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Nowogard

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Vorlage:Infobox Ort in Polen Nowogard [[[:Vorlage:IPA]]] (deutsch Naugard) ist eine Stadt im Powiat Goleniowski (Gollnower Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie hat 17.000 Einwohner, die Gemeinde hat 25.000 Einwohner.

Geographische Lage

Die Stadt in Hinterpommern ist von großen Wiesenniederungen und Waldgebieten umgeben und liegt am östlichen Ende des Naugarder Sees (poln. Jezioro Nowogardzkie). In der Nähe fließt der Rega-Nebenfluss Zampel (poln. Sąpólna) vorbei. Stettin liegt 60 km südwestlich entfernt, zur Ostsee sind es 55 km.

Die Stadt hat eine Fläche von 12,5 km², die Gemeinde von 338,7 km²

Geschichte

Datei:Pommern Kr Naugard.png
Naugard auf einer Landkarte von 1905.
Datei:Naugard-MTB-1880-1920.jpg
Naugard Stadtplan 1880–1920
Datei:Jezioro Nowogardzkie (1).jpg
Naugarder See (poln. Jezioro Nowogardzkie) mit der Stadt im Hintergrund
Datei:Nowogard kosciol Wniebowziecia NMP (z3).jpg
Marienkirche, bis 1945 evangelisch

Der Ort wurde 1248 anlässlich einer Schenkung des Pommernherzogs Barnim I. an das Bistum Cammin erstmals als Nogart erwähnt. Der Name ist pomoranisch-slawischen Ursprungs. Das Grafengeschlecht Eberstein erwarb 1274 die Burg und die Ortschaft Naugard als Lehen der Bischöfe von Kammin. Die Ebersteiner blieben Burgherren und Herren der Grafschaft Eberstein bis zu ihrem Aussterben 1663. Am 30. April 1309 verliehen die regierenden Grafen von Eberstein, dies waren Otto, Hermann und Albert, der Ortschaft Naugard das Stadtrecht nach Lübischem Recht.<ref>Stadtprivileg in deutscher Übersetzung in: Die Pommersche Zeitung, Nr. 6/2009, S. 5.</ref><ref name="GK">Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunde. Berlin 1865, S. 267–269; Vorlage:Archive.org.</ref> Von der fortschreitenden Entwicklung der Stadt zeugt die 1334 fertiggestellte Marienkirche. Im Jahre 1348 suchte die Pest Naugard heim.

Mit der Einführung der Reformation in Pommern wurden auch die Bürger Naugards 1534 evangelisch, und die Lehnshoheit ging an die Herzöge von Pommern-Wolgast über. Während des Dreißigjährigen Krieges wütete erneut die Pest in der Stadt, es blieben nur etwa 300 Einwohner, darunter lediglich sieben Ehepaare am Leben. 1665 belehnte der Kurfürst von Brandenburg seinen Statthalter in Pommern Ernst Bogislaw von Croy mit der Grafschaft Naugard. Während des brandenburgisch-schwedischen Krieges (1674–1679) plünderten 1675 schwedische Truppen die Stadt und die Burg. Ein Großbrand zerstörte Naugard im Jahre 1699. 1715 wurde Naugard mit nur 600 Einwohnern preußische Garnisonsstadt.

Im 19. Jahrhundert hielt die Industrialisierung Einzug, es entstanden eine Tuchmacherei, eine Lohgerberei und eine Lederfabrik. Während des Vierten Koalitionskrieges gegen Napoleon verzögerte 1807 Ferdinand von Schill durch die Verteidigung der Stadt den Vormarsch der Franzosen gegen Kolberg (siehe Belagerung Kolbergs 1807). Nach dem Wiener Kongress (1815) wurde Naugard zur Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. In die Burg Everstein kam 1820 nach einem Umbau eine Männer-Strafanstalt, die lange Zeit die einzige in Pommern war.<ref>Mitteilungen aus den amtlichen Berichten über die zum Ministerium des Innern gehörenden Königlich Preußischen Straf- und Gefängnisanstalten betreffend die Jahre 1858, 1859, resp. 1860. Berlin 1861, S. 146 ff.; Vorlage:Archive.org.</ref> In der ehemaligen Burg befindet sich auch heute noch ein Gefängnis. Nach Fertigstellung der Eisenbahnlinie Altdamm–Kolberg erhielt 1883 Naugard einen Bahnanschluss. Zu dieser Zeit lebten in Naugard etwa 4800 Menschen. 1892 ernannte Naugard Otto von Bismarck, der in jungen Jahren Gutsherr im pommerschen Kniephof und zeitweilig Kreisdeputierter in Naugard gewesen war, zum Ehrenbürger.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden eine Molkerei, eine Brennerei und eine Stärkefabrik, und eine rege Bautätigkeit setzte ein. Naugard bekam ein Kreiskrankenhaus; Postamt und Landratsamt wurden ebenso errichtet wie ein Gaswerk und ein Umspannwerk. Südlich des Bahnhofes entstand die Wohnsiedlung „Gute Hoffnung“. Um 1910 hatte Naugard zwei evangelische Kirchen, eine Synagoge, eine Höhere Knabenschule, eine Höhere Mädchenschule, drei Bankgeschäfte, eine Badeanstalt, zwei Bahnmeistereien, ein Genesungsheim der Landesversicherungsanstalt, Kram-, Vieh-, Pferde-, Leinen- und Viktualienmärkte, eine Bierbrauerei, Getreidehandel, Essig-, Kalkstein- und Möbelfabrikation, Sägewerke und Ziegeleien.<ref name="mgaz" /> 1911 bauten sich die Bürger ein neues Rathaus.

Zu den Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs zählte das eigene Notgeld, das die Stadt 1920 herausgab. In den 1920er Jahren bemühte man sich um den Fremdenverkehr; das Hotel „Fürst Bismarck“ wurde gebaut, die Badeanstalt am nahe gelegenen Dammschen See erneuert, der Reinke-Park angelegt und im Stadtzentrum die modernen Geschäftsstraßen ausgebaut.

Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Stadt Naugard eine Fläche von 28,6 km², und im Stadtgebiet standen insgesamt 534 bewohnte Wohnhäuser an 17 verschiedenen Wohnstätten:<ref name=stuebs /> Vorlage:Mehrspaltige Liste Um 1935 hatte die Stadt Naugard unter anderem das Hotel Fürst Bismarck, fünf Gasthöfe und Restaurants, ein Café, zwei Sparkassen, eine Branntweinbrennerei, eine Destillationsfabrik, eine Essigfabrik, zwei Stärkefabriken, drei Möbelfabriken, eine Zementwarenfabrik, eine Ziegelei, ein Holzsägewerk, eine Mühle, 14 Kolonialwarenhandlungen, eine Eiergroßhandlung, vier Getreidehandlungen, eine Pferdehandlung und neun Viehhandlungen.<ref>Klockhausʼ Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1075 (Google Books).</ref> 1939 hatte Naugard 8202 Einwohner.

Im Jahr 1945 war Naugard Kreisstadt des Kreises Naugard im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.

Als gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im März 1945 die Kriegsfront sich auf die Stadt zubewegte, setzte eine Fluchtbewegung der Einwohner ein. Am 4. März 1945 begannen die Kämpfe um die Stadt, die einen Tag später mit der Zerstörung der Innenstadt und der Eroberung durch die Rote Armee endeten. Nach Einstellung der Kampfhandlungen wurde die Stadt seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Naugard erhielt den polonisierten Stadtnamen Nowogard. Die noch in der Stadt verbliebenen deutschen Einwohner hatten sich am 24. Juni 1945 auf dem Marktplatz einzufinden und wurden von der polnischen Administration aus Naugard und dem Kreisgebiet vertrieben.<ref name="PZ-2-08">Die Pommersche Zeitung, Nr. 2/2008, S. 5.</ref>

Die Stadt verlor unter polnischer Verwaltung ihren alten Status als Kreisstadt, heute ist sie dem Powiat Goleniowski zugeordnet, dessen Verwaltungssitz Goleniów innehat.

Datei:Nowogard kosciol Wniebowziecia NMP (z1).jpg
Turm von St. Marien
Datei:Ratusz Nowogard.jpg
Rathaus
Datei:Fragment muru obronnego z wejściami w strone placu.JPG
Fragment der Stadtmauer
Datei:Stacja Kolejowa Nowogard.jpg
Bahnhof

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1740 Vorlage:0658 <ref name="GK" />
1782 Vorlage:0868 darunter 24 Juden<ref name="GK" />
1794 Vorlage:0998 darunter 23 Juden<ref name="GK" />
1802 Vorlage:0937 <ref name="AAM">Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 336–343, Ziffer 468.</ref>
1810 1207 <ref name="AAM" />
1812 1126 darunter 13 Katholiken und 31 Juden<ref name="GK" />
1816 1277 darunter 13 Katholiken und 33 Juden<ref name="GK" /><ref name="AAM" />
1821 1611 182 Privatwohnhäuser<ref name="AAM" />
1831 1897 darunter fünf Katholiken und 49 Juden<ref name="GK" />
1843 2775 darunter 22 Katholiken und 60 Juden<ref name="GK" />
1852 2098 darunter zwei Katholiken und 55 Juden<ref name="GK" />
1861 4682 darunter 31 Katholiken und 103 Juden<ref name="GK" />
1875 4785 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1880 4949 <ref name="MR" />
1890 4872 darunter 66 Katholiken und 107 Juden<ref name="MR" />
1910 5087 am 1. Dezember<ref name="mgaz" >Naugard, Kreisstadt, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Naugard (meyersgaz.org).</ref><ref name=gemv >Vorlage:Internetquelle</ref>
1925 6409 darunter 6254 Evangelische, 28 Katholiken und 48 Juden<ref name=stuebs >Die Stadt Naugard im ehemaligen Kreis Naugard in Pommern. (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).</ref>
1933 7356 <ref name="MR" />
1939 8202 <ref name="MR" />

Sehenswürdigkeiten

  • Die gotische Marienkirche war bis 1945 evangelisch und ist seit der Weihe am 5. August 1945 die römisch-katholische Stadtkirche von Nowogard. Sie wurde im 14. Jahrhundert im Stil der Backsteingotik errichtet und später mehrfach umgebaut. 1918 erhielt der Frontturm das Querdach mit Dachreiter. Im Innern sind der Renaissance-Hochaltar vom Ende des 16. und die frühbarocke Kanzel aus dem 18. Jahrhundert beachtenswert. Nach einem Brand, der am 3. Dezember 2005 das Turmdach zum Einsturz brachte und die Orgel zerstörte, wurde die Kirche aufwendig restauriert. Die angebaute Begräbniskapelle der Grafen von Eberstein ist nicht mehr vorhanden.<ref>turystyka.nowogard.pl abgerufen am 24. August 2008</ref>
  • Aus dem 14. Jahrhundert stammt die Stadtbefestigung, von der sich Teilstücke der Feldsteinmauer südlich des Marktplatzes erhalten haben. Die zwei Stadttore und die Wehrtürme sind nicht erhalten.
  • Am Marktplatz (polnisch Plac Wolności, also Freiheitsplatz) steht das Rathaus – erbaut 1911 in neobarocken Jugendstilformen.
  • Die zwei größten Eiben Westpommerns befinden sich in der Stadt am Platz des Friedens, sie sind 10 und 12 Meter hoch und rund 700 Jahre alt.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Stadt

Gemeinde

Die Stadt- und Landgemeinde Nowogard zählt auf einer Fläche von 339 km² rund 25.000 Einwohner und gliedert sich neben dem gleichnamigen Hauptort in folgende 33 Schulzenämter (sołectwo):

  • Błotno (Friedrichsberg)
  • Brzozowo (Birkenwalde)
  • Boguszyce (Ottendorf)
  • Czermnica (Rothenfier)
  • Dąbrowa Nowogardzka (Damerow)
  • Długołęka (Langkafel)
  • Glicko (Glietzig)
  • Grabin (Gräwenhagen)
  • Jarchlino (Jarchlin)
  • Karsk (Kartzig)
  • Krasnołęka (Neu Langkafel)
  • Kulice (Külz)
  • Lestkowo (Groß Leistikow)
  • Maszkowo (Maskow)
  • Miętno (Minten)
  • Olchowo (Wolchow)
  • Orzechowo (Düsterbeck)
  • Orzesze (Neu Düsterbeck)
  • Osowo (Wussow)
  • Ostrzyca (Bernhagen)
  • Sąpolnica (Zampelhagen)
  • Sikorki (Zickerke)
  • Słajsino (Schloissin)
  • Strzelewo (Strelowhagen)
  • Szczytniki (Schnittriege)
  • Świerczewo (Schwarzow)
  • Trzechel (Trechel)
  • Wierzbięcin (Farbezin)
  • Wierzchy (Vierhof)
  • Wojcieszyn (Eberstein)
  • Wołowiec (Döringshagen)
  • Wyszomierz (Wismar)
  • Żabowo (Groß Sabow)
  • Żabówko (Klein Sabow)

Verkehr

Die Stadt liegt an der wichtigen Verbindungsstraße Stettin–Köslin–Danzig. In Goleniów (Gollnow) befindet sich der Flughafen der Region, 20 km entfernt. Der Ostseefährhafen befindet sich im 75 km entfernten Świnoujście (Swinemünde).

Die Stadt ist über die Bahnlinie Stettin–Goleniów–Koszalin zu erreichen. Betreiber der Linie ist die Przewozy Regionalne.

Die Landesstraße 6 (StettinDanzig), die durch Nowograd verlief, wurde durch den Neubau der Schnellstraße S6 als Umgehung ersetzt. Sie wurde im Bereich Nowograd im Jahr 2011 eingeweiht.

Partnergemeinden

Partnergemeinden sind:<ref>Nowogard - Współpraca miast partnerskich nowogard.pl</ref>

Eine vertragliche Beziehung besteht auch zum Naugarder Kreis e. V. in Deutschland.<ref>Naugarder Kreis e. V.</ref>

Literatur

  • Naugard, Kreisstadt, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Naugard (meyersgaz.org).
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Aisführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 1. Stettin 1784, S. 287–291; Vorlage:Archive.org.
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunde. Berlin 1865, S. 267–269; Vorlage:Archive.org.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern. Teil II, Band 5, Abt. 2: Enthaltend vom Naugarder Kreise die zweite Hälfte, die allgemeine Übersicht des Stadtkreises Stettin und Ergänzungsblätter betreffend die West-Oder-Kreise des Regierungs-Bezirks Stettin. Anklam 1874, S. 1501–2084 (Google Books).
  • Gustav Rudolphson: Geschichte Naugards, seiner Umgegend und der Grafen von Eberstein. Mayer & Müller, Berlin 1911, Vorlage:URN.
  • Vorlage:MerianTopo

Weblinks

Vorlage:Commons

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Städte und Gemeinden im Powiat Goleniowski

Vorlage:Normdaten