 1272 erstmals urkundlich erwähnte Castel Altaguardia lag beim Ortsteil Bevia und war Stammsitz des gleichnamigen Adelsgeschlechts,<ref name="Dal Rì147">Gianluca Dal Rì, Marco Rauzi: Castello di Altaguardia. S. 147.</ref> im Deutschen auch Altenwarth oder Hohenwarth benannt.<ref>Carl Ausserer: Der Adel des Nonsberges: Sein Verhältnis zu den Bischöfen und zu den Landesfürsten, seine Schlösser, Burgen und Edelsitze, seine Organisation, Freiheiten und Rechte. Die „Nobili rurali“. In: Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft „Adler“. Neue Folge – Neunter Band, Selbstverlag, Wien 1899, S. 188 (Digitalisat).</ref> Zu dieser Zeit wurde das Tal von einem Gastalden des Fürstbischofs von Trient regiert, der im benachbarten Livo residierte.<ref>Vigilio Inama: I vicedomini, capitani, vicari e assessori della Valle di Non. In: Archivio Trentino. Jahrgang XIV, Fascicolo I, Trient 1898, S. 182 (bibliotecadigitale.provincia.tn.it).</ref>
1407 wurde die Burg während des von Rodolfo Belenzani angeführten Aufstandes gebrandschatzt. Anschließend gelangte sie in den Besitz der Familie Thun, die sie wieder instand setzte.<ref name="Dal Rì147" /> Während des dritten Bauernaufstandes 1525 unterstützte der Pfarrer von Bresimo die Aufständischen und half bei der Abfassung von aufrührerischen Manifesten.<ref>Umberto Corsini: Tutti uniti per una società migliore. In: Strenna Trentina. 1982, Trient 1981, S. 132 (bibliotecadigitale.provincia.tn.it).</ref> Nach einem Brand im 17. Jahrhundert wurde Castel Altaguardia aufgegeben und verfiel zu einer Ruine.<ref>Aldo Gorfer: Le valli del Trentino. Trentino occidentale. S. 770.</ref>
1603 erhielt die seit 1433 aus den drei Orten Fontana, Bevia und Baselga bestehende Dorfgemeinschaft mit der Carta di regola ihr eigenes Statut. Im Rahmen des Fürstbistums Trient bewahrte die Dorfgemeinschaft eine weitgehende Autonomie und regelte mit dem Statut die Nutzung der Allmende.<ref>Fabio Giacomoni: Carte di regola e statuti delle comunità rurali trentine. Volume secondo: Dalla seconda metà del ’500 alla fine dell’età dei Madruzzo. Jaca Books, Mailand 1991, ISBN 88-16-95085-4, S. 380.</ref> Die Regola bestand bis zur napoleonischen Epoche und wurde unter der bayrischen Besetzung 1807 abgeschafft.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
1611 richtete Fürstbischof und Kardinal Carlo Gaudenzio Madruzzo ein Inquisitionsgericht zur Hexenverfolgung im Nonstal ein. Zu den ersten Verhafteten gehörte im November 1613 auch eine Agata genannt Gadenta aus Bresimo.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Agata starb im Dezember 1613 im Kerker an den Folgen der Folter.<ref>Streghe e guerre: La macabra vicenda del processo alle streghe di Coredo. o. O., o J. (pierocomai.altervista.org PDF).</ref> Bis zum Frühjahr 1614 wurden sieben Frauen und drei Männer wegen Hexerei auf dem Scheiterhaufen vor dem Palazzo Nero in Coredo, Sitz des Inquisitionsgerichts, verbrannt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Nach der Auflösung des Fürstbistums Trient wurde die Gemeinde Bresimo im napoleonischen Königreich Italien 1810 aufgelöst und der Gemeinde Preghena angeschlossen.<ref>Cooperativa ARCoop (Hrsg.): Comune di Livo. Inventario dell'archivio, 1797–1949 (con documenti dal 1766 e fino al 1975). S. 16.</ref> Die Gemeinde Preghena, seit 1928 eine Fraktion von Livo, gehörte dem Bezirk Malé im Val di Sole an.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Nach dem Ende des napoleonischen Zwischenspiels und dem Anschluss an das Habsburgerreich wurde Bresimo 1817 wieder zu einer eigenständigen Gemeinde und gehörte nach der oktroyierten Märzverfassung und der Bildung der Gerichtsbezirke seit 1849 dem Gerichtsbezirk Cles und ab 1868 dem Bezirk Cles der Gefürsteten Grafschaft Tirol an.
Mitte des 19. Jahrhunderts zählte die Gemeinde knapp 550 Einwohner, die vor allem von der Viehwirtschaft lebten. Nur auf wenigen Flächen wurde auch Landwirtschaft betrieben und Getreide angebaut. Dennoch herrschte hier nach Agostino Perini im Vergleich zu anderen Orten im Nonstal kein Elend. Perini vermerkte bereits 1852 ein einfaches hölzernes Badehaus, das wegen seines heilsamen Wassers für Kuren genutzt wurde.<ref>Agostino Perini: Statistica del Trentino. S. 92.</ref> Eine Mineralquelle war wohl bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts bekannt gewesen.<ref>Jacopo Antonio Maffei: Periodi istorici e topografia delle Valli di Non e Sole nel Tirolo meridionale. S. 138.</ref> 1872 wurde das im Besitz der Gemeinde befindliche Badehaus durch einen gemauerten Bau ersetzt<ref name="Brentari108">Ottone Brentari: Guida del Trentino. Trentino Occidentale parte seconda: Campo Rotaliano, Valle di Non, Valle di Sole, I Monti del Trentino Occidentale. S. 108.</ref> und im Jahr darauf wurde das mittlerweile renommierte Mineralwasser von Bresimo chemisch untersucht.<ref>Analisi chimica qualitativa preliminare delle acque minerali del Bagno di Bresimo per O.G.Z. Küpper-Fronza, Trient 1873, S. 15.</ref> Zu Ende des 19. Jahrhunderts bestand neben dem kommunalen Badehaus noch ein weiteres privat betriebenes Badehaus, die von mehreren Heilquellen gespeist wurden. In den beiden kleinen Anlagen wurde das eisenhaltige Mineralwasser für Badekuren und das an Magnesium reiche Wasser für Trinkkuren genutzt.<ref name="Brentari108" /> Das Heilwasser von Bressimo ist unter anderem für die Linderung arthritischer Schmerzen geeignet.<ref name="Atlante62" />
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Anschluss an das Königreich Italien blieb die österreichische Gemeindeordnung zunächst bestehen und wurde erst 1923 durch die italienische Gemeindeordnung ersetzt. 1928 wurde die Gemeinde Bresimo im Zuge der 1927 beschlossenen faschistischen Gemeindereform aufgelöst und der Gemeinde Livo angeschlossen. Der Zusammenschluss wurde 1947 wieder rückgängig gemacht.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Im selben Jahr wurde bei der Restaurierung der Pfarrkirche im Ortsteil Baselga ein Zyklus aus 18 Fresken aus dem 16. Jahrhundert freigelegt, der stark von der von Albrecht Dürer als Holzschnitt geschaffenen kleinen Passion beeinflusst ist. Das Werk wurde von einem nicht näher bekannten „Meister von Bresimo“ geschaffen und zählt zu den bedeutendsten Freskenarbeiten des 16. Jahrhunderts im Trentino. Ob der Maler bei der Ausführung von dem zeitgleich in Südtirol tätigen Bartlmä Dill Riemenschneider unterstützt wurde, der sich nachweislich auch im Nonstal aufhielt, ist nicht eindeutig geklärt.<ref>Giuseppe Sava: Rinascimento del nord: Il «Maestro di Bresimo» e Bartlmä Dill Riemenschneider. In: Atti dell’Accademia Roveretana degli Agiati. A. 261, Serie IX, Band I, A, Rovereto 2011, S. 197–219.</ref>
Bei einem Großbrand 1954 wurden im Ortsteil Fontana 26 Häuser zerstört. 200 Einwohner verloren bei dem Brand ihr Heim.<ref>Armando Costa: Cose di 50 anni fa. In: Strenna Trentina. 2004, Trient 2003, S. 10 (bibliotecadigitale.provincia.tn.it).</ref> Bereits 1932 waren bei einem Brand im Ortsteil Bevia mehrere Häuser niedergebrannt.<ref>Gianni Faustini: Celebrazioni fasciste nel 1932. In: Strenna Trentina. 2002, Trient 2001, S. 121 (bibliotecadigitale.provincia.tn.it).</ref>
Bevölkerungsentwicklung
| Jahr | 1921 | 1931 | 1951 | 1961 | 1971 | 1981 | 1991 | 2001 | 2011 | 2021 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 534 | 462 | 448 | 453 | 392 | 353 | 311 | 292 | 254 | 250 |
Quelle: ISTAT
Verkehr
Bresimo ist mit der Provinzstraße SP 68 mit der südöstlich liegenden Gemeinde Livo verbunden, die wiederum mit der SP 6 an die Strada Statale 42 del Tonale e della Mendola angeschlossen ist.
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Ortsteil Fontana Nuova mit Pfarrkirche San Bernardo und Rathaus
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Ortsteil Fontana
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Ortsteil Baselga mit der Chiesa dell’Assunzione
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Ortsteil Bevia – Casa Gadenta
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Ruine des Castello di Altaguardia
Literatur
- Carl Ausserer: Der Adel des Nonsberges: Sein Verhältnis zu den Bischöfen und zu den Landesfürsten, seine Schlösser, Burgen und Edelsitze, seine Organisation, Freiheiten und Rechte. Die „Nobili rurali“. In: Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft „Adler“. Neue Folge – Neunter Band, Selbstverlag, Wien 1899 (digital.tessmann.it).
- Ottone Brentari: Guida del Trentino. Trentino Occidentale parte seconda: Campo Rotaliano, Valle di Non, Valle di Sole, I Monti del Trentino Occidentale. Sante Pozzato, Bassano del Grappa 1892, S. 106–108.
- Eleonora Callovi, Luca Siracusano (Hrsg.): Guide del Trentino. Val di Non: storia, arte. paesaggio. Temi, Trient 2005, ISBN 88-89706-07-4, S. 228–234.
- Cooperativa ARCoop (Hrsg.): Comune di Livo. Inventario dell'archivio, 1797–1949 (con documenti dal 1766 e fino al 1975). Provincia autonoma di Trento. Servizio Beni librari e archivistici, Trient 1990, (cultura.trentino.it, PDF).
- Aldo Gorfer: Le valli del Trentino. Trentino occidentale. Manfrini, Calliano 1975, S. 769–774.
- Giuseppe Gorfer u. a.: Atlante Trentino: Passato e presente dei 223 comuni del Trentino. Società Iniziative Editoriali, Trient 1997, S. 62–63.
- Jacopo Antonio Maffei: Periodi istorici e topografia delle Valli di Non e Sole nel Tirolo meridionale. Marchesani, Rovereto 1805, (digital.tessmann.it).
- Giulia Mastrelli Anzilotti: Toponomastica trentina: i nomi delle località abitate. Provincia autonoma di Trento. Servizio beni librari e archivistici, Trient 2003, ISBN 88-7702-088-1.
- Gianluca Dal Rì, Marco Rauzi: Castello di Altaguardia. In: Elisa Possenti u. a. (Hrsg.): APSAT 4. Castra, castelli e domus murate: Corpus dei siti fortificati trentini tra tardo antico e basso medioevo. Schede 1. SAP Società Archeologica s.r.l, Mantua 2013, ISBN 978-88-87115-77-2, S. 147–150.
- Agostino Perini: Statistica del Trentino. Band 2, Tipografia Fratelli Perini, Trient 1852, S. 93–94 (opacplus.bsb-muenchen.de).
- Mariano Welber: Gli stemmi dei comuni del Trentino. Edizioni U.C.T., Trient 1993.
Weblinks
Einzelnachweise
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