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Schmerbach (Orgelbauer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Schmerbach ist der Familienname einer deutschen Orgelbauerfamilie im 18. und 19. Jahrhundert, die in Nordhessen, im Eichsfeld und in Südniedersachsen Orgeln schuf.

Leben und Werk

Die Familie lebte und hatte ihre Werkstatt in Frieda bei Eschwege in Nordhessen. Sie wurde begründet von Conrad Schmerbach (* 24. Mai 1671 in Frieda; † 8. Februar 1743 in Reuter), der 1717–1743 in Frieda als Orgelbauer nachweisbar ist. Der Sohn Johann Wilhelm Schmerbach der Ältere (* 22. November 1705; † 1789) erlernte den Orgelbau bei seinem Vater. Die Werkstatt wurde von seinem gleichnamigen Sohn und seinem Enkel fortgeführt. Johann Wilhelm Schmerbach der Ältere wirkte 1745–1789 als Orgelbauer in Frieda. Er war für seine teils steilen Dispositionen im Manual bekannt. Er stand in der Tradition des barocken Werkaufbaus, der sich auch in der Prospektgestaltung widerspiegelt.<ref>Dieter Grossmann: Orgeln und Orgelbauer in Hessen (= Beiträge zur hessischen Geschichte 12). 2. Auflage. Trautvetter & Fischer, Marburg 1998, ISBN 3-87822-109-6, S. 164.</ref> Ab 1770 trugen das seitliche Schnitzwerk („Orgelohren“) oft geflügelte Engelsköpfe.<ref>Dieter Grossmann: Orgeln und Orgelbauer in Hessen (= Beiträge zur hessischen Geschichte 12). 2. Auflage. Trautvetter & Fischer, Marburg 1998, ISBN 3-87822-109-6, S. 76.</ref>

Sein Sohn Johann Wilhelm Schmerbach der Mittlere (* 1765 in Frieda; † 18. Dezember 1831 in Kirchgandern) ist 1789–1831 als Orgelbauer in Frieda nachweisbar. Er erwarb sich bereits 1804 einen guten Ruf.<ref>Hermann Fischer, Theodor Wohnhaas: Lexikon süddeutscher Orgelbauer. Florian Noetzel Verlag, Wilhelmshaven 1994, ISBN 3-7959-0598-2, S. 360.</ref> Als im Kurfürstentum Hessen Kreisorgelbauer offiziell eingeteilt wurden, fielen ihm 1825 die Kreise Hofgeismar und Wolfhagen zu, doch er war auch viel im Kreis Eschwege tätig. Er starb während einer Orgelreparatur in Kirchgandern.

Johann Wilhelm Schmerbach der Jüngere (* 30. Januar 1795; † 14. September 1872) erlernte bei einem Vertreter der Orgelbauerfamilie Wilhelm den Orgelbau. 1831 übernahm er das Amt seines Vaters als Kreisorgelbauer für die Kreise Hofgeismar und Wolfhagen. Auf ihn sollen „die meisten Orgeln im Kreis Heiligenstadt und Worbis“ zurückgehen. Sein Bruder Jacob Schmerbach (* in Fieda; † in Gerbershausen) war zunächst Mitarbeiter in seiner Orgelwerkstatt. Im Jahr 1840 machte er sich selbstständig, reparierte aber vor allem Orgeln.<ref>Uwe Pape (Hrsg.): Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Band 1: Thüringen und Umgebung. Pape, Berlin 2009, ISBN 978-3-921140-86-4, S. 240.</ref>

Werkliste

Die Größe der Instrumente wird in der fünften Spalte durch die Anzahl der Manuale und die Anzahl der klingenden Register in der sechsten Spalte angezeigt. Ein großes „P“ steht für ein selbstständiges Pedal. Eine Kursivschreibung zeigt an, dass die betreffende Orgel nicht mehr oder lediglich der Prospekt erhalten ist.

Johann Wilhelm Schmerbach der Ältere

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1763 Altenburschla Ev. Kirche Datei:Altenburschla im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. 02.jpg I/P 11 erhalten<ref>Geschichte der Kirche in Altenburschla, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1770 Gimte Ev.-luth. Kirche Datei:StMarien Gimte Orgel.jpg I/P ungesichert; mehrfach umgebaut; nur Reste erhalten<ref>Kirche in Gimte. Abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1775 Niederbeisheim Ev. Kirche I/P 11 1985 Restaurierung durch Werkstatt Werner Bosch Orgelbau; zwei Register vakant<ref>Bosch-Orgelbau: Orgel in Niederbeisheim, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1777 Escherode Ev.-luth. Kirche I/P 12 1913 durch Werk der Werkstatt P. Furtwängler & Hammer ersetzt; 2000 Neubau durch Werner Bosch; Gehäuseteile erhalten<ref>orgel-information.de: Orgel in Escherode, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref><ref>Bosch Orgelbau: Orgel in Escherode, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1784 Diemerode Ev. Kirche I/P 10
1787 Braach Ev. Kirche Datei:Schmerbach-Orgel in der evangelischen Kirche zu Braach.jpg I/P 10 erhalten
? Hasselbach Ev. Kirche I oder anderer Schmerbach; Prospekt erhalten, Innenwerk und Unterbau von der Orgel aus dem evangelischen Gemeindehaus in Waldkappel von Werner Bosch Orgelbau (1961)

Er schuf wohl auch eine Orgel in seinem Heimatort Frieda,<ref>Kirche in Frieda, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref> aber diese kann vielleicht schon Conrad Schmerbach gebaut haben.

Johann Wilhelm Schmerbach der Mittlere

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1789–1790 Sattenhausen Ev.-ref. Kirche Datei:Sattenhausen Orgel.jpg I/P 13 Später mehrfach eingreifend umgebaut
1794 Berneburg Ev. Kirche I/P 10
1795–1796 Bischhausen Martinikirche I/P 14 Ursprünglich für die 1971 abgerissene Gutskirche Groß Schneen gebaut, 1967 in die Martinskirche überführt; drei Register erhalten<ref>Heiner Wedemeyer u. a.; Kirchenvorstand (Hrsg.): Die Schmerbach-Orgel von 1796 in der Bischhäuser Martinskirche. Bischhausen 1996.</ref>
1798 Mengershausen Ev.-luth. Kirche Datei:Mengershausen Orgel.jpg I/P 15 Seitenspielig; Manualwerk nicht an das Pedal koppelbar; alte Windanlage mit Tretvorrichtung erhalten<ref>Orgel in Mengershausen, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1804 Niederdünzebach Ev. Kirche
Datei:Schmerbach-Orgel in der Evangelischen Kirche Niederdünzebach im Werra-Meißner-Kreis.jpg
I 9 ohne Pedal; 1970 durch Bosch-Orgel ersetzt<ref>Kirche in Niederdünzebach, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1811 Niedergandern Gutskapelle Niedergandern
Datei:NG5 DSC0137.JPG
I/P 12 Basiert auf 4-Fuß-Prinzipal; 6 Register ganz, eins teilweise erhalten, Rest von Martin Haspelmath rekonstruiert<ref>Kirche in Niedergandern, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Fotos von Kirchinnenraum und Orgel (Memento vom 29. April 2011 im Internet Archive)</ref>
1814–1815 Groß Schneen Michaeliskirche Datei:Groß Schneen Orgel.jpg I/P 16 Neubau an Stelle einer Krebs-Orgel von 1729, aus der einige Register übernommen wurden; weitgehend erhalten<ref>Orgel in Groß Schneen, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1815–1818 Bühle (Northeim) St. Oswald
Datei:Bühle St. Oswald Orgel.jpg
I/P 12 Neubau unter Verwendung von vier älteren Registern – ob von einer vorherigen hiesigen Orgel oder aus Werkstattbestand (bzw. von einer andernorts abgebrochenen Orgel), ist nicht klar. Die vakanten Schleifen wurden 1848 durch Euler mit Pfeifen besetzt.<ref>Nds. Landesarchiv Hannover, Hann. 74 Northeim Nr. 1377 u. 1386; Pfarrarchiv Bühle, Akte 513.1 (Die nachfolgend genannten Literaturverweise sind als unzuverlässig anzusehen).</ref><ref>Christian Kämmerer, Peter Ferdinand Lufen: Baudenkmale in Niedersachsen, Band 7.1: Landkreis Northeim, Südlicher Teil. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. CW Niemeyer, Hameln 2002, ISBN 3-8271-8261-1, S. 280 f.</ref> 1981 Restaurierung durch Martin Haspelmath; drei Register rekonstruiert; zum großen Teil erhalten (2 vakante Register).
1817 Untergeis Ev. Kirche I/P 11 1998 Restaurierung durch Orgelbau Waltershausen; 7 Register ganz und eins teilweise erhalten<ref>Orgel in Untergeis. Abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1820 Heilbad Heiligenstadt St. Aegidien 1908 durch Werk der Werkstatt Johannes Klais Orgelbau ersetzt<ref>Kirche in Heiligenstadt. Abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
um 1820 ? Wahlhausen Ev. Kirche I/P 1855 neues Werk von Knauf, 1928 neues Werk von Euler (im alten Gehäuse)
1821 Imsen Urbanikirche I/P 12 1999/2000 Restaurierung durch Werkstatt Gebrüder Hillebrand Orgelbau<ref>Orgel in Imsen. Abgerufen am 8. Januar 2023.</ref><ref>Kirchenvorstand Imsen-Wispensten, Heinrich Schulze (Hrsg.): Wilhelm-Schmerbach-Orgel 1821–2000. St.-Urbani-Kirche Imsen-Wispenstein. Alfeld 2000.</ref>
1823 Duderstadt St. Cyriakus
Datei:Duderstadt St. Cyriakus 05.jpg
III/P 41 Kleine Umdisponierung der Orgel von Johannes Creutzburg (1731–1735); zwei Register von Schmerbach erhalten → Orgel
1826–1827 Ballenhausen St. Johannis I/P 8 1930 ersetzt; Prospekt erhalten<ref>Ballenhausen. In: Kirchengemeindelexikon. Abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>

Auch die Orgeln in Konnefeld und in Orferode werden ihm zugeschrieben.

Johann Wilhelm Schmerbach der Jüngere

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1832 Gerbershausen Kath. Kirche St. Johannes der Täufer Datei:Gerbershausen St. Johannes der Täufer 06.jpg 1908 Neubau durch Fa. Krell im alten Gehäuse<ref>Kirche in Gerbershausen. Abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1835 Heimarshausen Ev. Kirche Datei:Heimarshausen - Kirche 2021-04-25 g.JPG I/P 11 Weitgehend erhalten<ref>Orgel in Heimarshausen, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1838 Rengelrode St. Johannes der Täufer Datei:Rengelrode St. Johannes der Täufer 05.jpg II/P 16 Weitgehend erhalten<ref>Orgel in Rengelrode. Abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1843 Frankenhain Ev. Kirche <ref>Kirche in Frankenhain. Abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1844 Schwebda Stephanuskirche
Datei:Schwebda St. Stephanus 05.jpg
II/P 14 Gehäuse aus Vorgängerkirche, Orgelwerk aus Kloster Hülfensberg general überholt<ref>Heuckeroth, Erwin, Die Stephanuskirche in Schwebda, Eine kleine kirchengeschichtliche Betrachtung, Gemeindebriefdruckerei Groß Oesingen 2008, S. 36f.</ref>
1845 Heldra Johanniskirche
Datei:Die Orgel der Johanniskirche in Heldra.jpg
<ref>Kirche in Heldra, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1850 Döringsdorf St. Stephanus Datei:Döringsdorf St. Stephanus 05.jpg I/P 10 restauriert 1995 durch Karl Brode, Heilbad Heiligenstadt
1854 Wilnsdorf Ev. Kirche I/P 9 im Zuge des Kirchenneubaus durch Orgel von Paul Faust ersetzt<ref>Orgel in Wilnsdorf, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
1857 Niederdresselndorf Ev. Kirche I/P 11 <ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Orgel in Fischelbach (Memento vom 8. Januar 2023 im Internet Archive), abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>

Einzelnachweise

<references />

Literatur

  • Harald Vogel, Günter Lade, Nicola Borger-Keweloh: Orgeln in Niedersachsen. Hauschild, Bremen 1997, ISBN 3-931785-50-5.
  • Uwe Pape (Hrsg.): Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Band 1: Thüringen und Umgebung. Pape, Berlin 2009, ISBN 978-3-921140-86-4, S. 240–241.