Morphosyntaktische Ausrichtung
Die morphosyntaktische Ausrichtung (oder die Strategie der Kodierung der Verbaktanten) designiert das System der Beziehungen zwischen Argumenten, insbesondere Argumenten von transitiven und intransitiven Verben, das die Basis der morphosyntaktischen Struktur eines Satzes etabliert. Die Linguistik hebt einige Typen solcher Beziehungen hervor, die von verschiedenen Sprachen benutzt werden.
Typologie von Aktanten
Laut Dixon<ref></ref> gehören die folgenden Argumente zu den die morphosyntaktische Satzstruktur etablierenden Aktanten:
- A (suggestiv für “Agens”) – Subjekt eines transitiven Verbs;
- P (suggestiv für “Patiens”) – Objekt eines transitiven Verbs;
- S (suggestiv für “Subjekt”) – Subjekt eines intransitiven Verbs.
Demgegenüber sieht die Typologie von Klimow<ref></ref> 5 Aktanten vor: Abhängig von bestimmten semantischen Rollen können das S-Argument aktiv oder inaktiv und das Patiens direkt oder indirekt sein.<ref>Kirill Panfilow: Основы контенсивной типологии. In: kirillpanfilov.com. Abgerufen am 25. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Junichi Suda: The Late-Klimov Model for Typological Classification of Active, Ergative, and Nominative Languages ― Re-evaluation of the Five Macroroles Model, et al. In: Typological Studies. 2025, abgerufen am 25. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Strategien der Kodierung von Aktanten
Nominativ-Akkusativ-Strategie
Diese Strategie impliziert, dass das Agens im Fall eines Aktivsatzes mit dem Prädikat, das mit einem transitiven Verb ausgedrückt wird, im Nominativ steht, während das Patiens desselben Satzes im Akkusativ steht. Im Fall eines Aktivsatzes mit dem Prädikat, das mit einem intransitiven Verb ausgedrückt wird, steht der S-Aktant im Nominativ, gleich wie das A-Argument.<ref name="Bernard Comrie">Bernard Comrie: Chapter Alignment of Case Marking of Full Noun Phrases. In: The World Atlas of Language Structures. 2013, abgerufen am 25. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im Fall eines transitiven Verbs ist es möglich, einen Passivsatz zu formulieren: Das Patiens nimmt den Platz des Subjekts im Nominativ ein, während das Agens durch die Nutzung von bestimmten morphosyntaktischen Mitteln angezeigt oder komplett weggelassen wird.
Zur Gruppe der Nominativ-Akkusativ-Sprachen gehören viele indogermanische Sprachen, beispielsweise die Deutsche Sprache.
Ergativ-Absolutiv-Strategie
Diese Strategie impliziert, dass das Agens im Fall eines Aktivsatzes mit dem Prädikat, das mit einem transitiven Verb ausgedrückt wird, im Ergativ steht, während das Patiens desselben Satzes im Absolutiv steht. Im Fall eines Aktivsatzes mit dem Prädikat, das mit einem intransitiven Verb ausgedrückt wird, steht der S-Aktant im Absolutiv, gleich wie das P-Argument.<ref name="Bernard Comrie"/>
Im Fall eines transitiven Verbs ist es möglich, einen Antipassivsatz zu formulieren: Das Agens nimmt den Platz des Objekts im Absolutiv ein, während das Patiens durch die Nutzung von bestimmten morphosyntaktischen Mitteln angezeigt oder komplett weggelassen wird.
Ein Beispiel der zur Gruppe der Ergativ-Absolutiv-Sprachen gehörenden Sprache ist die Baskische Sprache. Außerdem gehören zu dieser Gruppe viele Kaukasische Sprachen.
Transitive Strategie
Diese Strategie impliziert, dass das Agens und das Patiens im Fall eines Aktivsatzes mit dem Prädikat, das mit einem transitiven Verb ausgedrückt wird, in einem gleichen Obliquus-Kasus stehen (das sogenannte Doppel-Obliquus-Satzbau-Schema). Im Gegensatz dazu steht der S-Aktant im Fall eines Aktivsatzes mit dem Prädikat, das mit einem intransitiven Verb ausgedrückt wird, in einem besonderen Kasus, der von Sprachwissenschaftlern „Intransitiv“ genannt wird.
In transitiven Sprachen kann es die Konstruktionen geben, die ähnlich dem Passiv in Akkusativsprachen und dem Antipassiv in Ergativsprachen sind.<ref></ref>
Eine der wenigen transitiven Sprachen ist Rushani (eine Sprache der lokale Bevölkerung in der Autonomen Provinz Berg-Badachschan in Tadschikistan).
Dreikasuelle Strategie
Diese Strategie impliziert, dass das Agens, das Patiens und das S-Argument immer in komplett verschiedenen Kasus stehen. Tatsächlich vereint diese Strategie die wichtigste Elemente von Nominativ-Akkusativ-, Ergativ-Absolutiv- und Transitivstrategien der Kodierung von Verbaktanten.<ref name="Bernard Comrie"/>
Das A-Argument steht immer im Ergativ, gleich wie in Ergativsprachen. Das P-Argument steht immer im Akkusativ, gleich wie in Akkusativsprachen. Das S-Argument steht immer im Intransitiv, gleich wie in Transitivsprachen. Der Bau eines Passivsatzes ist normalerweise unüblich.
Zur Gruppe dieser Sprachen gehören das Niimiipuutímt (die Muttersprache des Volkes Nez Percé, das in Nordamerica bewohnt) und einige Sprachen der Sprachfamilie von Pama-Nyunga in Nordaustralia, zum Beispiel Wangkumara, Kalau-Lagau-Ja usw.
Direkte Strategie
Diese Strategie impliziert, dass das Agens, das Patiens und das S-Argument durch die Nutzung von bestimmten morphosyntaktischen Mitteln überhaupt nicht markiert werden.
Auf die richtige Rollenverteilung der Wörter in einem bestimmten Satz zeigen die in diesem Satz angewandte Wortstellung und der allgemeine Kontext des ganzen Textes, dessen Teil dieser Satz ist. Eine sehr wichtige Rolle spielt auch das Synsemantikum.
Die direkte Strategie ist typisch für Sprachen, die keine Kasus verwenden, deren Beispiele Chinesisch, Vietnamesisch, Thailändisch, Laotisch, Khmer sind. Darüber hinaus kann das moderne Englisch in diese Gruppe eingeordnet werden, da es vielen Studien zufolge fast komplett eine analytische Sprache ist (Kasusrelationen sind nur bezüglich Personalpronomen behalten).
Aktive Strategie
Diese Strategie impliziert, dass das S-Argument abhängig von semantischen Gründen entweder wie das Agens oder wie das Patiens markiert werden kann. Zum Beispiel im Tabassaranisch wird der S-Aktant eines intransitiven Verbs gleich wie das Agens markiert, wenn die von diesem Verb ausgedrückte Handlung absichtlich durchgeführt wird, aber gleich wie das Patiens markiert, wenn die von diesem Verb ausgedrückte Handlung unabsichtlich durchgeführt wird.
Aktive Sprachen sind in Nord- und Südamerika weit verbreitet (Dakota, Guaraní usw.).
Rhemative Strategie
Diese Strategie basiert auf die Nutzung des Rhemas. Der A-Aktant oder der P-Aktant können mit dem Rhema grammatikalisch markiert werden, um die zentrale Rolle im Satz zu erwerben. Und abhängig von der Rolle im Satz können diese Argumente eines transitiven Verbs entweder im Ergativ und im Akkusativ oder andersherum – im Akkusativ und im Ergativ stehen.
Als ein Beispiel der zu dieser Gruppe gehörende Sprache kann Tagalog gegeben werden.
Siehe auch
Einzelnachweise
<references />