Ansatzrichtung der Schneidezähne
Nach der Ansatzrichtung der Schneidezähne werden bei Säugetieren, insbesondere bei Nagetieren, Schneidezähne im Zwischenkiefer unterschieden, die einen rechten Winkel (Orthodontie), einen stumpfen Winkel (Proodontie) oder einen spitzen Winkel (Opisthodontie und Hyperopisthodontie) mit der Schädelachse bilden.<ref name="NK1978:37"/> Die Zuordnung wird bestimmt durch die Lage der Schneidekante relativ zur Vertikalebene des Zahns, die durch den Vorderrand des Zahnfachs verläuft und senkrecht zur Basalebene des Zahns steht.<ref name="S1995:17"/> Die Differenz zwischen der Condylobasallänge und der Condyloincisivlänge kann als Maß für den Grad der Proodontie oder der Opisthodontie dienen.<ref name="NK1978:47"/>
Orthodontie
Orthodonte Schneidezähne (von altgriechisch ὀρθός orthós ‚aufrecht, gerade‘ und ὀδόντος odóntos ‚Zähne‘) bilden mit der Schädelachse einen rechten Winkel.<ref name="NK1978:37"/> Ihre Schneidekante liegt in der Vertikalebene des Zahns.<ref name="S1995:17"/> Condylobasallänge und Condyloincisivlänge stimmen ungefähr miteinander überein.<ref name="NK1978:47"/> Orthodonte Schneidezähne finden sich beispielsweise bei Waldmäusen.<ref name="NK1978:37"/>
Proodontie
Proodonte oder proklivische Schneidezähne (von altgriechisch πρό pró ‚vorn, vorwärts‘ und ὀδόντος odóntos ‚Zähne‘ oder lateinisch proclivis ‚abschüssig‘) bilden mit der Schädelachse einen stumpfen Winkel.<ref name="NK1978:37"/> Ihre Schneidekante liegt vor der Vertikalebene des Zahns.<ref name="S1995:17"/> Die Condylobasallänge ist kleiner als die Condyloincisivlänge.<ref name="NK1978:47"/> Proodonte Schneidezähne finden sich vor allem bei wühlenden Nagetieren, die das Erdreich mit den Schneidezähnen lockern, beispielsweise bei terrestrischen Formen der Ostschermaus.<ref name="NK1978:37"/>
Opisthodontie
Opisthodonte Schneidezähne (von altgriechisch ὄπισθεν opisthen ‚hinten, von hinten‘ und ὀδόντος odóntos ‚Zähne‘) bilden mit der Schädelachse einen spitzen Winkel.<ref name="NK1978:37"/> Ihre Schneidekante liegt hinter der Vertikalebene des Zahns.<ref name="S1995:17"/> Die Condylobasallänge ist größer als die Condyloincisivlänge.<ref name="NK1978:47"/> Opisthodonte Schneidezähne finden sich beispielsweise bei vielen Rennmäusen.<ref name="NK1978:37"/>
Hyperopisthodontie
Hyperopisthodonte Schneidezähne (von altgriechisch ὑπέρ hypér ‚über‘, ὄπισθεν opisthen ‚hinten, von hinten‘ und ὀδόντος odóntos ‚Zähne‘) bilden mit der Schädelachse einen spitzen Winkel. Im Gegensatz zu opisthodonten Schneidezähnen liegt ihre Schneidekante jedoch auch hinter der durch den Hinterrand des Zahnfachs verlaufenden Vertikalebene des Zahns.<ref name="S1995:17"/> Hyperopisthodonte Schneidezähne finden sich bei einigen Sigmodontinae.<ref name="S1995:19"/>
Literatur
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Anmerkungen
<references> <ref name="NK1978:37">Niethammer und Krapp, 1978 (S. 37)</ref> <ref name="NK1978:47">Niethammer und Krapp, 1978 (S. 47)</ref> <ref name="S1995:17">Steppan, 1995 (S. 17)</ref> <ref name="S1995:19">Steppan, 1995 (S. 19)</ref> </references>