Schildhof (Passeier)
Die Schildhöfe in Passeier sind „bäuerliche Anwesen, mit denen bestimmte Rechte und Freiheiten verbunden waren“.<ref>Die Schildhöfe in Passeier, Museum Passeier, S. 8. </ref> Sie unterscheiden sich teilweise baulich von den damals üblichen Höfen und verfügen zum Teil über Türme und Mauern.
Geschichte
1317 verlieh Graf Heinrich von Tirol sieben fürstlichen Amtsträgern<ref>Die Schildhöfe in Passeier, Museum Passeier, S. 10.</ref> besondere Privilegien: Sie wurden von der landesfürstlichen Steuer befreit. Als Gegenleistung waren sie verpflichtet, innerhalb Tirols zu dienen in Waffen und zu Pferd. Sie wurden Schildherren genannt. Zu ihrer Stellung gab es in der Vergangenheit unterschiedliche Theorien; demnach wurden sie unter anderem definitiv zu den Einschildrittern, also zum niederen Adels gezählt.<ref>Heinz Moser: Die Schildhöfe in Passeier. Bozen 1988, S. 9.</ref> Die neuere Forschung ist allerdings davon überzeugt, dass sie sich nur in einer Grauzone zwischen Adel und Nichtadel bewegten und den Aufstieg in den Niederadel wohl nie ganz vollziehen konnten.<ref>Gustav Pfeifer: Nobis servire tenebitur in armis, in: Kurt Andermann und Peter Johanek (Hrsg.): Zwischen Adel und Nichtadel. Stuttgart 2001, S. 51.</ref> Zu dieser Stellung des Schildherren gehörten verschiedene Privilegien, darunter das uneingeschränkte Recht, Waffen zu tragen. Namentlich waren diese Schildherren Egno von Saltaus, Haupold und Heinold von Passeier, Heinrich von Puchach, Friedrich von Weingart, Friedrich von Gereut und Berchtold von Steinhaus. Ihre Namen sind teilweise noch heute namensgebend für ihre Höfe.
Seit dem Freiheitsbrief von Herzog Leopold (1396) unterstanden sie nicht mehr der ordentlichen Gerichtsbarkeit, sondern dem Adelsgericht, und erhielten Jagd- und Fischereirecht auf ihrem Besitz. Die Rechte der Schildherren und deren Erben gingen im 15. Jahrhundert auf die Schildhöfe über. Ab 1524 waren die Schildhöfe im Tiroler Landtag vertreten. Im Steuerkataster von 1694 wurden bereits elf Schildhöfe aufgeführt.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Schildhöfe als Inbegriff „deutschen Wehrbauerntums“ instrumentalisiert.<ref>Bozner Tagblatt, Ausgabe vom 30. September 1944, S. 1 mit Foto.</ref>
Bei Prozessionen gehen heute die Schildhofbauern in Tracht und mit einem Schild, auf dem der Hofname steht, sowie mit einer Hellebarde, um zu zeigen, dass die Schildhofbauern früher für ihren Herrn kämpfen mussten.
Erhaltene Schildhöfe
Die folgenden Schildhöfe sind noch (teilweise) erhalten, sie befinden sich in St. Martin bzw. in St. Leonhard:
St. Martin
- Saltaus (Untersaltaus, Saltus)<ref>historische Namen nach Granichstaedten-Czerva in Klammern</ref>: erwähnt 1230
- Haupold (Obersaltaus, Hauppold, Hauptbold, Hupold): erwähnt 1317
- Weingarten-Granstein (Granstein, Weingart): erwähnt 1284
- Lanthaler (Oberkalbe, Lanthaler): erwähnt 1288, Steuerfreiheit 1311; Turm und Reste einer Ringmauer erhalten<ref>Die Schildhöfe in Passeier, Museum Passeier, S. 148 f.</ref>
- Kalmbauer (Niederkalbe, Chalve, Chalbe, Kalm): um 1555 als Schildhof erwähnt<ref>Die Schildhöfe in Passeier, Museum Passeier, S. 148 f.</ref>
- Pseirer (Turngut): erwähnt 1288, viereckiger Turm und Reste einer Ringmauer erhalten
- Baumkirch (Unter-Gereut, Bamkirch): Fresko des Hl. Christopherus aus dem 15. Jh.
- Ober-Gereut (Geraut, Gereut, Greit, Grüt): erwähnt 1288; 1420 mit dem Inhaber Niklas Gerauter von Geraut<ref name="obermair">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
- Steinhaus (Staynhaus): erwähnt 1285; Erker, Spitzbogen- und Eselrückentüren aus dem 15. Jh.
St. Leonhard
Alle im 14. Jahrhundert erwähnt, bis auf Gomion ohne bauliche Besonderheiten.
- Ebion (Erbion, Urbian, Orbian), 1420 mit dem Inhaber Perchtold Wiser von Oerbion<ref name="obermair" />
- Buchenegg (Buechenegg, Gadenacker, Puchach, Buochenegg, Puochach)
- Happerg (Kolber, Endhof)
- Gomion (Gamion, Camian, Camyan): ehemals Besitz von Albert von Gomion, natürlicher Sohn von Meinhard II.; im Keller älterer Baubestand, Eingangstor mit Spitzbogen und Wappenstein
Sonderfälle
Als Sonderfall gilt der Gadenackerhof, welcher aus dem Buchenegghof herausgebrochen wurde. Früher waren beide Höfe in einem Besitzer vereinigt. Beide Höfe hatten aber separate Häuser und Ställe. Als im Jahr 1779 Johann Hafner, Besitzer des Buchenegg- und Gadenackerhofes, starb, teilten seine Söhne den Hof unter sich auf, so dass Mathias Hafner den Buchenegghof und Josef Hafner den Gadenackerhof bekamen. Der Gadenackerhof gilt deshalb als Sonderfall, weil er als Schildhof gedeutet wurde, obwohl er im eigentlichen Sinn keiner ist. Wenn die Schildhofbauern bei den oben erwähnten Prozessionen mitgehen, gibt es sogar einen Schild mit der Aufschrift "Gadenacker", den der Gadenackerbauer zusammen mit der Hellebarde mit sich trägt.
Literatur
- Museum Passeier (Hrsg.): Die Schildhöfe in Passeier. Fragen, Antworten, Bildergeschichten, St. Leonhard in Passeier 2017.
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- Adelgott Schatz: Die Schildhöfe in Passeier, in: Der Schlern, 1924, S. 165–176. (online)
- Rudolf Granichstaedten-Czerva: Meran. Burggrafen und Burgherren. Wien 1949, S. 29–34.
- Heinz v. Wieser: Die Schildhöfe in Passeir in ihrem Bezug zu Schloß Tirol. In: Oswald Trapp: Tiroler Burgenbuch. II. Band: Burggrafenamt. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1980, S. 143–145.
Weblinks
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- Schildhof Saltaus im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts
- Schildhof Haupold im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts
- Schildhof Lanthaler im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts
- Schildhof Kalm im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts
- Schildhof Pseirer im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts
- Schildhof Baumkirch im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts
- Schildhof Gereut im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts
- Schildhof Steinhaus im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts
- Schildhof Gomion im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts
Einzelnachweise
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