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Sława

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(Weitergeleitet von Schlawa)

Vorlage:Hinweisbaustein Vorlage:Infobox Ort in Polen Sława (deutsch Schlawa, 1937–1945 Schlesiersee) ist eine Stadt und Sitz der Stadt- und Landgemeinde Sława im Powiat Wschowski der Woiwodschaft Lebus in Polen mit 3900 Einwohnern.

Geographische Lage

Die Ortschaft liegt in Niederschlesien an der Einmündung der Oberen Obra (vormals auch Scharnitz genannt, Vorlage:PlS) in den größten See Schlesiens, den Schlawaer See (Jezioro Sławskie), auf einer Höhe von 82 m über dem Meeresspiegel,<ref name="MeyersGazetteer">Schlawa/Schlesien. In: Meyers Gazetteer. 1912 (meyersgaz.org).</ref> etwa 24 Kilometer nördlich der Stadt Głogów (Glogau).

Geschichte

Datei:Slawa marktplatz.jpg
Marktplatz in Sława mit früherer evangelischer Kirche und katholischer Kirche im Hintergrund
Datei:Posen 1905.png
Schlawa, südwestlich der Stadt Posen, nördlich der Stadt Glogau und nordöstlich der Stadt Neusalz, auf einer Landkarte von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung)

Schlawa wurde im 13. Jahrhundert gegründet. Der genaue Zeitpunkt, wann Schlawa Stadtrechte erhielt, ist nicht überliefert, bei ihrer Ersterwähnung bei der Teilung des Herzogtums Glogau von 1312 besaß sie diese bereits.

Schlawa war zunächst Teil des Glogauer Weichbildes, wurde aber im 15. Jahrhundert zum Adelssitz. Im Jahre 1468 gelangte die Stadt in den Besitz der Herren von Rechenberg. Im Jahre 1506 kam Schlawa zum Königreich Böhmen. Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde der Besitz der Rechenberger konfisziert und kam in den Besitz der Familie von Barwitz, Freiherren von Fernelmont, die 1884 erlosch. Von 1886 bis 1945 besaßen die mährischen Grafen von Haugwitz die Gutsherrschaft Schlawa.

Nordöstlich der mit drei Stadttoren versehenen, aber nicht ummauerten Stadt verlief die Grenze zu Großpolen. Neben der Fischerei im See waren die Landwirtschaft und der Grenzhandel mit Polen die wichtigsten Einnahmequellen der Bewohner. In den Jahren 1721 und 1765 brachen in Schlawa zwei große Stadtbrände aus. Seit 1499 war in der Stadt eine Zunft der Tuchmacher ansässig. Die Bedeutung als Tuchmacherstadt ging seit dem Dreißigjährigen Krieg immer mehr zurück, um 1830 erfolgte eine Auswanderung in das damals russische Lodsch.

1735 entstand ein Schlossneubau. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel die Stadt an Preußen. Die evangelische Kirchgemeinde errichtete 1834 eine Kirche auf dem Marktplatz, die aus dem 14. Jahrhundert stammende Michaeliskirche gehörte seit der Gegenreformation den Katholiken.

1820 wurde Schlawa dem Landkreis Freystadt zugeordnet. Nach dessen Auflösung im Jahre 1932 wurde die Stadt Teil des Landkreises Glogau, dem die Stadt schon zwischen 1816 und 1820 angehört hatte.

Um 1900 hatte die Stadt eine evangelische und eine katholische Kirche.<ref name="Meyers" /> Schlawa erhielt 1913 einen Eisenbahnanschluss. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Provinz Posen zu Polen kam, wurde die Stadt wieder zur Grenzstadt. Durch diese Randlage verlor Schlawa an Bedeutung. 1921 wurde die Landgemeinde Schlawa. Der Gutsbezirk Schlawa wurde 1928 in die Stadt eingemeindet; um 1894 umfasste das Gut eine Fläche von 2632 ha, wovon 667 ha Ackerboden, 159 ha Wiesen, 86 ha Weiden, 822 ha Holzungen, 864 ha Gewässer und 34 ha Hoffläche waren.<ref>Schlesisches Güter-Adreßbuch. Verzeichniß sämmtlicher Rittergüter und selbständigen Guts- und Forstbezirke, sowie solcher größeren Güter, welche innerhalb des Gemeindeverbandes mit einem Reinertrag von etwa 1500 Mark und mehr zur Grundsteuer veranlagt sind. Fünfte Ausgabe, Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1894, S. 214, Ziffer 1927 (Digitalisat).</ref>

1935 gab es in Schlawa u. a. zwei Hotels, sieben Gasthöfe, zwei Cafés, zwei Bankgeschäfte, eine Branntweinbrennerei, zwei Buchdruckereien, ein Holzsägewerk, eine Likörfabrik, eine Molkerei, drei Mühlen, eine Zementwarenfabrik und zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.<ref>Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Schlesien, S. 1743 (Google Books).</ref>

Während der NS-Herrschaft erfolgte eine Umbenennung des slawischen Ortsnamens und die Stadt, wie auch der See, erhielten die Bezeichnung Schlesiersee. Im Zweiten Weltkrieg entstand bei Schlesiersee – in den Vorwerken Bänisch Vorwerk und Neu Vorwerk – ein Außenlager des KZ Groß-Rosen. In den letzten Kriegsmonaten verlegte das Reichssicherheitshauptamt einen Teil seines Archivs und der Bibliothek, die überwiegend aus in Europa zusammengestohlenen Büchern bestand, unter Rolf Mühler in das Schloss Schlawa. Die Materialien wurden danach weit verstreut und erst nach der politischen Wende 1989 konnten Archivare und wissenschaftliche Antiquare Spuren davon suchen.<ref>Werner Schroeder: Dienstreise nach Holland 1940. Beschlagnahmung und Verbleib der Verlagsarchive von Allert de Lange und Querido, Amsterdam. In: Exil. Jg. 19, 1999, Heft 1. Hrsg. Walter-A.-Berendsohn-Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur, Univ. Hamburg, S. 44 f. Diese Bestände trugen z. B. den Decknamen Brabant 1. Insbes. gab es große Mengen historischer Freimaurer-Literatur sowie mittelalterliche Hexen-Titel.</ref>

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Februar 1945 von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde Schlawa / Schlesiersee von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht vorher geflohen war, weitgehend vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.

In den ersten Jahren nach Kriegsende war Sława Sitz des Powiat Głogowski, da in Głogów wegen der Kriegszerstörungen keine Gebäude für die Kreisverwaltung vorhanden waren. Auch Schulen und andere öffentliche Einrichtungen fanden zeitweilig in Sława ein Ausweichquartier.

Heute ist die Stadt ein Fremdenverkehrsort.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung vor und nach 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1787 Vorlage:0543
1803 Vorlage:0590 <ref name="Mützell-5" />
1810 Vorlage:0515 <ref name="Mützell-5" />
1816 Vorlage:0509 davon 456 Evangelische und 53 Katholiken<ref name="Mützell-5">Vorlage:Wörterbuch Preußischer Staat</ref>
1818 Vorlage:0674 ohne den Gutsbezirk Schlawa mit 293 Einwohnern<ref>Vorlage:Wörterbuch Preußischer Staat</ref>
1821 Vorlage:0626 in 114 Privatwohnhäusern<ref name="Mützell-5" />
1825 Vorlage:0632 darunter 94 Katholiken;<ref>Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des ganzen jetzt zur Provinz gehörenden Markgrafenthums Ober-Lausitz, und der Grafschaft Glatz. Breslau 1830, S. 1013 (books.google.de).</ref> ohne den Gutsbezirk Schlawa mit 47 Häusern und 238 Einwohnern, darunter 68 Katholiken<ref>Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des ganzen jetzt zur Provinz gehörenden Markgrafenthums Ober-Lausitz, und der Grafschaft Glatz. Breslau 1830, S. 680 (Digitalisat).</ref>
1840 Vorlage:0706 in 117 Häusern, 565 evangelische und 141 katholische Einwohner<ref>Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 918 (Digitalisat).</ref>
1867 Vorlage:0903 am 3. Dezember, ohne die Landgemeinde Schlawa mit 288 Einwohnern und den Gutsbezirk Schlawa mit 78 Einwohnern<ref name="Gemeindelexikon1871" />
1871 Vorlage:0879 am 1. Dezember, davon 690 Evangelische, 175 Katholiken und 14 Juden, ohne die Landgemeinde Schlawa mit 268 Einwohnern (165 Evangelische, 103 Katholiken) und den Gutsbezirk Schlawa mit 65 Einwohnern (49 Evangelische, 16 Katholiken);<ref name="Gemeindelexikon1871">Vorlage:Gemeindelexikon Preußen 1871 S. 174 f., Nr. 68, und S. 178 f., Nr. 175.</ref> nach anderen Angaben 878 Einwohner, darunter 700 Evangelische;<ref>Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. Band 2, G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 224–225, Ziffer 13 (Digitalisat).</ref>
1905 Vorlage:0766 <ref name="Meyers">Vorlage:Meyers-1905</ref>
1910 Vorlage:0848 am 1. Dezember, ohne die Landgemeinde Schlawa mit 326 Einwohnern und den Gutsbezirk Schlawa mit 118 Einwohnern<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref name="MeyersGazetteer" />
1933 1678 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1939 1802 <ref name="MR" />
Einwohner ab 1961
Jahr 1961 1970
Einwohnerzahl 2433 2617

Personen, die mit dem Ort verbunden sind

  • Ernst Heinrich Lange (1876–1952), deutscher Verleger aus Schlawa
  • Georg Lange (1883–1964), deutscher Jurist, Politiker und Stadtkämmerer in Berlin, geboren in Schlawa
  • Johannes Helm (1927–2025), deutscher Psychologe, Maler und Schriftsteller

Städtepartnerschaft

Gmina

Vorlage:Hauptartikel

Datei:Jezioro Sławskie 2015.jpg
Schlawaer See

Die Stadt- und Landgemeinde Sława umfasst ein Gebiet von 327 km² mit 11.887 Einwohnern. Auf dem Gemeindegebiet befinden sich 14 Seen.

Literatur

  • Vorlage:MerianTopo
  • Schlawa, Stadt, Dorf und Rittergut, Kreis Freystadt, Regierungsbezirk Liegnitz, Provinz Schlesien, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Schlawa (meyersgaz.org).
  • Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des ganzen jetzt zur Provinz gehörenden Markgrafenthums Ober-Lausitz, und der Grafschaft Glatz. Breslau 1830, S. 1013 (Digitalisat).
  • Wojciech Strzyżewski: Sława. Zarys dziejów. Urząd Miasta i Gminy, Sława 2004, ISBN 83-920100-0-0.

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Normdaten