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Rudolf Dittrich (Sänger)

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Rudolf Dittrich (* 12. Februar 1903 in Prositz, heute Ortsteil von Stauchitz; † 1990 in Dresden-Bühlau) war ein deutscher Kammersänger.

Leben

Der in der Gegend von Riesa in eine Bauernfamilie hineingeborene und mit harter Landarbeit in Coschütz bei Dresden aufgewachsene Rudolf Dittrich soll bereits früh sein musikalisches Talent haben erkennen lassen.<ref name="SNN 76">Gottfried Schmiedel: Dresdner Operngeschichte (14): Rudolf Dittrich – Sänger und Gesangslehrer. In: Sächsische Neueste Nachrichten, [Ende] Dezember 1976.</ref> 1916, also bereits als 13-Jähriger, trat er auf Geheiß des Vaters in das Lehrerseminar Dresden-Plauen ein.<ref name="Sächs. Tgbl. 83">Hans Böhm: „Junger Mann, Sie sind engagiert!“ – Rudolf Dittrich zum „80.“. In: Sächsisches Tageblatt, 11. Februar 1983.</ref> 1923 legte er seine Prüfung erfolgreich ab und fand eine Anstellung im Schuldienst.<ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> Die für ihre musikalische Prägung gerühmte Ausbildungsstätte<ref name="Morgen 83">H[ans] B[öhm]: Ein Gruß zum „80.“ Dem Dresdner Sänger und Theaterpraktiker Rudolf Dittrich. In: Der Morgen, 11. Februar 1983.</ref><ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> sowie Besuche in der Dresdner Semperoper, vor allem der Aufführungen von Smetanas Verkaufter Braut mit Richard Tauber,<ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> verstärkten seine Lust aufs Singen, weshalb er seine Stimme mithilfe des tschechischen Baritons Hans Pokorny perfektionierte.<ref name="Sächs. Tgbl. 83" /><ref name="Sächs.Tgbl. 54">Kammersänger Rudolf Dittrich 25 Jahre bei der Oper. In: Sächsisches Tageblatt, 1. April 1954.</ref><ref name="Union 54">Anonymus: 25jähriges Bühnenjubiläum von Rudolf Dittrich. In: Die Union, 2. April 1954.</ref><ref name="SNN 76" /><ref name="Morgen 83" />

An Silvester 1928 sang er dem Heldentenor der Staatsoper Dresden, Kurt Taucher (auch: Curt Taucher), vor. Sichtlich beeindruckt arrangierte dieser ein Vorsingen bei Generalmusikdirektor Fritz Busch.<ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> Vorbereitet hatte er dafür die Cavatine aus Faust.<ref name="Union 59">H[ans] B[öhm]: In Treue zur Staatsoper. Kammersänger Rudolf Dittrich 30 Jahre Mitglied der Staatstheater. In: Die Union, 2. April 1959.</ref> Busch, der schon im Frack war, weil er gleich traditionell die „Palmsonntags-Neunte“<ref group="Anmerkung">Unter diesem Begriff ist nicht die Palmsonntags-Kantate Himmelskönig, sei willkommen von Bach zu verstehen, sondern Beethovens 9. Sinfonie. Seit Hofkapellmeister Richard Wagner dem damals noch umstrittenen Werk an Palmsonntag 1846 zu einem durchschlagenden Erfolg verhalf, wurde die Wiederholung des Ereignisses zur Dresdner Tradition. Siehe klassik-heute.com und newsropa.de.</ref> dirigieren sollte<ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> (in der Dittrich später selbst für den Tenorpart zuständig sein würde<ref name="Union 63">H[ans] B[öhm]: Ein Leben für die Dresdner Oper. Zum 60. Geburtstag von Kammersänger Rudolf Dittrich. In: Die Union, 13. Februar 1963.</ref>), gebot ihm rasch Einhalt, weil ihn die ersten Töne schon überzeugten, er ließ sich seinen Eindruck lediglich noch durch Anstimmen des Hohen C bestätigen.<ref name="Union 59" />

Mitten in der Spielzeit 1928/29, nämlich im März 1929, griff der Quereinsteiger ins Operngeschehen ein, trotz der erst ab dem 1. April einsetzenden Gehaltszahlung.<ref name="Sächs.Tgbl. 54" /><ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> Aus dem im geschlossenen Klassenzimmer arbeitenden Pädagogen wurde somit über die Zwischenstation des lyrischen Tenors ein Heldentenor auf der weiten Bühne der Staatsoper Dresden, die mit einem Ensemble von Welt-Reputation, bestehend aus Marta Fuchs, Friedrich Plaschke, Ivar Andresen, Kurt Böhme, Paul Schöffler, Max Lorenz, Erna Berger und nun auch Rudolf Dittrich, aufwarten konnte.<ref name="Sächs.Tgbl. 54" /> Er begann mit kleinen Partien wie dem Ersten Gefangenen im Fidelio (1929)<ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> und stieß über den Max im Freischütz (1930)<ref name="Sächs. Tgbl. 83" /><ref name="Union 63" /> und Don José in Carmen<ref name="SNN 76" /> zu den großen Partien des jugendlichen Heldenfachs vor.<ref name="Union 54" /> Später bekam er die großen Partien der Wagner-Opern anvertraut, so zur Osterzeit 1932 erstmals Parsifal.<ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> Zeitgenössische Opern lagen ihm ebenso am Herzen wie die unvergänglichen Klassiker. Er sang in Maschinist Hopkins, in Münchhausen und 1940 in Heinrich Sutermeisters Romeo und Julia an der Seite von Maria Cebotari und unter der Regie von Karl Böhm.<ref name="SNN 64">-dl-: Von Tamino bis Narraboth. Kammersänger Dittrich 35 Jahre an der Staatsoper. In: Sächsische Neueste Nachrichten, 19. April 1964.</ref><ref name="Union 59" /><ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> Sein Lieblingsstück blieb trotz allem das Tenorsolo in Beethovens Neunter Sinfonie. Oft gab er es außerhalb Dresdens unter berühmten Dirigenten wie Furtwängler, Knappertsbusch, Clemens Krauss und Willem Mengelberg zum Besten.<ref name="Union 54" /><ref name="SNN 76" /> Eine besondere Adelung erfuhr er bereits im Einstiegsjahr 1929 durch Richard Strauss, der ihn für seine Aufführungen der eigenen Werke Salome und Die ägyptische Helena auserwählt hatte.<ref name="Union 54" /><ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> Gastspiele gab Dittrich in Berlin, Hamburg, Wien, München, Barcelona und Genf, um nur die berühmtesten Opernstädte zu nennen.<ref name="Union 54" /><ref name="SNN 76" /><ref name="Sächs. Tgbl. 83" />

In den 1940er Jahren führte die Überdosierung eines Medikamentes zu einer Schädigung der Stimmbänder, infolge derer er langsam Abschied von der Opernbühne nehmen musste.<ref group="Anmerkung">Der Krankheitsverlauf war wohl progressiv, darauf weisen die vielen verschiedenen Zeitangaben hin. (Genaue Quellenangaben siehe unter Einzelnachweise.) Die Union schrieb am 2. April 1954: 1942 nahm ein tragischer Unglücksfall der Stimme ihre kostbare Eigenart. Die Sächsischen Neuesten Nachrichten am 19. April 1964: Ein Unfall setzte gegen Schluß des letzten Krieges seiner auf der Höhe stehenden Sängerlaufbahn ein plötzliches Ende. Das Sächsische Tageblatt am 11. Februar 1983: Nach 1945 […] (mußte) durch den Unglücksfall einer medikamentösen Überdosierung […] diese glanzvolle Karriere frühzeitig abgebrochen werden. Der Morgen am selben Tag: […] gehörte nach 1945 noch mehrere Jahre zu den Kräften der ersten Stunde, bis seine glanzvolle Karriere durch eine falsche medikamentöse Behandlung zerstört wurde. Und Horst Seeger im Opern-Lexikon (Henschelverlag, Berlin 1978): […] mußte sich 1950 infolge einer Stimmband-Verätzung zurückziehen […].</ref> 1948 sang er nur noch den Narraboth in der Salome-Aufführung in der notdürftigen Kulturscheune Bühlau und den Tamino in der ersten Mozart-Inszenierung im neugeschaffenen Kleinen Haus.<ref name="SNN 64" /> Bis dahin belief sich sein Repertoire auf insgesamt 76 Partien.<ref name="Sächs. Tgbl. 83" /><ref name="Morgen 83" /> Generalintendant Martin Hellberg setzte den verhinderten Opernstar 1949 als Vortragsmeister, Gesangstrainer und Opernreferenten ein,<ref name="Sächs.Tgbl. 54" /><ref name="Union 54" /> seine Spezialisierung auf die Nachwuchsförderung ab 1954 verdankt er Generalmusikdirektor Franz Konwitschny und Operndirektor Alfred Eichhorn.<ref name="Union 54" /> Mitte der 1950er Jahre wurde er auch Studienleiter.<ref group="Anmerkung">Das genaue Jahr wird von derselben Zeitung (Die Union, siehe Einzelnachweise) unterschiedlich angegeben: 1955 bzw. 1957.</ref>

Seine Treue zur Heimatstadt äußerte sich auch darin, dass er statt Berufungen nach Wien oder München zu folgen<ref name="Union 59" /> lieber die Arbeiteroper Sachsenwerk Dresden-Niedersedlitz mitbegründete und ihr als Berater zur Seite stand.<ref name="Union 63" /><ref name="SNN 64" /><ref name="Morgen 83" /><ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> Im hohen Alter noch ließ sich der 1967 zum Ehrenmitglied der Dresdner Staatsoper Ernannte<ref name="SNN 76" /> keine Premiere entgehen, und wenn er über das bloße Interesse hinaus etwas zu bemängeln oder vorzuschlagen hatte, fand er stets dankbare offene Ohren.<ref name="Morgen 83" /><ref name="Sächs. Tgbl. 83" />

Dankbar für ihre gute Ausbildung waren Theo Adam (sein Schüler von 1946 bis 1949), mit dem ihn anschließend eine Freundschaft verband,<ref name="Sächs. Tgbl. 83" /> Gerhard Stolze,<ref>Zum Tod von Gerhard Stolze</ref> Gisela Schröter,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Todesfälle/Todestage: Gisela Schröter (Memento des Vorlage:IconExternal vom 23. Mai 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.der-neue-merker.eu</ref><ref>Bayreuther Festspiele, Personen: Gisela Schröter</ref> Marianne Fischer-Kupfer,<ref>Marianne Fischer-Kupfer bei Operissimo auf der Basis des Großen SängerlexikonsVorlage:Operissimo/Wartung/Verwendung von Parameter 2</ref> Hajo Müller,<ref>Hajo Müller bei Operissimo auf der Basis des Großen SängerlexikonsVorlage:Operissimo/Wartung/Verwendung von Parameter 2</ref> Wilfried Krug,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />In Memoriam: Wilfried Krug. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 17. Januar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.der-neue-merker.eu</ref><ref>Bayreuther Festspiele, Personen: Wilfried Krug</ref> Nelly Ailakowa<ref>Nelly Ailakowa bei Operissimo auf der Basis des Großen SängerlexikonsVorlage:Operissimo/Wartung/Verwendung von Parameter 2</ref> und viele andere. Auch die Stadt Dresden erwies sich kurz nach seinem Tod noch einmal als dankbar, als im Ortsteil Nickern eine Straße nach ihm benannt wurde.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Straßen und Plätze in Nickern (Memento vom 3. Januar 2023 im Internet Archive)</ref>

Dittrich fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof Bühlau.

Anmerkungen

<references group="Anmerkung"> </references>

Einzelnachweise

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