Rat für Forschung und Technologieentwicklung
| Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE) | |
|---|---|
| Stellung | Juristische Person des öffentlichen Rechts |
| Funktion | Beratungsgremium der österreichischen Bundesregierung |
| Ebene | Bund |
| Gegründet | 2000 |
| Aufgelöst | 2023 |
| Sitz | Wien 1, Pestalozzigasse 4 |
| Vorsitz | Sylvia Schwaag Serger (ab September 2022<ref name="apa5915926675283793805" />) |
| Aufsicht | Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie |
| Nachfolgeorganisation | Forschungs-, Wissenschafts-, Innovations- und Technologieentwicklungsrat (FWIT-Rat) |
| Website | www.rfte.at |
Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (FTE-Rat) war ein Beratungsorgan der Österreichischen Bundesregierung mit Sitz in Wien. Er wurde im Jahr 2000 gegründet und erhielt 2004 den Rechtstitel als juristische Person des öffentlichen Rechts.<ref>§17 Forschungs- und Technologieförderungsgesetz</ref> Seine Organe waren die Ratsversammlung und die Geschäftsführung. Er wurde mit 30. Juni 2023 aufgelöst.<ref>Rat für Forschung und Technologieentwicklung, Wien, abgerufen am 23. Juli 2023.</ref> Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung und der österreichische Wissenschaftsrat wurden vom Forschungs-, Wissenschafts-, Innovations- und Technologieentwicklungsrat (FWIT-Rat) abgelöst.<ref>FWIT-Rat-Gesetz, Rechtsinformationssystem des Bundes, Bundeskanzleramt der Republik Österreich, Wien, abgerufen am 7. Dezember 2025.</ref> Die Besetzung der entsprechenden Positionen verzögerte sich, sodass der neue Rat seine Arbeit bis November 2023 nicht aufnehmen konnte.<ref name=":0">Opposition drängt auf Besetzung des neuen Forschungsrats. In: orf.at. 25. November 2023, abgerufen am 25. November 2023.</ref> Ende November wurden die zwölf Ratsmitglieder, die von der Bundesregierung besetzt wurden, bekanntgegeben.<ref>Bundesregierung bestellt neuen Forschungsrat. In: science ORF at/Agenturen red. 27. November 2023, abgerufen am 27. November 2023.</ref>
Aufgaben
Der FTE-Rat hatte folgende gesetzliche Aufgaben:<ref>§17b Forschungs- und Technologieförderungsgesetz</ref>
- Abgabe von Empfehlungen für eine Stärkung der Position Österreichs in internationalen Forschungs- und Technologiekooperationen,
- Ausarbeitung von Vorschlägen für ein Monitoring aller forschungs-, innovations- und technologieorientierten Einrichtungen mit Beteiligung des Bundes unter Berücksichtigung internationaler Standards,
- Ausarbeitung von Vorschlägen für Schwerpunkte für die nationalen Forschungs- und Technologieprogramme und für die Förderungspolitik aller forschungs-, innovations- und technologieorientierten Einrichtungen mit Beteiligung des Bundes,
- Ausarbeitung von Vorschlägen für eine langfristige österreichische Strategie für den Bereich Forschung und Technologieentwicklung sowie eine Überprüfung der schrittweisen Umsetzung,
- autonome Erstattung von Vorschlägen für nationale Forschungs- und Technologieprogramme unter Berücksichtigung internationaler Forschungs- und Technologiekooperationsprogramme aller forschungs-, innovations- und technologieorientierten Einrichtungen mit Beteiligung des Bundes,
- Beratung der Bundesregierung und auf Wunsch auch eines Bundesministers alleine oder einer Landesregierung in allen Fragen betreffend Forschung, Technologie und Innovation,
- Erstellung von Vorschlägen zur Verbesserung der Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft, insbesondere durch Zusammenführung von universitärer Forschung und angewandter Forschung und Technologieentwicklung in den Unternehmen.
Ratsversammlung
Die Ratsversammlung bestand aus sechs stimmberechtigten Mitgliedern, die jeweils für eine Funktionsperiode von 5 Jahren ernannt wurden. Das Vorschlagsrecht für jeweils vier Mitglieder hatten das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung und das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Eine einmalige Wiederbestellung war möglich. Mit Stand November 2020 waren folgende Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft Mitglieder:<ref name="ratsmitglieder" />
- Sylvia Schwaag Serger, Professorin am Institut für Wirtschaftsgeschichte der Universität Lund, Vorsitzende des Rates.<ref>Sylvia Schwaag Serger. In: Universität Lund (englisch).</ref>
- Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies Austria AG, Stellvertretende Vorsitzende des Rates.
- Jakob Edler, Geschäftsführender Institutsleiter, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
- Hermann Hauser, Unternehmensgründer, Computer- und Risikokapitalunternehmer
- Helga Nowotny, Ehemalige Präsidentin Europäischer Forschungsrat, Vorstand ERA Council Forum Austria
- Sonja Sheikh, Geschäftsführerin der Austrian Cooperative Research
2022 löste Sylvia Schwaag Serger die bisherige Vorsitzende Klara Sekanina ab, die sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Gremium zurückziehen musste.<ref name="apa5915926675283793805">Sylvia Schwaag Serger neue Vorsitzende des Forschungsrats. In: science.apa.at. 21. September 2022, abgerufen am 22. September 2022.</ref>
Im Oktober 2020 wurde Klara Sekanina Vorsitzende des Rates und Sabine Herlitschka stellvertretende Vorsitzende.<ref name="trendingtopics-2020-10-19">Jakob Steinschaden: Weibliche Doppelspitze leitet jetzt Rat für Forschung und Technologieentwicklung. In: trendingtopics.at. 19. Oktober 2020, abgerufen am 11. November 2020.</ref>
Bis zum 5. September 2020 war Hannes Androsch Vorsitzender, dessen Stellvertreter war Markus Hengstschläger.<ref>Peter IIlletschko: Androsch: Politiker sind an Wissenschaft und Forschung nicht interessiert. In: DerStandard.at. 14. August 2020, abgerufen am 8. September 2020.</ref><ref name="ratsmitglieder">Ratsmitglieder - Rat für Forschung und Technologieentwicklung. In: rat-fte.at. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. September 2020; abgerufen am 8. September 2020.</ref> Die restlichen sechs Räte (Jakob Edler, Hermann Hauser, Sabine Herlitschka, Helga Nowotny, Sylvia Schwaag Serger und Klara Sekanina) führten die Geschäfte interimistisch weiter und wählten einen neuen Vorsitzenden und dessen Stellvertreter.<ref>Forschungsrat führt seine Geschäfte interimistisch weiter. In: Wiener Zeitung. 4. September 2020, abgerufen am 9. September 2020.</ref>
2015 ausgeschiedene Mitglieder sind: Peter Skalicky (Technische Universität Wien), Renée Schroeder (Universität Wien), Marianne Hilf (Universität St. Gallen), Gabriele Ambros (Bohmann Verlag), Karin Schaupp, Gi Eun Kim (Seokyeong University)
2010 ausgeschiedene Mitglieder sind: Knut Consemüller (Böhler-Uddeholm), Günther Bonn (Universität Innsbruck), Dervilla Donnelly (University College Dublin), Albert Hochleitner (Siemens AG Österreich), Reinhard Petschacher (Infineon Technologies AG), Hans Schönegger (Lakeside Science & Technology GmbH), Jürgen Stockmar (Magna International) und Gabriele Zuna-Kratky (Technischen Museums Wien)
2005 ausgeschiedene Mitglieder sind: Hermann Kopetz (TU Wien), Ingeborg Hochmair-Desoyer (Fa. MED-EL GesmbH) und Gottfried Brem (VMU Wien).
Nicht stimmberechtigte Mitglieder der Ratsversammlung waren der Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung, der Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie, der Bundesminister für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und der Bundesminister für Finanzen.
Geschäftsführung
Der Rat wurde von der Geschäftsstelle organisatorisch und inhaltlich unterstützt. Dies galt insbesondere für die Vorbereitung und Durchführung von Ratssitzungen und Arbeitsgruppen sowie bei der Kommunikation. Michael Binder (2001–2005)<ref>Tätigkeitsbericht 2001. Rat für Forschung und Technologieentwicklung.</ref> und Ludovit Garzik (2005–2024)<ref>Tätigkeitsbericht 2005. Rat für Forschung und Technologieentwicklung.</ref> waren Geschäftsführer, Constanze Stockhammer (2009–2019)<ref>Tätigkeitsbericht 2009. Rat für Forschung und Technologieentwicklung.</ref>, Johannes Gadner (2013–2021)<ref>Tätigkeitsbericht 2013. Rat für Forschung und Technologieentwicklung.</ref> und Alexandra Mazak-Huemer (2021–2023)<ref>Tätigkeitsbericht 2022. Rat für Forschung und Technologieentwicklung.</ref> waren stellvertretende Geschäftsführer.
Arbeitsweise
Der Rat erarbeitete in Arbeitsgruppen und der Ratsversammlung Empfehlungen an die Bundesregierung und an Minister. Die Ratsversammlung tagte mehrmals jährlich und alle Empfehlungen wurden auf der Homepage des Rates veröffentlicht. Empfehlungen betrafen eher die Finanzierung einzelner Forschungsprogramme der unterschiedlichen Ministerien und Fördereinrichtungen, in der jüngeren Geschichte des Rates entwickelte er sich zunehmend zu einem Strategieorgan und fokussiert auf die Erarbeitung von FTE-Strategien.<ref>Forschungsrat erarbeitet „Strategie 2020“ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, ORF, 17. August 2009</ref> Speziell durch die Empfehlung von Programmen hat der FTE-Rat entscheidend in die Gestaltung und Ausgestaltung der Österreichischen Förderlandschaft eingegriffen. Er hat sich zu einem Key Player in der Forschungspolitik entwickelt. Seine Empfehlungen wurden zunehmend auch Grundlage für Förderentscheidungen von Fördereinrichtungen, wie beispielsweise des FWF, der FFG und der Nationalstiftung für Forschung und Technologieentwicklung. Jährlich veröffentlichte der Rat einen Tätigkeitsbericht.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tätigkeitsberichte des Rates seit 2000 ( vom 20. August 2007 im Internet Archive)</ref> Seit 2010 erarbeitete der Rat im Auftrag des Ministerrats einen Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs, der jährlich mit 1. Juni an den österreichischen Nationalrat übermittelt wurde und die Innovationsperformance Österreichs analysierte sowie mit derjenigen der führenden Länder in Europa verglich.<ref>Berichte zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs. Rat für Forschung und Technologieentwicklung.</ref> Von 2022 bis zu seiner Auflösung publizierte der Rat mit dem FTI-Monitor eine digitale Version des Berichts.<ref>Österreichs Leistungsfähigkeit in Forschung, Technologie und Innovation (FTI) in Zeiten tiefgreifenden Strukturwandels. Rat für Forschung und Technologieentwicklung, abgerufen am 4. April 2024.</ref> Die Nachfolgeorganisation FWIT-Rat übernahm das Monitoring und führt es seither weiter.<ref>Martin Wagner: Herbstupdate des FTI-Monitors: Signifikante Veränderungen in Umwelt & Klima, Kreislaufwirtschaft. In: FORWIT. 30. Oktober 2023, abgerufen am 4. April 2024.</ref>
Publikationen (Auswahl)
- als Herausgeber: Digitaler Wandel und Ethik, Ecowin, Wals bei Salzburg 2020, ISBN 978-3-7110-0271-6.
Siehe auch
Weblinks
- Homepage des Rates für Forschung und Technologieentwicklung
- Bundesgesetz zur Förderung der Forschung und Technologieentwicklung (Forschungs- und Technologieförderungsgesetz - FTFG) StF: BGBl. Nr. 434/1982
- Evaluation der Forschungsstrategie 2020, ORF, 14. Mai 2009
- Diskussionsplattform zur Partizipation an der „Forschungsstrategie 2020“
- Rechnungshof-Bericht über die Tätigkeiten des FTE-Rats, 20. Dezember 2007
- Knut Consemüller: „Wir sind ein Entwicklungsland“, Die Presse, 26. August 2007
- Forschungsrat empfiehlt Verteilung von fast 325 Mio. Euro, Presseaussendung vom 17. November 2004
- Nationalstiftung beschließt EUR 127 Mio. für 2005, APA-Aussendung vom 13. Dezember 2004
- Website des Forschungs-, Wissenschafts-, Innovations- und Technologieentwicklungsrats
- FTI-Monitor des FWIT-Rats
Einzelnachweise
<references />