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Rotlicht (Prostitution)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Red Light District.jpg
Typische Rotlicht-Beleuchtung eines Bordells

Rotlicht ist ein Synonym für Prostitution und damit zusammenhängende Sachverhalte wie Rotlichtmilieu, Rotlichtviertel, Rotlichtaffäre und andere.<ref>Marcel Feige: Das Lexikon der Prostitution. Das ganze ABC der Ware Lust. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-89602-520-1, S. 551.</ref>

Herkunft des Begriffs

Die Verbindung des Begriffs Rotlicht mit der Prostitution geht auf die roten Laternen zurück, die früher und teils auch heute über den Eingängen von Bordellen hingen, und auch auf die rote Innenbeleuchtung dieser Lokale.<ref>Vgl. Duden: Deutsches Universalwörterbuch. 4. Aufl., 2001, S. 1326.</ref> Die Journalistin Dana Grigorcea wies auf die angenehme Ästhetik der traditionellen roten Beleuchtung hin: Das „Objekt der Begierde“ werde durch das Rot „in warme, weiche Konturen gehüllt“<ref name="nzz.ch Grigorcea"/> (andererseits beobachtete sie 2009 in Zürich, dass Prostituierte auf werbenden Postern neuerdings hell und vor blauem oder weißem Hintergrund zu sehen waren<ref name="nzz.ch Grigorcea">Dana Grigorcea: Das Ende der Milieufarbe Rot Artikel der NZZ, 14. Juli 2009.</ref>).

Wortgebrauch

Im Bedeutungsbereich Prostitution wird Rotlicht laut einer Dissertation von Caroline Kaufmann nahezu immer in einem Kompositum zusammen mit einem angehängten Substantiv gebraucht (Rotlichtlokal, Rotlichtszene etc.), während der selbständige Gebrauch viel seltener vorkommt.<ref name="Kaufmann 208f">Caroline Kaufmann: Zur Semantik der Farbadjektive rosa, pink und rot. Eine korpusbasierte Vergleichsuntersuchung anhand des Farbträgerkonzepts. Dissertation, München 2006 (PDF; 1,9 MB), S. 208 f.</ref> In neueren Wörterbüchern wie z. B. Duden, Deutsches Universalwörterbuch (2001)<ref>Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 4., neu bearb. und erw. Aufl., Dudenverlag, Mannheim [u. a.] 2001, ISBN 3-411-05504-9, S. 1326</ref> wird der „alleinstehende“ Begriff Rotlicht nicht dem Bereich Prostitution zugeordnet.<ref name="Kaufmann 208f"/>

Dennoch lassen sich zahlreiche Verwendungen des alleinstehenden Begriffs Rotlicht nachweisen. Einige Beispiele:

Rotes Licht symbolisiert auch in einigen anderen Sprachen die Prostitution. Beispielsweise kennt die englische Sprache den red-light district und die italienische Sprache das quartiere a luci rosse, jeweils eine wörtliche Entsprechung zu Rotlichtbezirk bzw. Rotlichtviertel.

Semantische Aspekte

Die Farbe Rot wird neben ihrer allgemeinen Signalwirkung psychologisch oft in Verbindung mit Liebe und Leidenschaft, aber auch mit Gefahr und Sünde gebracht.<ref>Heller: Wie Farben wirken. 1989, S. 49–68.</ref> Als Farbe der Erotik und Sexualität, und auch der Unmoral, wird die Farbe Rot auch mit Prostitution assoziiert.<ref>Heller: Wie Farben wirken. 1989, S. 63.</ref><ref name="Kaufmann S. 208">Caroline Kaufmann: Zur Semantik der Farbadjektive rosa, pink und rot. Eine korpusbasierte Vergleichsuntersuchung anhand des Farbträgerkonzepts. Dissertation, München 2006 (PDF; 1,9 MB), S. 208.</ref> Laut der Schriftstellerin Dana Grigorcea umfasst die Farbsymbolik weitere Aspekte: „Kulturhistorisch ist Rot die Farbe der Frau und wird gern mit Feuer, Blut und reifen Früchten assoziiert. Rot ist die Farbe der Haut an den intimen Stellen des Körpers. Rot ist Signalfarbe, die Farbe der Warnung vor dem Verderben und die Farbe des Verderbens selbst.“<ref name="nzz.ch Grigorcea"/>

Nach der semantischen Abhandlung von Kaufmann wird das Adjektiv rot im Zusammenhang mit der Prostitution als Verweis auf ein bestimmtes Milieu verstanden. In der Bedeutung von „erotisch, die Prostitution betreffend“ kommt der roten Farbe eine eher negative Konnotation zu, die in der allgemeinen Geringschätzung dieses Bereiches begründet ist.<ref name="Kaufmann S. 208"/> Eine Rotlichtaffäre (etwa eines Prominenten) wird meistens als eine „anrüchige“, besonders peinliche Affäre wahrgenommen.<ref>Beispiel: Hoffnungsträger der SPD stolpert über Rotlicht-Affäre welt.de, 12. Dezember 1998. Zitat: „Sie stürzten [ihn] nach seiner peinlichen Rotlicht-Affäre politisch ins Bodenlose.“</ref> Die negative Konnotation beruht auch auf der Verbindung des Rotlichtmilieus mit der organisierten Kriminalität, die in dem Begriff Rotlichtkriminalität zum Ausdruck kommt.<ref>Rotlicht- und Organisierte Kriminalität Artikel aus Die Kriminalpolizei (Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei), Ausgabe Juni 2011.</ref> Ein Rotlichtviertel gilt in der Regel als ein „übles“ Viertel.<ref>Vgl. Markus Stupphann: Das Stuwerviertel als neues, studentisches "In-Viertel"? Masterarbeit, Universität Wien, 2017 (PDF), S. 81 f. Assoziationen zum Stuwerviertel in Wien wurden erfasst und kategorisiert. Die Assoziationen „Prostitution/Rotlicht“, „Kriminalität/Drogen“ und „schlechtes Viertel“ wurden zusammengefasst zu „Rotlicht- und Kriminalitätsimage“.</ref>

Volksmund

Anonym: „Nicht immer hält das rote Licht, was es dem Wandersmann verspricht.“

Literatur

  • Eva Heller: Wie Farben wirken. Farbpsychologie, Farbsymbolik, kreative Farbgestaltung. Erstausg., ill., Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-498-02885-5. (Standardwerk der Farbpsychologie; 2004 ist die 12., unveränd. Aufl. erschienen)
  • Caroline Kaufmann: Zur Semantik der Farbadjektive rosa, pink und rot. Eine korpusbasierte Vergleichsuntersuchung anhand des Farbträgerkonzepts. 1. Aufl., Herbert Utz Verlag, München 2006, Reihe: Münchner Beiträge zur Sprach- und Literaturwissenschaft, ISBN 3-8316-0652-8. (Dissertation, PDF; 1,9 MB)

Weblinks

Einzelnachweise

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