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Psoriasisarthritis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Psoriasis-Arthropathie)
Klassifikation nach ICD-10
M07* Arthritis psoriatica und Arthritiden bei gastrointestinalen Grundkrankheiten
M07.0* Distale interphalangeale Arthritis psoriatica
M07.1* Arthritis mutilans
M07.2* Spondylitis psoriatica
M07.3* Sonstige psoriatische Arthritiden
M09.0* Juvenile Arthritis bei Psoriasis
L40.5+ Psoriasis-Arthropathie
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11 Die Psoriasisarthritis – früher Psoriasisarthropathie ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) bzw. Arthropathia psoriatica, auch Psoriasis arthropathica) –, kurz PsA, ist eine immunvermittelte, entzündlich-rheumatische Erkrankung aus der Gruppe der seronegativen Spondyloarthritiden, die bei einigen Patienten mit der Hautkrankheit Schuppenflechte (Psoriasis) auftritt. Hierbei sind neben Haut und Nägeln auch die peripheren Gelenke, Sehnenansätze (Enthesen) oder Finger und Zehen entzündet. Sind auch die Wirbelsäule und/oder die Sakroiliakalgelenke betroffen, wird dies als axiale Psoriasisarthritis (axPsA) bzw. Psoriasisspondarthritis bezeichnet.

Epidemiologie

Die Prävalenz der Psoriasisarthritis ist trotz zahlreicher Studien bis zum heutigen Tage unbekannt. Das liegt vor allem daran, dass ein einheitlicher Bewertungsmaßstab für die sichere Diagnose der Psoriasisarthritis fehlt, außerdem hängen die Ergebnisse stark von Falldefinition, Datengrundlage und Region ab.

Eine systematische Übersichtsarbeit betont eine starke Heterogenität der Prävalenz- und Inzidenzraten. So kann die Prävalenz von 20 bis 670 Fälle pro 100.000 Einwohner reichen (entspricht 0,02–0,67 %); gepoolt liegt diese die Prävalenz bei 133 pro 100.000 Einwohner, die Inzidenz 83 pro 100.000 Personenjahre.<ref></ref> Für die USA wird die Prävalenz von etwa 60–250 pro 100.000 Einwohnern (0,06–0,25 %) angegeben.<ref name=":2" /> Eine Auswertung deutscher Krankenkassendaten ergibt abhängig nach Falldefinition eine Prävalenz von 0,31–0,38 %.<ref></ref>

Beide Geschlechter sind in gleichem Maße betroffen.<ref name=":2" /> Bei Menschen mit asiatischer oder afrikanischer Abstammung gilt eine PsA als selten.<ref name=":2" /> In 60 % der Fälle gehen die Hauterscheinungen den Gelenkproblemen voran.<ref name="PMID22690382">M. Catanoso, N. Pipitone u. a.: Epidemiology of psoriatic arthritis. In: Reumatismo, 5. Juni 2012, Band 64, Nr. 2, S. 66. PMID 22690382.</ref><ref name="PMID21339224">D. McGonagle, Z. Ash, L. Dickie, M. McDermott, S. Z. Aydin: The early phase of psoriatic arthritis. In: Annals of the rheumatic diseases, März 2011, Band 70, Suppl 1, S. i71–i76; doi:10.1136/ard.2010.144097. PMID 21339224 (Review).</ref>

Die detaillierten Ursachen der Psoriasisarthritis sind unbekannt, jedoch gehört sie zu den Autoimmunerkrankungen. Aus noch ungeklärten Gründen kommt es zu einer Aktivierung des Immunsystems gegen körpereigene Strukturen, und es werden Entzündungsprozesse an den Gelenken in Gang gesetzt. Etwa 30 % der Patienten mit Schuppenflechte entwickeln eine Psoriasisarthritis.<ref name=":2"></ref> Ein Einfluss genetischer Faktoren gilt als wahrscheinlich, aber auch Umweltfaktoren wie zum Beispiel bakterielle Infekte oder Medikamente könnten ebenfalls eine Rolle spielen.

Betroffene Personen sind häufig durch die Erkrankung behindert. Am Beginn der Erkrankung, vor allem bei geringer Hautbeteiligung, kann man die Psoriasisartrithis zu den unsichtbaren Behinderungen zählen. Mit fortschreitender Erkrankung ist auch eine Schwerbehinderung (GdB über 50) durchaus möglich.<ref>Psoriasis-Arthritis. Deutscher Psoriasis Bund e. V., abgerufen am 26. August 2025.</ref>

Symptome der Erkrankung

Hauptsymptome sind:

Gelenkschmerzen, Steifigkeit mit teilweiser Bewegungseinschränkung, Verfärbung oder Rötung in der Nähe der betroffenen Gelenke.

Es können zwar alle Gelenke betroffen sein, typischerweise sind es aber die End- und Mittelgelenke an Händen und Füßen und große Gelenke wie Knie und Becken-Wirbelsäule (Iliosakralgelenke). Oft wird die Erkrankung an den Gelenken nur eines Fingers oder einer Zehe festgestellt („Befall im Strahl“). Auch ist die Gelenkbeteiligung in Abgrenzung zur rheumatoiden Arthritis oft asymmetrisch, es sind also auf der rechten und linken Körperhälfte unterschiedliche Gelenkregionen befallen.

Zusätzlich können auch die den Gelenken benachbarten Weichteile durch Schmerzen und/oder Druckempfindlichkeit befallen sein, beispielsweise die Sehnen und Sehnenansätze, Muskel und Muskelansätze, Schleimbeutel oder Bänder (z. B. Achillessehne, Plantarsehne oder inneres Seitenband am Knie).

Schwellungen an einzelnen Fingern und Zehen (Daktylitis oder „Wurstfinger“ bzw. „Wurstzehen“) sind ebenso typisch.

Die meisten betroffenen Patienten haben zudem Psoriasis-Hautausschlag – silbrig-graue, schuppige Hautstellen (insbesondere auf der Kopfhaut, an Ellbogen, Knien und im unteren Rückenbereich) und in bis zu 80 % der Fälle Nagel-Psoriasis-Symptome wie Verfärbungen oder stecknadelgroße Vertiefungen an Finger- und/oder Zehennägeln.

Betroffene leiden aufgrund der beständigen Schmerzen häufig an Fatigue.<ref>Psoriatic Arthritis. In: Health Library. Cleveland Clinic, August 2025, abgerufen am 27. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Als Nebenerkrankung gilt eine erhöhte Prävalenz für das Metabolische Syndrom, welches sich aus Diabetes mellitus, Hypertonie und Adipositas zusammensetzt. Nicht alle genannten Nebenerkrankungen müssen zwingend gleichzeitig auftreten.<ref name="Ziupa">Eva-Maria Ziupa: Prävalenz der Psoriasis-Arthritis bei dermatologischen Patienten mit einer Psoriasis. Hrsg.: Medizinische Fakultät der Eberhard Karls Universität zu Tübingen. 2016.</ref>

Labor

Bei der Psoriasisarthritis handelt es sich um eine Ausschluss-Diagnose, also die Annahme der Erkrankung, wenn andere entzündliche Gelenkerkrankungen nicht (überzeugend) in Betracht kommen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Hautveränderungen im Sinne einer Schuppenflechte nicht vorliegen, aber beispielsweise aus der Familienanamnese eine Psoriasis bekannt ist.<ref>Psoriatic arthritis. In: qxmd.com. Abgerufen am 27. August 2025.</ref>

CASPAR-Kriterien zur Klassifikation der Psoriasisarthritis<ref name=":0" />
Befunde Punkte
Nachweis einer Psoriasis
  • Bestehende Psoriasis oder
2
  • Anamnestisch bekannte Psoriasis oder
1
  • Positive Familienanamnese
1
Psoriatische Nagelbeteiligung

(Tüpfelung, Onycholyse, Hyperkeratose)

1
Rheumafaktor negativ 1
Daktylitis
  • Bestehende Daktylitis (Finger oder Zehe) oder
1
  • Anamnestisch bekannte Daktylitis
1
Radiologische Zeichen einer gelenknahen Knochenbildung 1

Die sog. CASPAR-Kriterien (classification criteria for psoriatic arthritis) aus dem Jahr 2006<ref></ref> sind bis heute maßgeblich für eine relativ sichere Diagnose der Erkrankung.<ref>What Are the CASPAR Criteria for Psoriatic Arthritis? In: webmd.com. Abgerufen am 27. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sie nützen insbesondere zur Unterscheidung zwischen entzündlichen und degenerativen Gelenkerkrankungen.<ref name=":0">Valentin Schäfer: Diagnostik per Power-Ultraschall: Psoriasis-Arthritis – exakte Diagnose, gezielte Therapie. In: Deutsches Ärzteblatt. 17. März 2022, abgerufen am 6. März 2026.</ref> Hierbei muss eine inflammatorische Gelenk-, Wirbelsäulen- oder Enthesenerkrankung nachgewiesen sein. Zur Bewertung werden anschließend für verschiedene Befunde Punkte vergeben (vgl. Tabelle). Falls der Summenscore mindestens 3 Punkte erreicht, liegt mit einer sehr hohen Spezifität eine PsA vor. Die CASPAR-Kriterien weisen jedoch eine begrenzte Sensitivität auf, sodass die endgültige Diagnosestellung maßgeblich von der klinischen Erfahrung des behandelnden Arztes abhängt – idealerweise eines auf Rheumatologie spezialisierten Facharztes.<ref name=":0" />

Die Erkrankung ist meist „seronegativ“, das heißt in der Regel fehlen Rheumafaktoren, die z. B. bei der rheumatoiden Arthritis nachweisbar sind.

Dagegen sind ACPA (Antikörper gegen citrullinierte Proteine) in bis zu 12 % der Fälle positiv. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass HLA-B27 positiv ist (bis 50 % der Fälle).

Behandlung

Fortgeschrittene Therapien zur Behandlung von PsA in der EU<ref></ref><ref name=":1"></ref>
Klasse Substanz Zulassung
TNFi Adalimumab 2005<ref>Humira-H-C-481-II-43 : EPAR - Scientific Discussion - Variation. (PDF) In: EMA. 13. Dezember 2007, abgerufen am 6. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Certolizumab pegol 2013
Etanercept 2004
Infliximab 2004
Golimumab 2009
JAKi Upadacitinib 2021
Tofacitinib 2018
IL-Inhibitoren Bimekizumab 2023
Guselkumab 2021
Ixekizumab 2018
Risankizumab 2022
Secukinumab 2015
Ustekinumab 2013
PDE-4-Hemmer Apremilast 2015
T‑Zell‑Modulator Abatacept 2017

Die Therapie soll eine Remission erreichen oder alternativ auf eine geringere Krankheitslast und damit eine verbesserte Lebensqualität abzielen.<ref name=":1" /> Allerdings erreicht keine der Therapien eine Heilung, nach Absetzen der Therapie kommen alle vorher vorhandenen Symptome zurück. Die Krankheit gilt auch heute noch als unheilbar.<ref>Psoriasis-Arthritis. Deutsche Rheuma-Liga, 2025, abgerufen am 8. Dezember 2025.</ref>

Die Behandlung erfolgt häufig nach einem Stufenplan. Zuerst kommen sog. nichtsteroidales Antirheumatika (NSAR) zum Einsatz, die rein symptomatisch wirken. Ergänzt wird die Therapie mit Basismedikamenten (DMARDs), die sowohl die Symptome adressieren als auch ein Fortschreiten der Krankheit verhindern sollen. Als sogenannte konventionell-synthetische DMARDs (csDMARDs) werden Sulfasalazin und Immunsuppressiva eingesetzt (z. B. Methotrexat, Leflunomid, Cyclosporin A).

Bei Therapieresistenz werden in Kombination mit csDMARDs oder als Monotherapie Biologika wie TNF-alpha-Hemmer (z. B. Infliximab, Adalimumab oder Etanercept), der PDE-4-Hemmer Apremilast oder der T-Zell-Modulator Abatacept eingesetzt, wobei für letzterer die Wirksamkeit vergleichsweise geringer eingeschätzt wird und die EULAR‑Leitlinie dessen Einsatz erst nach Versagen anderer fortgeschrittener Therapien empfiehlt.<ref name=":1" /> Darüber hinaus stehen verschiedene Interleukin-Inhibitoren zur Verfügung: Secukinumab oder Ixekizumab richten sich gegen IL-17A, Ustekinumab bzw. Guselkumab und Risanikzumab richten sich gegen IL-12/23 bzw. IL-23 und Bimekizumab richtet sich gegen IL-17A/F. Schließlich sind die JAK-Inhibitoren (tsDMARDs) Tofacitinib oder Upadacitinib für die Behandlung von PsA zugelassen.

Gemäß EULAR-Leitlinie soll die Therapie von Anfang an auf klar definierte, zeitgebundene Ziele ausgerichtet sein (treat-to-target), wobei die Krankheitsaktivität regelmäßig überprüft und die Therapie entsprechend angepasst wird. Für PsA bedeutet dies, dass innerhalb der ersten 3 Monate die Krankheitsaktivität um mindestens 50 % reduziert werden soll. Nach 6 Monaten soll die Remission als Krankheitsziel – alternativ eine verringerte Krankheitslast – erreicht werden.<ref name=":1" /> Falls dieses Ziel nicht erreicht wird, soll gemäß EULAR-Richtlinie die Therapie mit dem verwendeten csDMARD nicht mehr fortgeführt werden, stattdessen auf ein anderes DMARD, speziell bDMARD, rasch gewechselt werden.

Literatur

Weblinks

Commons: Psoriasisarthritis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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