Otto Albert Bernhard Weiß
Otto Albert Bernhard Weiß (* 25. September 1907 in Breslau; † 19. August 1955 in Kiel) war ein deutscher Offizier der Schutzpolizei sowie der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Bei Kriegsende war Weiß, der als Begründer der Panzerjagd aus der Luft gilt, Oberst.<ref name="Thomas/Wegmann 427">Thomas/Wegmann S. 424.</ref>
Leben
Weiß trat am 15. April 1926 der Polizei bei.<ref name="Obermaier 54">Obermaier S. 54.</ref> 1931 wurde er Polizeileutnant.<ref name="Obermaier 54"/> Am 1. Oktober 1934 wechselte Weiß als Oberleutnant zur im Aufbau begriffenen Luftwaffe.<ref name="Obermaier 54"/> Von Oktober 1934 bis Oktober 1936 fungierte er dort als Technischer Offizier (T.O.) in einer Nah-Aufklärungsstaffel.<ref name="Obermaier 54"/> Anschließend fungierte er bis Juli 1938 als Hauptmann im Stab des Jagdgeschwaders 134 „Horst Wessel“.<ref name="Obermaier 54"/> Von Juli bis September 1938 erfolgte seine Verwendung in der Fliegertruppe 40.<ref name="Obermaier 54"/> Im Oktober 1938 erfolgte der Wechsel von Weiß in das Lehrgeschwader 2.<ref name="Obermaier 54"/>
Zweiter Weltkrieg
Beim deutschen Überfall auf Polen im September 1939 flog Weiß in der II. Gruppe des Lehrgeschwaders 2 Tieffliegerangriffe mit einer Henschel Hs 123.<ref name="Obermaier 54"/> Am 13. und 30. September 1939 erhielt er das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.<ref name="Thomas 427">Thomas S. 427.</ref> Im Westfeldzug flog die II. Gruppe unter ihrem Gruppenkommandeur Weiß zahlreiche Einsätze<ref name="Obermaier 54"/> im Verband des Sturzkampfgeschwaders 1 im II. Fliegerkorps (Jagdführer 2).<ref name="Tessin 340">Tessin S. 340.</ref> Dabei zeichnete sich die Gruppe um Weiß bei der Vernichtung von 40 französischen Panzern im Raum Cambrai aus.<ref name="Thomas 427"/> Für die Leistungen seiner Sturzkampfgruppe erhielt Weiß am 18. Mai 1940 als Hauptmann und Kommandeur der II. Gruppe des LG 2 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.<ref name="Scherzer">Veit Scherzer: Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 775.</ref> Am gleichen Tag wurde er im Wehrmachtbericht erwähnt.<ref name="Thomas 427"/><ref name="Thomas/Wegmann 427"/> Am 1. Juli 1940 wurde Weiß zum Major befördert.<ref name="Obermaier 54"/>
Ab 21. Juni 1941 erfolgte seine erneute Verwendung als Gruppenkommandeur der II. Gruppe des Lehrgeschwaders 2 im Ostfeldzug.<ref name="Obermaier 54"/> Bei den Kämpfen um Kalinin erwarb sich Weiß den Beinamen „Der Löwe von Kalinin“.<ref name="Obermaier 54"/><ref name="Weal 35">Weal S. 35.</ref>
Um die Jahreswende 1941/1942 wurde die II. Gruppe des LG 2 umgewandelt in einen Teil des neuaufgestellten Schlachtgeschwaders 1<ref name="Tessin 329">Tessin S. 329.</ref> dessen erster Kommodore Weiß wurde.<ref name="Obermaier 54"/> Am 31. Dezember 1941 erfolgte die Verleihung des Eichenlaubs zum Ritterkreuz<ref name=Scherzer /> an Weiß durch Hitler im Führerhauptquartier. Die Verleihung wurde propagandistisch verbreitet. Es war die erste Verleihung des Eichenlaubs an einen Schlachtflieger der Luftwaffe. Bis Sommer 1942 entwickelte sich Weiß anschließend zum Begründer der Panzerjagd aus der Luft.<ref name="Obermaier 54"/> Im Juni<ref name="Lenfeld/Thomas 71">Lenfeld/Thomas S. 71.</ref> oder Juli 1942<ref name="Obermaier 54"/> stieg Weiß zum Inspizienten für Schlacht- und Zerstörerflieger auf. Eine Funktion, die er nach der Publikation von Lenfeld/Thomas bis November 1942 ausfüllte.<ref name="Lenfeld/Thomas 71"/> Obermaier nennt als Ende dieser Tätigkeit November 1943.<ref name="Obermaier 54"/>
Nach Lenfeld/Thomas war Weiß von Dezember 1942 bis Februar 1943 Kommandeur des Versuchskommandos für Panzerbekämpfung.<ref name="Lenfeld/Thomas 71"/> Hier testete Hans-Ulrich Rudel den „Kanonenvogel“ Ju 87G in der Erprobungsstelle Rechlin.<ref name="Ward 178">Ward S. 178.</ref> Ab Februar 1943 war Weiß Kommandeur des nach ihm benannten Panzerjagdkommandos Weiß.<ref name="Lenfeld/Thomas 71"/> Aufgestellt wurde dieses Kommando in Brjansk.<ref name="Ward 180">Ward S. 180.</ref> Von Juni bis Dezember 1943 fungierte er als Inspekteur der Schlachtflieger.<ref name="Lenfeld/Thomas 71"/> Hier wurde Weiß am 1. November 1943 zum Oberst befördert.<ref name="Obermaier 54"/> Anschließend war er von Dezember 1943 bis März 1944 Leiter einer Flugplatzkommission.<ref name="Obermaier 54"/><ref name="Lenfeld/Thomas 71"/> Von April 1944 bis Januar 1945 fungierte er als Fliegerführer Eismeer (ab Juni 1944 umbenannt in Fliegerführer 3).<ref name="Tessin 313">Tessin S. 313.</ref><ref name="Lenfeld/Thomas 71"/><ref name="Obermaier 54"/>
Für die letzten Kriegsmonate liegen unterschiedliche Aussagen vor. Nach Lenfeld/Thomas soll Weiß bis Mai 1945 im Stab der Luftflotte 6 unter Generaloberst Robert Ritter von Greim eingesetzt gewesen sein.<ref name="Lenfeld/Thomas 71"/> Nach Obermaier war Weiß hingegen von Januar bis Mai 1945 Fliegerführer im Raum Danzig, später im seit März 1939 besetzten Tschechien, dem sogenannten Protektorat Böhmen und Mähren.<ref name="Obermaier 54"/> Bis Kriegsende hatte Weiß über 500 Feindflüge absolviert.<ref name="Obermaier 54"/>
Otto Weiß starb am 19. August 1955 nach schwerer Krankheit.<ref name="Obermaier 54"/>
Literatur
- Ernst Obermaier: Die Ritterkreuzträger der Luftwaffe. Stuka- und Schlachtflieger 1939–1945. Dieter Hoffmann Verlag, Mainz 1976.
- Erwin Lenfeld, Franz Thomas: Die Eichenlaubträger 1940–1945. Weilburg-Verlag, Wiener Neustadt 1983, 2. Auflage, ISBN 3-900-100-07-1.
- John Ward: Hitlers Stuka Squadrons. The Ju87 at War 1936–1945. Motorbooks International, St. Paul, MN, 2004, ISBN 978-0760319918.
- John Weal: Luftwaffe Schlachtgruppen. Osprey Publishing, Oxford 2003, ISBN 978-1841766089.
- Franz Thomas unter Mitarbeit von Günter Wegmann: Die Eichenlaubträger 1940–1945. Biblio-Verlag, Osnabrück 1997, ISBN 978-3764825133.
Einzelnachweise
<references/>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Weiß, Otto Albert Bernhard |
| ALTERNATIVNAMEN | Weiß, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Offizier, zuletzt Oberst der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg |
| GEBURTSDATUM | 25. September 1907 |
| GEBURTSORT | Breslau |
| STERBEDATUM | 19. August 1955 |
| STERBEORT | Kiel |