Maurenbrecher (Familie)
am Türsturz des Hauses
„En de Canon“ („In der Kanone“)
Die Maurenbrecher sind ein Düsseldorfer Postmeistergeschlecht, das zu den Pionieren des Postwesens am Niederrhein zählt und bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann.
Überblick
Als Stammvater gilt Franz Maurenbrecher (geboren vor 1560) aus Pempelfort. Seine Nachkommen betrieben seit dem 16. Jahrhundert in Düsseldorf ein Fuhr- und späteres Fahrpostunternehmen.
Die Gründung der Fahrpost
1623 richtete Johann Maurenbrecher (nach 1585 – nach 1623), Sohn des Franz Maurenbrecher, in Düsseldorf eine privat betriebene Fahrpost nach Wesel ein, die über Duisburg führte.<ref>Günter von Roden: Geschichte der Stadt Duisburg. Das alte Duisburg von den Anfängen bis 1905. Duisburg 1975, S. 178.</ref>
1639 erwarb sein Bruder Tilman Maurenbrecher (1580–1665) in Düsseldorf das Barockhaus, die heutige Zollstraße 7, das zum Stammhaus der Maurenbrecherschen Fahrpost wurde.
Johann Maurenbrecher der Jüngere (1615/23–1685) erhielt 1668 das pfalzgräfliche Privileg zur Einrichtung einer „Fahrenden Post“, der ältesten kurpfälzisch privilegierten Landkutsche.<ref>Martin Dallmeier: Thurn und Taxis-Studien, Bd. 9, H. 1–2, 1977, S. 169.</ref> Dies galt als „Menetekel“ für die Kaiserliche Reichspost der Thurn und Taxis,<ref>Wolfgang Behringer: Im Zeichen des Merkur. Reichspost und Kommunikationsrevolution in der Frühen Neuzeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Bd. 189), S. 449.</ref> die sich in der Folge gezwungen sah, aus Konkurrenzgründen eine eigene, zunächst defizitäre Fahrpost aufzubauen.<ref>Wolfgang Behringer: Thurn und Taxis. München 1990, S. 123, 133.</ref>
Ein weiterer Ausbau erfolgte, als der Kurfürst von Brandenburg, als Landesherr des Herzogtums Kleve, am 29. März 1675 das Privileg für eine Postverbindung von Düsseldorf nach Nimwegen in Holland erteilte.<ref>Tonnies: Die kurpfälzischen Posten am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (Düsseldorfer Geschichtsverein), Bd. 1, 1886, S. [22]18.</ref>
Der Maurenbrechersche Postbetrieb „besorgte den Personen- und Güterverkehr des ganzen Niederrheins mit Holland und – unter Mitbenutzung anderer Postbetriebe – den Verkehr nach Norden und Osten Deutschlands bis nach Polen.“<ref>Hans Müller-Schlösser: Die Stadt an der Düssel. 4. Aufl., Düsseldorf 2010, S. 228.</ref>
In Düsseldorf unter Jan Wellem
„Nachdem die Truppen des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. den Pfälzern das Heidelberger Schloss zerstört hatten, machte der junge Erbe das Nest am rechten Rheinufer zur Ersatzresidenz“<ref name="HJ">Jutta Hoffritz: Die letzte Medici. In: Die Zeit, Nr. 46/2008</ref> – Düsseldorf blieb mithin trotz seiner Kurfürstenwürde der Sitz Jan Wellems, Regent und Herzog von Jülich und Berg von 1679 bis 1719. Durch die Präsenz des glanzvollen Hofes erfuhr die Stadt eine beachtliche wirtschaftliche, kulturelle und städtebauliche Entwicklung.
Die Maurenbrecher betrieben in jener Zeit in dem Haus in der Zollstraße neben ihrer Fahrpost eine Weinhandlung mit Ausschank. „Die ‚Zechstube‘ bei Maurenbrecher ist durch Jan Wellem berühmt geworden“<ref>Hans Müller-Schlösser: Die Stadt an der Düssel, 4. Auflage. Düsseldorf 2010, S. 230</ref> – dort kamen die zahlreichen ausländischen Künstler zusammen, die Jan Wellem an seinen Hof gezogen hatte, und hier verkehrte auch der Kurfürst selbst gerne im vertrauten Kreise.<ref>Jan Wellem: Mythen und Legenden – Moselwein und Wasser. duesseldorf.de</ref>
Zweige der Maurenbrecher
Durch die Heirat des kurpfälzischen Kommerzienrats Johann Heinrich Maurenbrecher (1691–1753) mit Catharina Helena Bernsau (1710–1792), einer Urenkelin des Bergischen Marschalls und Herrn zu Hardenberg Wilhelm V. (III.) von Bernsau (1514–1572), versippten sich die Maurenbrecher mit den ältesten Geschlechtern der Region.
Nach der Verstaatlichung der Post im Zuge der Napoleonischen Kriege teilte sich der deutsche Hauptast des Geschlechts in zwei Linien: Die eine brachte namhafte Wissenschaftler hervor, von denen einzelne über ihre Rezipienten Kaiser Wilhelm II. (Wilhelm Maurenbrecher)<ref name="UV">Volker Ulrich: Kaiser Wilhelm II. Prinz und Bummelknabe. In: Die Zeit campus, Juli 2008 – „Unter den Professoren übte der Historiker Wilhelm Maurenbrecher die größte Anziehungskraft auf Wilhelm aus. Maurenbrecher war ein schrankenloser Bewunderer des Reichskanzlers Otto von Bismarck [Corps Hannovera Göttingen] und ein Verächter aller liberalen Bestrebungen im Kaiserreich. Unter seinem Einfluss wandte sich der in seinen politischen Ansichten noch ganz unreife Prinz von seinen anglophilen, liberal eingestellten Eltern ab – und Bismarck zu.“</ref> und Adolf Hitler (Max Maurenbrecher)<ref name="LM">Martin Liepach: Abitur-Wissen Geschichte – Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg. Freising 2001, S. 95 ff: „Es ist klar, dass die entscheidenden geistesgeschichtlichen Einflüsse für die nationalsozialistische Ideologie und die Weltanschauung Hitlers sich nicht im Einzelnen in ihrem Ausmaß bestimmen lassen. Von verschiedenen Seiten wurde dennoch die lohnenswerte Frage nach den Ideengebern Hitlers gestellt. So gibt es eine Bücherliste, die die Titel enthält, die Hitler bei dem Nationalsozialistischen Institut ausgeliehen haben soll, einer Leihbücherei in der Nähe Münchens, die in der Frühphase der Partei gegründet wurde. Diese Liste umfasst sämtliche wichtigen Autoren des Rassismus: Houston Stewart Chamberlain, Richard Wagner, Julius Langbehn und den völkischen Rassisten Max Maurenbrecher, der sowohl gegen die Juden als auch gegen die christliche Kirche schrieb. In dieser Phase ist die Ausbildung der Weltanschauung Hitlers noch nicht abgeschlossen, sondern im Gegenteil, sie beginnt erst.“</ref><ref>George Lachmann Mosse: Toward the Final Solution: A History of European Racism. New York 1978, S. 205: „A list of books which Hitler is purported to have borrowed from the National Sozialistisches Institute – a lending … Richard Wagner, Langbehn, and no less than three books by Max Maurenbrecher, who was a Volkish racist …“, 205</ref> nicht unwesentlichen Einfluss auf die Zeitgeschichte erlangt haben, die andere, Dombacher Linie wandte sich der Papierfabrikation zu.
Mit dem Prediger Johann Gabriel Maurenbrecher (1773–1801) bildete sich ein niederländischer Zweig, der vornehmlich in Niederländisch-Indien tätig war. Sein Spross war der Generalleutnant und Pionier der Einhand-Weltumseglung Hans Anton Maurenbrecher (1910–1966).
Die Maurenbrecher gehörten traditionell der Reformierten Kirche an. Sie stellten vielfach Diakone und Älteste der Reformierten Gemeinde in Düsseldorf. Ihr Wappenfenster befindet sich in der 1693 erbauten reformierten Kirche in Düsseldorf-Urdenbach. Die Dombacher Linie der Maurenbrecher ist überwiegend römisch-katholisch.
Nachkommen
Zu den Nachkommen der Maurenbrecher gehört der linksliberale Politiker Eugen Richter, Sohn der Bertha Maurenbrecher (1810–1868) und einer der profiliertesten Gegner Fürst Bismarcks, über den Heinrich Mann in „Der Untertan“ schreibt: „Seine Majestät haben das erhabene Wort gesprochen: ‚Mein afrikanisches Kolonialreich für einen Haftbefehl gegen Eugen Richter!‘“<ref>1914, S. 445</ref>
Ein Nachfahr des Historikers Wilhelm Maurenbrecher ist der Liedermacher Manfred Maurenbrecher.
Geschichte
Die Maurenbrechersche Fahrpost
- Siehe auch den Artikel → Postkutsche
Im Herzogtum Berg
(1648–1690), Postmeister
Johann Maurenbrecher (1600–1685) übernahm das bereits von seinem Großvater Franz Maurenbrecher sowie seinem Vater Johann Maurenbrecher (1585–1623) und dessen Bruder Tilman Maurenbrecher (1580–1665) seit dem 16. Jahrhundert betriebene Fuhrgeschäft in Düsseldorf. Ab dem 23. Mai 1623 eröffnete er einen privaten „Postbetrieb“ im Bereich von Düsseldorf.<ref>Tönnies: Die kurpfälzischen Posten am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (Düsseldorfer Geschichtsverein), 1886, 1. Jahrbuch, S. 17.</ref>
1668 erteilte der Kurfürst Philipp Wilhelm ihm das pfalzgräfliche Privileg zur Einrichtung einer Fahrenden Post, das 1673 auf seine drei Söhne Samuel, Johann Reinhard und Johann Dietrich erweitert wurde. 1675 folgte durch den Großen Kurfürsten ein kurbrandenburgisches Privileg. Bedient wurden die Strecken nach Aachen, Kleve, Köln und Duisburg. Ab Ende des 17. Jahrhunderts kamen Dienste von Düsseldorf Richtung Holland mit Emmerich und Nijmegen hinzu.<ref>Tönnies: Die kurpfälzischen Posten am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (Düsseldorfer Geschichtsverein), 1886, 1. Jahrbuch, S. [22]18.</ref>
Befördert werden durften Personen und Frachtstücke; das Briefmonopol lag bei der Kaiserlichen Reichspost, organisiert und betrieben von den Thurn und Taxis. Über fünf Generationen waren Mitglieder der Familie Maurenbrecher als Postmeister in Düsseldorf tätig.
„Nach einem kurzen Aufenthalt in Wesel trat ich, in Geselschaft eines preussischen Officiers von Geldern, der von Aachen gebürtig war und mich bis dahin begleitete, die Reise in die Niederlande an, und reisete den 21. August nach Düsseldorf, 12 Stunden von Wesel. Ein bedeckter, für zehn Personen eingerichteter und mit vier raschen Hengsten bespannter Postwagen bringt die Reisenden wöchentlich zweymal dahin und vollendet diese Tour im Sommerhalben Jahre in einem Tage. Diese Post ist, so wie auch jene, von Düsseldorf nach Aachen, an den Postcommissair Maurenbrecher in Düsseldorf verpachtete, und die Einrichtung derselben für jedes andre Land nachahmungswürdig.“
1767 erwarb Johann Wilhelm Maurenbrecher (1742–1784) den Wormshof in Niederkassel bei Düsseldorf und baute ihn als Poststation aus. 1860 verkaufte die Familie das inzwischen „Maurenbrecher Hof“ genannte Anwesen einschließlich 70 Morgen Ackerland an die Eheleute Benedikt und Maria Christina Schmittmann, denen sie die Gebäude bereits zuvor zum Betrieb einer Kornbrennerei verpachtet hatte und deren Nachkommen bis heute dort in der Brennerei Schmittmann produzieren.<ref>Heide-Ines Willner: Dörfliche Idylle am Rand der Stadt. In: Rheinische Post, 10. Oktober 2003, rp-online.de.</ref><ref>Schmittmann – Korn, „So geht Tradition“. [1]</ref> 1985 wurden die Wirtschaftsgebäude niedergelegt und unter Verwendung der alten Steine neu errichtet.<ref>Maurenbrecher Hof. [2]</ref>
Mit der Eroberung des Rheinlandes durch die Franzosen wurde der linke Niederrhein vom rechtsrheinischen getrennt. Nur für kurze Zeit wurde linksrheinisch von Aachen aus ein eingeschränkter Betrieb aufrechterhalten.<ref>Tönnies: Die kurpfälzischen Posten am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (Düsseldorfer Geschichtsverein), 1886, 1. Jahrbuch, S. [28]24.</ref> Mitte Juli 1794 wurde das Privilegium für die Witwe Sibilla Maurenbrecher für eine Post von Düsseldorf nach Roermond durch die französische Okkupation unterbrochen. Im September 1795 stellte Sibilla Maurenbrecher den Antrag an die Königlich Preußische Regierung, den Postdienst zu Düsseldorf und Wesel aufzuheben und die Route dem preußischen Posthalter in Duisburg zu übertragen. Dies wurde bewilligt und damit die Maurenbrecher von der Post auf dem Kurs Düsseldorf–Wesel entbunden.<ref>Tönnies: Die kurpfälzischen Posten am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (Düsseldorfer Geschichtsverein), 1886, 1. Jahrbuch, S. [24]20.</ref>
Das Anwesen an der Zollstraße war schon lange zu eng für ein Unternehmen geworden, das seine Wagen nach Aachen und Nimwegen, ins Oberbergische und in das Westfälische sandte. Peter Wilhelm Maurenbrecher (1777–1861) siedelte in die Carlstadt über und erwarb an der Benrather Straße ein seit 1790 von der Familie genutztes Eckhaus, das der beschaulichen Front zum Palais Spee den heutigen Namen Poststraße eintrug. Er errichtete unweit seines Postcomptoirs eine Werkstatt für Wagenbau, die eine Hundertschaft von Handwerkern, Schmieden, Schlossern, Sattlern, Lackierern und Stellmachern zählte.
Im Großherzogtum Berg
Die Kriegsereignisse beeinträchtigten den Postbetrieb erheblich. Nach der Besetzung des Niederrheins durch die Franzosen erloschen die deutschen Konzessionen, und der Verkehr auf den Landstraßen stockte. Mit der Bildung des Großherzogtums Berg ging die Post 1806 in landesherrlichen Besitz über. 1807 wurde Peter Wilhelm Maurenbrecher Kontrolleur bei der Großherzoglich Bergischen General-Postdirektion. 1809 ernannte ihn Joachim Murat per Erlass zum Inspekteur des Postwesens (Postdirektor) des Großherzogtums.
„Die Familie Maurenbrecher war zu dieser Zeit in Düsseldorf hochgeachtet und spielte eine große gesellschaftliche Rolle. Überall, wo es darauf ankam, die Bürgerschaft würdig zu vertreten, war der Postmeister Maurenbrecher der erste Mann. Beim Einzuge Joachim Murats kommandierte er die berittene Ehrengarde, … die man … in ihren schönen weißen Uniformen mit den roten Aufschlägen und silbernen Knöpfen für eine Abteilung wohlberittener Dragoner halten konnte.“<ref>Hans Müller-Schlösser: Die Stadt an der Düssel. 4. Auflage. Düsseldorf 2010, S. 230</ref>
Eine Anekdote aus jener Zeit berichtet von einem Pferderennen zwischen ihm und dem Großherzog Joachim Murat von Benrath nach Düsseldorf: „Eines Tages, so wird erzählt, ritt Murat mit großer Suite vom Schloß Benrath, wo er meist wohnte, nach Düsseldorf. Er rief seinen Postmeister Maurenbrecher zu sich und unterhielt sich mit ihm im Weiterreiten. Einer der besten Reiter der französischen Armee, wollte er anscheinend M. seine Meisterschaft im Reiten zeigen und sprengte plötzlich mit rasender Schnelligkeit weiter. Der Postmeister aber, auch als tüchtiger Reiter bekannt, wich nicht von seiner Seite, und auf schaumbedeckten Rossen langten beide dicht nebeneinander vor dem Stadttor in Düsseldorf an, während das Gefolge weiter zurückgeblieben war.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />spilles.de ( des Vorlage:IconExternal vom 18. Februar 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
In Preußen
(hinten rechts gegenüber der Maxkirche)
Mit der Niederlage der Franzosen änderten sich die Verhältnisse erneut. 1813 erhielt Peter Wilhelm Maurenbrecher von Preußen die Postmeisterstelle in Elberfeld verliehen und verwaltete einstweilen das Postamt Düsseldorf. Mit dem Ende der Napoleonischen Kriege ging die Post, wie später auf dem Wiener Kongress geregelt, zunächst an die Thurn und Taxis. 1814 wurde Maurenbrecher Kompaniestationskommissar der Thurn-und-Taxis-Post auf dem linken Rheinufer im Rücken der alliierten Armeen. Fürst Karl Alexander von Thurn und Taxis ernannte ihn 1815 zum Postinspektor bei der Großherzoglich Bergischen Post und übertrug ihm die Postmeisterstelle in Elberfeld.
Thurn und Taxis übertrugen die Post 1816 an Preußen. Peter Wilhelm Maurenbrecher wurde entlassen und die Post durch Preußen in Besitz genommen. 1817 wurde Maurenbrecher der erste Königlich-Preußische Oberpostdirektor der nunmehr in seinem Haus als Mieterin tätigen preußischen Post zu Düsseldorf. Er wurde zum Geheimrat ernannt und erhielt 1840 den Roten Adlerorden III. Klasse verliehen. Mit seinem Ausscheiden aus dem Amt am 1. Januar 1850 endete die über zweihundertjährige Geschichte der Maurenbrecher im Postwesen.
Die Pferderennen, die ab 1836 in der Golzheimer Heide, im Bilker Busch oder in der Benrather Heide stattfanden – ab 1844 veranstaltet vom ältesten Pferdesportverein Deutschlands, dem Reiterverein Düsseldorf –, ließ er sich auch im hohen Alter nicht entgehen.
Das Haus „En de Canon“ in Düsseldorf
Das „En de Canon“ (In der Kanone) genannte Maurenbrechersche Haus in der Düsseldorfer Altstadt, heute Zollstraße 7, wurde 1639 von Tilman Maurenbrecher (1580–1665) erworben. Über der Tür trägt das Haus die Inschrift „EN DE CANON“; auf dem Türrahmen findet sich die vergoldete Darstellung eines Geschützes, das gegen eine Mauer feuert – das Wappen der Maurenbrecher.
Die Maurenbrecher betrieben dort neben der Posthalterei einen Weinhandel mit Ausschank, der sich zu einem Zentrum des kulturellen Aufschwungs der Stadt entwickelte. Am Hof der Kurfürstin Anna Maria Luisa de’ Medici versammelten sich italienische und deutsche Künstler, Maler, Bildhauer, Musiker, Kunsttischler sowie Gold- und Silberschmiede. Es waren glänzende Jahre für die rheinische Stadt; sie wurde von italienischen und französischen Architekten umfassend restauriert.<ref>Lorenzo de’ Medici: Die Medice. Bergisch Gladbach 2006, S. 213.</ref> „Als Gemahlin des Kurfürsten Jan Wellem machte die schöne Florentinerin Anna Maria Luisa de’ Medici aus dem Nest am Rhein eine Residenz der Weltkunst.“<ref name="HJ" /> „In der Kanon war die berühmte Zechstube, wo die zahlreichen holländischen und italienischen Künstler zusammenkamen, die Jan Wellem an seinen Hof gezogen hatte, und hier verkehrte auch der Kurfürst selbst gerne im vertraulichen Kreise. An dem blankgescheuerten Kneiptische stand Jan Willems hochlehniger, geschnitzter Sessel.“<ref>Haus „En de Canon“ und Wappen</ref>
Das Haus wurde am 18. März 1985 in die Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf eingetragen.<ref>Eintrag in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref> Nachdem die gegenüberliegenden Häuser Zollstraße 6, 8 und 10 entkernt und nur als Fassaden in das erweiterte Rathaus einbezogen wurden, zählt „En de Canon“ zu den wenigen in der Substanz erhaltenen Baudenkmälern der Zollstraße.
Johann Maurenbrecher erwarb 1662 für den bereits vor dem pfalzgräflichen Privileg von 1668 expandierenden Postbetrieb auch das benachbarte Haus Nr. 5 („Zum Hääschen“).<ref>H. Ferber: Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf. Hrsg. vom Düsseldorfer Geschichtsverein. Verlag C. Kraus, 1889, Teil II, S. 83.</ref> Über ein großes Tor neben Haus Nr. 7 konnten die Postwagen in den weitläufigen Hof mit Anbauten und Hinterhäusern einfahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Ruine des zerstörten Vorderhauses einschließlich der Hintergebäude abgetragen.
Zuletzt wurde in dem Haus – mit Unterbrechungen – das Spezialitätenrestaurant „En de Canon“ betrieben; das zugehörige Grundstück diente als Biergarten.<ref>Alfons Houben: „Düsseldorf“. Wie es damals war – wie es heute ist. WI-Verlag, Düsseldorf 1983, S. 152 f.</ref><ref>Homepage „En de Canon“ (mit neuem Pächter), abgerufen am 15. August 2023.</ref> Heute befindet sich dort ein Weinhaus des Winzers Herbert Engist.
Die Maurenbrechersche Papiermühle Dombach
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts übernahm der Düsseldorfer Kaufmann Jakob Maurenbrecher (1779–1856), jüngerer Bruder des letzten Postmeisters Peter Wilhelm Maurenbrecher, die Papiermühlen „Alte und Neue Dombach“ im Strundetal bei Bergisch Gladbach. 1827 musste ihm Christian Müller wegen Schulden seinen Anteil abtreten. 1833 übernahm Maurenbrecher nach dem Tod von Wilhelm Aurelius Fues auch den übrigen Teil der Dombach.
Jakob Maurenbrecher und sein Sohn Wilhelm wurden zu Pionieren der modernen Papierproduktion. Die Neue Dombach wurde schrittweise zur Papierfabrik ausgebaut. Seit 1843 lief dort die erste Papiermaschine Bergisch Gladbachs im Dauerbetrieb, die anstelle der blattweisen Handschöpfung Papier im Maschinenlauf produzierte. In den 1860er und 1870er Jahren geriet die Dombach in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
1869 wurde das Unternehmen der Papiermühle Dombach in eine Aktiengesellschaft unter Führung des in Köln ansässigen Schaaffhausen’schen Bankvereins umgewandelt; die Geschäftsführung übernahm Wilhelm Maurenbrecher. Durch umfangreiche Investitionen sollte die Lage verbessert werden: Für eine weitere Papiermaschine wurde der Gebäudekomplex um 1870 erneut erweitert und erhielt seine heutige Fassade im typischen Architekturstil des 19. Jahrhunderts. Das Unternehmen war zu dieser Zeit der größte Papierproduzent in Bergisch Gladbach.
1876 erwarb die Zanders-Gruppe, bereits Eigentümerin der Schnabelsmühle und der Gohrsmühle, die gesamte Dombach.
Heute bilden die Alte Dombach und Teile der Dombacher Papierfabrik Neue Dombach das Papiermuseum Alte Dombach.
Die niederländischen Maurenbrecher
Der Prediger Johann Gabriel Maurenbrecher (1773–1801) gilt als Stammvater des niederländischen Familienzweigs. Zu diesem Zweig gehören mehrere Offiziere, darunter der königlich-niederländische Oberst in Batavia Frederik Louis Maurenbrecher (1818–1871), sein Enkel, der königlich-niederländische Lieutenant Colonel Louis Maurenbrecher (1878–1948), sowie dessen Sohn Hans Anton Maurenbrecher (1910–1966), Jagdflieger, königlich-niederländischer Generalleutnant der Koninklijke Luchtmacht und Pionier der Einhand-Weltumseglung. Er überquerte zweimal den Atlantik und einmal den Pazifik mit seiner 9-Meter-Yacht Take Bora und gilt seit Juli 1966 am Great Barrier Reef als verschollen.<ref>Auszug aus: Ocean Pioneers (Abb.), ISBN 978-90-71500-09-1</ref>
Stammfolge (Auszug)
(Postmeister in Fettschrift) Vorlage:Stammbaumliste Niederländischer Zweig:
- Hans Anton Maurenbrecher (1910–1966), Königlich-Niederländischer Generalleutnant der Luftwaffe, Pionier der Einhand-Weltumseglung
- E. A. Maurenbrecher, 1906–1907 Bürgermeister von Bandung/Indonesien
Benennungen
- Maurenbrecherstraße in Düsseldorf-Düsseltal
- Maurenbrecherstraße in Krefeld
- Poststraße in Düsseldorf-Altstadt (nach der ehemals dort gelegenen Maurenbrecherschen Post benannt)
Wappen
Blasonierung des Allianzwappens Maurenbrecher–Stock (nach dem Fenster in Düsseldorf-Urdenbach) Schild gespalten: vorn (Maurenbrecher) in Gold eine schräglinks gestellte Kanone mit Lafettenrad, das Rohr zum linken Obereck gerichtet; hinten (Stock) in Silber ein naturfarbener Baumstumpf pfahlweise mit drei grün beblätterten Schösslingen.
Zwei Spangenhelme: rechts mit rot-blauen Helmdecken, Helmzier zwischen einem offenen blauen Flug eine schräglinks gestellte Kanone; links mit rot-blauen Helmdecken, Helmzier ein naturfarbener Baumstumpf mit grünem Austrieb.
Heute übliche Wappenfassung
Blasonierung: Im Schild eine gequaderte Mauer mit ausgebrochener Öffnung am linken Schildrand; darauf gerichtet eine waagrecht (in der Leiste) stehende, nach links weisende Kanone. Auf dem Schild ein Bügelhelm mit Laubkrone; aus der Krone wachsend eine Rauchwolke. Helmdecken beiderseits, Tingierung unbekannt.
Grabstätten
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Familiengrab Maurenbrecher Hauptfriedhof Krefeld
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Grab Helene Maurenbrecher auf dem Familiengrab († Bergunfall)
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Grabstätte Familie Wilhelm Maurenbrecher Hauptfriedhof Krefeld
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Grabstätte Familie Paul Maurenbrecher Hauptfriedhof Krefeld
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Grabstätte Elisabeth Fetsch geb. Maurenbrecher Friedhof Heppenheim
Literatur
Zur Familie und zu Einzelpersonen ohne eigenen Artikel
- W. M.: Maurenbrecher. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 20, Duncker & Humblot, Leipzig 1884, S. 693–695.
- Rudolf Mirbt: Mitteilungen aus dem Kreise der Familien Mirbt, Wagner, Maurenbrecher. Folge 1: Die Vorfahren von Hildemarie, Felix, Marianne, Barbara Mirbt. 1944.
- Ernst Köppen: Carl Maurenbrecher. In: Krefelder Miniaturen. Krefeld 1967, S. 201–203
- Hans Müller-Schlösser: Die Stadt an der Düssel. 4. Auflage. Düsseldorf 2010, S. 227 ff.
Zum Postwesen
- Richard August Keller: Posturkunde für Johann Maurenbrecher. In: DüsseldorfJb, 28, 1916, S. 227–228
- Otto R. Redlich: Actenstücke zur Geschichte des niederrheinischen Postwesens und der Düsseldorfer Posthalterfamilie Maurenbrecher. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (BGNrh), 7, 1893, S. 261–300
- Walter Schmithals: Zu den Anfängen des niederrheinischen Postwesens und zu Johann Maurenbrecher. In: Düsseldorfer Jahrbuch, 68, 1997, S. 77–87
- Tönnies: Die kurpfälzischen Posten am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (BGNrh), 1, 1886, S. 13–56
- Reinhold Wacker: Das Verkehrswesen im Rheinland vom 15. Jahrhundert bis 1794, 2008
- Wolfgang Behringer: Im Zeichen des Merkur. Reichspost und Kommunikationsrevolution in der Frühen Neuzeit [mit 18 Tabellen]. In: Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Band 189. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 3-525-35187-9
Zur Alten Dombach
- Hans Leonhard Brenner: Die Strunde und ihre Bergisch Gladbacher Mühlen. Bergisch Gladbach 2012, ISBN 3-932326-67-9
- Klara van Eyll: 400 Jahre Papiermühlen an der Strunde, eine historische Bilddokumentation. Herausgeber: Stiftung Zanders – Papiergeschichtliche Sammlung, Bergisch Gladbach 1982
- Ferdinand Schmitz: Die Papiermühlen und Papiermacher des bergischen Strundertals. Bergisch Gladbach 1921; Reprint 1979
Weblinks
- Theo Fühles: Zur älteren Postgeschichte und zur Geschichte von Haus Spilles, einer früheren Posthalterei in Benrath. Volltext
Einzelnachweise
<references />
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Zitat
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2019-04
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Maurenbrecher (Familie)
- Deutsche Unternehmerfamilie
- Unternehmer (Verkehrswesen)
- Unternehmer (Düsseldorf)
- Unternehmer (17. Jahrhundert)
- Unternehmer (18. Jahrhundert)
- Person (Postwesen)
- Ehemaliger Papierhersteller
- Person (Bergisch Gladbach)
- Pempelfort
- Stammliste