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Rarita-Schwinger-Gleichung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

In der theoretischen Physik ist die Rarita-Schwinger Gleichung (nach William Rarita und Julian Schwinger, die sie 1941 formulierten) eine relativistische Feldgleichung für Spin-3/2-Fermionen. Sie wird gewöhnlich dazu benutzt, zusammengesetzte Teilchen wie das Delta-Baryon zu beschreiben und zu untersuchen, manchmal wird sie auch für hypothetische Teilchenfelder wie das Gravitino verwendet. Bisher konnte allerdings noch kein stabiles Elementarteilchen mit Spin 3/2 experimentell nachgewiesen werden.

Die Rarita-Schwinger-Gleichung ist ähnlich aufgebaut wie die Dirac-Gleichung für Spin-1/2-Fermionen und kann aus dieser hergeleitet werden. In einer modernen Notation wird sie wie folgt angeschrieben:<ref>S. Weinberg, "The quantum theory of fields", Band 3, Cambridge S. 335</ref>

<math> \left ( \epsilon^{\mu \kappa \rho \nu} \gamma_5 \gamma_\kappa \partial_\rho + m \sigma^{\mu \nu} \right)\psi_\nu = 0</math>

mit

  • <math> \epsilon^{\mu \kappa \rho \nu}</math> das Levi-Civita-Symbol
  • <math>\gamma_5</math> und <math>\gamma_\nu</math> Dirac-Matrizen
  • <math>m</math> die Masse des Fermions
  • <math>\sigma^{\mu \nu} \equiv i/2\left [ \gamma^\mu , \gamma^\nu \right ]</math>
  • <math>\psi_\nu</math> eine Wellenfunktion mit dem Lorentzindex <math>\nu</math>. Die Wellenfunktion transformiert bezüglich dieses Index wie ein gewöhnlicher Vierervektor. Jede der vier einzelnen Komponenten der Wellenfunktion transformiert zusätzlich aber auch wie ein Dirac-Spinor. Die Darstellung entspricht damit der <math>\left(\tfrac{1}{2},\tfrac{1}{2}\right)\otimes \left(\left(\tfrac{1}{2},0\right)\oplus \left(0,\tfrac{1}{2}\right)\right)</math>, bzw. <math>\left(1,\tfrac{1}{2}\right) \oplus \left(\tfrac{1}{2},1 \right)</math> Darstellung der Lorentz-Gruppe<ref>S. Weinberg, "The quantum theory of fields", Band 1, Cambridge S. 232</ref>.

Die Rarita-Schwinger Gleichung kann aus folgender Lagrange-Dichte hergeleitet werden:<ref>S. Weinberg, "The quantum theory of fields", Band 3, Cambridge S. 335</ref>

<math>\mathcal{L} = -\tfrac{i}{2} \; \bar{\psi}_\mu \left( \epsilon^{\mu \kappa \rho \nu} \gamma_5 \gamma_\kappa \partial_\rho + m \sigma^{\mu \nu} \right) \psi_\nu</math>

Dabei bezeichnet <math>\bar{\psi}_\mu = \psi^\dagger_\mu \gamma^0</math> den adjungierten Spinor zu <math>\psi_\mu</math>.

Die Rarita-Schwinger-Gleichung hat für Teilchen mit Masse 0 eine Eichsymmetrie bezüglich der Eichtransformation <math>\psi_\mu \rightarrow \psi_\mu + \partial_\mu \epsilon</math>. Dabei ist <math>\mathcal{\epsilon}</math> ein frei wählbares, fermionisches Majorana-Feld, das zu einer geeichten Supersymmetrietransformation gehört.

Von der Rarita-Schwinger-Gleichung existieren auch Weyl- und Majorana-Darstellungen, die sich bezüglich der physikalischen Ergebnisse nicht von der Originalgleichung unterscheiden.

Literatur

  • W. Rarita and J. Schwinger, On a Theory of Particles with Half-Integral Spin. Phys. Rev. 60, 61 (1941).
  • Collins P.D.B., Martin A.D., Squires E.J., Particle physics and cosmology (1989) Wiley, Section 1.6.
  • G. Velo, D. Zwanziger, Propagation and Quantization of Rarita-Schwinger Waves in an External Electromagnetic Potential, Phys. Rev. 186, 1337 (1969).
  • G. Velo, D. Zwanziger, Noncausality and Other Defects of Interaction Lagrangians for Particles with Spin One and Higher, Phys. Rev. 188, 2218 (1969).
  • M. Kobayashi, A. Shamaly, Minimal Electromagnetic coupling for massive spin-two fields, Phys. Rev. D 17,8, 2179 (1978).

Bücher

  • Walter Greiner: Theoretische Physik. Band 6: Relativistische Quantenmechanik. Wellengleichungen. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutsch, Thun u. a. 1987, ISBN 3-8171-1022-7.

Einzelnachweise

<references/>