Schnabelsmühle (Bergisch Gladbach)
Die Schnabelsmühle oder Quirlsmühle (auch „Mühle zum Quirl“) war eine Papiermühle an der Strunde.<ref name="Brenner">Hans Leonhard Brenner: Die Strunde und ihre Bergisch Gladbacher Mühlen, Hrsg. Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e. V. in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Bergisch Gladbach, Bergisch Gladbach 2012, S. 94ff. ISBN 3-932326-67-9</ref> Der Name bezeichnete ehemals einen Ortsteil und steht heute für eine Straße sowie einen Kreisverkehrsplatz auf dem Gebiet des Stadtteils Stadtmitte von Bergisch Gladbach.<ref name="Schulte">Andree Schulte: Bergisch Gladbach Stadtgeschichte in Straßennamen, Hrsg. Stadtarchiv Bergisch Gladbach, Bergisch Gladbach 1995, S. 154, ISBN 3-9804448-0-5</ref>
Geschichte
Die ursprüngliche Quirlsmühle und spätere Schnabelsmühle war die Keimzelle der Papierfabrik Zanders, sie stand an einem Umbach der Strunde in der Nähe vom Gasthaus Paas. Durch Öffnen der Kanalisierung hat man diese Stelle wieder als alten Mühlenstandort deutlich gemacht. Gründer der Mühle war der Kölner Bürger Philipp von Fürth, der am 22. August 1571 das Kölner Bürgerrecht erlangte. Er erwarb am 2. Juni 1582 das Nabbenseifer Gut mit einer aufgelassenen Schleifmühle, um aus ihr eine erste Papiermühle an der Strunde zu machen.<ref name=Brenner />
Die Mühle Zum Quirl, wie sie anfangs hieß, verfügte über zwei vollständige Mühleneinrichtungen mit Pressen, Haspeln, Werkbütten und Stampfgeschirren. 1589 kaufte Fürth noch eine weitere Schleifmühle „under der papirenn Müllen gelegen“ hinzu, die Grundlage für den Bau der späteren Gohrsmühle war. Quirls- und Gohrsmühle blieben nun für drei Generationen in einer Familie: Eigentümer war zunächst Stephan (Steffen) Jacobs bis 1611, dann bis 1619 sein Sohn Jakob und bis 1652 dessen Sohn Stephan. Seit der Erbteilung im Jahr 1693 findet sich in der Reihe der späteren Eigentümer immer wieder der Name Fues. Ab spätestens 1782 hieß der neue Eigentümer der Quirlsmühle Heinrich Schnabel. Er wurde auch neuer Namensgeber für die Mühle. Nachfolger war ab 1797 sein Enkel Franz Heinrich Fauth. In seiner Zeit erlebte die Schnabelsmühle einen scheinbaren wirtschaftlichen Abschwung, der 1820 zum Nachlasskonkurs führte. Es dauerte bis 1822, um alle juristischen Formalitäten zur Regelung des Nachlasses mit anschließender Versteigerung aufzuarbeiten. Der über Fauths Ehefrau Anna Katharina Pütter verwandte Johann Wilhelm Zanders erwarb die Konkursmasse und gründete am 16. Juli 1824 zusammen mit Gottfried Fauth die Firma Fauth & Zanders in der Schnabelsmühle. Mit dem Tod von Gottfried Fauth am 11. Februar 1829 löste sich das Unternehmen wieder auf. Rasch entschlossen übernahm Zanders den Anteil von Fauth und gründete am 28. Juli 1829 die Papierfabrik J. W. Zanders. Bereits ein Jahr später verstarb er. Seine Witwe Julie Zanders verpachtete die Schnabelsmühle von 1836 bis 1848 an Eduard Knobel und seinen Partner Ferdinand Wachendorff.<ref name=Geurts>Gerhard Geurts: Eduard Knobel – Gutsbesitzer von Haus Lerbach, seine Bedeutung für Gladbach in der Frühphase der Industrialisierung, in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn, Geschichte und Volkskunde in Bergisch Gladbach und Umgebung, Heft 14, Herausgeber und Verlag: Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e. V., Bergisch Gladbach 2007, Seite 27 ff.</ref> Die Schnabelsmühle blieb aber weiterhin im Eigentum der Familie Zanders bzw. der Papierfabrik Zanders.<ref name=Brenner />
Geschichte des Wohnplatzes
Die Mühle ist auf der Topographischen Aufnahme der Rheinlande von 1824 und auf der Preußischen Uraufnahme von 1840 verzeichnet. Ab der Preußischen Neuaufnahme von 1892 ist sie auf Messtischblättern nicht mehr verzeichnet.
| Jahr | Einwohner | Wohn-
gebäude |
Kategorie | Politische / kirchliche Zugehörigkeit |
|---|---|---|---|---|
| 1845<ref>Vorlage:Uebersicht Ortschaften Cöln</ref> | 62 | 3 | Papierfabrik | Bürgermeisterei Gladbach, Pfarre Gladbach |
| 1871<ref name="Gemeindelexikon1871">Vorlage:Gemeindelexikon Preußen 1871</ref> | 28 | 3 | Papierfabrik | Bürgermeisterei Gladbach |
| 1885<ref name="Gemeindelexikon1885">Vorlage:Gemeindelexikon Preußen 1885</ref> | 8 | 2 | Wohnplatz | Bürgermeisterei Gladbach, Kirchspiel Gladbach |
Stadteingang Schnabelsmühle
Anfang der 1980er-Jahre sah sich die Stadt Bergisch Gladbach gezwungen, über neue Verkehrswege und Umgehungsstraßen innerhalb des Stadtzentrums nachzudenken, das führte schließlich zur kompletten Niederlegung der Schnabelsmühle.<ref Name="Schulte"/> Geblieben ist der Name als Straßenbezeichnung und seit 2020 als Name für das Verkehrsbauwerk Stadteingang Schnabelsmühle mit der Lichtinstallation "Wasserzeichen".<ref>Stadteingang SCHNABELS-MÜHLE, Bergisch Gladbach - GREENBOX. 6. Oktober 2019, abgerufen am 3. Oktober 2025.</ref>
Siehe auch
- Mühlen an der Strunde
- Carl Richard Zanders (1826–1870)
- Maria Zanders (1839–1904)
- Richard Zanders (1860–1906)
- Anna Zanders (1858–1939)
- Hans Wilhelm Zanders (1861–1915)
- Olga Zanders (1872–1946)
- Johann Wilhelm Zanders (1899–1978)
Literatur
- Ferdinand Schmitz: Die Papiermühlen und Papiermacher des bergischen Strundertals, Bergisch Gladbach 1921
- Feststellung und Ordnung für den Strunderbach, gedruckt bei Chr. Illinger, Bergisch Gladbach o. J., (es handelt sich um die Bachordnung und das Bachprotokoll von 1823 nach einer Kopie von 1854)
- Frank Schulte: Die Mühlen an der Strunde, Bergisch Gladbach 1979, ISBN 3-932326-02-4
- Herbert Nicke: Bergische Mühlen, Auf den Spuren der Wasserkraftnutzung im Land der tausend Mühlen zwischen Wupper und Sieg, Wiehl 1998, S. 246, ISBN 3-931251-36-5
Weblinks
- Zur Geschichte der Papierherstellung an der Strunde von der Stiftung Zanders
- „Die Strunde und ihre Bedeutung für die Papiermacherei.“ Privatseite von Rolf Otto Wesner
Einzelnachweise
<references />
Vorlage:Klappleiste/Anfang Broich | Buchmühle | Cederwald | Driesch | Gohrsmühle | Gronauer Mühle | Hammermühle | Horn | Im Aspert | Irlenfeld | Jüch | Lochsberg | Marienhöhe | Mühlenberg | Quirlsberg | Reiferbusch | Rommerscheid | Schlöm | Schützheide | Steufelsberg | Strundorf | Überm Rost
Ehemalige Ortsteile: Bahnhof Gladbach | Bahnhof Gronau | Berg | Bergershaus | Bock | Fronhof | Gladbacher Mühle | Gronauerfeld | Heidchen | Holzmühle | Kamp | Kaule | Langenstück | Lehmkaul | Linden | Metzmachersgut | Rindweg | Roß | Schmitzberg | Schnabelsmühle | Schönhäuschen | Stegerkamp | Steingasse | Steinkrug | Sträuchen | Strunderthalshöhe | Vollmühle | Waatsack Vorlage:Klappleiste/Ende
Koordinaten: 50° 59′ 26,3″ N, 7° 7′ 57,7″ O
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