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Selenige Säure

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Strukturformel von seleniger Säure
Allgemeines
Name Selenige Säure
Andere Namen

Dihydrogenselenit (IUPAC)

Summenformel H2SeO3
Kurzbeschreibung

weiße, hygroskopische Kristalle<ref name="GESTIS" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 231-974-7
ECHA-InfoCard 100.029.067
PubChem 1091
ChemSpider 1060
DrugBank DB11127
Wikidata [[:d:Skriptfehler: Ein solches Modul „Wikidata“ ist nicht vorhanden.|Skriptfehler: Ein solches Modul „Wikidata“ ist nicht vorhanden.]]
Eigenschaften
Molare Masse 128,97 g·mol−1
Aggregatzustand

fest<ref name="GESTIS" />

Dichte

3,004 g·cm−3<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

Zersetzt sich ab 70 °C<ref name="GESTIS" />

Löslichkeit
  • sehr gut löslich in Wasser<ref name="GESTIS" />
  • gut in Ethanol<ref name="GESTIS" />
Sicherheitshinweise
GHS-GefahrstoffkennzeichnungVorlage:CLH-ECHA<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301​‐​331​‐​373​‐​410
P: 261​‐​273​‐​301+310​‐​311​‐​501<ref name="GESTIS" />
MAK

0,02 mg·m−3 <ref name="GESTIS" />

Toxikologische Daten

Vorlage:ToxDaten

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Selenige Säure ist ein wasserlöslicher kristalliner Feststoff mit der Summenformel H2SeO3. Sie ist eine zweiprotonige Säure des Selens. Ihre Salze heißen Selenite. Selenige Säure ist giftig.

Gewinnung und Darstellung

Selenige Säure kann aus der Umsetzung von Selendioxid und Wasser oder Salpetersäure mit Selen erhalten werden.<ref name="HSDB">Eintrag zu Selenious acid in der Hazardous Substances Data Bank (via PubChem)Vorlage:Abrufdatum</ref>

<math>\mathrm{SeO_2 + H_2 O \longrightarrow H_2 SeO_3}</math>
<math>\mathrm{Se + 4 \ HNO_3 \longrightarrow H_2SeO_3 + 4 \ NO_2 + H_2O}</math>

Chemische Eigenschaften

Selenige Säure ist sehr gut wasserlöslich und wirkt stark hygroskopisch. In Wasser gelöst reagiert sie stark sauer (pKs-Wert der ersten Protolysestufe: 2,62 und der zweiten Protolysestufe: 8,32).<ref>Vorlage:Holleman-Wiberg</ref>

<math>\mathrm{H_2SeO_3 \rightleftharpoons \ H^+ + HSeO_3^-}</math>
<math>\mathrm{HSeO_3^- \rightleftharpoons \ H^+ + SeO_3^{2-}}</math>

Sie ist eine schwächere Säure als die Schweflige Säure, ist aber im Gegensatz zu dieser in Form von Kristallen isolierbar. Sie zeigt praktisch keine reduzierende Eigenschaften.<ref name="Binnewies">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Von Schwefeldioxid, Schwefelwasserstoff, Iodwasserstoff und Hydrazin wird sie zu rotem Selen reduziert.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>

<math>\mathrm{H_2SeO_3 + 4 \ HI \ \rightarrow \ Se + 2 \ I_2 + 3 \ H_2O}</math>

Von Wasserstoffperoxid, Kaliumpermanganat oder Chlorsäure wird sie zu Selensäure oxidiert.<ref>G. Brauer (Hrsg.), Handbook of Preparative Inorganic Chemistry 2nd ed., vol. 1, Academic Press 1963, S. 432–3.</ref>

<math>\mathrm{H_2SeO_3 + H_2O_2 \ \rightarrow \ H_2SeO_4 + H_2O}</math>

Verwendung

Selenige Säure wird als Katalysator zur Synthese von 1,2-Dialdehyden verwendet.<ref>Vorlage:OrgSynth</ref>

In der Industrie dient sie zur Farbveränderung von metallischen Werkstoffen. Vor allem in der Waffenindustrie ist ein „blueing“ genanntes Verfahren bekannt, mit dem Stahloberflächen gefärbt werden.<ref>R. Angier: Firearm Blueing and Browning, Stackpole Co., Harrisburg, 1936.</ref> Ähnliche Verfahren verwendet die Chemische Industrie zur Oberflächenverfärbung, beispielsweise von Kupfer.<ref>Vorlage:Inchem</ref> In den Vereinigten Staaten gibt es Drogentests, deren Schlüsselreagenz selenige Säure ist.<ref>Sirchie Finger Print Laboratories, Inc. Mai 2006.</ref><ref>Infoblatt des Justizministeriums der Vereinigten Staaten: Color Test Reagents/Kits forPreliminary Identificationof Drugs of Abuse (PDF; 135 kB).</ref>

Biologische Bedeutung

Selenige Säure ist wie viele Selenverbindungen toxisch für den menschlichen Körper.<ref>Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit: Selenious acid as a source of selenium added for nutritional purposes to food supplements. In: EFSA Journal. 7, 2009, Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Handle“ ist nicht vorhanden.. (PDF)</ref> Nach deutschem Wasserrecht ist die Verbindung mit der Wassergefährdungsklasse 3 gekennzeichnet. Die mittlere Letale Konzentration für Fische beträgt 6,61 g·m−3. Es liegen Anzeichen für eine mögliche karzinogene Wirkung der Verbindung vor.<ref name="GESTIS" /> Der biologische Grenzwert beträgt 150 µg· l−1.<ref>W. Forth, D. Henschler, W. Rummel, K. Starke: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie 7. Aufl.; Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg 1996.</ref>

Sicherheitshinweise

Selenige Säure wirkt auf Haut, Atemwege und Schleimhäute stark reizend. Sie ist in der Lage, in hohen Konzentrationen lebendes Gewebe zu zerstören (Verätzung). Aussetzung mit der Verbindung über einen längeren Zeitraum kann schwere physiologische Schäden verursachen. Selenige Säure ist bereits in kleinsten Mengen hoch giftig. Bei Intoxikationen mit Selenverbindungen muss mit bleibenden Schäden gerechnet werden.<ref name="GESTIS" /><ref>Robert M. Russell (für die deutsche Ausgabe: Hans-Joachim F. Zunft). Vitamine und Spurenelemente – Mangel und Überschuss. In: Manfred Dietel, Joachim Dudenhausen, Norbert Suttorp (Hrsg.) Harrisons Innere Medizin, Berlin 2003, ISBN 3-936072-10-8.</ref>

Einzelnachweise

<references />