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Maschinenfabrik Oerlikon

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Maschinenfabrik Oerlikon
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1876
Auflösung 1967
Auflösungsgrund Übernahme durch BBC
Sitz Zürich Oerlikon
Branche Maschinenbau, Elektrotechnik
Datei:Werkzeug- und Maschinen-Fabrik Oerlikon 1880.jpg
Blankette einer Obligation der Werkzeug- und Maschinen-Fabrik Oerlikon vom 29. Oktober 1880
Datei:Maschinenfabr Oerlikon 1930.jpg
Die Maschinenfabrik Oerlikon 1930
Datei:Lauffen-Frankfurt 1891e.jpg
Der Generator des Kraftwerks in Lauffen am Neckar, zeitgenössischer Holzstich
Datei:Lauffen-Frankfurt 1891b.jpg
Der Firmengründer und damalige Leiter der Maschinenfabrik Oerlikon, Peter Emil Huber-Werdmüller, (2. Reihe, 4. von rechts) besucht am 12. September 1891 mit weiteren Prominenten das erste Drehstromkraftwerk in Lauffen am Neckar, das für die Internationale Elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt am Main installiert wurde.
Datei:Die Schweiz von damals 1917-1937 (350 historische Flugaufnahmen von Walter Mittelholzer) - Zürich-Oerlikon vor 1920.jpg
Zürich-Oerlikon auf einer Luftbildfotografie von Walter Mittelholzer, am unteren Bildrand der Bahnhof Oerlikon mit dem MFO-Gelände, um 1920

Die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) war ein schweizerisches Unternehmen, das 1876 von Peter Emil Huber-Werdmüller unter dem Namen Werkzeug- und Maschinenfabrik Oerlikon mit Sitz in Oerlikon gegründet wurde. Die MFO stellte vor allem Werkzeuge, Maschinen, Turbinen sowie den elektrischen Teil von Lokomotiven her, so auch den des legendären SBB-Krokodils. Die später mit dem Bau von Kanonen bekannt gewordene Unternehmung Oerlikon-Bührle spaltete sich 1906 ab. 1967 wurde die MFO von Brown, Boveri & Cie. (BBC), die später in der ABB aufging, übernommen. Die ABB hat ihren Sitz bis heute in Zürich Oerlikon.

Geschichte

Charles Brown leitete 1884/85 den Aufbau einer elektrotechnischen Abteilung. Er brachte seine Söhne Charles Eugene Lancelot und Sidney William ins Unternehmen. Der Name Maschinenfabrik Oerlikon MFO wurde 1886 angenommen. Charles E. L. Brown und Walter Boveri arbeiteten bei der MFO als Chefelektriker und später Leiter der Montageabteilung, bis sie 1891 die Brown, Boveri & Cie (BBC) in Baden gründeten.

1891 präsentierte die MFO auf der Elektrizitätsausstellung in Frankfurt die erste Hochspannungsleitung über 175 Kilometer Distanz. Dies war die erste Fernübertragung von Elektrizität.<ref>Maschinenindustrie. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 8. Dezember 2009, abgerufen am 4. Dezember 2023.</ref> Das eigens dafür installierte Wasserkraftwerk stand in Lauffen am Neckar.

Ende Oktober 1897 nahm die von der MFO gebaute Strassenbahn Zürich–Oerlikon–Seebach ihren Betrieb auf.

Die MFO führte 1905 bis 1909 auf der SBB-Strecke Seebach–Wettingen ihre international beachteten Versuche zur elektrischen Zugförderung mit Einphasen-Wechselstrom durch. Die Spannung der Fahrleitung betrug 15 kV mit zuerst einer Frequenz von 50 Hz, die am 11. November 1905 auf 15 Hz gesenkt wurde.<ref>gemäss mehreren zeitgenössischen Artikel in der Schweizerischen Bauzeitung, siehe Quellen im Artikel Einphasenwechselstrom-Versuchsbetrieb Seebach–Wettingen</ref> Die Lokomotiven waren vor dem Frequenzwechsel mit rotierenden Umformern und Gleichstrom-Fahrmotoren ausgerüstet, danach mit Einphasen-Direktmotoren. Die Versuche fanden unter der Leitung von Emil Huber-Stockar, dem damaligen Direktor der MFO statt, die Technik wurde von Hans Behn-Eschenburg, dem späteren technischen Generaldirektor der MFO, betreut.<ref>C. Bodmer: Vollbahnbetrieb mit einphasigem Wechselstrom von 50 Perioden. In: Schweizerische Bauzeitung. Band 69, Nr. 6, 10. Februar 1951, S. 67–72, doi:10.5169/seals-58803.</ref>


Lange Zeit war die MFO der grösste Arbeitgeber im Raum Zürich. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden die sogenannten Krokodil-Lokomotiven.

1906 wurde die Produktion von Werkzeugmaschinen und Eisenbahnbremsausrüstungen in die neu gegründete Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon (SWO) ausgegliedert, die später im Volksmund als Oerlikon-Bührle bezeichnet wurde. Um die Arbeiter, Angestellten und Direktionsmitglieder miteinander anzugleichen, gründete MFO 1930 die Hauszeitung Der Gleichrichter. Nachrichtenblatt der M.F.O.-Familie<ref>Peter Pfrunder, Martin Gasser, Sabine Münzenmaier (Hrsg.): Schweizer Fotobücher 1927 bis heute – Eine andere Geschichte der Fotografie. Fotostiftung Schweiz/Lars Müller Publishers, Winterthur/Baden 2012, ISBN 978-3-03778-274-3, S. 136.</ref> nach dem Motto: «Ob Stift, ob Chef, ob arm, ob reich, hier drinnen ist ein jeder gleich!». Die Fotografien fertigte Jakob Tuggener.

Die SWO wurde 1937 vom deutschen Industriellen Emil Georg Bührle übernommen und in Werkzeugmaschinenfabrik O. & Co. umbenannt. Sie stieg in der Zwischenkriegszeit zum führenden Rüstungsunternehmen der Schweiz auf und stellte z.Bsp. die bekannten 20-mm- und 35-mm-Flugabwehrkanonen her. Die MFO hingegen übernahm 1906 die elektrotechnische Abteilung der Firma Rieter.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Historisches Archiv der ABB Schweiz (Memento des Vorlage:IconExternal vom 19. Juli 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/new.abb.com</ref>

1967 wurde die MFO von Brown, Boveri & Cie. übernommen, einem Unternehmen, das von ehemaligen Angestellten gegründeten worden war. Dieses fusionierte 1988 mit ASEA zur globalen ABB. Im Jahre 1996 entstand aus dem Zusammenschluss der Verkehrstechniksparten von ABB und Daimler-Chrysler die ABB Daimler Benz Transportation. Nach dem vollständigen Rückzug von ABB wurde die Firma 1999 in Daimler-Chrysler Rail Systems umbenannt und schliesslich 2001 an Bombardier verkauft. Nachdem Bombardier mit dem Flugzeugprojekt CSeries in Schwierigkeiten geraten war und sich neu aufstellen musste, ging der Schienenbereich 2021 an Alstom.

Die Erinnerung an den ehemaligen Lokomotivbau der MFO wird durch eine Krokodillokomotive aus dem Jahr 1920 aufrechterhalten. Diese wurde am 15. Juni 2020 an der Birchstrasse auf dem Vorplatz des PWC-Gebäudes als Denkmal aufgestellt.<ref>Ein «Krokodil» kommt nach Oerlikon. In: Tages-Anzeiger. 27. November 2014, abgerufen am 12. Dezember 2015.</ref>

Gebäudeverschiebung

Inzwischen befindet sich auf dem Areal der ehemaligen Maschinenfabrik Oerlikon unter anderem der MFO-Park.

Das mittlerweile umgenutzte ehemalige Verwaltungsgebäude der MFO beim Bahnhof Oerlikon wurde im Zuge des Ausbaus der Durchmesserlinie Zürich Ende Mai 2012, als grösstes je in Europa verschobenes Gebäude, um 60 Meter an einen neuen Standort verschoben.<ref>Hausverschiebung auf Knopfdruck. Pressemitteilung, Swiss Prime Site vom 22. Mai 2012 (PDF).</ref><ref>Verschiebung MFO-Gebäude in Neu-Oerlikon. Medienmitteilung des Stadtrats der Stadt Zürich vom 15. September 2010.</ref> Die Verschiebung wurde unter der Bauherrschaft von Swiss Prime Site durch die Iten AG durchgeführt.<ref>Gebäudeverschiebung MFO-Gebäude, Oerlikon</ref><ref>Referenzen Iten AG</ref>

Die gesamte Gebäudeverschiebung wurde von diversen Medienanstalten der Schweiz und grossem Besucherandrang mit grosser Aufmerksamkeit verfolgt. Schweiz aktuell übertrug in mehreren Sondersendungen während der zwei Tage die Gebäudeverschiebung live im Fernsehen.<ref>Ein Haus auf Reisen. Mediathek des SRF, abgerufen am 5. Oktober 2020.</ref> Das heutige Restaurant Perron 9 zeigt auf seinen Webseiten<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.perron9.chÜber uns – Die grösste Gebäudeverschiebung Europas, 2012. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2022. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot Website von Bistro Gleis 9 & Restaurant Perron 9, Zürich Oerlikon.</ref> Filme der Verschiebung.

Literatur

  • Yvonne Aellen, Ella Kienast: Parkanlagen in Neu-Oerlikon. Oerliker Park, MFO-Park, Louis-Häfliger-Park, Wahlenpark, Gustav-Ammann-Park. Grün Stadt Zürich, Zürich 2004.
  • Hans-Peter Bärtschi: Industriekultur im Kanton Zürich. Vom Mittelalter bis heute. 2. Auflage. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1995, ISBN 3-85823-587-3.
  • Fritz Maurer: Schichtwechsel in Neu-Oerlikon. Selbstverlag, Bassersdorf 2006, ISBN 3-033-00761-9.
  • Martin Pally: Die Elektrifizierung der Bahn als „nationales Ziel“: Die Maschinenfabrik Oerlikon im Ersten Weltkrieg. In: Roman Rossfeld, Tobias Straumann (Hrsg.): Der vergessene Wirtschaftskrieg. Schweizer Unternehmen im Ersten Weltkrieg. Chronos-Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-0340-0882-2, S. 117–147.
  • Peter Ritschard: Das Ende einer Legende, Die Maschinenfabrik Oerlikon 1945–1967. Verlag Hier und Jetzt, Zürich 2025, ISBN 978-3-03919-633-3.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />