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Sankt Johannis (Bayreuth)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Sankt Johannis
Kreisfreie Stadt Bayreuth
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(1165)&title=Sankt+Johannis 49° 57′ N, 11° 37′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(1165) 49° 56′ 53″ N, 11° 36′ 58″ O
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Höhe: 375 m ü. NHN
Einwohner: 1165 (25. Mai 1987)<ref name="OV 1987"/>
Eingemeindung: 1. April 1939
Postleitzahl: 95448
Vorwahl: 0921
Datei:Altentrebgastplatz Bayreuth.JPG
Altentrebgastplatz

Sankt Johannis ist ein Stadtteil von Bayreuth in Oberfranken.<ref>Vorlage:BayernPortal Ortsteile</ref> Die Gemarkung Sankt Johannis hat eine Fläche von 2,035 km². Sie ist in 827 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 2460,54 m² haben.<ref>Gemarkung Sankt Johannis (092432). In: geoindex.io. Geoindex Aktiengesellschaft, abgerufen am 8. Januar 2025.</ref> In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Eremitage, Eremitenhof, Geiersnest, Hornsröth, Mooshügel, Römerleithen und Wunau.<ref>Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen – Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 8. Januar 2025.</ref>

Lage

Datei:St Johannis um 1840.jpg
Sankt Johannis um 1840

Das ehemalige Pfarrdorf liegt am Westhang eines Hügels östlich der Stadt. Von ihr ist es durch die Bundesautobahn 9, die lediglich an zwei Stellen unterfahren werden kann, räumlich getrennt.<ref>Ortskarte 1:10.000. Darstellung mit Schummerung. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 19. Oktober 2023 (Die gemessenen Entfernungsangaben entsprechen Luftlinie).</ref>

Geschichte

Datei:Sankt Johannis Bayreuth 1850.jpg
Sankt Johannis um 1850

Sankt Johannis ist vermutlich älter als die Stadt Bayreuth. Aus dem Jahr 1441 lässt sich im Bereich der Flur ein Burgstall nachweisen, der um 1451 wieder aufgebaut wurde. Die Annahme, der Ort habe einst Altentrebgast geheißen, ist möglicherweise falsch. 1557 erhielt Georg Imhof zu Sankt Johannis den „Ansitz zu Trebgast auf dem Hofe“ als markgräfliches Lehen, 1576 nannte er sich „Georg Imhoff zu Altentrebgast auf dem Hoff, itzt Sanct Johannis genannt“.<ref>Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth. Druckhaus Bayreuth, Bayreuth 1993, ISBN 3-922808-35-2, S. 18.</ref> Den heutigen Namen erhielt das Pfarrdorf nach dem Bau der Kirche Mitte des 16. Jahrhunderts.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />krause-online.de (Memento des Vorlage:IconExternal vom 18. Mai 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.krause-online.de</ref>

Der Ort bestand hauptsächlich aus einem Rittergut und wenigen weiteren landwirtschaftlichen Kleinbetrieben. Stark gewerblich ausgerichtet, war er ein Arbeiterdorf mit überwiegend kleinen Häusern ohne Scheunen- oder Stallanbauten. Ab 1846 pendelten viele Leineweber in die Flachsfabrik im nahegelegenen Friedrichsthal.<ref>Herbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt. 2007, S. 248.</ref>

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Sankt Johannis 32 Anwesen (1 Schloss mit Brauerei und Ökonomie, 3 Söldengüter, 1 Wirtshaus, 1 Schmiede, 1 Mühle, 1 Tropfhaus mit Backrecht und Branntweingerechtigkeit, 1 Wohnhaus mit Ziegelhütte, 21 Tropfhäuser, 1 Haus, 1 Felsenkeller mit Wohnung). Die Hochgerichtsbarkeit stand dem bayreuthischen Stadtvogteiamt Bayreuth zu. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über sämtliche Anwesen hatte das Amt St. Johannis.<ref name="W387">R. Winkler: Bayreuth, S. 387.</ref>

Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Bayreuth. Nachdem im Jahr 1810 das Königreich Bayern das Fürstentum Bayreuth käuflich erworben hatte, wurde Sankt Johannis bayerisch. Infolge des Gemeindeedikts wurde 1812 der Steuerdistrikt Sankt Johannis gebildet.<ref name="W464">R. Winkler: Bayreuth, S. 464.</ref> Neben dem Hauptort gehörten zu diesem Aichig, Bauernhöfen, Colmdorf, Eremitage, Eremitenhof, Friedrichsthal, Geiersnest, Grunauermühle, Hölzleinsmühle, Laineck, Monplaisir, Mooshügel, Obere Röth, Oschenberg, Pudermühle, Riedelsgut, Rodersberg, Rollwenzelei, Römerleithen, Seulbitz, Untere Röth, Walkmühle und Wunau.<ref>R. Winkler: Bayreuth, S. 494.</ref> Zugleich entstand die Ruralgemeinde Sankt Johannis, zu der Eremitage und Römerleithen gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Bayreuth zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt). Mit dem Gemeindeedikt von 1818 erfolgte die Eingemeindung von Eremitenhof mit Geiersnest, Mooshügel und Wunau. Etwas später wurden auf dem Gemeindegebiet Hornsröth und Philippsruhe gegründet. Ab 1862 gehörte Sankt Johannis zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Bayreuth (1879 in Amtsgericht Bayreuth umgewandelt).<ref name="W464"/> Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 2,291 km².<ref name="OV 1925"/>

Entlang der Sonntagstraße wurden um 1900 kleine Arbeiterhäuschen errichtet. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Eremitagepark entstanden 1922, 1938–39 und 1965 Mietwohnungen. In den 1970er Jahren wurden mit der Ochsenhut und im Flurstück Gstöckig über der Flusskante des Roten Mains neue Wohngebiete erschlossen.<ref>Herbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt. 2007, S. 249.</ref>

Am 1. April 1939 wurde Sankt Johannis nach Bayreuth eingemeindet,<ref></ref><ref>Herbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt. 2007, S. 245.</ref> 1048 Einwohner wurden zu Bayreuther Bürgern. Der damalige Bayreuther Oberbürgermeister Friedrich Kempfler wollte die nationalsozialistische Gauhauptstadt aufwerten, die damit um 1000 Hektar Fläche wuchs. Zum Dank erhielten die Neu-Bayreuther – die allerdings vorwiegend nur Nebenerwerbslandwirte waren – einen Zuchtbullen als Geschenk.<ref name="ZuP">Der Zuchtbulle und die Provinz in: Nordbayerischer Kurier vom 1. April 2019, S. 7.</ref>

Einwohnerentwicklung

Gemeinde Sankt Johannis

Jahr 1822 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933
Einwohner 474 629 654 656 701 714 754 841 853 802 828 976 1033 1078 1092 980 1046 1093
Häuser<ref name="Häuser">Es sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet.</ref> 53 74 68 77 81 88
Quelle <ref name="W462">R. Winkler: Bayreuth, S. 462f.</ref> <ref name="HGV">Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, OCLC 311071516, S. 139, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).</ref> <ref name="HGV" /> <ref name="HGV" /> <ref name="OV 1861">Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, OCLC 457951812, Sp. 845, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).</ref> <ref>

Kgl. statistisches Bureau (Hrsg.): Verzeichniß der Gemeinden des Königreichs Bayern nach dem Stande der Bevölkerung im Dezember 1867. XXI. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Ackermann, München 1869, S. 130 (Digitalisat). </ref> || <ref name="OV 1875">Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, OCLC 183234026, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1016, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).</ref> || <ref>Vorlage:Gemeindeverzeichnis Bayern 1879</ref> || <ref>Vorlage:Gemeindeverzeichnis Bayern 1882</ref> || <ref name="OV 1885">K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, OCLC 1367926131, Abschnitt III, Sp. 962 (Digitalisat).</ref> || <ref>Vorlage:Gemeindeverzeichnis Bayern 1892</ref> || <ref name="HGV" /> || <ref name="OV 1900">K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, DNB 361988931, OCLC 556534974, Abschnitt II, Sp. 1007 (Digitalisat).</ref> || <ref name="HGV" /> || <ref>Vorlage:Gemeindeverzeichnis Bayern 1911</ref> || <ref name="HGV" /> || <ref name="OV 1925">Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, DNB 361988923, OCLC 215857246, Abschnitt II, Sp. 1032 (Digitalisat). </ref> || <ref name="HGV" />

Ort Sankt Johannis

Jahr 001819 001822 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 226 381 574 605 652 861 839 995 873 <templatestyles src="FN/styles.css" /> * 1165
Häuser<ref name="Häuser" /> 37 50 62 65 79 89 307
Quelle <ref>Vorlage:Ober-Mainkreis 1820</ref> <ref name="W462"/> <ref name="OV 1861" /> <ref name="OV 1875" /> <ref name="OV 1885" /> <ref name="OV 1900" /> <ref name="OV 1925" /> <ref>Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, OCLC 183218794, Abschnitt II, Sp. 866 (Digitalisat).</ref> <ref name="OV 1961">Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, OCLC 230947413, Abschnitt II, Sp. 638 (Digitalisat).</ref> <ref>Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, OCLC 220710116, S. 145 (Digitalisat).</ref> <ref name="OV 1987">Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, OCLC 231287364, S. 287 (Digitalisat).</ref>

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* 
Ort wird zu Bayreuth gerechnet.

Baudenkmäler

Datei:Kirche St.Johannis Bayreuth.JPG
Pfarrkirche
Datei:Bayreuth - Sept. 2020 - Kellergsicht.jpg
Keller
Datei:Schloss St. Johannis BayreuthJPG.JPG
Schloss

In St. Johannis gibt es 12 Baudenkmäler, darunter:

1308 wurde das Schloss als Ministerialensitz erstmals urkundlich erwähnt. 1616 kam es in markgräflichen Besitz, das zugehörige Waldareal wurde ab 1664 ein umzäunter Jagd- und Tiergarten. Das Gebäude gelangte Mitte des 18. Jahrhunderts in Privatbesitz und wurde ab 1845 als „Schiedelsches Brauereigut“ genutzt. Seit 1957 ist es ein landwirtschaftlicher Betrieb der Bayreuther Justizvollzugsanstalt.

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Eremitage

Ein herausragendes Kulturdenkmal ist der Lustgarten Eremitage, der seinen Ursprung im markgräflichen Jagd- und Tiergarten hatte. In dem weitläufigen Park auf einem Hügel in einer Schleife des Roten Mains befinden sich zwei Schlösser, mehrere Wasserspiele und weitere Sehenswürdigkeiten.

Religion

Sankt Johannis ist Sitz einer Pfarrei, die seit der Reformation evangelisch-lutherisch ist.<ref name="W387"/><ref name="OV 1961"/>

Verkehr

Datei:Sonntagstraße Bayreuth.JPG
Sonntagstraße

Die Königsallee verbindet den Stadtteil mit der Bayreuther Innenstadt. Weitere Straßenverbindungen bestehen mit den Gemeindeteilen Sankt Georgen, Laineck, Seulbitz und Aichig. Der öffentliche Nahverkehr erschließt Sankt Johannis mit zwei Buslinien.

Schulen und Kindergärten

In der Ziegelleite steht die Grundschule St. Johannis. Mehr als 100 Jahre hatte seit Mitte des 19. Jahrhunderts das Landhaus Monplaisir in der Eremitage als Schulhaus gedient.<ref>Vor 50 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 31. Januar 2020, S. 10.</ref>

1897 öffnete der im Jahr zuvor gegründete Kindergarten seine Pforten. Träger der Einrichtung in der Sonntagstraße ist die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Johannis.<ref>Kindergärten bei stjohannis-bayreuth.de, abgerufen am 31. Januar 2020</ref>

Sonstiges

Im örtlichen Sprachgebrauch wird der Stadtteil häufig „Kanz“ genannt. Dieser mundartliche Ausdruck entstand durch Lautveränderung und Verkürzung des Namens Johannes.<ref>Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A-Z. Rabenstein, Bayreuth 2009, ISBN 978-3-928683-44-9, S. 69.</ref> Entsprechend bezeichnen sich die Einwohner als „Kanzer“, das jährliche Johannisfeuer wird „Kanzfeuer“ genannt.<ref name="ZuP" />

Persönlichkeiten

  • Johann Christoph Funck (1759–1839), Brauereibesitzer und Mitglied der Kammer der Abgeordneten im bayerischen Landtag

Literatur

Weblinks

Fußnoten

<references responsive />

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