Post-Suburbanisierung
Post-Suburbanisierung oder Postsuburbanisierung ist ein der Suburbanisierung zeitlich folgender Aspekt der Stadtentwicklung, der die Abwanderung zentraler Dienstleistungen von der Kernstadt in das Umland beschreibt. Das Ergebnis der Post-Suburbanisierung wird als Postsuburbia bezeichnet.
Nach der Stadt-Land-Dichotomie des Mittelalters und der frühen Neuzeit („Bürger und Bauer scheidet die Mauer“) änderte sich das Siedlungsmuster hin zum Stadt-Land-Kontinuum. Dieses war durch die zentrale Position einer Kernstadt, in denen die wichtigsten Funktionen im Stadtkern angeordnet waren, und einem suburbanen Ring aus Wohnvierteln geprägt. Die größere Bedeutung einer Agglomeration gegenüber ihrem Umland wurde als Zentralität (Zahl und Bedeutung „zentraler“ Güter und Dienstleistungen im Stadtkern) gemessen.
Im ausgehenden 20. Jahrhundert löste sich diese Struktur in Richtung eines regionalen Stadt-Land-Verbundes auf. Immer mehr zentrale Dienste (Einzelhandel in Form von Einkaufszentren, Gewerbeparks, Dienstleistungsbetrieben, (Privat-)Universitäten und andere Einrichtungen) wanderten in das Umland ab. Umlandgemeinden sind heute meist nicht mehr funktionale Ergänzungsräume der Kernstadt, sondern aktive Arbeits- und Versorgungsgemeinden mit größerer sozialer Heterogenität.
Einerseits lässt sich die Herausbildung der post-suburbanen polyzentrischen Form als Begleiterscheinung von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen wie der verstärkten Globalisierung, dem Übergang zum Postfordismus und der Ausdifferenzierung von Lebensstilen interpretieren.<ref name="Siedentop22">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Andererseits geht damit ein genereller Bedeutungswandel von (Post-)Suburbia als Investitionsziel und Austragungsort neoliberaler Governance einher, etwa als Hauptstandort für Cluster der Hochtechnologieentwicklung und -produktion wie dem Silicon Valley.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Bezugnehmend auf den Historiker Robert Fishman, der 1987 hierfür den Begriff Technoburb prägte,<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref> In demselben Jahr hatte auch Detlev Ipsen bereits die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass „[d]er Ausbau der Kommunikations- und Informationstechnologie [...] zu einem polyzentrischen Netz führen [kann], das sich der für den Fordismus typischen und notwendigen Agglomeration entgegenstellt“: {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> interpretiert Roger Keil diesen Bedeutungswandel von Suburbia in erster Linie nicht als Erfolg einer bestimmten Siedlungsform, sondern als die Folge einer Vermischung aller Stadtformen zu einem post-suburban complex.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Auch andere aus Nordamerika stammende Konzepte postmoderner Stadtentwicklung wie die der Edge City und der Exopolis (Edward Soja) zielen darauf ab, Formen der funktionalen Weiterentwicklung des städtischen Umlands und der Herausbildung einer „suburbanen Urbanität“ zu erfassen.<ref name="Siedentop22" /><ref name="Adam19">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Im deutschen Kontext findet vor allem der Ansatz der Zwischenstadt Beachtung, welcher aber stärker vom städtebaulichen Fachdiskurs geprägt<ref name="Adam19" /> und, auch im europäischen Vergleich, durch seine konzeptionelle Fokussierung auf die verstädterte Kulturlandschaft als Identität stiftendes Bindeelement vielfältiger Siedlungs- und Bebauungsformen gekennzeichnet ist.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Literatur
- Jürgen Aring: Suburbia - Postsuburbia - Zwischenstadt: die jüngere Wohnsiedlungsentwicklung im Umland der großen Städte Westdeutschlands und Folgerungen für die regionale Planung und Steuerung. Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Hannover 1999.
- Axel Borsdorf und Pierre Zembri (Hg.): European Cities: Insights on Outskirts - Structures. Paris 2004.
Anmerkungen und Einzelnachweise
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