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Sammlung Würth

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Datei:Schwäbisch Hall-Kunsthalle Würth- Niki de Saint Phalle-04.jpg
Plastik von Niki de Saint Phalle, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall (Foto: 2011)

Die Sammlung Würth, die über 20.000 Kunstwerke vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart umfasst, ist eine große bedeutende Privatsammlung des Unternehmers Reinhold Würth.<ref>Falk Jaeger: Frappierend schön: Chipperfield hat ein neues Museum gebaut. In: tagesspiegel.de. 13. August 2020, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref><ref>Maria Würth im Interview: „Unsere Idee von Kunst ist, zu verbinden, nicht zu trennen“. In: stuttgarter-nachrichten.de. Abgerufen am 18. Februar 2026.</ref> Ihre Schwerpunkte liegen insbesondere auf der Moderne und der zeitgenössischen Kunst.<ref>Christa Sigg: Sammeln heißt Teilen. In: Zeit (Hrsg.): Kunstplaner 2026. Dezember 2025.</ref><ref>Die Krönung eines Lebenswerks. In: Pforzheimer Zeitung. 29. Juni 2020, abgerufen am 4. November 2020.</ref><ref>Alexander Dambach: Zum 100. Geburtstag: Museum Würth zeigt Caro und Chillida. In: swr.de. 17. Dezember 2023, abgerufen am 4. Januar 2024.</ref> Hinzu kommen Sammelgebiete zu den süddeutschen Meistern des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit<ref>Lisa Zeitz: Späte Liebe. Hrsg.: Weltkunst. Nr. 71, April 2013.</ref> und der Kleinkunst des 17. und 18. Jahrhunderts in der Kunstkammer Würth.<ref>Konstanze Crüwell: Riemenschneider in Schwäbisch Hall: Eine geradezu malerische Vollkommenheit. In: faz.net. 17. August 2011, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref><ref>Clara Zimmermann: Illustre Gäste. Kostbarkeiten der Kunstkammer Würth | WELTKUNST. In: Weltkunst, das Kunstmagazin der Zeit. 13. Januar 2022, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref> Das Unternehmen Würth zeigt die Kunstwerke in Wechselausstellungen in 15 eigenen Häusern.<ref>Reinhold Würth bei „Über Kunst“: Unternehmer, Sammler, Macher. In: stuttgarter-nachrichten.de. Abgerufen am 18. Februar 2026.</ref>

Schwerpunkte der Sammlung

Alte Meister

Die Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen (auch Darmstädter Madonna) von Hans Holbein dem Jüngeren bildet seit 2011 den Höhepunkt der Alten Meister in der Sammlung Würth.<ref>Christa Sigg: Sammeln heißt teilen. In: ZEIT (Hrsg.): Kunstplaner 2026. Dezember 2025.</ref><ref>Amber Sayah: Die Ankunft von Holbeins Madonna. In: stuttgarter-zeitung.de. Stuttgarter Zeitung, 21. Januar 2012, abgerufen am 4. November 2020.</ref> Der Grundstein dieser Sammlung wurde jedoch bereits 2003 mit dem Erwerb des Fürstlich Fürstenbergischen Bilderschatzes aus Donaueschingen gelegt.<ref>Claudia Herstatt: Der Schraubenkönig kauft fürstlich ein. Nr. 44/2004. Die Zeit, 2004.</ref><ref>Peter Dittmar: Kunst: Schraubenmilliardär Würth kauft teuerste Madonna. In: welt.de. Abgerufen am 18. Februar 2026.</ref> Hierunter zählen verschiedene Tafelbilder des Meisters von Meßkirch wie der Falkensteiner Altar, der als nationales Kulturgut gilt, und Die Kreuzigung Christi, außerdem Werke aus der Malerwerkstatt Strüb<ref>C. Sylvia Weber (Hrsg.): Alte Meister. Der ehemals Fürstlich Fürstenbergische Bilderschatz in der Sammlung Würth. Swiridoff, 2004, ISBN 978-3-89929-031-8.</ref>. Zudem sind das Antonius-Retabel des Zürcher Veilchenmeisters und das Porträt Bildnis eines Mannes mit rotem Barett von Andreas Haider vertreten.<ref>Lisa Zeitz: Späte Liebe. Hrsg.: Weltkunst. Nr. 71, April 2013.</ref> Reinhold Würth wollte die Gemäldesammlung des 15./16. Jahrhunderts gesammelt in Baden-Württemberg und der Öffentlichkeit erhalten, deshalb werden die Werke seit 2008 in Schwäbisch Hall in der zu einem kleinen Museum umgebauten Johanniterkirche öffentlich gezeigt.<ref>Christa Sigg: Sammeln heißt Teilen. In: ZEIT (Hrsg.): Kunstplaner 2026. Dezember 2025.</ref>

Sowohl in der Tafelmalerei als auch der Skulptur wird dieser Bestand immer wieder erweitert.<ref name=":0">C. Sylvia Weber: Neuerwerbungen. Alte Meister in der Sammlung Würth. Swiridoff, 2008, ISBN 978-3-89929-150-6.</ref> Von Lucas Cranach d. Ä.<ref>Monika Everling: Sammlung Würth präsentiert den Falkensteiner Altar des Meisters von Meßkirch. In: swp.de. Haller Tagblatt, 11. Oktober 2013, abgerufen am 22. Februar 2021.</ref> fanden mehrere Gemälde, darunter Christus segnet die Kinder von 1546 und Die Heilige Barbara von 1530, Eingang in die Sammlung Würth.<ref name=":0" /> Zudem wurden Werke von Tilman Riemenschneider<ref>Günter Herzog: Der erste Zuschlag über eine Million Mark nach 1945 in Deutschland. In: FAZ. 30. August 2019, abgerufen am 22. Februar 2021.</ref>, Daniel Mauch und aus dem näheren Umkreis von Hans Multscher ergänzt.<ref>Neue Heimat für Alte Meister. In: fr.de. Frankfurter Rundschau, 29. Januar 2019, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref><ref>Jochen Korte: Schwäbisch Hall: Ein kulturelles Highlight erster Güte. In: swp.de. Haller Tagblatt, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref> Eine seltene Bronzefigur, die Madonna mit Kind von Hubert Gerhard, die zu den bedeutendsten Skulpturen aus der Zeit um 1600 nördlich der Alpen zählt, ist seit 2026 in der Johanniterkirche zu sehen.<ref>Claudia Ihlefeld: Eine Bronze-Madonna, die Maßstäbe setzte. In: stimme.de. Heilbronner Stimme, 5. Februar 2026, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref>

Datei:Darmstadtmadonna.jpg
„Darmstädter Madonna“ (Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen) von Hans Holbein dem Jüngeren

Moderne

Die Sammlung enthält Werke des französischen und des deutschen Impressionismus, insbesondere aber des deutschen Expressionismus, etwa von Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner und Max Beckmann.<ref>Thomas W. Gaehtgens: Eine Sammlung des Werdens. In: Von Hockney bis Holbein. Die Sammlung Würth in Berlin. Swiridoff, 2015, S. 17–22.</ref><ref>Susanne Kippenberger: Weltklassekunst in der Provinz: Das Ländle hat Geschmäckle. In: Der Tagesspiegel. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 18. Februar 2026]).</ref> Als Grundstein der Sammlung gilt ein Aquarell von Emil Nolde, Wolkenspiegelung in der Marsch, 1935, das Reinhold Würth 1972 erwarb.<ref>Andreas Langen: Emil Nolde revisited: Kluge Blicke auf einen umstrittenen Großkünstler. In: SWR Kultur. 10. April 2025, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref><ref>Jürgen Kanold: Welt und Heimat bei Emil Nolde und Reinhold Würth. Abgerufen am 18. Februar 2026.</ref> Auch weitere Stilrichtungen der Moderne sind stark vertreten, wie der Surrealismus mit René Magritte oder André Masson.<ref>Von der klassischen Moderne zur zeitgenössischen Kunst. In: stimme.de. 10. Oktober 2025, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref>

Der über 700 Werke umfassende Block zu Max Ernst in der Sammlung Würth, darunter das komplette grafische Werk<ref>Frappierend schön: David Chipperfield hat ein neues Museum gebaut. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 18. Februar 2026]).</ref>, fußt auf der ehemaligen Sammlung Lufthansa, die Reinhold Würth 1996 übernahm<ref>Hans-Joachim Müller: Wenn einer alles hat. In: Die Zeit. Nr. 48, 20. November 2008 (zeit.de).</ref><ref>Elke Linda Buchholz: Spielfelder des Surrealen: Max Ernst im Museum für Fotografie. In: Der Tagesspiegel. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 18. Februar 2026]).</ref>. Über die Jahre wurde dieser Bestand durch Ölgemälde, Skulpturen, Mauerfragmente, Papierarbeiten, Originalcollagen, Collageromane, Künstlerbücher und weitere Zeichnungen und Frottagen und Skulpturen vervollständigt.

Gegenwartskunst

Zur Sammlung gehören umfangreiche Werkblöcke von Hans Arp, Horst Antes, Georg Baselitz, Max Bill und Anselm Kiefer und eines der weltweit größten Konvolute von Christo und Jeanne-Claude, die 1995 das Museum Würth in Künzelsau verhüllten.<ref>Frappierend schön: David Chipperfield hat ein neues Museum gebaut. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 18. Februar 2026]).</ref><ref>Weltklassekunst in der Provinz : Das Ländle hat Geschmäckle. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 18. Februar 2026]).</ref><ref>Christa Sigg: Sammeln heißt teilen. In: Zeit (Hrsg.): Kunstplaner 2026. Dezember 2025.</ref>

Ein großer Schwerpunkt liegt auf internationaler Bildhauerei von Künstlern wie Stephan Balkenhol, Eduardo Chillida, Alfred Hrdlicka, Robert Jacobsen, Tony Cragg, Antony Gormley, Anish Kapoor oder Henry Moore.<ref>Falk Jaeger: Frappierend schön: Chipperfield hat ein neues Museum gebaut. In: Der Tagesspiegel. 30. August 2020, abgerufen am 22. Februar 2021.</ref> Auch die Installation „The Last Judgement Sculpture (1995–99)“, ein Hauptwerk Anthony Caros, gehört zur Sammlung.<ref>Simone Reber: „The Last Judgement Sculpture“ von Anthony Caro: 42 Tonnen Entsetzen. In: Deutschlandfunk Kultur. 22. Dezember 2019, abgerufen am 22. Februar 2021.</ref>

Zu Weihnachten wird in einzelnen Museen Würth regelmäßig eine Weihnachtskrippen-Sammlung gezeigt.<ref>Antje Merke: Museum Würth zeigt Weihnachtskrippen aus aller Welt. In: Schwäbische Zeitung. 23. Dezember 2022, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref><ref>Christoph Feil: Museum Würth zeigt 150 Weihnachtskrippen aus aller Welt. In: Heilbronner Stimme. 27. November 2022, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref>

Museen und Ausstellungsorte

Die fünf Ausstellungshäuser in Deutschland werden von der Adolf Würth GmbH und Co. KG getragen: die Kunsthalle Würth und die Johanniterkirche in Schwäbisch Hall sowie das Museum Würth,<ref>Nikolai B. Forstbauer: Kunst erweitert den Horizont. In: Stuttgarter Nachrichten. 17. Mai 2016, abgerufen am 4. November 2020.</ref> das Museum Würth 2<ref>Falk Jaeger: David Chipperfield hat ein neues Museum gebaut. In: Tagesspiegel. 13. August 2020, abgerufen am 4. November 2020.</ref> und die Hirschwirtscheuer<ref>Claudia Ihlefeld: Schicht um Schicht: Bilder von Ute Schmidt in der Hirschwirtscheuer. In: Heilbronner Stimme. 12. Mai 2020, abgerufen am 2. November 2020.</ref> in Künzelsau.

Darüber hinaus haben in Europa seit 1999 zehn Kunstdependancen in Auslandsgesellschaften der Würth-Gruppe eröffnet, darunter in der Schweiz das Forum Würth Arlesheim,<ref>Annette Hoffmann: Das Forum Würth in Arlesheim zeigt Arbeiten von Dieter Roth. In: Badische Zeitung. 10. September 2020, abgerufen am 4. November 2020.</ref> das Forum Würth Chur und das Forum Würth Rorschach;<ref>Martin Reisser: Seine Mona Lisa ist eine Afrikanerin. In: Tagblatt. 23. Juli 2020, abgerufen am 4. November 2020.</ref> in Österreich in Böheimkirchen der Art Room Würth Austria.<ref>Redaktion Niederösterreich: 20 Jahre Würth-Standort Böheimkirchen. In: Guten Tag Österreich. 4. November 2019, abgerufen am 4. November 2020.</ref> Die erste umfassende Präsentation der Sammlung Würth innerhalb Österreichs fand von April bis September 2023 im Wiener Leopold Museum unter dem Titel „Amazing – The Würth Collection“ statt.<ref>Amazing – The Würth Collection. In: leopoldmuseum.org. Abgerufen am 22. Mai 2023</ref> Am 27. Januar 2008 wurde in Frankreich im Industriegebiet von Erstein das Musée Würth France Erstein eröffnet: Es zeigt auf zwei Etagen Wechselausstellungen<ref>Ausstellungsübersicht. Musée Würth France Erstein, abgerufen am 4. November 2020.</ref> bildnerischer und plastischer Arbeiten aus der Sammlung Würth. Weitere Kunstdependancen finden sich in Dänemark, Italien, den Niederlanden und Spanien.<ref>Jürgen Kanold: Von Kopf bis Fuß unterwegs. Hrsg.: Südwest Presse. 8. September 2022.</ref>

Daneben enthält die Sammlung die „Kunstkammer Würth“ mit Kleinskulpturen des 17. und 18. Jahrhunderts (seit 2006 im Bode-Museum in Berlin ausgestellt,<ref>Virtuelle Tour durchs Bode-Museum. In: smb.museum. Bode-Museum, abgerufen am 4. November 2020.</ref> 2018 war eine Auswahl im Domquartier in Salzburg zu sehen<ref>WUNDERKUNST. Erlesenes aus der Kunstkammer Würth. In: DomQuartier Salzburg. 24. März 2017 (domquartier.at [abgerufen am 6. Oktober 2018]).</ref>). 2015/2016 präsentierte sich die Kollektion im Martin-Gropius-Bau in Berlin mit der Schau „Von Hockney bis Holbein – Die Sammlung Würth in Berlin“.<ref>Simone Reber: Kunstsammlung Würth in Berlin: In der Wunderkammer. In: Der Tagesspiegel. 14. September 2015, abgerufen am 22. Februar 2021.</ref>

Filme

Literatur

  • Carmen Sylvia Weber (Hrsg.): Alte Meister in der Sammlung Würth. Swiridoff, Künzelsau 2004.
  • Karin von Maur: Von Spitzweg bis Baselitz. Streifzüge durch die Sammlung Würth. Swiridoff, Künzelsau 2005, ISBN 3-89929-046-1.
  • Werner Spies: Liebe auf den ersten Blick. Hundert Neuerwerbungen der Sammlung Würth. Swiridoff, Künzelsau 2007, ISBN 978-3-89929-111-7.
  • Carmen Sylvia Weber (Hrsg.): Neuerwerbungen. Alte Meister in der Sammlung Würth. Künzelsau 2008.
  • Beate Elsen-Schwedler, Michael Eissenhauer, C. Sylvia Weber (Hrsg.): Von Hockney bis Holbein. Die Sammlung Würth in Berlin, Swiridoff, Künzelsau 2015 (Katalog zur Ausstellung im Martin-Gropius-Bau).
  • Hans-Peter Wipplinger, Rainer Metzger, Carmen Sylvia Weber (Hrsg.): Amazing – The Würth Collection. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2023, ISBN 978-3-7533-0412-0 (Katalog zur Ausstellung im Leopold Museum).

Weblinks

Commons: Sammlung Würth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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