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Rieter

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Rieter Holding AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0003671440
Gründung 1795
Sitz Winterthur, SchweizDatei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz
Leitung
  • Georg Stausberg
  • Roger Albrecht
  • Alexander A. Özbahadir
  • Emmanuelle Gmür
  • Oliver Streuli (CFO)
Mitarbeiterzahl 6 500 (March 2026)
Umsatz 685,1 Mio. CHF (2025)

<ref name="mm2021">Medienmitteilung: Rieter – Meilenstein in der strategischen Neupositionierung erreicht. (HTML) In: Medienmitteilungen. Rieter Holding AG, 26. Februar 2026, abgerufen am 4. März 2026.</ref>

Branche Textilmaschinenbau
Website www.rieter.com
Stand: 4. März 2026
Datei:Rieter Campus in Winterthur, Switzerland.jpg
Der internationale Hauptsitz von Rieter in Winterthur.

Die Rieter Holding AG ist die Konzernobergesellschaft des international tätigen Schweizer Textilmaschinen-Herstellers mit Hauptsitz in Winterthur.

Der im Textilmaschinenbau und ehemals in der Automobil- und Kunststoffindustrie tätige Konzern wurde 1795 als J. J. Rieter & Cie. gegründet und war vor seiner Umfirmierung als Maschinenfabrik Rieter AG bekannt.

Aktionärsstruktur

(Stand: 31. Dezember 2025):<ref>Konzernstruktur und Aktionariat. In: Geschäftsbericht 2025. Rieter Holding AG, 26. Februar 2026, abgerufen am 4. März 2026.</ref>

  • PCS Holding (Aktionärsgruppe) – 33,11 %
  • BigPoint Holding (Aktionärsgruppe) – 15,70  %
  • Streubesitz – Rest

Die Aktien der Rieter Holding AG sind an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange kotiert.

Geschichte

Datei:Winterthurer Bibliotheken 082507 O Johann Jakob Sperli Kloster Töss von Osten vor 1829.tif
Die Spinnerei Niedertöss (vor 1829)
Datei:Winterthurer Bibliotheken 082310 O Spinnerei Niedertöss Rieter um 1873.tif
Die Spinnerei Niedertöss Rieter um 1873

Johann Jacob Rieter (1762–1826) gründete die Firma J. J. Rieter & Cie. 1795 in Winterthur als Handelsunternehmen für exotische Gewürze und Baumwolle.<ref>Siehe zur Familie Rieter Urs Widmer: Rieter. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 21. Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref> Begünstigt durch die napoleonische Kontinentalsperre stieg Rieter mit eigenen Spinnereien in die Fertigung von Textilien ein und erwarb 1833 die Gebäude des ehemaligen Klosters Töss in der damals noch selbständigen Gemeinde Töss bei Winterthur als Fabrikgelände.

Ähnlich wie viele andere Textilhersteller des 19. Jahrhunderts betrieb auch Rieter seine eigene Maschinenfabrik. Diese spezialisierte sich auf die Herstellung von Textilmaschinen und die zugehörigen Antriebe und Kraftübertragungssysteme. Bereits in den frühen 1830er-Jahren wurden komplette Anlagen von Spinnereimaschinen inklusive Wasserräder und Transmissionen ins nahe Ausland geliefert.<ref>Maschinenindustrie. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 8. Dezember 2009, abgerufen am 30. November 2023.</ref> Daneben stellte Rieter auch elektrische Ausrüstungen für Lokomotiven und Strassenbahnen, Gewehre und Motoren her. Rieter erstellte 1852 die erste Arbeitersiedlung der Schweiz und war damit ein Pionier der Arbeiterfürsorge. 1891 wurde die Firma von der Familie Rieter in die Aktiengesellschaft Maschinenfabrik Rieter AG umgewandelt. Der letzte Familienangehörige in der Firmenleitung war Benno Rieter (1870–1925). Während des Ersten Weltkriegs beschloss die Firmenleitung 1915 die Konzentration auf die Herstellung von Spinnereimaschinen.

Rieter dehnte später seine Geschäftstätigkeit wieder aus, unter anderem in den Chemiefaserbereich. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die Expansion ins Ausland, 1951 in die USA (American Rieter Company, Arlington) und 1962 nach Indien (Coimbatore). 1970 wurde die Pensionskasse der Firma Rieter gegründet. In den 1980er-Jahren expandierte und diversifizierte Rieter durch Firmenzukäufe stark. 1982 wurde die englische Firma Ernest Scragg & Sons (Texturiermaschinen), 1987 die Schubert & Salzer Maschinenfabrik AG (Rotorspinnmaschinen) übernommen.

1984 übernahm Rieter die schweizerische Unikeller Holding AG und stieg damit als Zulieferer in die Automobilindustrie ein. Als direkte Folge hiervon wurde 1985 die Maschinenfabrik Rieter AG zur Rieter Holding AG, der neuen Dachgesellschaft des Konzerns, während der Name Maschinenfabrik Rieter AG auf ein neu gegründetes Tochterunternehmen überging, in dem der Geschäftsbereich Textilmaschinen zusammengefasst wurde. Per 1. April 2024 wurde die Maschinenfabrik Rieter AG zur Rieter AG umfirmiert.

Nach einer Krise zu Beginn der 1990er-Jahre folgten weitere Akquisitionen:

  • 1992 Rieter Automatik Apparate-Maschinenbau, Großostheim (Synthesefaser- und Granuliermaschinen)
  • 1994 Elitex, Ústí nad Orlicí (Spinnmaschinen, Autozulieferer) und Firth Furnishings, Heckmondwike (Autoteppiche)
  • 1995 Globe Industries, Chicago (Autozulieferer)
  • 1996 Fimit Turin (Autozulieferer)
  • 1997 Ello, São Bernardo do Campo (Autozulieferer)
  • 2000 Teile des französischen ICBT-Konzerns, Valence (Vliesherstellungs- und Garnveredlungsmaschinen)
  • 2001 Teile der deutschen Suessen-Gruppe (Spinnmaschinen)
  • 2002 Idea Institute, Turin (Autodesign und -engineering)
  • 2003 Substanzielle Beteiligung an der spanischen Saifa-Keller S.A. (Autozulieferer)
  • 2005 Hogra Holding AG (Komponenten für Stapelfasermaschinen)

Die Unikeller Holding fusionierte 1989 mit der Rieter Holding, unter Beibehaltung des Namens Unikeller für den Geschäftsbereich Automobilteile, der schliesslich 1995 in Rieter Automotive Systems umbenannt wurde. Im Laufe des Jahres 2010 wurde die Wiederauslagerung der Automobilsparte in ein eigenständiges Unternehmen in die Wege geleitet. Die im Dezember 2010 hierfür neu gegründete Unikeller Holding AG wurde per 22. März 2011 mit dem Versand der Einladungen zur Generalversammlung und der Publikation der Statuten in Autoneum Holding AG umbenannt.<ref name="NZZ_Autoneum_1">Thomas Schürpf: Der Traditionskonzern Rieter spaltet sich auf. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. März 2011. Abgerufen am 10. Juni 2011.</ref> An der Generalversammlung vom 13. April 2011 wurde die Aufteilung von der Mehrheit der Rieter-Aktionäre angenommen, womit der Geschäftsbereich Automotive Systems seit dem 13. Mai 2011 unter dem Namen Autoneum als selbstständiges Unternehmen tätig ist.<ref>Autoneum starten besser als erwartet. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Mai 2011. Abgerufen am 10. Juni 2011.</ref>

2015 wurde am Firmensitz in Winterthur ein Abbau von 150 Stellen in der Produktion bekannt gegeben.<ref>Christoph G. Schmutz: Rieter wird in Winterthur immer schlanker. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. Oktober 2015 (nzz.ch [abgerufen am 13. Februar 2017]).</ref> Am 1. Februar 2017 wurde bekannt, dass Rieter an seinem Standort im deutschen Ingolstadt 220 Stellen streichen und seine Produktion nach Tschechien verlagern will.<ref>Medienmitteilung Geschäftsjahr 2016, 1. Februar 2017. Rieter Holding, abgerufen am 15. Juni 2023.</ref> Im gleichen Jahr hat Rieter die Division SSM Textilmaschinen des Werkstoff- und Maschinenherstellers Schweiter übernommen.<ref>S. W. I. swissinfo.ch: Rieter übernimmt Textilmaschinen-Division von Schweiter. In: SWI swissinfo.ch. 3. Juli 2017, abgerufen am 4. März 2026.</ref>

2021 wurden drei Geschäftsbereiche von Saurer übernommen. Die beiden Verwaltungsräte Luc Tack und Stefaan Haspeslagh sollen in einer ausserordentlichen Generalversammlung abgerufen werden, da sie in Zusammenhang mit der Transaktion die gesetzliche Treuepflicht schwerwiegend verletzt hätten.<ref>Thomas Griesser Kym: Deutsche Saurer-Firmen entrinnen der Insolvenz – Verkauf von Geschäftsteilen mit rund 1000 Mitarbeitenden an Rieter – Strafanzeige gegen zwei Verwaltungsräte. In: tagblatt.ch. 16. August 2021, abgerufen am 16. August 2021.</ref><ref>Transaktion mit Beigeschmack — Rieter reicht Strafanzeige gegen zwei Verwaltungsräte ein. In: srf.ch. 16. August 2021, abgerufen am 16. August 2021.</ref>

2023 wurde ein weiterer Abbau von bis zu 900 Stellen bekannt gegeben.<ref>Maschinenindustrie - Rieter muss weitere 400 bis 600 Stellen abbauen. In: srf.ch. 20. Oktober 2023, abgerufen am 20. Oktober 2023.</ref> Ausserdem wird zum Jahresende 2023 der Standort Ingolstadt vollständig geschlossen und die dort vorhandene Forschung und Entwicklung sowie Bestandsmaschinenbetreuung für Strecken und Rotorspinnmaschinen auf andere Standorte verlagert.<ref>Luzia Grasser: Rieter in Ingolstadt steht vor dem Aus. Abgerufen am 27. Oktober 2023.</ref> Bereits 2019 hatte das Unternehmen dort sein 128'000 m² grosses Werksgelände für 60 Millionen Euro an die Gerchgroup veräussert und sich für die verbleibenden Arbeitsplätze ab 2021 in einen Neubau der Geiger-Gruppe eingemietet.<ref>Neuer Besitzer für Rieter-Gelände. Abgerufen am 13. Dezember 2023.</ref> Ebenso wurde 2023 ein 75'000 m² grosses Grundstück in Winterthur für 96 Millionen Franken an die Firma Allreal Glattpark veräussert.<ref>Rieter verkauft Grundstück in Winterthur für 96 Millionen Franken. Abgerufen am 13. Dezember 2023.</ref> An dem Unternehmen Allreal hält der Rieter-Hauptaktionär Peter Spuhler Anteile und sitzt im Verwaltungsrat.<ref>Allreal-Verwaltungsrat Peter Spuhler baut Beteiligung an Immobilienfirma Allreal aus. Abgerufen am 13. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2024 wurde in Winterthur mit dem «Rieter-Campus» der neue internationale Hauptsitz des Konzerns eröffnet, der Kundenzentrum, Produkt- und Technologieentwicklung sowie Verwaltung enthält.<ref>Winterthur: Schlüsselübergabe für den Rieter Campus. In: IMMOBILIEN Business. 5. Februar 2024, abgerufen am 4. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

2024 hat Rieter das französische Unternehmen Petit Spare Parts SAS übernommen, ein Zulieferer in der Textilbranche für Ersatzteile, Fadenführer, Spindeln und Riemen mit Sitz in Aubenas.

Per 2. Februar 2026 hat Rieter von OC Oerlikon die Firma Barmag erworben. Barmag bietet Filamentspinnsysteme zur Herstellung von Chemiefasern, Texturiermaschinen, BCF-Systemen, Stapelfaserspinn- und Vliesstofflösungen an.<ref>Rieter: Rieter übernimmt Barmag von OC Oerlikon. In: Medienmitteilung. 6. Mai 2025, abgerufen am 4. März 2026.</ref><ref>Wirtschaft in Winterthur: Rieter hat Übernahme von Barmag vollzogen. 3. Februar 2026, abgerufen am 4. März 2026.</ref>

Geschäftsbereiche

Der Rieter-Konzern umfasst seit 1. Januar 2026 die drei Divisionen «Short-Staple Fiber», «Components and Technology» und «Man-Made Fiber». Zusammen decken sie die textile Wertschöpfungskette von der Faser bis zum Garn sowie von der Schmelze bis zum texturierten Filament, zur synthetischen Stapelfaser und zum Vliesstoff ab.<ref>Rieter: Rieter mit neuer Konzernstruktur. In: Medienmitteilung. 24. November 2025, abgerufen am 4. März 2026.</ref>

Rieter ist mit 22 Produktionsstandorten in neun Ländern vertreten und beschäftigt weltweit rund 6 500 Mitarbeitende, davon etwa 10 % in der Schweiz. (Stand 2026)<ref>Rieter: Rieter – Meilenstein in der strategischen Neupositionierung erreicht. In: Medienmitteilung. 26. Februar 2026, abgerufen am 4. März 2026.</ref>


Tochtergesellschaften

Neben der Schweizer Muttergesellschaft, der Rieter Holding AG, besteht der Konzern aus diversen Konzern- und Beteiligungsgesellschaften in 14 Ländern.<ref>Konzerngesellschaften und Assoziierte Unternehmen | Rieter. Abgerufen am 4. März 2026.</ref> Darunter befinden sich:

  • Bräcker AG (Schweiz)
  • Graf + Cie AG (Schweiz)
  • Rieter AG (Schweiz)
  • Novibra Boskovice s.r.o. (Tschechien)
  • Rieter America, LLC (USA)
  • Rieter Asia (Taiwan) Ltd. (Taiwan)
  • Rieter Brasil Comércio e Representação de Máquinas e Sistemas Têxteis Ltda. (Brasilien)
  • Rieter China Textile Instruments Co. Ltd. (China)
  • Rieter CZ s.r.o. (Tschechien)
  • Rieter India Pvt. Ltd. (Indien)
  • Rieter Components Germany GmbH (Deutschland)
  • Rieter Vertriebs GmbH der Maschinenfabrik Rieter AG (Deutschland)
  • Rieter Textile Machinery Trading & Services Ltd. (Türkei)
  • Rieter Textilsystemen LLC (Usbekistan)
  • Spindelfabrik Suessen GmbH (Deutschland)
  • SSM Schärer Schweiter Mettler AG (Schweiz)
  • Rieter Automatic Winder GmbH (Deutschland)
  • Prosino S.r.l. (Italien)

Literatur

  • Alfred J. Furrer: 200 Jahre Rieter 1795–1995: Johann Jacob Rieter (1762–1826), Heinrich Rieter (1788–1851), Heinrich Rieter (1814–1889) (= Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Band 62), Verein für Wirtschaftshistorische Studien, Meilen 1995, DNB 943818982
    • Teil 1: Vom Handelsgeschäft zum internationalen Konzern (75 Seiten), ISBN 3-909059-08-2.
    • Teil 2: Die Rieter-Technik (80 Seiten), ISBN 3-909059-09-0.
  • Oskar Denzler, Hans Moder: Rieter 1795–1970: 175 Jahre Maschinenfabrik Rieter AG, Winterthur 1970, DNB 577376438
  • Hans Moser (Redaktion): Besuch bei Rieter, Maschinenfabrik Rieter, Winterthur 1966, DNB 572357540.
  • 150 Jahre Johann Jacob Rieter & Cie., Winterthur-Töss: 1795–1945, Rieter, Winterthur 1947, DNB 57737642X.
  • Hermann Wartmann: Rieter, Johann Jacob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 593–595.
  • Urs Widmer: Rieter. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 21. Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de). (zur Familie)

Weblinks

Commons: Maschinenfabrik Rieter AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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