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Schmalblättriger Hohlzahn

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Schmalblättriger Hohlzahn
Datei:Galeopsis angustifolia1 eF.jpg

Schmalblättriger Hohlzahn (Galeopsis angustifolia)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Hohlzahn
Art: Schmalblättriger Hohlzahn
Wissenschaftlicher Name
Galeopsis angustifolia
Ehrh. ex Hoffm.

Der Schmalblättrige Hohlzahn<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /> (Galeopsis angustifolia), auch Schmalblatt-Hohlzahn genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hohlzahn (Galeopsis) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie ist in Europa verbreitet.

Beschreibung

Datei:Galeopsis angustifolia plant (13).jpg
Unter- und oberirdische Pflanzenteile
Datei:Galeopsis angustifolia illustration (02).jpg
Illustration
Datei:Galeopsis angustifolia RF.jpg
Oberer Bereich eines Pflanzenexemplares mit Tragblättern und Scheinquirlen
Datei:Galeopsis angustifolia3 eF.jpg
Blütenstand
Datei:GALEOPSIS ANGUSTIFOLIA - BÒFIA - IB-357 (Galeopsis de fulla estreta).JPG
Zygomorphe Blüten

Vegetative Merkmale

Der Schmalblättrige Hohlzahn wächst als ein- oder zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 10 bis 20, selten bis zu 70 Zentimetern.<ref name="FloraWeb" /> Der aufrechte, oft rote Stängel besitzt meist sehr lange Äste und ist stumpf vierkantig und am Grund 2 bis 5 Millimeter dick, ist derb, oft rot überlaufen und meist flaumig oder rückwärts angedrückt seidig oder schwach drüsig behaart.<ref name="FloraWeb" /><ref name="HegiGams1964" />

Die gegenständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert.<ref name="FloraWeb" /> Der Blattstiel ist kurz.<ref name="FloraWeb" /> Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 1 bis 7 Zentimetern sowie bei einer Breite von 2 bis 5, manchmal bis zu 10, selten bei „Mastformen“ bis zu 16 Millimetern<ref name="HegiGams1964" /> schmal-eiförmig-lanzettlich, schmal-lanzettlich bis linealisch und ganzrandig bis seicht gekerbt oder auf beiden Seiten höchstens mit vier kleinen Zähnen.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis Oktober.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="BiolFlor" /> Die Blüten befinden sich mehr oder weniger dicht in voneinander entfernten Scheinquirlen. Die Tragblätter sind bei einer Länge von meist nur 2 bis 5 Millimetern, bei breitblättrigen „Formen“ auch mit einer Breite von bis zu 15 Millimetern oft linealisch und allmählich in den sehr kurzen Blattstiel verschmälert, sehr seicht gekerbt (0 bis 4 Zähne auf jeder Seite) und in der Regel schwach flaumig behaart.<ref name="HegiGams1964" />

Die meist zwittrige<ref name="FloraWeb" /><ref name="BiolFlor" /> Blüte ist zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der dicht anliegend flaumig behaarte, aber meist ohne Drüsenhaare, oft rötlich überlaufene und etwa 7 Millimeter lange Kelch<ref name="InfoFlora" /> endet in fünf meist ungleich langen, geraden vorgestreckten, begrannten Kelchzähne.<ref name="HegiGams1964" /> Die fünf Kronblätter sind zu einer ziemlich engen, geraden und weißlichen Kronröhre verwachsen.<ref name="HegiGams1964" /> Die purpurfarbene Krone ist mit einer Länge von 2 bis 2,5 Zentimetern etwa dreimal so lang wie der Kelch und zweilippig.<ref name="FloraWeb" /><ref name="HegiGams1964" /> Die Unterlippe besitzt einen gelben Fleck<ref name="FloraWeb" /> mit purpurfarbener Gitterzeichnung<ref name="HegiGams1964" /> und im Schlund an jeder Seite einen mehr oder weniger aufrechten, hohlen, von unten her eingedrückten Höcker.

Die Klausen sind etwa 2,5 Millimeter lang.<ref name="HegiGams1964" />

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl beträgt n = 8, es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 16 vor.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="BiolFlor" /><ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Beim Schmalblättrigen Hohlzahn handelt es sich um einen mesomorphen, skleromorphen Therophyten.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="BiolFlor" /> Der Schmalblättrige Hohlzahn wurzelt bis über einen Meter tief.<ref name="Oberdorfer2001" />

Blütenökologisch handelt es sich um Eigentliche Lippenblumen.<ref name="FloraWeb" /><ref name="BiolFlor" /> Die Blüten sind homogam, also sind die männlichen und weiblichen Blütenorgane gleichzeitig fertil. Bei ausbleibender Fremdbestäubung erfolgt spontane Selbstbestäubung innerhalb einer Blüte. Der Schmalblättrige Hohlzahn ist fakultativ autogam, als erfolgt meist Selbstbefruchtung und Fremdbefruchtung die Ausnahme. Als Belohnung für Bestäuber ist Nektar vorhanden. Aber es erfolgt selten eine Bestäubung durch Insekten. Es liegt Selbstkompatibilität vor, Selbstbefruchtung führt erfolgreich zum Samenansatz.<ref name="FloraWeb" /><ref name="BiolFlor" />

Die Bruchfrucht zerfällt in vier einsamige, geschlossen bleibende Teilfrüchte,<ref name="FloraWeb" /> hier Klausen genannt. Die Klausen sind die Diasporen. Die Diasporen werden durch Klett- und Klebausbreitung auf der Oberfläche von Tieren ausgebreitet (Epichorie).<ref name="FloraWeb" />

Vorkommen

Es gibt Fundortangaben für Spanien, Frankreich, Italien, die Schweiz, Österreich, Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Tschechien, Polen, das ehemalige Jugoslawien, Rumänien und Bulgarien.<ref name="POWO" /> Früher wurde er auch in Marokko beobachtet. In Irland und Schweden ist Galeopsis angustifolia ein Neophyt.<ref name="POWO" /> Er ist ein submediterran-praealpines Florenelement. In Österreich und der Schweiz ist der Schmalblättriger Hohlzahn allgemein zerstreut zu finden.

In Deutschland ist der Schmalblättrige Hohlzahn in den Kalkgebieten des mittleren und südlichen Gebiets recht verbreitet; im Norden seltener und oft unbeständig auftretend. In manchen Gebieten wie etwa im Allgäu tritt er besonders auf dem Schotter der Eisenbahngleise auf und ist zur typischen Eisenbahnpflanze geworden.<ref name="Dörr-Lippert2004" />

Der Schmalblättrige Hohlzahn wächst in Mitteleuropa in Schuttunkrautfluren, auf Geröllhalden, an Bahndämmen, auf Äckern und auch auf Weiden. Er gedeiht meist auf warmen, trockenen, mehr oder weniger kalkreichen, meist humusarmen oder feinerdearmen, lockeren Steinschuttböden (Kalkstein, Porphyr, Basalt) oder Kiesböden.<ref name="Oberdorfer2001" /> Er ist eine Charakterart des Galeopsietum angustifoliae aus dem Verband Stipion calamagrostis.<ref name="Oberdorfer2001" /> Er steigt in Tirol bis in Höhenlagen von etwa 1000 Metern, im Kanton Wallis bis in Höhenlagen von etwa 2000 Metern auf.<ref name="HegiGams1964" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Ellenberg sind: Lichtzahl 8 = Halblicht- bis Volllichtpflanze, Temperaturzahl 7 = Wärmezeiger, Kontinentalitätszahl 4 = gemäßigtes Seeklima zeigend, Feuchtezahl 2 = Starktrockenheits- bis Trockenheitszeiger, Feuchtewechsel = keinen Wechsel der Feuchte zeigend, Reaktionszahl 8 = Schwachbasen- bis Basen-/Kalkzeiger, Stickstoffzahl 4 = Stickstoffarmut bis mäßigen Stickstoffreichtum zeigend, Salzzahl 0 = nicht , Schwermetallresistenz = nicht schwermetallresistent.<ref name="FloraWeb" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 5 (basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Die Erstbeschreibung von Galeopsis angustifolia erfolgte 1804 durch Jakob Friedrich Ehrhart in Georg Franz Hoffmann: Deutschlands Flora oder Botanisches Taschenbuch, Vierter Jahrgang, S. 8.<ref name="POWO" /><ref name="Euro+Med" /><ref name="Tropicos" /> Das Artepitheton angustifolia bedeutet „schmalblättrig“.

Der Schmalblättrige Hohlzahn wird von manchen Autoren auch als Unterart Galeopsis ladanum subsp. angustifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ehrh. ex Hoffm.) Gaudin zum Breitblättrigen Hohlzahn (Galeopsis ladanum <templatestyles src="Person/styles.css" />L.) gestellt. Der Schmalblättrige Hohlzahn ist sehr formenreich und teilweise durch Übergänge mit dem Breitblättrigen Hohlzahn (Galeopsis ladanum) verbunden.

Bei anderen Autoren gibt es etwa zwei Unterarten:<ref name="Euro+Med" />

  • Galeopsis angustifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Ehrh. ex Hoffm. subsp. angustifolia (Syn.: Galeopsis angustifolia var. glabrescens <templatestyles src="Person/styles.css" />Favrat, Galeopsis angustifolia var. littoralis <templatestyles src="Person/styles.css" />Vicq & Bruttan, Galeopsis bertetii<templatestyles src="Person/styles.css" /> E.P.Perrier & Songeon ex Verlot, Galeopsis calcarea <templatestyles src="Person/styles.css" />Schönh., Galeopsis canescens <templatestyles src="Person/styles.css" />Schult., Galeopsis arvatica <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord., Galeopsis glabra <templatestyles src="Person/styles.css" />Des Étangs, Galeopsis glaucescens <templatestyles src="Person/styles.css" />Reut. ex Ardoino, Galeopsis orophila <templatestyles src="Person/styles.css" />Timb.-Lagr., Galeopsis ladanum var. arenaria <templatestyles src="Person/styles.css" />Gren. & Godr., Galeopsis ladanum var. arvatica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Jord.) Nyman,Galeopsis ladanum var. calcarea <templatestyles src="Person/styles.css" />(Schönh.) Briq., Galeopsis ladanum var. campestre <templatestyles src="Person/styles.css" />Timb.-Lagr., Galeopsis ladanum var. canescens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Schult.) Rchb., Galeopsis ladanum var. glabra <templatestyles src="Person/styles.css" />(Des Étangs) Nyman, Galeopsis ladanum var. glaucescens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Reut. ex Ard.) Nyman, Galeopsis ladanum var. orophila <templatestyles src="Person/styles.css" />(Timb.-Lagr.) Briq., Galeopsis ladanum var. spinosa <templatestyles src="Person/styles.css" />Benth.): Es gibt Fundortangaben für Spanien, Andorra, Frankreich, Italien, die Schweiz, Österreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, Dänemark, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, die ehemalige Tschechoslowakei, Polen, das ehemalige Jugoslawien, Rumänien und Bulgarien.<ref name="Euro+Med" />
  • Galeopsis angustifolia subsp. carpetana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Willk.) Laínz (Syn.: Galeopsis carpetana <templatestyles src="Person/styles.css" />Willk., Galeopsis ladanum var. carpetana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Willk.) Briq., Galeopsis ladanum subsp. carpetana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Willk.) O.Bolòs & Vigo): Sie kommt nur von Spanien über Andorra bis Frankreich vor.<ref name="Euro+Med" />

Bilder

Literatur

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • August Binz, Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz, Schwabe & Co. AG, Basel, 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Ulmer Verlag, Stuttgart, 1990, ISBN 3-8001-3454-3.
  • Christian August Friedrich Garcke: Illustrierte Flora, 1972, Verlag Paul Parey, ISBN 3-489-68034-0.

Einzelnachweise

<references> <ref name="BiolFlor"> Schmalblättriger Hohlzahn. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. </ref> <ref name="Tropicos"> Galeopsis angustifolia bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="FloraWeb"> Galeopsis angustifolia (Ehrh. ex Hoffm.) Pers., Schmalblättriger Hohlzahn. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Galeopsis angustifolia Hoffm. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 393. </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Galeopsis angustifolia bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> <ref name="Euro+Med"> World Checklist of Selected Plant Families (2010), The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. In: Datenblatt Galeopsis angustifolia - Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="HegiGams1964"> Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 4. Verlag Carl Hanser, München 1964. S. 2459–2460. </ref> </references>

Weblinks

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