Pfarrkirche Freiland bei Deutschlandsberg
Die römisch-katholische Pfarrkirche Freiland bei Deutschlandsberg steht im Ort Freiland bei Deutschlandsberg in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg in der Weststeiermark. Die ursprünglich dem heiligen Leonhard von Limoges geweihte Kirche wurde im 16. Jahrhundert dem heiligen Jakobus dem Älteren geweiht und gehörte bis Ende August 2018 zum dann aufgelösten Dekanat Deutschlandsberg in der Diözese Graz-Seckau, seit Auflassung dieses Dekanates liegt sie im Seelsorgeraum Südweststeiermark.<ref>Gerhard Fischer: Die katholische Kirche in der Steiermark geht neue Wege. Zusammenlegung der Dekanate Deutschlandsberg und Leibnitz zur Region Süd-West-Steiermark. Wochenzeitung Weststeirische Rundschau vom 31. August 2018. 91. Jahrgang Nr. 35, S. 2.</ref> Die Kirche steht unter Denkmalschutz.
Pfarrgeschichte
Die erste Kirchweihe, noch unter dem Patrozinium des Hl. Leonhard, aber schon als Pfarre, ist 1188 erwähnt. Die Gründung wird auf den Salzburger Erzbischof Adalbert zurückgeführt.<ref name=pirch>Hans Pirchegger: Geschichte der Steiermark. Erster Band, bis 1283. In der Reihe: Deutsche Landesgeschichten, hrsg. von Armin Tille (dort: Zwölftes Werk). Verlag Friedrich Andreas Perthes AG, Gotha 1920. S. 307.</ref> Das Bistum Lavant, zu dem die Pfarre später gehörte, gab es damals noch nicht.
Bereits im Jahr 1203 wird die Pfarre in das Stift Admont inkorporiert.<ref name=pirch/> Bis 1244 gehört die Pfarre dem Erzbistum Salzburg an. Zwischen 1244 und 1786 gehört die Pfarre zur Diözese Lavant. 1786 wird die Pfarre der Diözese Graz-Seckau eingegliedert.
Aus dem 16. Jahrhundert ist eine Pfarrordnung dokumentiert. Darin werden als Grundherrschaften neben dem Stift Admont die Namen Pewerl und Ungnaden genannt, deren Holden neben den Leistungen an die Grundherrschaften auch an die Pfarrer von St. Jakob verschiedene Abgaben leisteten, z. B. zu Ostern ein Lamm, zum St. Jakobs-Tag (25. Juli) einen Käse, aber auch Geld. Ebenso werden Zahlungen aus kirchlichen Anlässen (Messstipendium, Taufe, Sterbesakramentspendung) definiert, z. B. für ein gesungenes Hochamt 24 Denarii, beim Tod eines angesehenen Bauern oder einer Bäurin für das Seelgerät ein Frischling oder drei Solidi, für jemand, der nicht angesessen ist, 14 Denarii, für ein Kind 7 Denarii. Die Taufe eines (offenbar ehelichen) Kindes ist nicht mit einem Geldbetrag verbunden, „… so aber das kind ain panckhart ist, so gibt man dem pharrer xxiiii den. …“ Für den Winter waren für St. Jakob acht Pfund Unschlitt und ein Pfund Wachs vorgesehen, für den Priester von St. Oswald sieben Pfund Unschlitt.<ref>Karl Amon: Pfarrordnungen des 15. und 16. Jahrhunderts aus dem Gebiete der heutigen Steiermark. Abschnitt 12., St. Jakob im Freiland. In: Jahresbericht des Gymnasiums am bischöflichen Knabenseminar Carolinum-Augustineum in Graz. Am Schlusse des Schuljahres 1958/59. Graz 1959, Selbstverlag des Bischöflichen Knabenseminars. ZDB-ID 2326156-0, S. 38–40.</ref>
Ab 1805 bis 2018 gehörte die Pfarre zum Dekanat Deutschlandsberg. Während die Pfarre zur Vogtei des Benediktinerstifts Admont gehörte, fungierte die Propstei St. Martin bei Graz als Verwalter. 1893 wurde um die bis dahin als Filialkirche (Localie) von St. Jakob aus mitbetreute Kirche St. Oswald in Freiland eine eigenständige Pfarre errichtet.
Die Pfarre wurde 1981 vom Benediktinerstift Admont der Diözese Graz-Seckau übergeben. Kirchenrechtlich waren die leitenden Priester der Pfarre (ebenso wie jene in der Nachbarpfarre St. Oswald bis 1981) teilweise Pfarrvikare, also Stellvertreter eines Pfarrers, weil die Pfarre dem Stift Admont inkorporiert war und damit das Stift selbst als „Pfarrer“ galt. Rechtlich hatten diese Priester alle Rechte und Pflichten eines wirklichen Pfarrers.<ref>Heribert Heinemann: § 34. Der Pfarrer. In: Joseph Listl, Hubert Müller, Heribert Schmitz: Grundriß des nachkonziliaren Kirchenrechts. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1980, ISBN 3-7917-0609-8, S. 320: Pfarrvikar mit notwendigen Pfarrrechten, ständiger Stellvertreter.</ref> Grundlage dafür war zuletzt Canon 471 des Codex Iuris Canonici‑CIC aus 1917. Der formale Unterschied wirkte sich in der Praxis nicht auf Ansehen und Funktionen der Priester aus, muss aber berücksichtigt werden, wenn ein Priester aus Freiland in Urkunden als Vikar bezeichnet wird. Es handelt sich nicht um Stellvertreter, sondern um den tatsächlichen Inhaber der Pfarrerfunktion. Ab den 1980er Jahren bildete die Pfarre gemeinsam mit der Stadtpfarrkirche Deutschlandsberg, der Pfarre St. Oswald ob Freiland und Pfarrkirche Maria Osterwitz den Pfarrverband Deutschlandsberg. Dieser Pfarrverband endete mit 1. September 2020 mit der Aufnahme der Tätigkeit des Seelsorgeraumes, wobei eine informelle Zusammenarbeit einzelner Pfarren im Seelsorgeraum weiterhin möglich blieb. Im Seelsorgeraum wurden die Pfarren Bad Gams, Deutschlandsberg, Frauental an der Laßnitz, Glashütten, Maria Osterwitz, St. Jakob in Freiland, St. Josef/Weststeiermark, St. Oswald in Freiland, St. Stefan ob Stainz, Stainz und Trahütten zusammengeschlossen.<ref name=schilcherla>Kirchliches Verordnungsblatt für die Diözese Graz-Seckau, Jahrgang 2020, Nr. 10, September 2020, Nr. 19, S. 1–3: Seelsorgeräume in der Diözese Graz-Seckau – Errichtungsdekret. (abgerufen am 29. Oktober 2023)</ref>
Geschichte der Kirche
1532 kommt es im Zuge der Türkeneinfälle zur weitgehenden Zerstörung der Kirche. In den beiden darauffolgenden Jahren erfolgt der Wiederaufbau. Am 24. Oktober 1534 weihte Philipp Renner als Koadjutor des Lavanter Bischofs Leonhard Peurl den neuen Friedhof und die Pfarrkirche, deren Patrone der Hl. Jakobus und der Hl. Leonhard waren. Weiters wurden drei Altäre geweiht:<ref>Oskar Veselsky: Die Konsekrationsberichte aus den Ordinations- und Konsekrationsprotokollen der Bischöfe von Lavant im 16. Jahrhundert. In: Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark - HLK, XI. Band. Graz 1997, Selbstverlag der HLK, keine ISBN, S. 18, 24, 80–81.</ref>
- Der Hochaltar wurde den beiden Patronen der Kirche geweiht, wobei als Reliquien des Altares im Konsekrationsprotokoll neben jenen der Kirchenpatrone solche des Hl. Kreuzes, der Wiege und des Tisches des Herrn ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) sowie des Johannes (Evangelist) und unbekannter Heiliger angegeben sind.
- Der (vom Eingang gesehen) linke Altar wurde der unbefleckten Jungfrau Maria geweiht. Als seine Reliquien sind Kleidung (vestimentum) der Hl. Maria und Reliquien des Hl. Alexander, des Hl. Eventius (Märtyrer im Gefolge des Hl. Alexander), des Hl. Theodor (eines früheren Patrons von Venedig), der Hl. Ursula mit deren Begleiterinnen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), der Hl. Kunigunde und der (unbekannten) Jungfrau Vermeta.
- Der rechte Altar wurde allen Aposteln geweiht. Seine Reliquien sind jene der Apostel Petrus und Matthias, weiters des Hl. Blasius, des Hl. Pankratius und anderer Heiliger.
Eine Glockenweihe für die Pfarrkirche (als S.Jacobi in Saboth bezeichnet) ist am 17. Oktober 1637 in Groß St. Florian dokumentiert.<ref>Oskar Veselsky: Lavanter Ordinations- und Konsekrationsberichte von 1586 bis 1679. In: Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark - HLK, 22. Band. Selbstverlag der HLK, Graz 2008, ISBN 978-3-901251-21-4, S. 302.</ref>
1657 erfolgt die Anschaffung des Marienaltars.
Nach der Zerstörung der Kirche durch einen verheerenden Brand im Jahr 1733 erfolgt im Jahr darauf eine neuerliche Wiederherstellung der Kirche unter Baumeister Josef Carlone. Eine weitere Weihe der Kirche erfolgte am 28. Oktober 1735.
Nach 1757 kommt es zur Anschaffung einer Orgel, die heute noch verwendet wird und die als schutzwürdiges Kulturgut deklariert ist.<ref>Kulturgüterschutzkarte 1:50.000. Blatt 198 Deutschlandsberg. Laut Haager Konvention vom 14. Mai 1954, BGBl. Nr. 58/1964, bearbeitet vom Dokumentationszentrum und Konventionsbüro des Bundesdenkmalamtes, Wien 1977.</ref> Die Orgel wurde in der Barockzeit vermutlich als Positiv von Kaspar Mitterreither gebaut und später um ein Pedal erweitert. Die Orgel war früher in der Pfarrkirche Bad Gams aufgestellt, wann sie nach Freiland kam, ist unbekannt. Eine Restaurierung erfolgte 1960 durch Orgelbaumeister Krenn aus Graz, eine weitere 2014 durch die Orgelbaufirma Walter Vonbank in Murau. Die restaurierte Orgel wurde am 18. Jänner 2015 durch Bischof Egon Kapellari eingeweiht.<ref>Wochenzeitung Weststeirische Rundschau vom 23. Jänner 2015. 88. Jahrgang 2015 Nr. 4, S. 1.</ref>
Nach einem Blitzschlag 1962 wurde die Kirche neuerlich renoviert.
Ausstattung
Der Hochaltar zeigt eine Darstellung des heiligen Jakobus, darüber die Trinität thronend. Die Evangelienseite des Altares bildet die Statue des hl. Florian. Auf der rechten Seite des Altares ist eine Statue des hl. Rochus.
Im Seitenaltar auf der rechten Seite der Kirche befindet sich eine Statue des hl. Leonhard. Der Seitenaltar auf der Evangelienseite zeigt ein Bildnis der unbefleckten Empfängnis Mariens aus dem Jahr 1657.
Der Taufstein im Turm der Kirche ist der älteste erhaltene der Steiermark und wurde mit einem barocken Aufsatz versehen.
Der Ambo sowie der als runder Holztisch ausgeformte Volksaltar wurden vom Künstler Alois Krammer gestaltet. Über dem Eingang der Sakristei befindet sich ein Wappen des Stiftes Admont, das die kirchlichen Ursprünge des Gebäudes zeigt.<ref>Kurt Woisetschläger, Peter Krenn: Dehio Handbuch - Die Kunstdenkmäler Österreichs: Steiermark (ohne Graz). Topographisches Denkmälerinventar, hrsg. vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Denkmalforschung. Verlag Anton Schroll, Wien 1982, ISBN 3-7031-0532-1, S. 114.</ref>
Literatur
- Maximilian Riederer, Gunther Riedlsperger, Johann Tomaschek: Freiländer Ortschronik. Eigenverlag der Gemeinde Freiland bei Deutschlandsberg, 1988, keine ISBN.
- Bezirkstopographie: Helmut-Theobald Müller (Hrsg.), Gernot Peter Obersteiner (wissenschaftliche Gesamtleitung): Geschichte und Topographie des Bezirkes Deutschlandsberg. Steiermärkisches Landesarchiv und Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg, Graz-Deutschlandsberg 2005. In der Reihe: Große geschichtliche Landeskunde der Steiermark. Begründet von Fritz Posch†. Band 3. ISBN 3-901938-15-X. Zweiter Teilband, Bezirkslexikon. S. 96–100.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 46° 50′ 50,5″ N, 15° 8′ 28,5″ O
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